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Wir wollen im Bereich der Yogatherapie-bei-Brustkrebs unser Angebot aktiv ausbauen, und zwar in Zusammenarbeit mit den Krankenkassen. Die wollen aber erst noch überzeugt werden. Dazu brauchen wir eure Anregungen und Erfahrungen. Bitte teilt uns an dieser Stelle hier mit was euch einfällt das zu berücksichtigen wäre.

- Welche Erfahrungen mit Yoga allgemein liegen vor?
- Welche konkreten einzelnen Übungen sind dabei besonders positiv oder negativ aufgefallen?
- Welche Tipps habt ihr für die Konzeption eines entsprechenden Konzeptes für die Krankenkassen?
- Was kennt ihr an konkreten Studien zu diesem Thema, das wir noch nicht kennen?
(Unsere bisherigen Infos sind hier zu finden: www.yogatherapie-Portal.de / Erste Hilfe)
- ... und alles das ihr in diesem Kontext sonst noch wichtig findet.

Ich danke schon mal für eure kreativen und hilfreichen Beiträge.

Om Shanti, Liebe Grüsse, Mahashakti

Tags: Yogatherapie, gesundheit, krebs, therapie, yoga

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Antworten auf diese Diskussion im Yoga Forum

Liebe Angelika,

ich denke, Kundalini-Yoga wirkt bei jedem anders, Unruhezustände und Schlafstörungen hatte ich jedenfalls dabei nicht. Deshalb werde ich Dir da auch nicht Deine eventuellen Bedenken wegen unangenehmer Nebenwirkungen nehmen können. Vorsichtiger und noch achtsamer sein und vielleicht auch mal vorher mit einem Yogatherapeuten sprechen...

Tamoxifen machte bei mir auch ganz massive Nebenwirkungen (Zoladex bekam ich "nur" zwei Jahre.). Ich habe sie letzten Winter dann abgesetzt. Auch aus dem Grund, weil ich wieder Vertrauen in meinen Körper habe, dass er es auch so schafft... Ich wollte einfach wieder ein bisschen Lebensqualität haben, nicht mehr morgens mit schlimmen Gelenks- und Knochenschmerzen aufwachen, die Depressionen wurden von Monat zu Monat schlimmer, meine Familie litt mit mir wie Hund. Nun geht es mir gut, die Depressionen waren unglaublich schnell verschwunden und ich kann das Leben wieder genießen, seit etwa 4 Wochen haben auch die Knochenschmerzen nachgelassen und ich kann morgens wieder ohne Angst die Füße vor dem Bett aufstellen... Durch Yoga habe ich das Vertrauen in meinen Körper erst wieder gelernt und komme mir auch bei den Ärzten nicht mehr so wehrlos und ausgeliefert vor. Ich konnte selbst aktiv etwas tun gesund zu werden und war nicht nur passiv den Therapien ausgesetzt...

Hormone können schreckliche Dinge in einem Menschen bewirken, das kann man sich als Gesunde gar nicht vorstellen (Ich konnte es auch erst, als ich meine eigene Erfahrungen machte...), was da in einem Menschen abgeht, der hier etwas aus dem Gleichgewicht gerät, aus welchen Gründen auch immer. Und männliche Frauenärzte können sich da auch nicht wirklich in eine Frau hineindenken und sind einem da nicht wirklich eine Hilfe.
Mein Geist war durch die Therapie mit Zoladex und Tamoxifen nicht mehr mein Geist, ich war nicht mehr ich selbst und habe die ganze Zeit versucht, mich wieder zu finden, das war aber nicht möglich mit diesen Medikamenten. Ich stand irgendwie die ganze Zeit neben mir, wusste zwar, wer ich in Wirklichkeit bin, hatte aber keine Chance, ich zu sein. Es war für mich so, als säße ich im Kino und würde einen Film über mich sehen, unfähig auf die Handlung Einfluss zu nehmen. Inzwischen bin ich zum Glück aber wieder ich selbst...

Ich wünsch Dir eine gute Nacht!

