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Wie kann der einzelne Muskel arbeiten und wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen Muskeln aus?

Moin moin,

als Physio- & Schmerztherapeut interessiert mich, ob ihr hier ein Interesse an
diesem Thema habt. Es gibt vermutlich, gerade bei neu ausgebildeten Yogalehrern,
noch die eine oder andere Frage.

In der 4 wöchigen Ausbildung kommt die funktionelle Anatomie - gerade für Menschen
ohne anatomische Vorkenntnisse - doch recht kurz. Zumal ja auch sonst eine gewaltige
Menge an Neuem zu verarbeiten ist. Ich möchte mit diesem Beitrag besonders auch
meine Schüler von Yoga-Vidya Nordsee weiter begleiten und auf ihrem Weg unterstützen.

Mein heutiger und auch zukünftige Beiträge sollen kurz sein, und sich jeweils mit einem
spezifischen Thema befassen.

Der einzelne Muskel kann auf dreierlei Art arbeiten:

1) konzentrisch - der Muskel verkürzt sich, während er arbeitet.

2) exzentrisch - der Muskel wird länger, während er arbeitet.
D. h.: Wenn ihr einen Muskel dehnt, dann ist das Nachgeben exzentrische Arbeit!
Beispiel: Menschen die klettern, haben oft ein Problem mit einem Tennisellbogen:
Viele klettern eine Wand nur hoch ( konzentrische Arbeit ) und seilen sich dann ab.
Durch die fehlende exzentrische Arbeit = Dehnung kommt es zu einem muskeldynamischen
Ungleichgewicht. Die Folge ist ein Überlastungs-/Warnschmerz am Ansatz der Strecksehne.
Therapie: Intensives Dehnen = exzentrische Arbeit der Beugemuskeln.

3) isometrisch - der Muskel hält eine Spannung ohne seine Länge zu verändern.

Der Rest folgt heute Abend.

Om Namah Shivaya
schmerzfrei

PS.: Ihr könnt mir gern auch Fragen per Mail stellen, kann bis zur Antwort allerdings dauern.
Wenn die Fragen von allgemeinem Interesse sind, stelle ich die Antworten in meinen Blog.





DIESER BEITRAG WURDE BISLANG: 860 X ANGESCHAUT

Kommentar von wildthing am 10. Dezember 2010 um 4:49pm

Hi schmerzfrei,

 

danke für deine Angebot.

Eine Frage die mich in diesem Zusammenhang interessiert:

Ist es notwendig, die Beine zu strecken, um die Beinrückseiten zu dehnen oder macht es auch Sinn mit gebeugten Beinen zu üben. Ich beziehe mich auf Asanas wie Uttanasana oder Paschimottasana.

Wenn es an Beweglichkeit fehlt, könnten ja Klötze oder Gurte benutzt werden, oder nur Ardha Uttanasana geübt werden, anstatt die Beine zu beugen.

 

http://www.bandhayoga.com/images/Science_keys/janu_nervous.jpg

Eines der Argumente die ich für das Beinstrecken gehört habe: Nur wenn die Vorderseite des Beins gestreckt ist, kann die Beinrückseite entspannen.

http://www.flickr.com/photos/25052901@N03/2364741144/

http://www.flickr.com/photos/monkeyyoga/3058513364/

http://www.womenfitness.net/wfimgank4/uttanasana.jpg


 

 

 

Kommentar von schmerzfrei am 14. Dezember 2010 um 1:00am

Hallo Klaus,

 

danke für die Bilder, die Namen der Asanas sind mir noch nicht so geläufig.

 

Beim Dehnen kommt es vor Allem auf die Dauer, die Konzentration und die täglich Wiederholung an.

 

1) Dauer: In den ersten 20 Sekunden einer Dehnung nutzt Du nur ca 15% des Dehnungspotentials.

In den darauf folgenden 100 Sek. kannst Du ca 70% des Potentials abrufen. Danach bringt auch sehr langes

Halten nur einen bescheidenen Beitrag von rund 15%. Die optimale Dauer einer effektiven Dehnung beträgt ca. 2 Minuten.


2) Konzentration: Nur, wenn Du fühlst, dass dein Muskel nach gibt, tut er es auch. Dabei kann Dir

folgendes Mantra helfen: " Mein Muskel gibt nach, ich spüre , wie mein Muskel nachgibt."

(Er hört sofort auf Dich!)

Eine zu starke Dehnung führt zu einem Anspannungsreflex. Bei der Konzentration auf deine Atmung

kannst Du den Entspannungsreflex beim Ausatmen nutzen, um vorsichtig weiter zu dehnen.

 

3) Anatomie: Ein Ursprung des biceps femoris = Hamstrings ist am Sitzbein, der Ansatz befindet sich

am Wadenbein. Der Muskel streckt das Hüftgelenk und beugt das Knie. Beim Dehnen wird der Abstand

zwischen Ursprung und Ansatz vergrößert. D.h.: Du beugst die Hüfte und streckst das Knie.

Dazu ist jede Ausgangsstellung geeignet, bei der Du deine Muskeln gut ansteuern kannst.

Du kannst also auch mit gebeugten Beinen üben.

Wenn Du die Beinrückseiten strecken kannst, dann ist die Muskulatur gut dehnbar.

