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Die Nonne Chiyono studierte jahrelang, aber konnte keine Erleuchtung finden. Eines Abends trug sie einen alten Eimer voll mit Wasser. Während sie ging, beobachtete sie den Vollmond, der sich im Wasser des Eimers spiegelte. Plötzlich rissen die Bambusstreifen, die den Eimer zusammenhielten, und das Gefäß brach auseinander. Das Wasser schoss heraus, das Spiegelbild des Vollmonds verschwand - und Chiyono wurde erleuchtet. Sie schrieb folgendes Gedicht:

Auf diese und auf jene Art
wollte ich den Eimer zusammenhalten,
hoffend, der schwache Bambus
werde nicht reißen.
Plötzlich fiel der Boden heraus.
Kein Wasser mehr -
kein Mond mehr im Wasser.
Leere in meiner Hand.

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Der Zen-Meister Hoshin lebte viele Jahre in China. Dann kehrte er in den nordöstlichen Teil Japans zurück, wo er seine Schüler unterrichtete. Als er sehr alt geworden war, erzählte er ihnen eine Geschichte, die er in China gehört hatte. Dies ist die Geschichte: Eines Jahres, am 25. Dezember, sagte Tokufu, der sehr alt war, zu seinen Schülern: "Ich werde nächstes Jahr nicht mehr am Leben sein. Darum solltet ihr Jungen mich dieses Jahr gut behandeln." Die Schüler dachten, er scherze, aber da er ein großherziger Lehrer war, gab einer nach dem anderen an jedem Tag bis zum Jahresende ein Fest. Am Vorabend des Neuen Jahres stellte Tokufu fest: "Ihr wart gut zu mir. Ich werde euch morgen nachmittag verlassen, wenn es aufgehört hat zu schneien." Die Schüler lachten und dachten, er sei alt geworden und rede Unsinn, denn die Nacht war klar und schneefrei. Aber um Mitternacht begann der Schnee zu fallen, und am nächsten Tag konnten sie ihren Lehrer nicht finden. Sie gingen in die Meditationshalle. Dort war er von ihnen gegangen.

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Hoshin, der diese Geschichte erzählt hatte, sagte zu seinen Schülern: "Es ist für einen Zen-Meister nicht nötig, sein Sterben vorauszusagen, aber wenn er wirklich will, so kann er es." "Könnt Ihr es?" fragte ihn jemand. "Ja", antwortete Hoshin. "In sieben Tagen will ich zeigen, was ich kann." Keiner der Schüler glaubte ihm, und die meisten hatten das Gespräch schon vergessen, als Hoshin sie ein nächstes Mal zusammenrief. "Vor sieben Tagen", stellte er fest, "sagte ich, daß ich euch verlassen würde. Es ist Sitte, ein Abschiedsgedicht zu schreiben, aber ich bin weder ein Dichter noch einer, der die Kalligraphie beherrscht. Einer von euch möge meine letzten Worte aufzeichnen." Seine Anhänger dachten, er scherze, aber einer von ihnen machte sich bereit, zu schreiben. "Bist du fertig?" fragte Hoshin. "Jawohl", antwortete der Schreiber. Und Hoshin diktierte: "Ich komme aus dem Licht und kehre in das Licht zurück. Was bedeutet das?" Das Gedicht war um eine Zeile zu kurz, da es der Tradition nach vier Zeilen haben mußte. Also sagte der Schüler: "Meister, uns fehlt eine Zeile." Hoshin schrie mit dem Gebrüll eines siegreichen Löwen "Kaa!" und verschied. Er stab mit einem Mantra und brachte dadurch seine Seele ins Licht, in das Parinirvana, in das Paradies Amitabhas. Er hatte in seinem Leben gesiegt. Er lebte im Licht und hatte das Licht in der Welt verbreitet. Er hatte auch viele Mitmenschen ins Licht gebracht.

