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Yoga hat viele, viele Aspekte. Yoga ist zum einen eine bestimmte Lebenseinstellung, die wir in den Alltag hineinbringen. Yoga sind zum anderen konkrete Praktiken, die etwas bewirken, und Yoga sind auch kleine Praktiken für den Alltag. Auf der einen Seite, Yoga ist eine bestimmte Lebenseinstellung, Welteinstellung, Selbsteinstellung sozusagen. Yoga heißt in diesem Sinne Verbinden, Yoga heißt Harmonie, Yoga heißt letztlich Einheit. Und Yoga ist so ein gewisses Lebensgefühl, wo wir durch die Welt gehen im Bewusstsein, wir sind verbunden. Wenn wir mit Yogabewusstsein spazieren gehen, fühlen wir uns verbunden mit der Erde, wir fühlen uns verbunden mit der Luft, mit dem Himmel. Wenn wir mit Menschen sprechen, sind wir uns bewusst, wir tauschen nicht nur Worte aus, sondern da ist mehr, was wir austauschen. Es ist ein In-Beziehung-Gehen, es ist ein Verbinden. Und wenn wir etwas tun, tun wir nicht nur etwas für uns selbst, wir tun nicht nur etwas, weil irgendwelche Wünsche da sind, wir tun etwas in Beziehung. Und wenn wir etwas tun, wollen wir, dass das, was wir tun, auch etwas Gutes bewirkt. Und umgekehrt, was auch immer wir erfahren, ist auch etwas, was uns in Beziehung bringt zu der Welt. Das macht eine sehr befriedigende Erfahrung. Wenn Yogaübende oder Menschen, mit dieser Yogaeinstellung, im Alltag sind und irgendwas passiert, dann denken wir jetzt nicht, dass da irgendwas ist, das rein zufällig ist, sondern irgendwie ist das, was uns geschieht, etwas, woran wir wachsen können, irgendwie ist es etwas Bedeutsames. Wir wissen nicht immer was und dazu brauchen wir Demut, denn manchmal wird das missverstanden und Menschen grübeln und zermartern sich das Hirn: „Was hat das zu bedeuten?“ Und oft wissen wir es nicht. Und wenn wir demütig sind, können wir uns dessen bewusst sein.
Ein zweiter Aspekt von Yoga sind konkrete Praktiken. Wir setzen uns hin und meditieren. Wir gehen auf eine Matte und stellen uns auf den Kopf oder auf die Schultern oder auf den Hintern oder auf den Bauch oder auf die Hände. Wir können uns auf so viele Körperteile draufsetzen und stellen. Wir können die Luft anhalten, wir können Mantras singen. Wir nehmen eine bestimmte Zeit für uns. Für viele Anfänger heißt das, man sucht sich einen Yogakurs, wo man einmal die Woche übt, und ansonsten täglich irgendetwas übt, was einem gut tut. Für die, die etwas tiefer im Yoga sind, heißt das meistens, eins bis zwei Stunden am Tag für die Yogapraktiken nehmen. Eine Zeit, wo wir sagen: „Da mache ich Yogapraktiken. Diese Zeit will ich mich verbinden mit den Tiefen meiner Seele, ich will mich öffnen für ein höheres Bewusstsein. Ich will mich regenerieren, aufladen, um dann nachher umso mehr am Tag geben zu können.“ Und wenn man eine solche Zeit für sich nimmt, einmal die Woche vielleicht etwas länger, jeden Tag etwas, oder jeden Tag eine Stunde oder zwei, das hat eine starke Wirkung auf uns. Natürlich, zum einen, die Praktiken an sich haben eine Wirkung. Aber auch die Tatsache, dass man sagt, „ja, jeden Tag habe ich eine Zeit, wo ich mich regeneriere, und dass ist jetzt nicht nur Schlafen, es ist nicht einfach vorm Fernseher oder vor dem Internet, sondern es ist etwas, wo ich wirklich in die Tiefe zu mir gehe und wo ich alle Aspekte meines Wesens regeneriere, auflade, gesundmache.“ Und das ist auch etwas Schönes, wir können uns z.B. durchaus am Tag verausgaben, man kann gestresst sein, man kann durch Emotionen gehen, wenn man weiß: „Ja, nachher mache ich meine Praktiken und egal, ob ich mich vorher müde fühle, egal, ob ich mich genervt fühlt, ich praktiziere. Und ich weiß, angenommen, mir geht es noch etwas schlechter und ein bisschen Praxis hilft nicht, dann praktiziere ich mehr.