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Das Yoga Forum für Ayurveda, Yoga, Meditation und Spirituelles Leben

von Rosemarie


2007/2008: seit langer Zeit versuchte ich etwas in meinem Leben zu verändern. Noch jetzt - mit 50 Jahren - war ich an einem Platz, an dem ich nicht wirklich sein wollte. Ich wollte etwas leben, das ich nicht wagte nach außen zu bringen. Dazu immer wieder Probleme mit meinen Emotionen in Beziehungen, Rückzug, Trennung und LEIDEN. Wie kann ich KLAR und BEWUSST werden – wie erreiche ich es, meine "Sicherheiten" aufzugeben? Mein Geist war unruhig - ich litt unter Schlafstörungen und Ängsten, deren Deckelung mir zunehmend Probleme bereitete. Ich brauchte die Nähe zu Menschen und gleichzeitig zog es mich weg von ihnen. Ich nahm die Zerrissenheit in mir wahr und die Sehnsucht nach etwas, von dem ich nicht genau wusste, was es war, wurde immer größer.
Im Februar 2007 verbrachte ich 3 Wochen in Südindien, ich hatte die Ehre von meiner damaligen Firma symbolisch ein Haus an Heartkids (www.heartkids.de), ein Hilfsprojekt für Straßen- und Waisenkinder in Tiruvannamalei in Südindien zu überbringen. Ich hatte mich eingesetzt für dieses Projekt. Während meines Engagements wurde mir klar, dass ich in der Lage war, „Energie“ zu mobilisieren, wenn ich es wirklich wollte. In Indien fand ich weit mehr als erwartet. Ich war täglich im Ramana Ashram, lernte interessante, liebevolle Menschen kennen. Ich saß in armseligen Hütten von Menschen, die sich zu sechst und mehr ein Bett teilten und bei denen Ameisenstraßen über den Tisch (und über die Zuckerdose) führten. Ich sah Freude und Energie in ihren strahlenden Augen und Seligkeit und Frieden in den Augen vieler Saddhus. Was war ES , was sie hatten und was mir fehlte? –Die Frage in mir, „was muss ich tun, um mein Leben in positiver Weise zu verändern“ wurde lauter. Dann – eine Begegnung in Indien mit Mutter Meera – auf Knien rutschten die Menschen zu ihr. Mein Stolz rebellierte – doch ich ließ es zu, reihte mich ein in die Menschenschlange – auf Knien rutschte ich nach vorne. Die Welt verschwand, als ich in ihre Augen sah – mein Herz öffnete sich - weit - ich war überwältigt. Ich erinnere mich an den ersten Gedanken, der auftauchte „ich möchte nie mehr sprechen“.
Weiter… in Tiruvannamalei, dem Ort, an dem der große Weise, Ramana Maharshi, lebte, lernte ich die Ayurveda-Massagen kennen. In Auroville berührte mich die Geschichte von Sri Aurobindo - was hatte dieser Mann geschafft? - wie hat er es gemacht? Ich saß meditierend im Matrimandir (dem Wahrzeichen Aurovilles, das aufgrund einer Vision von Sri Aurobindo entstanden war). Ich war berührt von dem lichtdurchfluteten Raum, in dem es NICHTS gab, außer den Menschen, die auf ihren Kissen sitzend meditierten. Am höchsten Punkt der Decke ein Loch und ein kleiner Spiegel, mittels dessen das Sonnenlicht den ganzen Raum hell erleuchtete. Eine Ruhe und ein Frieden überkamen mich, wie ich es nie zuvor erlebt hatte. Während der 3-tägigen Führung lernte ich kraftvolle, authentische Menschen kennen, die mit glänzenden Augen und Freude ihre Arbeit verrichteten. Ich fühlte ich mich inspiriert, Hoffnung keimte in mir – am liebsten wäre ich nicht mehr zurückgeflogen. Denn hier schien ich näher an dem zu sein, was ich seit langer Zeit suchte. Ich las einen wundervollen Spruch von Sri Aurobinden und kaufte mir mein erstes Yogabuch.
Nachtsahnend, dass ich meine zukünftigen Themen schon "im Gepäck" hatte, trat ich die Heimreise an. Ich bestellte mir Unterlagen über eine Holistische Gesundheitsberater-Ausbildung . Die Informationsunterlagen lagen auf meinem Schreibtisch, als mich einige Tage später eine Kollegin fragte, ob ich mitkommen wolle zum Mantrasingen ins Yoga Vidya Zentrum nach Waghäusel. Ich willigte ein – singen hatte etwas tief berührendes für mich. Im Anschluss an den Satsang berichtete Gerald, der neben mir saß, er habe gerade mit der Ayurveda-Gesundheitsberater-Ausbildung begonnen. Ich hielt inne: warum erzählte er mir das? Ich habe zuhause Unterlagen zu diesem Thema liegen. Ich musste prüfen, ob es ein Zeichen war. 1 Tag später saß ich in der Ausbildung mit Jana. Nach einigen Minuten wusste ich „hier gehöre ich hin“ - Jana sprach eine Sprache, die ich verstand - sein Humor, seine Einfachheit und kein Dogma - er war mein Lehrer.
In meiner Firma spitzte sich die Lage zu - ich konnte nicht mehr, mein Körper streikte – ich hatte einen Burnout. In Wirklichkeit wollte ich nicht mehr - Resignation, Hoffnungslosigkeit, Angst. Ich zog mich zurück, wochenlang - nur montagsabends die Gesundheitsberaterausbildung besuchte ich weiter. Ich war bereit ALLES ZU TUN, UM MEIN LEBEN – MICH SELBST – zu verändern. In der GesundheitsberaterAusbildung fand ich es zunächst lästig, dass Yoga ein Bestandteil der Ayurveda-Ausbildung war. Was war eigentlich Yoga? Bis zu einem Ereignis, an dem etwas mir geschah: Es war nach der 2. oder 3. Yogastunde - ich erinnere mich genau, als ich nach Abschluss der Stunde den Raum verließ, fühlte ich eine unglaubliche Stille in mir und ich wusste... DAS IST ES! Diese Erkenntnis traf mich tief. Am Tag danach meldete ich mich zu einem Yogakurs für Anfänger an. Einige Wochen später war klar - DARÜBER MÖCHTE ICH MEHR WISSEN.