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Ein junger Arzt in Tokio namens Kusuda traf einen Studienkameraden, der Zen studierte. Der junge Doktor fragte ihn, was Zen sei. "Ich kann dir nicht sagen, was es ist,", antwortete der Freund, "aber eines ist sicher: wenn du Zen verstehst, hast du keine Angst vor dem Sterben mehr." "Das ist gut", sagte Kusuda. "Ich will es versuchen. Wo kann ich einen Lehrer finden?" "Geh zu Meister Nan-in", sagte der Freund. Also ging Kusuda zu Nan-in. Er fragte, ob er Zen-Unterricht erhalten könne. Nan-in sagte: "Zen ist keine schwierige Aufgabe. Wenn du ein Arzt bist, so behandle deine Patienten mit Güte. Das ist Zen." Kusuda besuchte Nan-in dreimal. Jedes mal sagte ihm Nan-in dasselbe. "Ein Arzt sollte nicht seine Zeit hier vergeuden. Geh' heim und kümmere dich um deine Patienten." Kusuda leuchtete nicht ein, wie solch eine Lehre die Angst vor dem Sterben beseitigen sollte. So beklagte er sich beim vierten Besuch: "Mein Freund sagte mir, dass man, wenn man Zen erlernt, die Furcht vor dem Tode verliert. Jedes mal, wenn ich hierher komme, ist alles, was Sie mir sagen, ich solle mich um meine Patienten kümmern. So viel weiß ich selbst auch. Wenn dies das sogenannte Zen ist, so will ich Sie nicht weiterhin besuchen." Nan-in lächelte und tätschelte den Doktor. "Ich war zu streng mit dir. Ich will dir ein Koan geben." Er bot Kusuda Joshus "Mu" als Aufgabe, das erste der Geist erleuchtenden Rätsel aus dem Buch "Das torlose Tor". Kusuda grübelte über diesem Problem des Mu (Nichts) zwei Jahre lang. Endlich dachte er, er habe die Gewissheit des Geistes erlangt. Aber sein Lehrer stellte fest: "Du bist noch nicht drin." Kusuda setzte seine Übung der Konzentration weitere anderthalb Jahre lang fort. Sein Geist wurde gelassen. Die Probleme lösten sich auf. Das erleuchtete Sein wurde seine Wirklichkeit. Er diente seinen Patienten aufs beste. Als er Nan-in wieder besuchte, lächelte sein alter Lehrer nur.

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Ein Zen-Schüler, der die Erleuchtung suchte, beklagte sich bei seinem Meister ständig darüber, daß dessen Erläuterungen unvollständig seinen und der Meister ihm irgendeinen entscheidenden Hinweis vorenthalte. Der Meister versicherte, daß er ihm nichts vorenthalte. Der Schüler bestand darauf, daß es etwas gebe, was der Meister ihm vorenthalte. Der Meister bestand darauf, daß er ihm rein gar nichts vorenthalte. Etwas später gingen die beiden auf einem Pfad durch die Berge spazieren. Plötzlich sagte der Meister: 'Riechst Du den Duft des Berglorbeers?' Der Schüler sagte 'Ja.' 'Jetzt weißt du alles,' antwortete der Meister.

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Milarepa hatte überall nach Erleuchtung gesucht, aber nirgends eine Antwort gefunden, bis er eines Tages einen alten Mann langsam einen Bergfpad herabsteigen sah, der einen schweren Sack auf der Schulter trug. Milarepa wußte augenblicklich, daß dieser alte Mann das Geheimnis kannte, nach dem er so viele Jahre verzweifelt gesucht hatte. »Alter, sage mir bitte, was du weißt. Was ist Erleuchtung?« Der alte Mann sah ihn lächelnd an, dann ließ er seine schwere Last von der Schulter gleiten und richtete sich auf. »Ja, ich sehe!« rief Milarepa. Meinen ewigen Dank! Aber bitte erlaube mir noch eine Frage: Was kommt nach der Erleuchtung? Abermals lächelte der Mann, bückte sich und hob seinen schweren Sack wieder auf. Er legte ihn sich auf die Schulter und ging seines Weges. Aber mit einem Lächeln.

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Ein Mönch sagte zu Joshu: "Ich bin gerade erst ins Kloster eingetreten. Bitte unterweise mich". Joshu fragte: "Hast du schon deinen Reisbrei gegessen?" "Ja". "Dann geh' und säubere deine Schale". Der Mönch hatte daraufhin eine Einsicht.

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Ein alter Zen-Meister, bei dem nur noch ein Mönch lebte, züchtete Pferde. Eines Tages lief sein wertvollster Hengst davon. Die Nachbarn kamen, um ihr Bedauern auszudrücken, doch der Zen-Meister sagte nur: "Woher wißt ihr, daß dies ein Unglück ist ?" Am nächsten Tag kam der Hengst, begleitet von einigen Wildpferden zurück, und die Nachbarn kamen wieder, um zu dem Glücksfall zu gratulieren, doch der Zen-Meister sagte nur: "Woher wißt ihr, daß dies ein Glücksfall ist ?" Am nächsten Tag wurde der Mönch beim Versuch, eines der Tiere zuzureiten, abgeworfen und brach sich ein Bein. Wieder kamen die Nachbarn, um ihr Mitleid zu bekunden, doch der Zen-Meister sagte nur: "Woher wißt ihr, daß dies ein Unglück ist ?" Kurz darauf kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, doch da der Mönch verletzt war, wurde er nicht als Soldat einberufen.

