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Swami Sivananda: Stufenweises Praktizieren von Ahimsa

Wenn Gedanken der Rache und Abneigung aufkommen, versuche zunächst den physi­schen Körper und deine Sprache zu beherrschen. Sprich keine bösen harten Worte. Tadle nicht. Versuche, andere als Reaktion nicht ebenfalls zu verletzen. Wenn du dies nach einigen Monaten Übung erreicht hast, hören Rachegedanken von selbst auf, da sie kein Betätigungsfeld finden. Wenn erst Körper und Sprache diesbezüglich beherrscht sind, kannst du beginnen, solche Gedanken sofort bei ihrem Entstehen zu entdecken und zu kontrollieren.

Beherrsche zuerst deinen physischen Körper. Wenn man dich schlägt – sowohl im wörtlichen wie im übertragenen Sinn -, bleibe ruhig. Beherrsche deinen Impuls, zurückzuschlagen. Folge den Anweisungen von Jesus Christus in seiner Bergpredigt. Jesus sagt darin: „Wenn man dich auf die eine Wange schlägt, halte auch die andere hin. Wenn man deinen Mantel nimmt, gib auch dein Hemd.“ Das ist am Anfang sehr schwierig.

Die alten Rache-Samskaras, „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ und „Mit gleicher Münze zurückzahlen“, werden dich zur Vergeltung veranlassen. Warte stattdessen mit kühlem Kopf ab. Reflektiere und meditiere. Mache Vichara, Analyse. Der Geist wird ruhig werden. Der andere Mensch, der sehr wütend war, wird auch ruhig werden, denn er spürt keinen Widerstand von deiner Seite. Er wird erstaunt und erschreckt sein, denn du bist standhaft wie ein Weiser. Nach und nach wirst du unglaubliche Stärke erlangen. Halte dir das Ideal vor Augen. Versuche, dahin zu gelangen, wenn du auch am Anfang vielleicht stolperst. Habe eine klare geistige Vorstellung von Ahimsa und seinen unermesslichen Vorteilen.

Sobald es dir gelungen ist, deinen Körper zu beherrschen, beherrsche deine Worte. Triff den festen Entschluss: „Von heute an werde ich zu niemandem unfreundlich sprechen.“ Du versagst vielleicht hundert Mal. Was macht das aus? Langsam wirst du Kraft gewinnen. Beherrsche den Impuls sofort etwas zu entgegnen. Übe Mouna, Schweigen. Praktiziere Kshama, Vergebung. Sage dir: „Er (oder sie) ist eine Kinderseele. Er ist unwissend. Deshalb hat er es getan. Ich vergebe ihm. Was nützt es mir, wenn ich ihn jetzt ebenso beleidige? Irren ist menschlich; Vergeben ist göttlich.“ Gib langsam Abhimana, Stolz und Arroganz, auf. Abhimana ist die Grundursache menschlichen Leidens.

Schließlich geh zu den Gedanken und kontrolliere den Gedanken des Verletzens. Denke nie auch nur daran, jemanden zu verletzen. Ein einziges Selbst wohnt in allen. Alle sind Manifestationen des einen Gottes. Wenn du einen anderen verletzt, verletzt du dein eigenes Selbst. Wenn du anderen dienst, dienst du dem Selbst. Liebe alle. Diene allen. Hasse niemanden. Beleidige niemanden. Verletze niemanden in Gedanke, Wort oder Tat. Versuche, dein eigenes Selbst in allen Wesen zu erkennen. Das fördert deine Verankerung in Ahimsa.



Dies ist eine Textpassage aus dem Buch:

Swami Sivanandas
Inspiration und Weisheit
für den spirituellen Weg


Essays und praktische Anleitungen
für spirituelle Aspiranten
Auszüge aus Werken von Swami Sivananda

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Tags: Ahimsa, Inspiration und Weisheit, Inspiration und Weisheit für den spirituellen Weg, Praktizieren, Swami Sivananda, spiritueller Weg

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