Ich meldete mich zu der 2-jährigen Yogalehrerausbildung bei Volker in Waghäusel an. Bei unserem ersten Gespräch sagte ich ihm, dass ich diese Ausbildung nur für mich machen und nicht unterrichten wolle. Dazu muss man wissen, dass alleine der Gedanke, vor Menschen zu stehen und ihnen zu sagen, was sie tun sollen, mir viel Angst machte.
Um es kurz zu fassen: Das Leben unterstützt mich seit meiner Entscheidung in unglaublicher Weise. Kurz nach der Prüfung zur Ayurveda-Gesundheitsberaterin gab es in meiner Firma ein Programm für Mitarbeiter, in dem sie sich um einen Aufhebungsvertrag bewerben konnten - gegen Abfindung - gerade, als ich überlegt hatte, wie ich langfristig meine neuen Themen mit Leben füllen könnte, für die ich zur Zeit viel zu wenig Zeit hatte. Ich war einfach nur dankbar. Nun konnte ich den nächsten Schritt machen. 4 Wochen Italien zum italienisch lernen - es war immer mein Wunsch für "wenn ich einmal Zeit habe". In einem Park – hoch oben überm Meer praktizierte ich allmorgendlich vor Beginn des Italienischunterrichts Yoga, Pranayama und Meditation. Die Italiener müssen mich für verrückt gehalten haben. Und das war auch so – ich war nicht mehr dort, wo ich vorher war – ich war ver-rückt. Und ich hatte keinen anderen Platz zum praktizieren. Ich erinnere mich an die anfänglichen Blicke des Parkpersonals, so etwa, als würden sie eine neue Tiergattung beobachten. Mit der zeit änderte sich das… sie lächelten und begrüßten die „verrückte Deutsche“.
Ein Jahr später - Praxiswoche in Bad Meinberg. Viel Anstrengung für meinen zuvor "trägen" Körper - ich erinnerte mich immer wieder daran, dass ich mein Leben ändern wollte und machte weiter. Dann spontan der Wunsch "hier würde ich gerne einmal eine Zeitlang leben". 4 Wochen später entdeckte ich das neue Sadhaka-Programm - 3 Monate in den Ashram ? Unmöglich! Konterte es in meinem Kopf. Warum eigentlich nicht? -eine andere Stimme. Mir war klar, dass es einiges verändern würde. Alles in mir arbeitete ab jetzt darauf hin. Von Februar bis Mai 2010 nahm ich am Sadhaka Programm teil. Anfangs wurde ich krank – meine Muskel streikten, ich fühlte mich sehr alleine. Ich begann zu mir zu stehen… zu meiner Krankheit, meiner Schwäche, zu meinem Körper . St. Exupery fiel mir ein… „Herr, gib mir nicht, was ich will – gib mir was ich brauche“… so ähnlich. Ich war einverstanden und rappelte mich auf. Und wieder die Erfahrung – Herzen öffnen sich mir – ich öffne mein Herz! Ich genoss meine Spaziergänge und die Abstecher ins Schauinsland, wo ich mit sattwiger Gesinnung jedesmal einen neuen Kuchen ausprobierte.
Insgesamt habe ich 10 kg abgenommen seit Beginn der Ausbildung - bei gutem Appetit – und ohne Hungern. Ich hatte lange keine Erkältung - keinen Herpes mehr und nahm wahr, wie ich stabiler im Leben stehe. Ich hatte zwei großartige Lehrer: Jana und Volker, die mich nicht nur Fakten sondern etwas viel wichtigeres lehrten: nämlich, in was auch immer ich tue – Liebe hineinzugeben und es am Ende Gott zu opfern. Dafür bin ich sehr dankbar. Das schönste: ich habe einen Raum gefunden, in dem ich still werde – in mir drin. Niemand kann ihn mir nehmen und wann immer ich möchte kann ich dorthin gehen. Es ist ganz einfach.
Wie geht es weiter? Mein Traum, ein großes, bezahlbares Haus zu finden mit Praxisräumen und einem schönen Yogaraum hat sich vor 8 Wochen erfüllt. Ich hatte diesmal GROSS geträumt, trotz der Stimmen im Außen, die mir erklärten, dass es nicht möglich wäre. Was kann ich tun, als immer nur das naheliegende? Mir SELBST-vertrauen, Buddhi stärken – innehalten.
Meine Beziehungen haben sich geklärt und HEUTE BIN ICH DORT WO ICH SEIN MÖCHTE.
Es ist der 7.1.2011 - in 8 Tagen ist meine theoretische Yogalehrerprüfung in Bad Meinberg. Meinen ersten Anfängerkurs hatte ich übrigens im Dezember 2010 abgeschlossen. Ich habe nicht die Wahl – ich muss weitergeben, was ich selbst als Geschenk bekommen habe. So habe ich meine Angst überwunden. Ich sitze vor der Yogagruppe, schaue auf das Foto von Sivananda, schließe die Augen und singe laut OM. Dann fühle ich mein Herz und bin ganz bei mir, denn es ist wahr, was ich hier mache. Das bin ich.
Also - wer auch immer meine Geschichte liest - Daumen drücken für die Prüfung am - die ich innendrin schon bestanden habe.
Und für den Kopf: alle haben sich für den 2. Kurs angemeldet - so schlimm kann es nicht gewesen sein.
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Als Kind hatte ich eine große Sehnsucht nach Gott. Auf meine Frage, wo denn der liebe Gott sei (im Alter von etwa 5 Jahren) antwortete meine Oma "in deinen Händen, wenn du betest". Ich versuchte eine Weile schnell und unverhofft die Hände zu öffnen, in der Hoffnung "ihn" zu überlisten, doch irgendwie war ich nie schnell genug. Irgendwann würde es mir gelingen… diese kleine Anekdote fiel mir ein während ich Yoga praktizierte - die Hände ins NAMASTE gefaltet.
Wie recht meine Oma hatte! - HARI OM TAT SAT
Rosemarie