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Ein junger Mann suchte einen Zen-Meister auf. 'Meister, wie lange wird es dauern, bis ich Befreiung erlangt habe ?' 'Vielleicht zehn Jahre', entgegnete der Meister. 'Und wenn ich mich besonders anstrenge, wie lange dauert es dann ?', fragte der Schüler. 'In dem Fall kann es zwanzig Jahre dauern', erwiderte der Meister.

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Einige Würdenträger der Stadt waren in einem Zen-Kloster zu einem einfachen Mal geladen. Um den Zen-Meister zu beeindrucken, unterhielten sie sich über höchst spirituelle Themen, über Wiedergeburt und Karma. Schließlich ergriff der Bürgermeister das Wort: 'Verehrter Meister, uns würde vor allem Ihre Meinung zum Thema Wiedergeburt interessieren'. Der Meister schaute von seinem Teller auf und sagte: ' Haben Sie schon gekostet ? Der Rettich schmeckt ausgezeichnet.'

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Drei heilige Männer gingen zusammen auf Reisen. Unterwegs kamen sie zu einem kleinen Fluss. «Ich zeige euch, wie man einen Fluss überquert», sagte der Erste und ging doch tatsächlich hinüber, und zwar direkt auf der Wasseroberfläche! «Nein, nein, so macht man das nicht», sagte der Zweite. «Passt gut auf, Freunde.» Er fing an, sich im Kreis zu drehen, schneller und schneller, bis er nur noch ein verwaschener Fleck aus konzentrierter Energie war, und ganz plötzlich - peng! - sprang er ans anderer Ufer. Der Dritte stand da und schüttelte den Kopf. «Ihr Dummköpfe», sagte er, «ich zeige euch, wie man den Fluss überquert.» Und ging einfach über die Brücke ans andere Ufer.

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Ein Professor wanderte weit in die Berge, um einen berühmten Zen-Mönch zu besuchen. Als der Professor ihn gefunden hatte, stellte er sich höflich vor, nannte alle seine akademischen Titel und bat um Belehrung. 'Möchten Sie Tee?' fragte der Mönch. Ja, gern, sagte der Professor. Der alte Mönch schenkte Tee ein. Die Tasse war voll, aber der Mönch schenkte weiter ein, bis der Tee überfloß und über den Tisch auf den Boden tropfte. 'Genug! rief der Professor'. Sehen Sie nicht, daß die Tasse schon voll ist? Es geht nichts mehr hinein. Der Mönch antwortete: Genau wie diese Tasse sind auch Sie voll von Ihrem Wissen und Ihren Vorurteilen. Um Neues zu lernen, müssen Sie erst Ihre Tasse leeren.

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„Meine Meditationen sind furchtbar. Ich bin dauernd abgelenkt, denke an alles Mögliche, meine Glieder tun weh und ich schlafe immer ein.” Der Lehrer antwortete schlicht: „Das geht vorüber.” Eine Woche später kam der Schüler wieder und sagte: „Meine Meditationen sind herrlich, ich bin total klar, konzentriert und im Frieden.”
Der Lehrer antwortete schlicht: „Das geht vorüber.”

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"Was machst du, um dich zu entspannen?", fragt der Schüler seinen Meister. "Nichts", erwiderte der Meister. "Wenn ich gehe, gehe ich, wenn ich esse, esse ich, und wenn ich schlafe, schlafe ich." "Das tun doch alle", meinte der Schüler darauf. "Eben nicht!", antwortete der Meister.

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Der Zen-Meister Hakuin wurde von seinen Nachbarn als einer, der ein reines Leben führte, gepriesen. Ein schönes japanisches Mädchen, dessen Eltern ein Lebensmittelgeschäft besaßen, wohnte in seiner Nähe. Da entdeckten die Eltern plötzlich, daß sie schwanger war. Das machte die Eltern sehr böse. Sie wollte nicht gestehen, wer der Mann war, aber nach langem Drängen nannte sie schließlich Hakuin.

In großem Ärger gingen die Eltern zum Meister. "So?" war alles, was er zu sagen hatte. Nachdem das Kind geboren war, brachte man es zu Hakuin. Er hatte seinen guten Ruf verloren, was ihm jedoch keine Sorgen machte, und er kümmerte sich in bester Weise um das Kind. Von seinen Nachbarn erhielt er Milch und alles andere, was das Kleine benötigte. Ein Jahr später konnte die junge Mutter es nicht länger aushaken. Sie erzählte ihren Eltern die Wahrheit daß der echte Vater ein junger Mann sei, der auf dem Fischmarkt arbeitete. Die Mutter und der Vater des Mädchens gingen wieder zu Hakuin und baten ihn um Verzeihung; sie entschuldigten sich des langen und breiten und wollten das Kind wieder mitnehmen. Hakuin war einverstanden. Während er das Kind übergab, war alles, was er sagte: "Gut."

