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Swami Sivananda: Grenzen in der Praxis von Ahimsa

Absolutes Ahimsa ist unmöglich. Es ist auch dem gewissenhaftesten Sannyasin nicht möglich. Um es zu praktizieren, müsste man vermeiden, all die Kleinstlebenwesen beim Gehen, Sitzen, Essen, Atmen, Schlafen und Trinken zu töten, was nicht möglich ist. Man muss Leben zerstören, um zu leben. Es ist un­möglich, dem Gesetz des Nichtverletzens von Leben vollkommen zu folgen, denn auch die Phagozyten im Blut zerstören Millionen gefährlicher eindringender Bakterien und Keime.

Es gibt eine philosophische Richtung, die sagt, dass zum Beispiel das Töten eines Räubers oder Kidnappers nicht als Himsa betrachtet wird, wenn dadurch Tausende von Leben gerettet werden können. Ahimsa und Himsa sind relative Begriffe. Manche sagen, dass man sich verteidigen kann, wenn man in Gefahr ist; auch das wird nicht als Himsa betrachtet. In westlichen Kulturen werden geliebte Pferde, Hunde oder andere Haustiere eingeschläfert, wenn die Tiere große Schmerzen leiden, und es keine Möglichkeit gibt, ihr Leiden zu lindern. Sie möchten die Seele vom Leiden, vom physischen Körper befreien. Das Motiv ist der entscheidende Faktor, auf den es ankommt.

Ein Sannyasin darf sich nicht verteidigen oder Gewalt anwenden, auch wenn er in Le­bensgefahr schwebt. Für einen Menschen im normalen Berufs- und Familienleben sollte Ahimsa das Ziel sein; aber er verstößt nicht wirklich gegen das Prinzip, wenn er manchmal aus reiner Notwendigkeit und ohne selbstsüchtige Absicht zu Himsa Zuflucht nimmt. Man darf allerdings nicht zu großzügig in der Auslegung sein. Wenn man zu nachgiebig ist, wird der Geist das schnell ausnutzen und zu Gewalttätigkeiten neigen. Gib einem Dieb den kleinen Finger, und er wird die ganze Hand nehmen. Der Geist übernimmt sofort diese Politik, wenn du ihn an der langen Leine lässt.

Ahimsa ist niemals Taktieren. Es ist eine erhabene Tugend. Es ist die fundamentale Eigenschaft eines ernsthaften Wahrheitssuchenden. Selbstverwirklichung ist ohne Praxis von Ahimsa nicht möglich. Ohne Ahimsa kannst du das höchste Selbst, Brahman, nicht erreichen – das wäre ein Widerspruch in sich. Wer Ahimsa als List betrachtet und einsetzt, wird oft Fehlschläge erleiden. Er wird versucht sein, auch gewaltsam zu handeln. Wer hingegen strikt das Gelübde von Ahimsa als heilige Überzeugung und grundlegende Regel im Yoga beachtet, kann nie zu Gewalt verleitet werden.



Dies ist eine Textpassage aus dem Buch:

Swami Sivanandas
Inspiration und Weisheit
für den spirituellen Weg


Essays und praktische Anleitungen
für spirituelle Aspiranten
Auszüge aus Werken von Swami Sivananda

Bücher von Swami Sivananda findest du online unter:
yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda

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Tags: Ahimsa, Inspiration und Weisheit, Inspiration und Weisheit für den spirituellen Weg, Swami Sivananda, spiritueller Weg

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