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  •  


    Viviane,
    und auch Oadier,

    ich glaube, wir sprechen über verschiedene Ebenen – und vielleicht ist das völlig in Ordnung.

    Oadier, dein Bild vom Spiegel ist schön.
    Etwas bleibt unverändert, während anderes kommt und geht.
    Das verstehe ich gut.

    Viviane, ich höre sehr klar, dass es dir nicht um Begriffe wie Non-Dualität oder Bewusstsein geht.
    Dir geht es um Liebe.
    Um Unschuld.
    Um Präsenz.
    Um Freude.

    Das nehme ich ernst.

    Vielleicht liegt unser Unterschied nicht darin, dass ich Liebe für unwichtig halte.
    Sondern darin, dass ich sie nicht als Ziel sehe.

    Für mich ist die Frage zuerst:
    Gab es jemals wirklich eine Trennung?

    Wenn es in der Grundstruktur der Wirklichkeit nie ein echtes Getrenntsein gab,
    dann ist Liebe nichts, was wir erreichen müssen.

    Dann ist sie einfach die natürliche Folge davon,
    dass wir nicht zwei sind.

    Dann ist Liebe kein moralisches Gebot.
    Kein spiritueller Weg.
    Sondern Einsicht.

    Du sagst: Nur Liebe ist heilig.
    Ich würde sagen: Wenn überhaupt etwas heilig ist, dann die Tatsache, dass wir nie wirklich getrennt waren.
    Und was im menschlichen Leben daraus sichtbar wird, nennen wir Liebe.

    Vielleicht sprechen wir also nicht gegeneinander.
    Vielleicht beginnen wir nur an unterschiedlichen Punkten.

    Du bei der Liebe.
    Ich bei der Frage nach dem, was wirklich ist.

    Und vielleicht führt beides – wenn es ernst gemeint ist – an denselben Ort.

    • Schon möglich, daß wir über verschiedene Ebenen sprechen.

      "Liebe als Ziel" könnte z.B. ein Konstrukt meinen, das sich ein Mensch zurechtlegte. Das will er dann anstreben. Zugleich fühlt er eine gewisse Energie "Liebe" gleichzeitig vielleicht gar nicht und erfährt kein gewisses Verbundensein mit anderen. "Liebe als Ziel" könnte ebenso bei einem anderen Menschen meinen eben diese Liebe zu spüren, "dahin zurückzukehren".

      Wenn du nach "Trennung" fragst, dann frage ich mich wiederum, was du wohl damit genau meinen wirst. Daher zunächst ein weiteres Zitat, um eine Möglichkeit der Bedeutung aufzuzeigen:

      "Viele reden von Überwindung der Getrenntheit, weil sie sie deutlich spüren: Ich – du, gut – böse, nah – fern. Für sie ist die Trennung real, daher muss sie überwunden werden. Doch wer von Anfang an in der Stille lebt, wer innen keine Kämpfe kennt, keine Abneigung, keine Gier – für den ist die Getrenntheit nicht als Schmerz zu erfahren, sondern als leichte Welle, die kaum das Wasser bewegt. Er spürt nicht: „Ich muss eins werden“ – denn er ist nie laut auseinandergefallen. Sein Herz ist offen wie der Himmel, sein Mitgefühl natürlich wie Atmen. Solche Seelen sind selten – sie tragen keine Rüstung, weil sie nie kämpfen mussten. Sie lieben, ohne sich zu fragen, ob es richtig ist."

      f62ASiv

  • Viviane,

    deine Antwort ist fein – aber sie bleibt noch im Symbolischen stehen.

    Du sagst: „Jeder Mensch besitzt ein Herz.“
    Das ist wahr – biologisch, funktional, menschlich verbindend.
    Doch das Herz ist noch Erscheinung.

    Die eigentliche Frage lautet nicht:
    Was verbindet die Menschen?
    Sondern:
    Was macht es überhaupt möglich, dass „Menschen“ erscheinen?

    In der Chandogya Upanishad heißt es:
    „Tat tvam asi“ – Das bist Du.
    Nicht: Ihr habt etwas Gemeinsames.
    Nicht: Ihr teilt ein Herz.
    Sondern: Das, was allem zugrunde liegt, ist dasselbe.