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Ein bereits älterer Mönch kam zu einem Zen-Meister und sagte: "Ich habe in meinem Leben eine Vielzahl von spirituellen Lehrern aufgesucht und nach und nach immer mehr Vergnügungen aufgegeben, um meine Begierden zu bekämpfen. Ich habe lange Zeit gefastet, jahrelang mich dem Zölibat unterworfen und mich regelmäßig kasteit. Ich habe alles getan, was von mir verlangt wurde, und ich habe wahrhaft gelitten, doch die Erleuchtung wurde mir nicht zuteil. Ich habe alles aufgegeben, jede Gier, jede Freude, jedes Streben fallengelassen. Was soll ich jetzt noch tun?" Der Meister erwiderte: "Gib das Leiden auf! Habe einfach Spaß!"

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Ein eifriger Schüler des Buddhismus bestand sein Studium und durfte sich fortan Geshe nennen. Gewissenhaft hatte er die Schriften, ihre richtige Lesart und die exakte Aussprache aller Mantren gelernt. Er zog in die Welt, um zu lehren.

Unterwegs kam er an ein Seeufer, wo seit vielen Jahren ein betagter Mönch wohnte. Er führte ein Leben der Meditation. Der junge Geshe hörte, wie er sein Mantra sang und stellte dabei fest, dass der Alte es fehlerhaft intonierte. Er setzte sich zu dem Mönch und wartete, bis dieser ihn bemerkte und freundlich begrüßte. Anschließend erklärte er ihm behutsam, wie das Mantra richtig auszusprechen sei. Der Mönch bedankte sich für die Lektion. "Welch eine Freude, dass mir nach langen Jahren des Übens ein Lehrer zur Hilfe geschickt wurde."

Zufrieden wanderte der junge Geshe weiter. Als er am anderen Ufer des Sees eine Rast einlegte, sah er, wie der alte Mönch eilig übers Wasser auf ihn zugelaufen kam. Gleich darauf hörte er ihn rufen: "Verzeiht mir, werter Geshe, ich bin schon alt und vergesslich. Erklärt mir doch noch einmal, wie man das Mantra richtig ausspricht."

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Ein König sucht einen alten Zen-Meister im Wald auf.
"Was ist das Wesen des Selbst?", fragte er ihn.
Der Greis blickt ihn an und schweigt.
Der König wiederholt die Frage.
Doch der Zen-Meister schweigt.
Der König fragt noch einmal, aber der Rishi bleibt stumm.
Da gerät der König in Zorn und fährt ihn an: "Was ist nun? Willst du nicht endlich antworten?"
"Drei Mal habe ich dir geantwortet, aber du hörst nicht zu", antwortete der Rishi ganz gelassen. "Das Wesen des Selbst ist die Stille."

Das innere Glück entwickelt sich aus der Stille. Man muss in der Ruhe und der Liebe leben. Und etwas Spaß darf auch sein.

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Eines Tages drang ein Dieb in die Hütte des Zen-Meisters Shichiri Kojun ein: "Geld her oder ich werde dich töten!", drohte er. Kojun erwiderte ruhig: "Mein Geld ist dort drüben in der Schublade. Nimm es dir, aber vielleicht bist du so nett und lässt mir noch ein klein wenig übrig, da ich morgen noch etwas Reis einkaufen möchte."

Der Dieb war zwar sehr erstaunt, nahm sich dann aber doch fast das ganze Geld. Als er schon an der Tür war, sagte Kojun: "Wenn man etwas erhalten hat, sollte man sich auch dafür bedanken.
Danke, erwiderte der Dieb kopfschüttelnd und verschwand."

Wenig später wurde der Mann bei einem anderen Einbruch verhaftet, und er gestand, unter anderem auch den Zen-Meister bestohlen zu haben, der daraufhin zur Polizeiwache gerufen wurde.
Er hat auch euer Geld gestohlen, nicht wahr?, fragte der Polizist.

"Oh nein, er hat mir nichts gestohlen. Ich gab ihm das Geld, und er bedankte sich dafür," sagte Kojun. Als der Mann seine wegen der anderen Vergehen gegen ihn verhängte Strafe verbüßt hatte, kam er zu Zen-Meister Kojun und bat darum, sein Schüler werden zu dürfen.

