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Bhajan Noam, Kommentare zu Heiligen Schriften Teil 1: Erstes Buch Mose, erster Satz

Bereschit bara Elohim
et haSchamajim
we’et haArez.

Im Anfang schuf Gott
den Himmel
und die Erde.



Im Anfang

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.“ In diesem ersten Satz ist schon alles enthalten, was Religion ausmacht. Was das Leben ausmacht. Wahre Religion ist Leben, wie wahres Leben Religion ist. Gott schuf den Himmel und die Erde: Gott schuf zugleich das Ewige und das Vergängliche. Die Engel und den Menschen. Die Seelen und die Körper. Und der Mensch darf tanzen und träumen mit den Engeln, wie er auch forschen und Wurzeln treiben, sich tief mit der Schönheit und Nützlichkeit der Erde verbinden soll. Phantasieren und Planen, beten und arbeiten, beides zusammen jeweils ist erst menschliche Tätigkeit – abgeschaut von Gottes Werk. Arbeit ist Gebet, ist Lied, ist Wahrheit und Schönheit. Planen und Berechnen ist erst nutzvoll, wenn es der Verwirklichung eines Traumes dient. Gottes Traum? Oder des Menschen Traum? Träumt Gott nicht ständig in uns? Träumen wir in Gott? Die Seele wandert in Gottes endlosen Palästen, um die Qualitäten des Lichtes zu erforschen auf dem Weg zum Thron der EINEN SONNE. Der Geist durchbohrt die Dunkelheit und die Nacht wird sternenklar. Gedichte entstehen so, Musik wird so herabgerufen, kostbare Werke tragen die Stempel beider Welten, prägen die Gemüter für immer mit den ewigen Funken, die von überallher lebendig sprühen und die ältesten Erinnerungen in uns wachrufen. Erinnerungen an lang vergessene Schönheit ohne Makel, an ein kindliches erstes Schauen noch aus ungestörter Symbiose heraus. Ein tiefes Eingetauchtsein im egalitären Meer des Gerechten.

Schuf Gott? Oder erschafft er immer noch? Gott erschuf und erschafft und wird in Ewigkeiten aus dem Uranfang heraus die Welten stetig neu erzeugen und wieder auflösen. Dieser schöpferische Uranfang ist in dir und in mir, in jeder Zelle, in jedem Atom und in jeder Galaxie. Diese Kraft ist unser kosmischer Besitz, doch nur wenn wir sie beständig an das Leben zurückschenken. Als bewusste Teilhaber an der unvergänglichen Schöpferkraft, am ewig wirkenden Schöpfungsakt, sind wir ja erst zu dem Menschen geworden, der heute sein eigenes Wesen und das Wesen Gottes zu verstehen wünscht - um der Liebe willen.

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde, heißt: Gott hat sich ausgedehnt in den endlosen Raum und zieht unsere Seelen mit hinaus zu den wilden Tänzen der Sternenwelten, und Gott hat sich zusammengezogen in diese Körper aus Staub, ist zu uns geworden, hat sich selbst hinabgezogen und mit einbezogen ins Menschsein, ins Weltsein, ins Vergänglichste, das in Gottes Präsenz aber gar nicht vergehen kann und will, sondern sich nur auf ewig wandelt und dabei das beständige „Nichts“ geheim in sich verbirgt.

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde, heißt: Tue alle deine Pflichten so gewissenhaft wie Gott die seinen verrichtet. Schaue nach oben und schaue nach unten und werde beidem gerecht. Sei demütig und sei ebenso auch ein helles Licht. Ernähre dich und nimm Nahrung an. Lehre und nähre, gib! Lasse geschehen, wenn die höheren Gesetze walten. Nimm die Dinge tatkräftig in die Hand, wenn der Himmel schweigt. Denn der Mensch ist selbst Himmel. Wie kann er auf sich selbst warten, er ist doch immer da! Nichtwissen, das heute Blindheit ist, ist morgen unsere Weisheit. Gott ist Schweigen und Mitteilen. Das Meer kennt seine Rhythmen, es kommt und geht, es ist friedlich und gewaltig. Doch Gott ist über allen Rhythmen und tief in ihnen. Durch Sein Schweigen hindurch erschallt die tosende Stimme der Offenbarung und Sein Offenbartes ist einfältige Stille. Der Mensch, solange er Erdenmensch ist, darf lernen. Deshalb wird er manchmal Schmerz erfahren. Aber es ist in Wahrheit die Freude der Ausdehnung Gottes. Und allzu oft wird er eine Freude ver-spüren, die das Weinen und Entsetzen Gottes über diese Enge ist. Mit Religion und mit sich selbst schenkte uns Gott neue Augen und Ohren, da wir die ersten bei Seinem gewaltigen Schöpfungsakt verloren hatten. Wir ertaubten und erblindeten, denn wir waren noch zarte und leicht verletzbare Wesen. Das Donnern im Mutterleib der Erde war zu gewaltig und das Licht des ersten Himmels zu grell und unerträglich. So gab uns Gott das Wort und die Schrift. Doch damit empfingen wir auch zugleich und zum ersten Mal die Lüge und den Betrug. Aber selbst das sind nur Schulen und Universitäten des Himmels. Gott hat sie unmittelbar neben den Tempeln und Synagogen errichtet, manchmal sind es auch die gleichen Gebäude.