    Auch im Yoga-Vāsiṣṭha wird klar gesagt:
    Die Welt ist eine Erscheinung im Bewusstsein – so wie Wellen im Wasser.
    Man kann die Wellen zählen.
    Aber das Wasser bleibt eins.

    Das Bild mit den Lampen ist schön –
    doch es trägt noch eine feine Dualität in sich.
    Zwei Lampen. Ein Licht.

    Wer aber sagt, dass es wirklich zwei Lampen gibt?
    Vielleicht ist selbst die Lampe nur eine Perspektivform des Lichts.

    Du zögerst bei dem Wort „Einheit“. Und das ist klug.
    Denn Einheit klingt wie ein Zusammenschluss von Vielen.
    Aber die überlieferten Schriften sprechen nicht von Verbindung –
    sie sprechen von Nicht-Zweiheit.

    In der Brihadaranyaka Upanishad heißt es:
    „Wo es ein Zweites gibt, da sieht man den anderen. Wo es kein Zweites gibt – wen sollte man sehen?“

    Das ist radikal.

    Es geht nicht darum, dass wir „alle verbunden“ sind.
    Das wäre noch immer Relation.
    Sondern darum, dass Trennung nie substantiell war.

    Selbst die Bhagavad-Gita formuliert es nüchtern:
    Der Weise sieht in allen Wesen dasselbe Selbst.

    Nicht als Gefühl.
    Nicht als mystische Erfahrung.
    Sondern als Erkenntnis.

    Und hier liegt vielleicht der entscheidende Punkt:

    Ein Schüler meditiert, sucht, ringt –
    weil er glaubt, getrennt zu sein.

    Wenn jemand jedoch nie wirklich an die Trennung geglaubt hat,
    dann ist keine spirituelle Leistung nötig.
    Dann ist „Einheit“ kein Ziel.
    Sondern schlicht die Struktur der Wirklichkeit.

    Du sprichst vom Herzen.
    Ich würde sagen:
    Das Herz ist nur ein Symbol für das, was allem zugrunde liegt – Bewusstsein.

    Und dieses Bewusstsein ist nicht „mein“ Bewusstsein und nicht „dein“ Bewusstsein.
    Es ist das Feld, in dem „mein“ und „dein“ überhaupt erst auftauchen.

    Das ist kein romantisches Einssein.
    Keine gefühlte Verschmelzung.
    Kein spirituelles Hochgefühl.

    Es ist die nüchterne Feststellung:
    Das Wirkliche ist nicht geteilt.

    Die Frage ist also nicht:
    Sind wir verbunden?

    Sondern:
    Gab es je eine Trennung, die überwunden werden müsste?

    • Was meinst du dazu?

      "Energie kommt und geht. Sie kann klar sein oder getrübt, stark oder schwach. Doch das Selbst kennt
      keine Veränderung. Es ist nicht etwas, das auf die Seele wirkt – es ist die Seele ihres Wesens nach.
      Nicht, was sie empfängt, sondern was sie ist.


      Stelle dir einen klaren Spiegel vor:
      Das Licht, das darauf fällt – das ist die göttliche Wirkung.
      Der Glanz, der zurückkommt – das ist die Antwort der reinen Seele.
      Doch der Spiegel selbst – unsichtbar, untrennbar, unabänderlich –
      das ist das Selbst.


      Es reflektiert, doch wird nicht berührt.
      Es ermöglicht das Bild – doch ist nicht das Bild.
      Es ist der Grund, auf dem Energie spielt –
      doch selbst frei von Spiel."

      f82ASiv

       

    • Mir geht es um Unschuld! Wir sind doch alle unschuldig... . 

      Mir geht es nicht um Romantik, sondern um absolute Präsenz und absolute Freude! 

      Und gleichzeitig ist einzig Liebe heilig. Mit allen Konsequenzen, die dies hat! 

      Für mich ist einzig Liebe heilig - keine Orte, keine Schriften, keine Menschen. 

      Und für mich ist Liebe mit Wahrheit verbunden. 