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Geh zum Fluss und hole mir eine Tasse Wasser, sagte der Zen-Meister zu seinem Schüler. Als der Schüler am Fluss die Tasse mit Wasser füllte, sah er flussaufwärts eine wunderschöne Frau. Sie verliebten sich ineinander. Er zog zu ihr und sie bauten ein Haus. Über die Jahre wurden ihnen Kinder geboren. Sie waren glücklich miteinander und ernährten sich von der Landwirtschaft, die sie betrieben. Eines Tages kam eine Flut. Das Dorf wurde überschwemmt, und er musste sich mit seiner Familie auf das Dach des Hauses retten. Da zog ein großer Sturm auf. Seine Kinder wurden eins nach dem anderen vom reißenden Wasser fortgerissen und schließlich ertranken sie darin. Auch seine Frau wurde fortgespült und kam in den Fluten um. Als der Sturm sich legte, saß er einsam und verzweifelt zusammengekauert auf dem Dach seines Hauses. Er starrte in die Luft. Ein Alptraum - nach all den glücklichen und schönen Jahren!

Da legte sich von hinten eine Hand auf seine Schulter. Es war die Hand seines Meisters, der ihn fragte: Wo bleibst du so lange? Wolltest du nicht bloß eine Tasse Wasser holen?

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Ein Besucher des Klosters hörte hinter einer Tür einen Mann wehklagen: «Ach, Yoko, Yoko ...» «Was hat der Mann für ein Problem», fragte er den Zen-Meister. «Nun, Yoko war die Frau, die seine Liebe nicht erhört hat», erklärte der Meister. Wenig später, hinter einer anderen Tür, hörte der Besucher wieder die Stimme eines Mannes: «Oh Yoko, Yoko ...» «Ist diese Yoko auch sein Problem», fragte der Besucher: «Ja», erwiderte der Meister, «ihn hat Yoko erhört und geheiratet».

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Zwei Mönche waren unterwegs auf der Wanderschaft. Eines Tages gelangen sie ans Ufer eines Flusses, dessen Ufer durch eine Regenperiode aufgeweicht waren. Dort stand eine junge Frau in schönen, teuren Kleidern. Offenbar war sie im Begriff, den Fluss zu überqueren. Da das Wasser sehr tief war, hätte sie ihn nicht durchwaten können, ohne dabei ihre Kleider zu schädigen. Ohne zu zögern ging der ältere Mönch auf die Frau zu, hob sie auf seine Schultern und watete mit ihr durch das Wasser. Auf dem gegenüber liegenden Flussufer setzte er sie trockenen Fusses ab. Nachdem der jüngere Mönch ebenfalls den Fluss überquert hatte, setzten die beiden ihre Wanderung fort. Eine Stunde später fing Jüngere an, den seinen älteren Kameraden zu kritisieren: Bist du dir im Klaren, dass du nicht korrekt gehandelt hast, denn wie du weißt, ist es untersagt, näheren Kontakt mit Frauen zu haben oder mit ihnen zu sprechen. Und du hast sie sogar berührt. Wieso hast du gegen diese Regel verstoßen? Der Mönch, der die Frau über den Fluss getragen hatte, hörte sich die Vorwürfe des anderen mit Bedacht an. Dann antwortete er ruhig: Ich habe die Frau vor einer Stunde am Fluss abgesetzt. Du trägst sie immer noch mit dir herum.

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Zwanzig Mönche und eine Nonne, die Eshun hieß, übten die Meditation bei einem Zen-Meister. Eshun war sehr hübsch, obwohl ihr Kopf geschoren und ihr Gewand einfach war. Mehrere Mönche verliebten sich heimlich in sie. Einer von ihnen schrieb ihr einen Liebesbrief und bat um ein Stelldichein. Eshun antwortete nicht. Am folgenden Tag gab der Meister der Gruppe eine Unterweisung, und nachdem diese vorüber war, erhob sich Eshun. Sie wandte sich an den Absender des Briefes und sagte: "Wenn du mich wirklich so sehr liebst, so komm und umarme mich jetzt."

Nils: Was bedeutet das? Was passiert, wenn er sie umarmt? Dann steht er zu seiner Liebe und muss sie heiraten. Er muss sein Mönchsleben aufgeben und auf die Erleuchtung verzichten. Er steht also vor der großen Frage inneres oder äußeres Glück. Und er entschied sich für das innere Glück.

Nils: Welch ein Dummkopf. Ich würde beides nehmen.

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In Korea gab es zur Zeit der Bürgerkriege einen ganz besonders grausamen General, der Menschen wahllos niedermetzelte und vor dessen Truppen alle flohen. Nur ein Zen-Meister machte keine Anstalten zu fliehen, als der General mit seinen Männern das Dorf einnahm. Der General ging in das Kloster, zog vor dem Meister sein Schwert und drohte: "Weißt du nicht, wer ich bin? Ohne mit den Wimpern zu zucken kann ich dich töten."

