Swami Sivananda brachte mich zum Yoga

Swami Sivananda (1887.1963) hat mich zu sich gerufen. Ich war 1992 bei meiner Schwester Inge zu Besuch in Berlin. Ich schlenderte durch die Stadt und spürte plötzlich eine starke Energie, die mich in ein Stadtteilzentrum zog. Dort fand gerade ein Yogakurs der Sivanada Organisation statt. Ich durfte kostenlos daran teilnehmen. Der Yogastil gefiel mir und ich erkundigte mich nach Ausbildungen. Zufällig fand gerade im Sommer eine Yogalehrer-Ausbildung statt. Sie war preislich günstig und dauerte vier Wochen. Ich meldete mich sofort an. Die vier Wochen waren sehr anstrengend, aber danach war ich Yogalehrer. Ich arbeitete danach 18 Jahre als Yogalehrer an der Volkshochschule, wo gerade eine Stelle frei war. Dort entwickelte ich meinen Stil des kreativen Glücksyogas, über den ich auch mehrere bekannte Bücher veröffentlichte. Swami Sivananda erschien mir viele Jahre im Traum und führte mich auf meinem spirituellen Weg. Er gab mir durch seine Bücher viel Kraft und viel Wissen, so dass ich dann meinen Weg alleine weiter gehen konnte.

Wer war Swami Sivananda? Bevor er als einer der einflussreichsten Yogameister des 20. Jahrhunderts bekannt wurde, führte er ein ganz anderes Leben. Geboren als Kuppuswami im Süden Indiens, schlug er zunächst eine medizinische Laufbahn ein. Als junger Arzt praktizierte er viele Jahre in British Malaya (heute Malaysia). Er war dafür bekannt, mittellose Patienten oft kostenlos zu behandeln und ihnen Medikamente sogar aus eigener Tasche zu bezahlen. Trotz seines beruflichen Erfolgs spürte er eine tiefe innere Leere. 1923 verließ er sein Hab und Gut und kehrte nach Indien zurück, um als wandernder Mönch nach Erleuchtung zu suchen. In Rishikesh am Ufer des Ganges fand er seinen Guru und wurde 1924 in den Sannyasa-Stand (Mönchtum) eingeweiht. Dort gründete er später die Divine Life Society und den Sivananda Ashram, die bis heute weltbekannt sind.

Sivanandas größtes Vermächtnis ist die Vereinfachung des komplexen Yoga-Systems für den modernen Menschen. Er lehrte, dass man nicht in eine Höhle ziehen muss, um Gott oder inneren Frieden zu finden. Seine gesamte Philosophie lässt sich in sechs einfachen Verben zusammenfassen, die er seinen Schülern ständig zurief: Serve, Love, Give, Purify, Meditate, Realize. (Diene, Liebe, Gib, Reinige dich, Meditiere, Verwirkliche.)

Er war kein Verfechter eines einzigen Weges. Er kombinierte:

  1. Hatha Yoga: Körperübungen und Atemkontrolle.
  2. Karma Yoga: Uneigennütziges Dienen (sein Hintergrund als Arzt prägte dies stark).
  3. Bhakti Yoga: Hingabe zu Gott (Shiva) und Herzensbildung.
  4. Jnana Yoga: Das Studium der Schriften und Selbsterkenntnis.

Swami Sivananda tat viele spirituelle Wunder, doch er selbst legte wenig Wert auf Spektakel. Er sah die wahre Transformation des Charakters als das größte Wunder an. Viele Berichte beschreiben, dass Kranke allein durch seine Anwesenheit oder seinen Segen gesundeten. Unzählige Schüler weltweit berichteten, dass Sivananda ihnen in Träumen erschien, sie in schwierigen Momenten leitete oder sie „rief“, oft lange nachdem er seinen physischen Körper 1963 verlassen hatte. Er schrieb über 200 Bücher zu fast jedem Thema des spirituellen Lebens. Man sagt, er habe mit einer unglaublichen Geschwindigkeit geschrieben, oft gleichzeitig an mehreren Manuskripten, um das Wissen für jeden zugänglich zu machen – oft verschenkte er diese Bücher einfach.

Swami Sivananda war einer der Ersten, die Yoga aktiv in den Westen brachten, vor allem durch Swami Vishnudevananda (der die Sivananda Yoga Vedanta Zentren in den USA und Kanada gründete). Er verstand sich selbst immer nur als Diener, der die Kraft weitergab, damit andere ihren eigenen Weg gehen können.

Während viele Gurus seiner Zeit als streng und unnahbar galten, war Swami Sivananda für sein herzliches, oft dröhnendes Lachen und seinen sprühenden Wortwitz bekannt. Er verstand es meisterhaft, die spirituelle Schwere durch Leichtigkeit zu ersetzen. Es gibt tatsächlich Überlieferungen, die ihn als einen der geistigen Urväter des heutigen Lachyoga beschreiben. Eines Morgens waren seine Schüler im Ashram in Rishikesh besonders träge. Die Hitze war drückend, die Glieder schwer, und die Motivation für die morgendlichen Asanas war auf dem Nullpunkt. Anstatt die Schüler zu tadeln oder sie zur Disziplin zu ermahnen, stellte sich Sivananda mitten unter sie und fing plötzlich grundlos an zu lachen. Er lachte so herzlich und ansteckend, dass die Schüler schließlich auch in ein kollektives, befreiendes Gelächter ausbrachen. Er erklärte danach, dass Lachen die beste Form von Pranayama (Atemübung) sei, da es die Lungen reinigt, das Herz öffnet und das Ego sofort auflöst. Er nannte es oft Lach-Yoga“, lange bevor Dr. Madan Kataria in den 90er Jahren daraus eine weltweite Bewegung machte.

Für Sivananda war Humor kein Zeitvertreib, sondern eine tiefgreifende spirituelle Praxis. Er machte sich oft über sich selbst lustig. Er nannte seinen eigenen Körper scherzhaft „die alte Maschine“ oder „den Esel“, um zu zeigen, dass man sich nicht zu sehr mit der physischen Hülle identifizieren sollte. Wenn Schüler ihn zu sehr verehrten, brach er die feierliche Stimmung oft mit einem trockenen Witz, um sie daran zu erinnern, dass Gott in jedem steckt, nicht nur in ihm. Sivananda sagte einmal: „Ein Heiliger, der nicht lacht, ist kein echter Heiliger.“ Sivananda lehrte, dass Ananda (Glückseligkeit) unsere wahre Natur ist. In einer Welt, die Spiritualität oft mit bitterer Ernsthaftigkeit verwechselt, bleibt Sivananda das Vorbild dafür, dass Erleuchtung nicht bedeutet, das Lachen zu verlieren – sondern zu lernen, über die Absurditäten der Welt und des eigenen Egos herzlich zu lachen.

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