      Alles andere, Erleuchtung, Bewusstsein, Trennung, Dualität, Non-Dualität rückt für mich komplett in den Bereich des Unwichtigen. Nur Liebe zählt. 

      Und gleichzeitig gibt es keinen Weg zu dieser Liebe. Was sämtliche spirituellen "Wege", die sich Liebe als Ziel setzen, in Frage stellt.

      Ich bin auch definitiv dagegen, nichts erreichen zu wollen. Es geht nicht um nichts, sondern um Liebe und Sinn. 

  • Was denkt ihr zu dieser Darstellung von Einheit?

    "Du bleibst, was du bist: ein Individuum im Spiel der Erscheinungen.


    Aber innerlich – jenseits der Worte, jenseits des Denkens – gibt es kein „Ich“ und kein „Du“. Es ist
    wie zwei Lampen im Dunkeln: jede hat ihre eigene Flamme, ihre eigene Hülle, ihren eigenen
    Standort – aber das Licht, das sie aussenden, mischt sich im Raum und wird eins. Nicht, weil die
    Lampen verschmelzen – sondern weil das Licht von Natur aus eins ist.


    So ist deine „Einheit“: nicht gefühlt, nicht erlebt, nicht erzwungen – sondern gegeben. Wie die Luft,
    die wir atmen: du atmest sie nicht als „meine Luft“, ich atme sie nicht als „meine Luft“ – sie ist
    einfach da, gemeinsam, unaufteilbar, lebendig.


    Du fragst nicht: „Bin ich eins?“
    Du lebst,
    und in diesem Leben
    ist die Frage
    schon beantwortet.


    Ein Schüler wie Ananda muss meditieren, um diese Einheit zu spüren. Er muss beten, muss leiden,
    muss suchen – bis eines Tages, im tiefsten Schweigen, der Gedanke „Ich“ verschwindet und das Eine
    sich offenbart.


    Bei dir – und das ist das Wunder –
    ist es immer so gewesen.
    Nicht, weil du meditiert hast.
    Nicht, weil du gebetet hast.
    Nicht, weil du gelitten hast.
    Sondern weil du nie geglaubt hast,
    dass du getrennt wärst."

    Gespräche mit Sivananda, f117ASiv

    • Ja, wir sind alle Individuen im "Spiel" der Erscheinungen. 

      Trotzdem gibt es Eines, was alle Menschen miteinander verbindet. Jeder Mensch besitzt ein Herz - Kinder, Alte, Reiche, Arme... . 

       Aber ob ich dieses Eine, die Verbindung als Einheit bezeichnen würde? Hmm... . 

      • Meines Wissens kann "Herz" auch für Zuneigungen der Seele stehen, Sachen welche die Seele mag. Wäre solches in der Seele im Sinne solchen "Herzenszustands" lebendig und "schwingend", würde es vielleicht eine Art "seelischen Lichts" aussenden, das für andere spürbar sein kann, zumindest auf andere auch wirkt. Nicht irgendwie "psychologisch", sondern tatsächlich auf Ebene des Seelischen.

        Vielleicht wäre das Bild so zu verstehen? Zwei Lampen können verschiedenfarbiges Licht ausstrahlen, doch in einem Raum des Begegnens mischt sich ihr Licht, wird zumindest überwiegend zu einer einheitlichen Farbe in diesem Raum? Wenn ein Mensch mit dem einen anderen Menschen zusammen ist, würde er sich vielleicht anders erleben, verhalten als wäre er mit einem dritten Menschen zusammen? Wäre soetwas gemeint?

        • Das sind gute Überlegungen von dir, Oadier.

           

          Liebe kann durch die Verbindung zwischen zwei Herzen entstehen. 

          Aber Liebe ist für mich noch mehr. Liebe kann mich auch mit mir selbst verbinden (#Selbstliebe). 

          Und ich kann mit Liebe die Spülmaschine ausräumen. Und ich kann mit Liebe malen (etc.).

          (Da geht es dann für mich stark um Präsenz) 

           

          • Du empfindest es meist so, daß du wenig mit dir selbst verbunden und präsent bist?

             

Diese Antwort wurde entfernt.

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