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Stephen Hawking: „Der große Entwurf“

Das Weltbild der Naturwissenschaft wird wieder einmal zementiert. Vor zwei Jahren war es der englische Evolutionsbiologe Richard Dawkins mit seinem provozierenden Buch „Der Gotteswahn“. Jetzt ist es die Wissenschafts-Ikone Stephen Hawking, mit seinem Sachbuch-Bestseller „Der große Entwurf. Eine neue Erklärung des Universums“ (Rowohlt 2010). Und es ist dieses Weltbild, an dem sich unsere Gesellschaft orientiert.
Beide Autoren argumentieren innerhalb eines geschlossenen Systems. Das Weltbild der Naturwissenschaft kennt nur die Materie, die durch Selbstorganisation im Verlauf der Evolution Leben, Geist und Bewusstsein hervorgebracht hat. Geistige Prozesse sind von der Materie als ihr tragendes Fundament abhängig. Eine tragische Verkürzung der Wirklichkeit! Denn es gibt zwei Substanzen: Bewusstsein und Materie.
Was ist, wenn mit dem Tod das Bewusstsein einen Organismus verlässt? Der Körper, die das Bewusstsein tragende Materie, zerfällt! Also muss es zwei Substanzen geben. Da aber Leben als Bewusstsein sich mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht erforschen lässt, wird es kurzerhand auf ein „Epiphänomen“ der Materie reduziert. Deswegen gibt es auch offiziell keine eigenständige Bewusstseinsforschung und die Substanz, welche die Materie zur Selbstorganisation und Selbsttranszendenz animiert, wird nicht eigenständiger Gegenstand der Forschung. Die Naturwissenschaft bleibt unter ihrem Niveau. Sie ist Materiewissenschaft und nicht Naturwissenschaft. Denn die Natur ist eine Ganzheit, die Einheit zweier Substanzen, von Materie und Bewusstsein. Es ist diese tragische Verkürzung, diese Schieflage des vorherrschenden Weltbildes, die mitverantwortlich ist für das unnötige Leiden auf unserem so kostbaren und gebeutelten Planeten. Hören wir Carl Friedrich v. Weizsäcker in seinem Buch „der Garten des Menschlichen“:
„Ich glaube also eigentlich, dass es sich primär nicht darum handelt, die Wissenschaft durch etwas anderes zu ersetzen, sondern nur, die Wissenschaft auf das Niveau zu bringen, das ihr eigentliches Niveau wäre.“ (S. 548)
Stephen Hawkings und Leonard Mlodinows (als Ko-Autor) Buch „Der große Entwurf“ hat viel Staub aufgewirbelt. Geht es doch um Gott und die Welt. Fragen die jedermann interessieren (sollten). Und den Antworten fehlt es nicht an normativer Wirkung, denn sie kommen von einem großen und beliebten Wissenschaftler, der schwer behindert und von seiner Jugend an gefesselt einen Rollstuhl, 30 Jahre lang den renommierten Lucasischen Lehrstuhl der University of Cambridge inne hatte. Der Lehrstuhl, auf dem einst Isaac Newton seine Vorlesungen hielt. Eine lebendige Widerlegung des naturwissenschaftlichen Paradigmas: der ergreifende Sieg des Geistes über eine gebrechliche Materie!
Umso bedauerlicher das Weltbild, das Hawkings in „Der große Entwurf“ präsentiert. In seinen bisherigen Veröffentlichungen mit Millionenauflagen hatte der Kosmologe die Frage nach einer schöpferischen Instanz jenseits des Universums immer offen gelassen. Genau genommen, bleibt sie auch jetzt offen, denn irgendetwas oder irgendwer muss ja den großen Entwurf gemacht haben. Aber nein:
„Spontane Erzeugung ist der Grund, warum etwas ist und nicht einfach nichts, warum es das Universum gibt, warum es uns gibt. Es ist nicht nötig, Gott als den ersten Beweger zu bemühen, der das Licht entzündet und das Universum in Gang gesetzt hat“. (S.177)
Spontane Erzeugung! Erzeugung woraus und warum? Woher die Naturgesetze, die auf Messerschneide aufeinander abgestimmt sind, um die Entstehung eines so hochkomplexen Nervensystems als Träger des menschlichen Bewusstseins zu ermöglichen? Und woher die Antriebsdynamik der Evolution?
Was Hawkings verkündet ist nichts Neues unter der Sonne. Der französische Mediziner und Philosoph La Mettrie, Exponent der Aufklärung, hatte bereits im 18. Jahrhundert ein mechanistisches Weltbild ohne Gott entworfen. Und auch Hawkings „modellabhängiger Realismus“, der nicht nur gültig ist für alle wissenschaftlichen Modelle, sondern auch für alle unsere mentalen Konzepte, hatte schon Kant in seiner „Kritik der reinen Vernunft“ akribisch ausgelotet. Und im alten Griechenland verkündete bereits Protagoras: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“.
Das Maß aller Dinge ist unser Bewusstsein. Ein geschlossenes System, das die materiewissenschaftliche Methode zur Erkenntnisgewinnung hervorgebracht hat. Diese Methode ist äußerst erfolgreich in ihren Grenzen, jedoch ebenso gefährlich durch ihren Passungsmangel zur Ganzheit der Natur.
Aber wer sagt denn, dass das geschlossene System unseres Bewusstseins nicht erweitert und transzendiert werden kann, um von einer höheren Ebene aus unsere sich dramatisch zuspitzenden globalen Probleme zu lösen? Einstein hatte das bereits erkannt: „Du kannst das Problem nicht lösen von der gleichen Ebene, wo das Problem seine Wurzeln hat“. Er kannte die intuitive Erkenntnisebene jenseits des Verstandes:
„Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand sein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat“.
So reiste Einstein als er an der Relativitätstheorie arbeitete nach langem Grübeln unerwartet in Gedanken auf einem Lichtstrahl. Vielleicht sollten das auch die Autoren von „Der große Entwurf“ tun, auf dass ihnen das Licht des intuitiven Geistes aufgehe.
Meditation ist ein wirksamer Weg, um die Intuition freizulegen. Nicht nur Hawking und Mlodinow, sondern jeder Materiewissenschaftler sollte den Mut haben, seinen rationalen Verstand zu transzendieren, um zum Naturwissenschaftler zu mutieren. Die Vervollständigung unseres Weltbildes ist dringend not – wendig.
Weiterleitung erwünscht!

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