Der Zen-Meister erwiderte sanft: "Und du, weißt du nicht wer ich bin? Ich bin ein Mann, den man töten kann, ohne dass er mit der Wimper zuckt." Da verneigte sich der General und untersagte seinen Männern, das Dorf zu plündern.

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Jeden Monat schickte der getreue Schüler seinem Meister weisungsgemäss einen Bericht über seine Fortschritte. Im ersten Monat schrieb er:"Ich verspüre eine Weitung meines Bewusstseins und fühle mich eins mit dem Universum." Der Meister warf einen Blick auf die Nachricht und warf sie weg. Im nächsten Monat hatte der Schüler dies zu melden:"Ich habe endlich herausgefunden, dass das Göttliche in allen Dingen gegenwärtig ist." Der Meister verzog das Gesicht. Im dritten Monat waren die Worte des Schülers voller Begeisterung:"Das Mysterium des Einen und der Vielen hat sich meinem staunenden Blick offenbart." Der Meister schüttelte den Kopf und warf den Brief weg. Der Brief des vierten Monats lautete:"Niemand wird geboren, niemand lebt und niemand stirbt, denn das Ego-Ich ist nicht." Der Meister hob seufzend die Arme und liess sie wieder fallen.

Im fünften Monat kam kein Brief, auch im sechsten und in den weiteren Monaten nicht, bis schliesslich ein ganzes Jahr vergangen war. Da fand es der Meister an der Zeit, seinen Schüler an die Berichtspflicht zu erinnern. Die Antwort kam schnell, doch in diesem Brief stand nur:"Wen kümmerts?" Ein Lächeln der Zufriedenheit breitete sich über das Gesicht des Meisters aus...

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Zen-Meister handeln aus einer vollkommenen inneren Freiheit heraus, was ihnen erlaubt, der jeweiligen Situation entsprechend so zu reagieren, daß es immer zu einer Lehre für die Schüler wird. Daher weiß man nie im Voraus, wie sie handeln werden.

Zum Beispiel mochte Meister Deshimaru gerne Ziegen und hatte drei für den Tempel "La Gendronnière" erworben. Sie lebten dort in einer Ecke des Gemüsegartens. Manchmal holte er eine - die größte war seine Lieblingsziege- , legte ihr eine Leine um und spazierte mit ihr im ganzen Tempelgelände herum. Vor dem Hauptgebäude angelangt, befestigte er sie jeweils an einem Pflock auf dem gegenüberliegenden Rasen, setzte sich auf die Treppe vor seinem Zimmer und beobachtete mit tiefer Zufriedenheit, wie sie Gras fraß. Dies schien sein höchstes Glück zu sein.

Eines Tages hatte der Verantwortliche vergessen, das Wasserloch des Gemüsegartens abzudecken. Als die Ziege trinken wollte, stürzte sie hinein und ertrank. Da man wußte, welche Liebe Meister Deshimaru für dieses Tier empfand, wagte niemand, ihm diese Nachricht zu überbringen, und der Verantwortliche selbst war spurlos verschwunden. Da er am Abend immer noch unauffindbar war, fühlte ich mich gezwungen, den Meister zu informieren, denn jegliches Hinauszögern hätte das Problem nur noch verschlimmert.

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch begab ich mich also zu Meister Deshimaru. “Meister, Ihre Ziege ist tot....” brachte ich unsicher hervor. “Was!?” rief er mit donnernder Stimme. “Ja, als sie trinken wollte, ist sie in das Wasserloch gefallen.” Es wurde still, sehr still. Die Spannung im Raum war absolut. Was würde jetzt geschehen? Nach einer Weile sagte der Meister einfach: “Ich hätte wirklich nicht gedacht, daß Ziegen so dumm sind. Geh und kauf morgen eine Neue!”

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Zwei Mönche stritten über einen Lehrtext. Jeder der Beiden bestand darauf, dass er Recht habe, und bezeichnete die Meinung des Anderen als falsch. Bis einer der Beiden sagte: "Ich frage den Meister, er soll darüber entscheiden".

Somit ging er zum Meister, der gerade von einem dritten Mönch den Kopf rasiert bekam. Er fragte den Ehrwürdigen Meister: "Ich hatte eben Streit mit meinem Bruder." Er zitierte die zugrunde liegende Textstelle und teilte seine Interpretation mit. "Mein Bruder dagegen behauptet, ich sei im Irrtum." und trug auch die Meinung seines Bruders vor. Dann fragte er den Meister: "Meister, wer von uns Beiden hat denn nun Recht?"