Bei extremer Verkürzung ist es sinnvoll, die rechte und linke Seite getrennt aus dem Langsitz zu dehnen.

Dazu kannst Du auf einer Seite dein Knie beugen und auf der zu dehnenden Seite strecken.

Dann besser auch den Fuß strecken, weil Du sonst die Waden mit dehnst.

Diese im Anschluss isoliert z.B. mit dem Hund ( bei leichter Einwärtsdrehung der Füße ) dehnen.

 

Manchmal hilft beim Dehnen auch das Mantra: Ich gebe nach.

 

Alles Gute und viel Erfolg.

schmerzfrei

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar von wildthing am 14. Dezember 2010 um 9:52pm

Hallo schmerzfrei,

danke für deine Antwort.

Ergänzend zu deinem Vorschlag, die Beine im Sitzen einzeln zu dehnen, finde ich supta padangusthasana sehr gut zu diesem Thema passend: http://www.hongkongyoga.com/images/Padangusthasana.JPG

Liebe Grüße     Klaus

 

Kommentar von Anne am 17. Dezember 2010 um 2:40pm
Vielleicht könntest Du mir eine Frage zur Reaktivierung der Muskulatur nach einer Tumor OP beantworten. Bei einer Verwandten, der vor 4 Wochen der Musculus rectus femoris zusammen mit einem niedrig malignen Tumor im linken Bein entfernt wurde, sollen die anderen drei Muskelteile die Funktion dieses Streckermuskels übernehmen lernen. -Wie kann man das mit gezielten Übungen unterstützen, oder ist das gar nicht möglich?
Danke für eine Antwort!
Kommentar von schmerzfrei am 23. Dezember 2010 um 10:10pm
Hallo Anne,

ich wünsche deiner Verwandten erst einmal gute Besserung.

Der Musculus rectus femoris hat zwei Funktionen.
Er ist an der Hüftbeugung beteiligt und streckt mit den anderen Teilen des Quadriceps
das Kniegelenk. Es gibt also für die jeweiligen Funktionen noch andere Muskeln.

Ich glaube, Du hast die Frage richtig gestellt.
Nach so einem Eingriff wollen die anderen Muskeln manchmal nicht mehr arbeiten.
Wichtig ist zunächst, dass durch Hochlagerung, Bewegen und Lymphdrainage
(Hals + Bauch) die vermutlich vorhandene Schwellung abgebaut wird.
Das Bewegen kann passiv geschehen, wenn dazu am Anfang noch die Kraft fehlt.
Eine aktive Möglichkeit ist die Walking Aufhängung im Schlingentisch. Dabei wird
die Schlinge am Kniegelenk durch einen leichten Gummizug nach oben gezogen,
der Fuß ist in einer normalen Schlinge. Deine Verwandte kann dann ihr Bein strecken.

Die restlichen drei Teile des Quadriceps "erinnern" sich dann daran, dass sie das
Knie auch strecken können.
Wichtig ist das möglichst vollständige Strecken und das isometrische Halten der
Spannung.

Falls der Quadriceps sich hartnäckig weigert zu arbeiten, besorge Dir bitte das Buch:
John F. Thie - Gesund durch Berühren.
Dort findest Du Neurolymphatische Zonen für den Muskel beschrieben ( weit weg vom
OP- Gebiet ), die durch kräftige Massage - bis das Gefühl nachlässt, dass jemand dort
auf einem blauen Fleck rumdrückt - für eine blitzartige Abschwellung und oft auch
Aktivierung des Muskels sorgen. Gibt dann einen gewaltigen Muskelkater.

Es sind auch für die Aktivierung wirksame Akupunkturpunkte zur Stärkung des
Muskels aufgeführt.
1.) Dünndarm 3 und Galle 41 und 2.) Dünndarm 2 und Blase 66 Die Punkte sollen
stimuliert werden, was für einen geübten Akupunkteur kein Problem ist.

Ich wünsche Euch gutes Gelingen. - bewegen bewegen bewegen

schmerzfrei
Kommentar von Anne am 26. Dezember 2010 um 1:46pm
Erstmal frohe Festtage und dann herzlichen Dank für die Antwort. Das hilft uns sehr nach weiteren Möglichkeiten Ausschau zu halten!
LG Anne
Kommentar von schmerzfrei am 27. Dezember 2010 um 8:35pm
Hallo Anne,

noch eine Ergänzung zu meinem Kommentar:

Die Muskeln sind von einer Fascie umgeben, die dem Muskel seine äußere Form gibt.
Diese Fascie enthält ebenfalls kontraktile Fasern. Genau diese reagieren auf Akupunktur.
Die Meridiane verlaufen in den Fascien. Diese Fasern reagieren gut auf besonders sanftes
dehnen.
Durch eine OP können verschiedene Gewebeschichten miteinander verkleben. Dies schränkt
dann ebenfalls die Funktion und die Beweglichkeit ein. Deshalb ist häufig eine durchaus
schmerzhafte Narbenmassage erforderlich. Der Physio kann die Verschiebbarkeit der
Gewebeschichten überprüfen und gegebenenfalls tätig werden. Die Ergebnisse einer
Narbenmassage sind funktionell und kosmetisch oft beeindruckend.

Alles Gute
schmerzfrei

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