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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga-Vidya täglichen Inspirationen! Im 10. Kap. 3 Vers, in der Bhagavad Gita spricht Krisha:
„Der Mensch, der Mich als ungeboren, ohne Anfang und großen Herrn der Welten erkennt, ist, unter Sterblichen, ungetäuscht und von allen Sünden befreit.“

Was will uns Krishna, die Inkarnation Gottes, damit sagen? Er sagt: „Ich bin ungeboren. Ich bin ohne Anfang.“ Wenn du Gott so erkennst – nicht unbedingt intellektuell begreifst, sondern wirklich erkennst – dann bist du ungetäuscht. Wir stellen immer wieder die gleiche Frage: Woher kommt Gott? Natürlich können wir sagen: Es gibt die Welt – also muss die Welt aus Gott kommen. Aber woher kommt Gott? Gott muss vor der Welt gewesen sein. Er kann nicht irgendwo manifest gewesen sein, denn wenn er manifest gewesen wäre, dann hätte es etwas geben müssen, das schon vorher da war. Das ist mit dem Kopf nicht zu verstehen. Aber wenn wir es irgendwo tief im Inneren erkennen - das Sein ohne Anfang und letztlich auch „den großen Herrn aller Wesen“ - dann sind wir ungetäuscht und befreit von allen Sünden.
In der christlichen Theologie ist das ganz ähnlich. Im Johannes-Evangelium heißt es: „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort und aus ihm sind alle Dinge gemacht.“ Auch hier ist die Welt durch das Wort geschaffen. Aus dem Wort ist alles gemacht, es wird zu Fleisch, zu Knochen, Haut und Herz, zum Blutkreislauf, zur Atmung, zu Zähnen, Essen und dem, was aus dem Essen wird. All das ist eine Manifestation des Wortes und stammt letztlich aus dem Ursprünglichen, aus dem Ungeborenen, das die ganze Welt geschaffen hat. So gesehen spricht Krishna sehr ähnlich wie Jesus. Im Christentum heißt es, dass alle Sünden vergeben sind, wenn man an Jesus glaubt. Krishna sagt das so: „Wenn du daran glaubst, dann bist du auch frei von Fehlern.“ Warum? Weil du dann nicht mehr das Individuum bist. Als Individuum haben wir Probleme. Als Individuum sind wir unvollkommen. Aber als Geschöpf Gottes sind wir notwendigerweise vollkommen. Denn warum würde Gott, der allmächtig, allwissend, allgegenwärtig ist, etwas Unvollkommenes schaffen?
Über diese Frage haben sich schon viele Philosophen gestritten. Kant hielt diesen Gottesbeweis für eine Art Zirkelschluss. Leibnitz dagegen überlegte schon im 17. und 18. Jahrhundert, dass diese Welt die beste aller möglichen Welten sein müsse. Er begründete das genauso: Wer eine so schwierige und komplizierte Welt schöpfen könne, der müsse doch sehr intelligent gewesen sein. Und warum würde ein so intelligentes Wesen etwas Unvollkommenes schaffen? Unter allen Möglichkeiten würde ein intelligentes Wesen immer das Beste alles Möglichen schaffen, also muss jemand, der so intelligent ist, dass er die Welt geschaffen hat, die beste aller möglichen Welten geschaffen haben. Dieser Logik zufolge leben wir notwendigerweise in der besten aller möglichen Welten.
Bei all dem Leidens in dieser Welt ist das natürlich nicht ganz einfach zu verstehen. Wir können das aber auch einfach so sehen, dass jeder und alles, genau so, wie er und es jetzt gerade ist, vollkommen und ein vollkommenes Geschöpf Gottes ist. Wenn wir Geschöpfe Gottes sind und Gott der Herr aller Wesen ist, dann steht er auch hinter allem, was geschieht und hinter allem, was wir tun. In dem Moment, in dem wir das erkennen, können wir entspannen. Das ist so ähnlich wie bei kleinen Kindern, die – meistens - noch wissen, dass Mami und Papi ihnen nicht wirklich böse sein können. Bei Kindern gilt das natürlich in extremen Fällen und Notsituationen manchmal nicht. Aber Gott ist eben auch mehr als nur Mama und Papa. Diese höhere Macht nimmt uns so an, wie wir sind und nutzt letztlich auch unsere Schwächen, um das Beste daraus zu machen.
Ich erinnere mich, dass ich einmal gesagt habe: „Ich bin nicht gut genug, um den Kurs zu geben.“ Darauf bekam ich folgende Antwort: „Wenn Gott wollte, dass da jemand wäre, der besser ist als du, dann hätte er jemand anders an diese Stelle gestellt. Du bist derjenige, der genau die Fähigkeiten hat, die Gott dort haben will. Also setze sie auch ein.“ Als ich Jahre später meinen ersten Ashram leiten sollte, habe ich mich gefragt, wie eigentlich ein richtiger Ashramleiter sein müsse. Ich habe mir genau überlegt, wie so ein idealer Ashramleiter sein würde und festgestellt, dass ich so niemals sein würde. In diesem Moment habe ich mich an den Ratschlag von damals erinnert. Ich habe mir einfach gesagt: „Wenn der Sivananda gewollt hätte, dass der Ashramleiter so und so wäre, dann hätte er dafür einen anderen gefunden. Er hat mich dort so hingestellt, wie ich bin, und ich darum werde ich mein Bestes geben. Zehn oder zwanzig Jahre später hätte ich vielleicht etwas anderes geben können, aber in diesem Moment und in dieser Situation konnte ich den Ashram nur genau so leiten, wie ich es tat. Also tat ich, was nötig war und versuchte mir nicht mehr auszumalen, was ich in zehn oder zwanzig Jahren hätte tun können.
Ich weiß, dass Gott der Herr aller Wesen ist. Gott ist überall. Gott ist hinter allem. Und Gott arrangiert die Dinge immer so, wie sie sein sollen. Wenn wir uns das bewusst machen, dann brauchen wir keine Angst davor haben, etwas falsch zu machen. Natürlich müssen wir uns an ethische Grundregeln halten und gewisse Regeln einhalten. Manchmal tun wir auch Dinge, die wir irgendwann vielleicht bereuen, und dann gilt es, sie wieder gut zu machen. Manchmal haben wir auch einen Fehler gemacht. Dann müssen wir einen neuen Ansatz finden und immer wieder an uns selbst arbeiten. Das ist aber nur eine Ebene. Die tiefere Ebene ist die, zu erkennen, dass hinter allem Gott steht. Gott ist der Ursprung von allem. Gott ist ohne Anfang. Er ist der Herr von allen Wesen. In dem Moment, in dem wir das erkennen, sind wir ungetäuscht und von aller Schuld befreit.


Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg.Mehr Yoga Vorträge als mp3

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