Der Meister sagte: "Du hast Recht."

Erfreut ging dieser Mönch nun zu seinem Bruder und erzählte ihm davon. Dieser wiederum lief sofort zum Meister und beschwerte sich: "Erhwürdiger Meister, das kann doch wohl nicht stimmen! Ich berufe mich auf den Kommentar eines grossen Lehrers und soll mich irren?

Der Meister sagte: "Du hast Recht."

Der dritte Mönche, der dem Meister noch immer den Schädel rasierte und das Ganze miterlebte, war sehr wahrheitsliebend und sagte: "Meister, ehrwürdiger Meister, wie kannst du sagen, beiden haben Recht?! Entweder hat nur der Eine oder Andere recht!"

Der Meister sah ihn lächelnd an und sagte: "Auch Du hast Recht."

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Die Reden des Meisters Bankei fanden nicht nur bei Zen-Schülern, sondern auch bei Leuten aller Ränge und Sekten große Beachtung. Niemals zitierte er Sutras oder schwelgte in gelehrten Dissertationen. Statt dessen sprach er seine Worte direkt aus seinem Herzen zu den Herzen seiner Zuhörer. Diese große Zuhörerschaft ärgerte einen Priester der Nichiren-Sekte, weil seine Anhänger ihn verlassen hatten, um von Zen zu hören. Der selbstsüchtige Nichiren-Priester ging in den Tempel, entschlossen, sich mit Bankei auseinanderzusetzen. "He, Zen-Lehrer!" schrie er. "Warte eine Minute. Wer dich achtet, soll sich deinem Wort unterwerfen, aber ein Mann wie ich achtet dich nicht. Kannst du mich dazu bringen, dir zu gehorchen?" "Komm her zu mir, und ich will es dir zeigen", sagte Bankei. Stolz bahnte sich der Priester einen Weg durch die Menge zu dem Zen-Lehrer. Bankei lächelte. "Komm an meine linke Seite." Der Priester gehorchte. "Nein", sagte Bankei, "wir können wohl besser reden, wenn du auf der rechten Seite bist. Geh hier herüber." Der Priester trat stolz auf die rechte Seite hinüber. "Du siehst", bemerkte Bankei, "du gehorchst mir, und ich glaube, daß du ein sehr liebenswürdiger Mensch bist."

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In Tokio lebten in der Meiji-Zeit zwei erleuchtete Lehrer von unterschiedlichem Charakter. Der eine, Unsho, ein Shingon-Lehrer, hielt die Regeln des Buddha peinlich genau ein. Er trank niemals berauschende Getränke, noch aß er nach elf Uhr morgens. Der andere Lehrer, Tanzan, ein Professor der Philosophie an der Kaiserlichen Universität, beachtete diese Regeln nie. Wenn er Lust hatte, zu essen, so aß er, und wenn er Lust hatte, tagsüber zu schlafen, so schlief er. Eines Tages besuchte Unsho den Tanzan, der gerade Wein trank, von dem eigentlich kein Tropfen die Lippen eines Buddhisten berühren sollte. "Hallo, Bruder", begrüßte ihn Tanzan, "möchtest du nicht einen Schluck trinken?" "Ich trinke niemals", erklärte Unsho feierlich. "Wer nicht trinkt, ist kein Mensch", sagte Tanzan. "Glaubst du, du kannst mich unmenschlich nennen, nur weil ich nicht berauschenden Getränken fröne", ereiferte sich Unsho ärgerlich. "Wenn ich nicht menschlich bin, was bin ich denn dann?" "Ein schrecklich dogmatischer Heiliger", antwortete Tanzan.

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Ein Schüler kommt von einer Pilgerfahrt zurück, auf der er Satori (Erleuchtungserfahrung) hatte. Ehrfürchtig nähert er sich dem Meister, der ihn schweigend erwartet, und geht vor ihm auf die Knie. In dem Augenblick, in dem er den Kopf hebt und beginnen will, etwas zu sagen, kriegt er wie gewohnt seine Stockschläge.

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Nils interessierte sich sehr für den Zen-Buddhismus. Er bewunderte die Kraft und Selbstdisziplin der Zen-Mönche. Er selbst würde gerne auch so viel Kraft haben. Er las viele Bücher über Zen. Das inspirierte ihn sehr auf seinem spirituellen Weg. Wenn er einen Bericht über das harte Leben in einem Zen-Kloster las, dann packte ihn immer ein heiliger Schauer. Er freute sich über sein bequemes Yogileben. Lange im Bett liegen, etwas meditieren, aufstehen wenn er Lust hatte, etwas Schönes essen, mit Freunden im Internet chatten und einen gemütlichen Spaziergang in seinem Yogiwald machen. Manchmal schlaffte er allerdings etwas auf seinem spirituellen Weg ab und drohte in der Faulheit zu versinken. Dann las er ein Zen-Buch und schon hatte er die Kraft einen kleinen gemütlichen Spaziergang zu machen. Einige kleine spirituelle Übungen zu praktizieren. Und plopp war er in der Einheit. Er spürte Glück und Frieden in sich.