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Und Er wird gemeinsam mit uns weiterträumen, im Traum Gebäude um Gebäude errichten, Straßen durch Berge hindurch graben und Täler erhöhen, Türme der Macht und Zentren der Hoffnung begründen, Mauern des Trotzes und der Einsamkeit. Gott spielt mit. Doch zwischen all diesen Mauern pflanzte Er, ganz unscheinbar, den Baum der Erkenntnis, damit wir eines Tages, wenn wir wie zufällig aus unserem Fenster schauen, ihn lachend entdecken. Dann lacht auch Gott. Dann herrscht Freude zwischen den Welten, die nur eine einzige ist und die aus der Wahrheit und der Liebe schöpft. Wir sind am Ziel, wir sind aufgewacht – und haben nie geschlafen, nie verlassen und vergessen, nie geträumt. Deshalb musste Gott erschaffen, um am Ende Sich selbst in uns als Sich zu erkennen. Himmel und Erde sind Ein- und Ausatem des ewigen Lebens, welches aus sich heraus nur ewig sein kann. Wahrheit, Schönheit, Freiheit, Liebe sind die Blüten seiner Jahreszeiten und der Duft, durch den es sich selbst immer neu zur Leidenschaft verführt.

Das Erwachen aus dem Paradies und das Erwachen aus der Welt, beides geschieht in einem Augenblick. In diesem mystischen Augenblick, der ewig währt, leben wir mit Gott vereint, während niemand von uns um den anderen weiß und keinen Namen trägt. Um das zu beenden, um höchste Freude zu kreieren und aus noch einigen anderen Gründen, die nur Gott selbst kennt, erschuf Er nach dem Himmel und der Erde als Drittes die heilige Thora: Denn würden wir ohne sie all das Wunderbare und Rätselvolle je erfahren und erfragen und ertragen?

Würden wir uns hier Gedanken machen um unser Sein, um Freundschaft, um Liebe, um Brüderlichkeit, um Gerechtigkeit und Frieden, um Intimität und Grenzen, um spirituelles Wachsen, um Fortschritt und den Sinn der alten Traditionen? Mit der heiligen Thora erst gab Gott dem Menschen die Möglichkeit zur höchsten Reife. Himmel und Erde sind Spielplatz und Scheideweg, das Paradies war der Kindergarten, das Leben unter den Völkern die vielen kleinen Privatschulen. Die Thora aber ist erst der Tempel für das heilige Studium zum sinnhaften und wahrhaftigen Leben auf dieser Erde, über welcher der Bogen des ewigen Bundes am Himmel erstrahlt, des Lebens nach Gottes Wunsch und Wirklichkeit im Einvernehmen mit dem geheilten, geheiligten Menschen. „Denn ich bin heilig, so sollt auch ihr heilig sein“, flüstert Gott in jedem Moment in unseren gestillten Herzen. Versammelt in nie gekannter Gelöstheit und Fröhlichkeit betritt der Mensch den heiteren Garten der Thora, um, von allem Spekulativen weg, ins Konkrete hineinzuwachsen. Von den Nebeln des einsamen Anfangs in das Licht der Billionen Begegnungen, das hier für uns aufleuchtet. –

Und wer hilft uns dabei? Die Vorväter und Propheten mit ihrer ganzen Größe, Klarheit und höchsten Wahrhaftigkeit in all ihren Gedanken, Worten und Taten. Und ebenso mit ihren vielen Fehlern, Schwächen und Sünden: mit ihrer Menschlichkeit. Gott sorgt in allem für den Ausgleich. Ja, Gottes Wesen ist Ausgleich, ist stets beides: Strahlen und Dunkelheit, Anwesenheit und Abwesenheit. Auch Weisheit und Torheit? Vielleicht, doch in Seiner höchsten Königswürde. So braucht sich der Mensch niemals unwürdig zu fühlen, Gott wünscht ihn sich als König! Ob in Samt und Seide oder in Lumpen und Fetzen, sein Königtum gründet alleine auf seiner Treue zur Wahrheit. Diese Wahrheit ist ewiges Entdecken und Wiedererkennen. Ein Studium, das gewiss immer fröhlicher macht! Wenn ein Mensch zu einem anderen Menschen findet, lacht Gott, denn der Mensch hat Ihn in Seinem geheimsten Versteck entdeckt. Deshalb lernen wir Thora nie alleine. Deshalb behandeln wir den Fremden, der uns begegnet, wie einen Gesandten Gottes. Deshalb ist das Heiligste die Familie.

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Auf unserer langen oder kurzen Reise hier auf Erden lernen wir, immer wacher und dann dankend, preisend und liebend, liebend weil mehr und mehr verstehend, vertrauensvoll in beidem zu leben. So werden auch Lachen und Weinen am Ende eins sein – und Sein Segen. Amen.

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Tags: Bhajan_Noam

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