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Heute habe ich nach zwei Wochen wieder meine Mutter im Altersheim besucht. Mich blickte der Tod an. Meine Mutter war im Krankenhaus gewesen, weil durch einen Sturz ihr Hüftgelenk ausgekugelt ist. Den Ärzten gelingt es irgendwie nicht die Hüfte wieder richtig einzukugeln. Meine Mutter bekommt eine Vollnarkose nach der anderen, die Hüfte wird operiert und kugelt kurze Zeit später wieder aus.

Bei dem Besuch war meine Mutter kaum ansprechbar. Sie erkannte mich zwar noch, aber reden konnte ich nicht mehr mit ihr. Und kurze Zeit später kamen viele Altenpflegerinnen mit der Oberaltenpflegerin. Sie beschlossen meine Mutter wieder ins Krankenhaus zu bringen, weil sie so starke Schmerzen hat. Und dort wurde festgestellt, dass die Hüfte wieder ausgekugelt war. Die Ärzte sind ratlos. Ewig wird meine Mutter die Operationen nicht überleben.

Ich war schwer geschockt. So hatte ich meine Mutter noch nie gesehen. Ich rief vom Altersheim aus meine Schwester im Schwarzwald an. Aber die wusste auch nicht weiter. Und der Bettnachbarin meiner Mutter ging es auch nicht gut. Sie saß depressiv in ihrem Sessel. Sie konnte kaum hören und sehen. Aber sie erkannte mich noch und freute sich mich zu sehen. Sie bat mich ihr zu helfen und sie aufzumunter. Ich sang ihr Lieder vor. Das erfreute sie für kurze Zeit.

Irgendwie war heute ein Chaos-Tag. Das Altersheim-Cafe hatte auch geschlossen. Meine alten Freundinnen waren deshalb nicht da. Also fiel das Singen aus, obwohl mir das heute zur Aufmunterung gutgetan hätte. Bereits das Singen für die Bettnachbarin hatte mich etwas aus der Erstarrung gelöst.

Da im Altersheim nichts mehr zu tun war, radelte ich wieder nach Hause. Ich musste jetzt erstmal den Schock verarbeiten. Deshalb fuhr ich zum Supermarkt und kaufte die halbe Ladung Weihnachtsgebäck auf. Zur Ruhe brachte mich ein einfaches Brötchen mit dick Butter. Es lehrte mich die einfachen Dinge des Lebens und damit das Leben selbst wertzuschätzen.

Ich lebe noch. Es nützt nichts, wenn ich mir jetzt ständig Sorgen mache und nur noch kummervoll durch das Leben gehe. Mich erfasste neben der Trauer über das Leid meiner Mutter auch etwas Gleichmut. Die Dinge sind so wie sie sind. Die Zeit des Lebens ist begrenzt. Die Zeit meiner Mutter ist bald abgelaufen. Vielleicht erholt sie sich noch wieder. Vielleicht auch nicht. Selbst wenn sie die Operationen gut übersteht, wird sie weiter körperlich und geistig abbauen und sich immer mehr dem Tod nähern.

Und eines Tages tod sein. Indem ich diese Tatsache annahm, fand ich meine Gelassenheit wieder. Ich helfe meiner Mutter soweit ich kann. Und ansonsten ist es meine Aufgabe mein Leben zu leben. Ich kam mir irgendwie schlecht vor im inneren Glück zu sein, obwohl meine Mutter leidet und dem Tod nahe ist. Aber genau dadurch kann ich meiner Mutter am besten helfen, weil ich ihr gute Energie senden und sie so energetisch stärken kann.

Ich persönlich glaube, dass alles so richtig ist wie es ist. Es geschieht alles nach Gottes Plan. Ich muss einfach nur immer wieder hinspüren, was für gerade richtig ist. Die Ärzte tuen ihr Bestes. Ich bin kein Arzt und muss ihnen deshalb meine Mutter vertrauensvoll übergeben. Die Altenpflegerinnen im Altersheim lieben meine Mutter, weil sie eine so liebe und friedliche Person ist. Im Krankenhaus bei den Krankenschwestern spüre ich eine sehr liebevolle Energie. Und meine Mutter ist eine starke Frau. Sie kann mit dem Leid umgehen, auch wenn es sicherlich für sie nicht schön ist zu leiden. Sie hat nur begrenzt Schmerzen, weil die Altenpfleger ihr Schmerzmittel geben. Ich persönlich habe meine Mutter schon weitgehend losgelassen. Gott wird entscheiden, wie lange sie noch auf der Erde leben soll.

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Kommentar von Klara am 19. Oktober 2016 um 6:39pm

Liebe Nils,
ich danke dir für deine unermüdlichen Beiträge, die ich sehr gerne lese und die mir ganz viel helfen. An dir und den Geschichten mit deiner Mutter nehme ich ganz regen Anteil, besonders weil ich ebenfalls demente Eltern habe und oft nicht weiß, wie gehe ich mit Ihnen und der ganzen Situation um. Ich hoffe, noch ganz viel von dir zu lesen.
Herzliche Grüße von Parvati

Kommentar von Shankari am 19. Oktober 2016 um 9:05pm

Lieber Nils,
ja, ES IST WIE ES IST! Nicht immer einfach, dies zu akzeptieren und damit umzugehen! Gelassenheit, Annehmen, Loslassen, Gehenlassen, Weitergehen .... - der Verstand weiss, dass so der Lauf des Lebens ist, trotzdem ist da dieser Herzschmerz, der einem manchmal fast die Luft zum Atmen zu nehmen droht ...!
Ich wünsche dir und deiner Mutter viel Kraft für die verbleibende gemeinsame Zeit! Möge die Liebe in euren Herzen den körperlichen Schmerz wenigstens für kurze Zeit lindern und euch für ewig verbinden!
Alles Gute und eine friedvolle Zeit - Herzlichste Grüße von Shankari

Kommentar von Nils Horn am 20. Oktober 2016 um 10:48am

Danke

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