“ Das ist der große Vorteil beim Yoga. Oft werde ich ja auch gefragt: „Was kann ich machen, dass ich meine Energie nicht verliere?“ Denn viele Menschen haben Arbeiten, die sehr anstrengend sind, vielleicht auch emotional anstrengend. Sie arbeiten vielleicht mit Kranken, psychisch Kranken, Menschen in Notsituationen, und dort gibt man viel. Und die Antwort wäre: Gib und lade dich auf. Wir brauchen nicht geizig zu sein. Wir haben unbeschränkte Möglichkeiten, uns immer wieder aufzuladen. So ähnlich, Bill Gates braucht auch nicht geizig zu sein, der hat schon mit mehreren Milliarden Dollar gemeinnützige Werke unterstützt. Das kann er machen. Warum? Weil er viel Geld hat. Und so ähnlich, wir können mit unserem Prana großzügig sein. Warum? Weil wir viel Prana haben. Was nicht in uns ist, das ist überall. Wir können die Schleusen dazu öffnen. Und schon das zu wissen, hilft sehr. Natürlich muss man auch nachher danach handeln. Manchmal ist das Problem, gerade dann, wenn man weniger Energie hat, hat man weniger Lust, zu praktizieren, und dann kommt man in einen so komischen Teufelskreis. Aber der Mensch hat die Fähigkeit zu Viveka, Unterscheidungskraft, und zu Buddhi, zum Verständnis, und er kann dann auch mal üben, wenn er gerade mal keine Lust hat. Und dann übt man, übt ein bisschen mehr, Energie kommt nach oben. Und wenn die Energie nach oben kommt, dann fließt es wieder. Es ist oft etwas, wo man dann auch tatsächlich mit seiner Unterscheidungskraft arbeiten muss. Aber das können wir. Wenn man das ein paar Mal so gemacht hat, das gibt einem unglaubliche Stärke im Leben und Selbstvertrauen und auch Gottvertrauen, denn wir wissen, was auch immer passiert, wir können uns wieder regenerieren, wir können uns aufladen, wir können uns darauf freuen.
Und ein nächster Aspekt ist, kleine Übungen im Alltag. Und da gibt es so viele verschiedene Übungen im Alltag. Wir haben ja auch auf unseren Internetseiten jede Menge Videos und MP3 Dateien und Internetseiten kleine Tipps, was wir machen können. Z.B. jetzt ist Frühling. Ein Tipp wäre, öfter mal den Vögeln zuzuhören. Die machen ein ganz schönes Konzert, sagt man, glaube ich, am besten. Das ist mir heute Morgen wieder aufgefallen. Wenn man das Fenster aufmacht, das ist schon ein lautes Konzert. Es ist vielleicht nicht überall so laut wie hier, aber auch in Großstädten zirpen die Vögel. Oder es gibt so viele schöne Frühjahrsblumen, Osterglocken hier sind jetzt besonders schön. Man kann sie auf sich wirken lassen. Die Erde duftet und der Wind auf der Haut. All das. Wir atmen. Wir können bewusst atmen. Wir stehen – oder jetzt sitzt ihr. Wir können bewusst sitzen. Man kann sich mal aufrichten. Man kann sich auch mal bewusst zusammensinken lassen. Man kann sich auf ein Körperteil konzentrieren. So viele kleine Dinge, um zwischendurch etwas zu tun, was uns auch wieder entweder nach innen verbindet, nach außen verbindet, Yoga erfahrbar werden lässt. So wie der erste Vers von Patanjalis Yoga Sutra, einer wichtigen Yogaschrift, ist „Atha Yoga“ in den ersten beiden Worten, „jetzt Yoga“. Also, wir können immer wieder sagen: „Atha Yoga. Jetzt Yoga.“ „Jetzt Yoga“ im Sinne von Bewusstsein der Verbindung, „Atha Yoga“ im Sinne von, wir üben die Praktiken. „Atha Yoga“ im Sinne von, kleine Bewusstseinsübungen, kleine Atemübungen, kleine Achtsamkeitsübungen, und das schafft wiederum dieses schöne Gefühl von Verbundenheit.

Hari Om Tat Sat
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3

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Tags: Prana, Yogapraxis

Kommentar von D.Jahnke am 9. April 2012 um 7:53am
Einheit in der Vielheit - alles ist Atmung - Diffusion ~ om

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