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Liebe Satyadevi,
das ist ein wirklich beeindruckender Bericht.
Ich wünsche Dir alles Gute zu Deinem neuen Lebensabschnitt!!!
Und ich glaube auch: wenn man überzeugt ist seinen Weg gefunden zu haben, gelingt vieles. Vielleicht alles.
Liebe Grüße
Christian
Namaste, Hari Om

Deine ganze Geschichte durchleutet die Weisheit und Wahrheit von Yoga, und zeigt wie wichtig es ist auf dem spirituellen Weg zu kommen und zu sein.
Auch ich wünsche dir alles Liebe und Gute.
Und an alle die Yoga verbreiten, so wie du, wünsche ich unendliche Energie und Freude...
Liebe Grüße
Rafaela
Om Namah Shivaya ihr Lieben,

der Text ist nicht von mir, sondern von meiner lieben Freundin Rosemarie.
Mein Weg sieht ein wenig anders aus :-)
Alles Gute
Satyadevi
Hallo,

diese Geschichte bestärkt mich, auf meinem Weg weiterzugehen, auch wenn ich viele Rückschläge hinnehmen muss.
Aber ich lerne, dadurch, das nichts umsonst ist. Ich vertraue darauf, bei meinen Entscheidungen geführt zu werden.
Und diese Geschichte zeigt, das es so ist, wenn man darauf vertraut!
Namaste!
Petra

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