Namasté,

Petra
Vielen Dank Petra,
es tut mir so gut, mich mit dir austauschen zu können. Bei Tamoxifen hatte ich auch massiv das Problem, mich nicht mehr wieder zu erkennen und hatte zusätzlich noch Sehstörungen und Kopfschmerzen. Psychisch war es wie eine manische Aufgedrehtheit, direkt nach der Einnahme am schlimmsten, dann abflauend, ein massiver Eingriff in meine Psyche, ganz furchtbar. Zum Glück hatte ich während meiner Reha einen männlichen Frauenarzt, der sehr einfühlsam war. Vielleicht, weil er gehbehindert war und die Patientenrolle kannte. Er hatte schon damals, als der Hype für die Antibabypille und Wechseljahrsöstrogen noch voll im Gange war, Bedenken gegen Hormontherapien aller Art und ich hatte vollstes Vertrauen zu ihm. Trotzdem hat er mir immer zugeraten , die Hormontherapie nicht abzubrechen, die Statistiken sprechen einfach im Schnitt von höheren Überlebenschancen. Ich selber war nach 8 Wochen soweit, dass ich sagte, das bin nicht ich, ich quäle mich so, dass ich lieber auf eigene Verantwortung das Risiko trage - und lieber als ich selber sterbe, als so ein Leben 5 Jahre zu führen. Ich habe mir sehr schwer getan mit der Entscheidung, mich auch onkopsychologisch beraten lassen. Letztendlich habe ich aber eine unglaubliche Erleichterung verspürt, als ich die Tabletten feierlich in den Müll geworfen habe. Als ich nach einem Jahr wieder menstruiert habe, hat mein Onkologe allerdings ganz klar davon abgeraten, auf die Hormontherapie komplett zu verzichten - und ich hatte selber ein ungutes Gefühl. Das war der Grund, wieso ich die Zoladexspritzen versucht habe. Ich habe keine Schmerzen, vielleicht auch weil ich jeden Tag bis zu 90 Min Yoga praktiziere. Das stärkt mich so von innen, dass die Nebenwirkungen an mir abperlen wie an einem Lotusblatt. Und mein Wille spielt auch eine große Rolle. Ich habe drei Kinder und die Zeiten der Schwangerschaften waren schön, aber ich bin 48 und ich kann damit leben, jetzt hormonell keine fruchtbare Frau mehr zu sein, mich sogar eher männlich zu fühlen. Ich beobachte ein ausgeglicheneres Gemüt unter Zoladex, empfinde mich wackeliger und weinerlicher und unangebracht emotionaler, wenn nach drei Wochen die Wirkung nachläßt. Deswegen denke ich, die Spritze ist im Moment noch in Ordnung für mich. Und sie ist ein kleines abergläubisches Ritual gegen die Todesangst. Denn die hab ich immer noch, unterschwellig zwar, aber ich plane nicht mehr für die nächsten Jahrzehnte. Aber auch das empfinde ich als positiv, denn es hilft mir, in jedem Augenblick zu leben, voll Freude, dass ich noch da bin und immer mit mir selbst im reinen zu sein. Ich bin viel glücklicher, als ich vor der Krankheit jemals war, geht dir das auch so? Ich weiß vieles erst jetzt zu schätzen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich trotz Hormontherapie und Brustamputation so weiblich und schön fühlen kann. Vieles hab ich gelernt loszulassen durch die Krankheit. Das Endziel ist für mich, auch das Leben und diesen Körper loslassen zu lernen, aber da haperts ehrlich gesagt noch. Denke immer noch meinen Kindern in so vielen Dingen Unterstützung bieten zu müssen. Aber ich habe mich schon so sehr verändert, seit ich regelmäßig Yoga mache, und dazu setzt ja auch allmählich sowas wie Altersweisheit ein (hoffe ich), also bin ich guter Dinge, dass die Zeit für mich arbeiten wird.
Alles ist herrlich, wie es ist, und die Welt ein großes Wunder.
alles Liebe
Angelika


Petra Merges schrieb:
Liebe Angelika,

ich denke, Kundalini-Yoga wirkt bei jedem anders, Unruhezustände und Schlafstörungen hatte ich jedenfalls dabei nicht. Deshalb werde ich Dir da auch nicht Deine eventuellen Bedenken wegen unangenehmer Nebenwirkungen nehmen können. Vorsichtiger und noch achtsamer sein und vielleicht auch mal vorher mit einem Yogatherapeuten sprechen...

Tamoxifen machte bei mir auch ganz massive Nebenwirkungen (Zoladex bekam ich "nur" zwei Jahre.). Ich habe sie letzten Winter dann abgesetzt. Auch aus dem Grund, weil ich wieder Vertrauen in meinen Körper habe, dass er es auch so schafft... Ich wollte einfach wieder ein bisschen Lebensqualität haben, nicht mehr morgens mit schlimmen Gelenks- und Knochenschmerzen aufwachen, die Depressionen wurden von Monat zu Monat schlimmer, meine Familie litt mit mir wie Hund. Nun geht es mir gut, die Depressionen waren unglaublich schnell verschwunden und ich kann das Leben wieder genießen, seit etwa 4 Wochen haben auch die Knochenschmerzen nachgelassen und ich kann morgens wieder ohne Angst die Füße vor dem Bett aufstellen... Durch Yoga habe ich das Vertrauen in meinen Körper erst wieder gelernt und komme mir auch bei den Ärzten nicht mehr so wehrlos und ausgeliefert vor. Ich konnte selbst aktiv etwas tun gesund zu werden und war nicht nur passiv den Therapien ausgesetzt...

