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Man könnte behaupten, Objekte des Wachzustandes dienen einer bestimmten Absicht, die des Traumzustandes nicht. Dieses Argument ist falsch, denn der Zweck oder die Absicht einer bestimmten Sache wird im Traum verändert wahrgenommen und damit widerlegt.

Ein Mensch isst und trinkt im Wachzustand und stillt seinen Hunger und Durst. Wenn er sich schlafen legt, träumt er vielleicht, er sei hungrig und durstig, so als hätte er tagelang nicht gegessen und getrunken. Auch das Gegenteil geschieht und wird im Traum dann für wahr gehalten. Die Nützlichkeit und der objektive Wert von Dingen im Wachzu­stand werden im Traumzustand ausgelöscht, so wie auch die Situationen und Erfahrungen im Traum im Wachzustand ihren Wert verlieren. Objekte dienen nur unter bestimmten Voraussetzungen als Mittel zum Zweck und nicht unter allen Umständen.

Die Dinge haben nur in ihrem eigenen Bereich eine Wirklichkeit und nicht immer und überall. Das, was nicht immer real ist, ist nur ein Schein, ist unwirklich; denn die Wirklichkeit ist immerwährend. Da die Objekte des Wachzustandes im Traum nicht funktionieren, sind sie unwirklich. Da die Traumobjekte im Wachzustand nicht funktionieren, sind sie unwirklich. Daher ist alles dies unwirklich.

Man mag behaupten, Traumobjekte seien merkwürdig, phantastisch und unnatürlich. Und daher kann Wachen kein Traum sein. Aber die Traumerfahrungen sind für den Träu­menden nicht abnormal, mögen sie auch noch so grotesk und sonderbar sein. Nur in einem anderen Zustand, dem Wachzustand, scheinen sie phantastisch zu sein. Man kann nicht sa­gen, was wirklich phantastisch und was normal und real ist. Der Geist wertet die Dinge und sein Begriff von normal und abnormal verändert sich je nach dem Zustand, in dem er sich befindet. Der Träumende hat sein eigenes Konzept von Raum, Zeit und Ursächlichkeit, so wie auch der Wachende seine eigenen Begriffe hat. Der eine Zustand ist absurd im Vergleich zum anderen, also relativ. Das zeigt, dass beide Zustände unlogisch und vom höchsten Standpunkt aus gesehen also absurd, unwirklich, sind.

Man könnte sagen, dass Dinge, die man im Wachzustand wahrnimmt, nicht bloße geistige Einbildungen sind, denn die Dinge der Wacherfahrung werden auch von anderen wahrgenommen, egal ob der eigene Geist sie jetzt gerade wahrnimmt oder nicht. Aber auch im Traum tauchen zum Beispiel andere Menschen auf, die dieselben Traumobjekte erfahren, obwohl sowohl die Objekte als auch die Menschen subjektive Vorstellungen des Träumenden sind.

Man könnte sagen, dass wir im Wachzustand durch die Sinnesorgane wahrnehmen und nicht nur durch Vorstellungen. Aber es zeigt sich, dass wir auch im Traum durch die Sinnes­organe wahrnehmen, die zum Traumzustand gehören und die in diesem Zustand nicht weniger real sind als die des Wachzustandes. Da der Traum unwirklich ist, muss daher auch der Wachzustand unwirklich sein.

Aus dem Buch:

Swami Sivanandas
Inspiration und Weisheit
Für Menschen von Heute


Auszüge aus Werken von Swami Sivananda
Essays und praktische Anleitungen
für spirituelle Aspiranten

Einige Bücher von Swami Sivananda findest du online unter:
yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda

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Tags: Inspiration und Weisheit, Inspiration und Weisheit für den spirituellen Weg, Samadhi, Swami Sivananda, Traum, spiritueller Weg, zurückgewiesene Einwände

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