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Bhajan Noam - Kirschblütenzweige 桜の花枝 40 Haikus

Bhajan Noam - Kirschblütenzweige  桜の花枝  40 Haikus

Der Haiku ist ein rhythmischer Vers, der die Gedanken- und Assoziationswelten des Dichters in komprimiertester Form wiedergibt. Er ist ein spontan festgehaltener Augenblick, in dem die in ihm vorausgegangene und sich weiter fortsetzende Bewegung und Bewegtheit, wie auch seine Herkunft aus dem ewigen Urgrund lebhaft sichtbar bleibt.

Aus ein paar wie hingeworfen wirkenden Silben entsteht im kontemplativ Lesenden ein inneres Universum. Der Haiku ordnet dabei verwirrte Emotionen und Gedanken und hinterlässt durch seine Struktur und seinen Klang heilsame energetische Spuren. Er klärt, er reinigt und erhellt. Im besten Fall vermag er wachzurütteln für die Schönheit, Einfachheit und überwältigende Größe der kleinsten Dinge und alltäglichsten Begebenheiten, eingebunden in das Zusammenspiel einer unendlichen kosmischen Gegenwart.

Die Beschäftigung mit Haikus erzieht wie von selbst zu einer erhöhten Sensibilität. Sie schaltet das rationale Denken aus und lässt wieder mehr den freien, assoziativen Geist in den Vordergrund treten. Nach und nach entsteht ein stilles Gewahrsein, ein natürlicher meditativer Zustand, der allmählich – oder manchmal auch plötzlich und unerwartet – in ein Satori, in einen erleuchteten Zustand hineinführt. Und damit sind wir beim wahren und eigentlichen Zweck dieser Verse angelangt.

Haikus erklären nichts, sie fördern und mehren nicht unser Wissen. Und dennoch versuchen sie etwas zu erklären und ein bestimmtes Wissen zu fördern. Das stille Wissen darum, dass es etwas jenseits des Erklärbaren gibt. Die Wahrheit zu verbreiten, dass dieses Sein schon zu allen Zeiten in uns war, ja unsere ewig ureigene Natur ist, ist ihr stets hilflos wirkendes und doch so unendlich hilfreiches Bemühen. 

Zum Buch 

Die hier enthaltenen 40 Haikus habe ich an einem Abend geschrieben. Es war der 17. November 2012. 

Mit einem Haiku ist alles gesagt, was darin Ausdruck finden wollte. Dem Leser ist alle Freiheit belassen, in welcher Weise er dies aufnimmt und in sich zur Wirkung kommen lässt. Es darf ja gerade, wie oben beschrieben, alles verstandesmäßige Denken zurückgelassen werden, damit ein weiter Raum und luftige Leichtigkeit aufblühen können.

Das Tao ist sehr einfach. Bewahre dir deine angeborene Leichtigkeit. Und beschreite mit ihr den lichtvollen Weg der Freude. Bleibe unbekümmert und lasse dich nicht in Geschäfte verwickeln. Sei nicht so viel beschäftigt, für den Unterhalt eines einfachen Lebens brauchst du nur wenig Aktivität und Zeit aufwenden. 

Von dieser Schlichtheit künden auch die Haikus und bieten uns an, in sie wieder heimzukehren. Der Himmel, die ursprüngliche Natürlichkeit, ist unsere nie wirklich verlassene Heimat. Nur das Denken ist unruhig und zerstreut und überlagert mit seinem Lärm das stille Lied des Herzens. Indem wir den Haikus lauschen, ihnen, wenn auch nur für Momente, unsere ganze Aufmerksamkeit schenken, entdecken wir auch wieder die zärtliche Musik in uns und werden keinen Sinn mehr finden in der Welt der Ablenkungen und des vergeblichen Bemühens.

Das sich Befassen mit Haikus ist ein Studium, welches mit dem einfachen Alphabet beginnen muss. Aber es wird danach nicht in gewohnter Weise horizontal weitergehen. Es ist nicht der eingeebnete, logische Weg der hier zum Ziel führt. Der vertikale, unlogische, scheinbar chaotische Weg lässt uns, manchmal in einem Augenblick, wie man unbedacht in einen Brunnen stürzt, ankommen. Und lassen wir hier den Brunnen unser Bild sein für die Quelle, den Urgrund unseres Seins, das in sich Entstehen, Aussendung, Aufstieg und Rückkehr eint. Ich wünsche viel Freude bei diesem ganz besonderen und letztlich nie endenden Studium des wahren Lebens. 

Die Haikus

1

Kirschblütenzweige

Erinnerungen an den Schnee

Das Amsellied lacht

 

 

2 

Wohin ging die Nacht

Wer sah die Tage eilen

Im Jetzt kein Sehnen

 

 

 

Auf dem Weg wandelnd

Das Ohr geneigt zur Erde

Besänftigtes Herz

 

 

 

4  

Der Weg ist Gesetz

Freiheit für die Wanderer

Schutz dem Rastenden

 

 

 

5 

Offenen Auges

Als Fremdling auf der Erde

Auch hier nur Wunder

 

 

 

6 

Einfachheit belebt

Auge Ohr Mund Nase Herz

Ein Unmaß zerstört

 

 

 

7  

Mond und Nachtigall

Ein allmächtiges Schweigen

Zuvor und danach

 

 

 

 8

Auch die Dunkelheit

Ist ein beseelendes Licht

Ferne birgt Nähe

 

 

 

 9  

Widerspruch ist Kraft

Aus der die Frucht des Lebens

Ihre Reife nimmt

 

 

 

10 

Eigenwille ist

Torheit wie zu spätes Grün

Beide nimmt der Sturm

 

 

11 

Drei Flügel tragen

Den Vogel der zu dir kommt

Dich trug sein Warten

 

 

 

12 

Erleuchteter Geist

Vertrautes wurde ihm fremd

Der Feind nächster Freund

 

 

 

 

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Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

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Tags: Bhajan_Noam, Buch, Haikus, Kirschblütenzweige

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