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Eines Tages besuchte der kleine Yogi Nils eine Zen-Gruppe. In der Hamburger Innenstadt gab es ein Zen-Dojo. Schwarzgekleidete Zennies saßen diszipliniert in einer Reihe in der großen Meditationshalle. Nils weiß nicht mehr, ob sie nun mit dem Rücken oder dem Gesicht zur Wand saßen. Dabei ist das doch die große Streitfrage im Zen-Buddhismus. Darüber kann man lange nachdenken. Zur Erleuchtung bringt einen dann aber die Praxis, egal ob mit Wand oder ohne.

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Nils setzte sich artig auch in die Reihe der Zen-Mönche und blickte die Wand an. Jetzt fällt es ihm wieder ein. Er blickte zur Wand. Und konnte so den grimmigen Zen-Meister nicht sehen, der mit einem großen Stock bedrohlich die Reihen der Meditierenden abschritt. Und wehe, eine saß nicht korrekt oder schlief sogar ein. Dann setzte es mächtige Hiebe, die laut durch die Halle dröhnten. Nils hatte die ganze Zeit Angst, dass er auch verprügelt wird. Erst nach der Meditation verriet ihm dann sein Sitznachbar, dass man erst vom zweiten Besuch an geschlagen wird. Diesen zweiten Besuch von Nils gab es dann nicht mehr.

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Einige Zeit später besuchte Nils eine andere Zen-Gruppe in Hamburg. Dort war ein koreanischer Zen-Meister zu Gast. Dieser Zen-Meister beeindruckte Nils sehr. Er war so erleuchtet, dass ihm das Licht stark aus den Augen strahlte. Es war ein großes Geschenk in der Präsenz dieses Meister meditieren zu dürfen. Die Meditation war leicht und mühelos. In der Gegenwart eines großen Meisters können auch kleine Buddhisten erfolgreich meditieren.

Zen-Meditation mit Buddha-Visualisierung

Der schnellste Weg ins Licht ist es sich als ein erleuchtetes Wesen (Buddha, Yogi, Göttin) zu visualisieren (Gottheiten-Yoga).

1. Goldener Buddha = Wir visualisieren am Himmel über unserem Scheitelchakra einen goldenen Buddha (eine Göttin, unser Glücksvorbild). Wir reiben die Handflächen über dem Kopf und denken: "Om goldener Buddha im Himmel. Om alle erleuchteten Meister. Ich bitte um Führung und Hilfe auf meinem Weg." Wir denken das Mantra so lange, bis sich das Himmelschakra öffnet, die Himmelsenergie auf uns herab fließt und unseren Körper mit Glück füllt.

2. Licht = Wir bewegen segnend eine Hand vor dem Herzchakra und denken: "Ich sende Licht zu ... Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge es eine glückliche Welt geben." Wir fühlen uns dabei real mit allen Wesen auf der Welt verbunden.

3. Gedankenstopp = Wir stoppen eine Minute alle Gedanken völlig. Wenn Gedanken auftauchen, schieben wir sie mit Kraft wieder weg.

4. Zen = Die Gedanken und Gefühle können kommen und gehen, wie sie wollen. Unser Körper und unser Geist reinigen sich von selbst. Wir beobachten einfach nur unser inneres Geschehen und bleiben dabei in einer leichten Meditation. In dieser Stufe der Meditation gibt es zwei große Fehler. Der erste Fehler besteht darin, dass wir zu stark meditieren. Dann tauchen keine Gedanken auf, und es lösen sich keine inneren Verspannungen. Der zweite Fehler ist das bewusste Denken. Wir lösen gezielt unsere Probleme oder verfallen in Tagträume. Der richtige Weg ist es, nur ein passiver Beobachter der eigenen Emotionen zu sein. Wir steuern die Dinge nicht bewusst. Wir beobachten interessiert, was alles aus unserem Inneren auftaucht. Wir lassen im Zustand der Ruhe alle inneren Prozesse geschehen, alles löst sich von alleine und plötzlich sind wir im Glück.

5. Entspannung = Wir entspannen uns. Wir bewegen die Hände und Füße. Wir strecken und räkeln uns. Wir sind wieder da und bewahren unser inneres Glück in unserem Alltag.

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG: 902 X ANGESCHAUT

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