Hormone können schreckliche Dinge in einem Menschen bewirken, das kann man sich als Gesunde gar nicht vorstellen (Ich konnte es auch erst, als ich meine eigene Erfahrungen machte...), was da in einem Menschen abgeht, der hier etwas aus dem Gleichgewicht gerät, aus welchen Gründen auch immer. Und männliche Frauenärzte können sich da auch nicht wirklich in eine Frau hineindenken und sind einem da nicht wirklich eine Hilfe.
Mein Geist war durch die Therapie mit Zoladex und Tamoxifen nicht mehr mein Geist, ich war nicht mehr ich selbst und habe die ganze Zeit versucht, mich wieder zu finden, das war aber nicht möglich mit diesen Medikamenten. Ich stand irgendwie die ganze Zeit neben mir, wusste zwar, wer ich in Wirklichkeit bin, hatte aber keine Chance, ich zu sein. Es war für mich so, als säße ich im Kino und würde einen Film über mich sehen, unfähig auf die Handlung Einfluss zu nehmen. Inzwischen bin ich zum Glück aber wieder ich selbst...

Ich wünsch Dir eine gute Nacht!

Namasté,

Petra

Liebe Mahashakti,
Auch in meinen Yogagruppen gibt es Betroffene: Eine von ihnen ist mittlerweile verstorben (mit mehr als 70 Jahren). In ihren Zeiten der Chemo nutzte sie den Einzelunterricht, ansonsten fühlte sie sich in der Gruppe sehr wohl. Sie meinte, durch ihre Yoga-Aktivitäten weit mehr Beweglichkeit und Antrieb zu haben als andere Betroffene, denen sie bei der Behandlung begegnete.
Die größte Freude nach einer Op ist für die Frauen die Wiederherstellung der Beweglichkeit. Sie machen eine tiefgreifende Erfahrung, was Aufmerksamkeit für das eigene Befinden und einfühlsame zielgerichtete Eigenbewegungen bewirken können. Wer die ersten Fortschritte entdeckt, entwickelt Dankbarkeit sich selbst gegen über und beginnt die Möglichkeiten, die ein harmonisches Miteinander von Körper und Atem, Geist und Seele eröffnet, zu schätzen.
Die wirksamen Übungen finden sich in der Selbstbeobachtung, wir können sicher für Krankenkassen und andere Institutionen ein Übungsangebot konzipieren - beginnend mit Atembeobachtung, vollständiger Yoga-Atmung, Wechselatmung über sanfte Schmetterlingsvarianten und apanasana, auf dem dann weiter aufgebaut werden kann.
Om shanti
Jutta

Erfahrungsbericht Doris

Meine Erfahrungen mit Yoga

Ich bin mit 54 Jahren 2009 erstmals zum Yoga in Kelbra gegangen.
Mit 33 Jahren wurde bei mir Brustkrebs gefunden, die linke Brust amputiert, und ich bekam Chemo und Bestrahlungen 1987/88.
Erst mit der Wende war die Möglichkeit einer Aufbauplastik gegeben.
1989 erfolgte in Berlin der Aufbau mit einem Silikonimplantat.
Nach 10 Jahren zeigte sich Kapselfibrose. Es erfolgte eine erneute Operation im Jahr 1999.
Nach weiteren fünf Jahren gab es Verhärtungen, das Implantat musste raus. So stand ich 2004 wieder vor der Frage - Aufbau? – Ich entschied mich für die Möglichkeit, Eigengewebe zu verwenden (bei mir der linke große Rückenmuskel + kleines Implantat).
Mein großes Problem nach diesem Eingriff war, dass ich ein sehr disharmonisches Körpergefühl im Rücken hatte. Die linke Rückseite war wie festgeklebt. Schmerzhaft. Und den linken Arm konnte ich trotz intensiver Physiotherapie nicht in alle Richtungen strecken und bewegen. Dazu kamen Schweregefühl, Kraftlosigkeit, zeitweise Schwellungen im Oberarm und in der linken Rumpfinnenseite. Lymphdrainage erfolgte längere Zeit.
Durch die Yogaübungen habe ich unendlich viel erreicht:
1. Ich habe meine Körperwahrnehmung entwickelt.
2. Ich kann den Atem bewusst spüren und gezielt bei allen Übungen einsetzen.
3. Ich kann mich achtsam an Grenzen heran tasten.
4. Ich hätte nie geglaubt, dass ich meinen linken Arm wieder voll in alle Richtungen bewegen kann – in der Rückenlage kann ich den gestreckten Arm voll nach hinten führen und ablegen.
5. Alle Übungen im Schulter-Nacken-Bereich sind doppelt wertvoll für mich gewesen, da ich durch volle Berufstätigkeit im Büro starke Verspannungen hatte, oft auch Kopfschmerzen und Schwindelgefühl.
6. Yoga hat mir die Harmonie der beiden Körperhälften in einem Maße wieder hergestellt, das mich immer wieder verblüfft.
7. Yoga hat mir sehr geholfen und hilft mir weiterhin, innere Ruhe und Entspannung zu finden.
Ich danke meiner sehr erfahrenen und einfühlsamen Yogalehrerin Jutta Wisotzky von Herzen!
Mit lieben Grüßen
Doris Gottschalk

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