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Im Yoga sagen wir sehr häufig „Shanti“. Shanti heißt Frieden. Wir haben im Satsang nach der Meditation auch zusätzlich Friedensgebete, Om Tryambakam, Arati ist u.a. ein Friedensritual, wir rezitieren Shanti Mantras abends in dem Stotra-Singen. Wir haben auch immer wieder Homas, Pujas, die alle auch für Frieden gedacht sind. Und so spielt Frieden und der Wunsch nach Frieden eine große Rolle im Yoga. Und wir singen drei Mal „Shanti“ und das steht für verschiedene Arten von Frieden. Man kann sagen, Frieden auf der physischen Ebene, Frieden auf der geistigen Ebene, Frieden auf der spirituellen Ebene. Wir können sagen aber auch, Frieden mit uns selbst, Frieden mit unseren Mitmenschen und letztlich Frieden zwischen Völkern, Nationen und Kulturen. Wenn wir über Frieden nachdenken, dann ist es kein Friedhofsfrieden, und wir müssen auch verstehen, Menschsein heißt auch durchaus Konflikte. Wenn wir sagen, im Frieden mit uns selbst auf allen Ebenen, sagen wir, wir wollen friedvoll mit unserem Körper sein. Aber während wir sagen, friedvoll mit unserem Körper, ist im Körper alles Mögliche los. Einige haben gerade gehustet und geniest. Was heißt das? Da gibt es irgendwelche Viren, die dort sind, und der Körper versucht, die irgendwie loszuwerden. Die Viren sind genial genug, sie nutzen das Mittel, mit dem der Körper die Viren los wird, Husten oder Niesen, um irgendwie zu anderen zu kommen. Also, eine geniale Strategie. Der Abwehrmechanismus des einen ist die Hilfe für die Verbreitung des anderen. Es gibt auf allen möglichen Ebenen immer wieder ein Bemühen und manchmal dadurch, dass man glaubt, Frieden heißt immer nur, alle verstehen sich und alles ist ok, manchmal, wenn man das meint, dann ist man immer wieder enttäuscht von der Wirklichkeit. Letztlich, zwei Menschen, die irgendwo über einen längeren Zeitraum zusammen sind, heißt immer auch, Streit und Auseinandersetzung. Und das heißt dann nicht, dass wir das Bemühen um Frieden aufgeben sollten, sondern es soll heißen, dass wir von einer tieferen Verankerung ausgehen. Natürlich heißt es, Frieden im Körper, wir wollen etwas entspannter sein. Wenn wir entspannter sind, dann können wir in den Situationen, wo Spannung da ist, wo wir also gefordert sind, mit mehr Energie dort hin gehen. Aber es heißt vor allen Dingen auch, wir akzeptieren, dass unser Körper eben so ist, wie er ist, wir können einiges dafür tun, und anderes können wir erst mal nicht machen. Frieden heißt auch, sich bemühen. Frieden heißt, dass wir versuchen, ein friedvolles Leben zu führen, im Bewusstsein, dass Konflikte auch zum Leben dazu gehören. Frieden auf der physischen Ebene heißt durchaus, es wird auch Krankheiten geben, egal, wie viel wir dort anstellen. Frieden auf unserer eigenen inneren geistigen Ebene heißt nicht, dass wir immer und jeder Zeit mit uns selbst im Einklang sind, immer wissen, was wir zu tun haben und immer konfliktfrei durch die Gegend laufen. Man könnte vielleicht sagen, vielleicht ein großer Meister, der Zugang hat zu einer höheren Wirklichkeit. Aber ich habe mit einem Meister gelebt und der war auch manchmal am Zweifeln und Überlegen und hat nachgedacht und natürlich auch, hat sich beratschlagt usw. Angenommen, jemand würde immer wissen, was zu tun ist, dann gäbe es keine Demokratie. Denn, wenn man das immer weiß, ich weiß genau, was zu tun ist, dann, wozu muss ich noch jemand anderes fragen? Wenn dann mehrere Menschen genau wissen, was zu tun ist, dann hat man ein Problem. Und so bedingt es, also entweder man hat Probleme mit sich oder Probleme mit anderen oder man lernt, mit beidem zu leben. So gibt es auch im Menschen in sich Konflikte und Frieden heißt, zu lernen, mit diesen inneren Konflikten auch umzugehen, diese anzunehmen, und auch zu wissen, darin liegt ein großer Teil der Faszination des Daseins. Auch spiritueller Frieden. Auch dort auf dem spirituellen Weg haben Menschen auch unterschiedliche Vorstellungen. Manchmal zweifelt man, ist das der richtige Weg? Manchmal überlegt man, hat die ganze Spiritualität überhaupt irgendwie einen Sinn oder ist das alles nur illusionäre Interpretation von irgendwelchem Abfeuern von Hirnpotenzialen oder sonst irgendetwas? Oder man fragt: „Soll ich diesen Weg oder jenen Weg gehen?“ Oder: „Sollte ich jetzt vier Stunden, morgens, mittags und abends jeweils meditieren oder doch besser zur Arbeit gehen?“ Immer wieder werden mir solche Fragen durchaus gestellt. Und Frieden auf dieser spirituellen Ebene heißt durchaus auch wieder, zu lernen, mit diesen inneren unterschiedlichen Anforderungen umzugehen und das zu akzeptieren, es gehört zum Leben dazu. Viele haben die Sehnsucht: „Ach, wenn doch immer alles klar wäre. Entweder, dass meine Intuition mir immer alles klar sagen würde oder ich hätte jemand, der es mir immer wieder klar sagt.“ Aber das ist eine unrealistische Form vom Wunsch von Frieden, die nur zu überflüssigen Konflikten führt. Anzunehmen, dass zum Leben irgendwo all das dazugehört, innere Konflikte, körperliche, emotional-geistige, spirituelle, im Umgang mit anderen Menschen auf verschiedensten Ebenen, dass wir uns dort auseinandersetzen, dass gehört zu einem tieferen Frieden dazu. Natürlich, und hier ist dann die tiefste Basis des Friedens, und die wiederum beruht auf Einheit. Nämlich, dass wir sagen, je nachdem, welcher spirituellen Überzeugung wir anhängen, wir sagen, es gibt ein einziges Bewusstsein hinter allem und dieses drückt sich in dieser vielfältigen Welt aus. Und die Tiefe von mir ist auch die Tiefe der anderen. Und die Tiefe meiner Seele ist letztlich die Tiefe der Seele des Universums. Das wäre die Vedanta-Ansicht. Gut, die Bhakti-Ansicht wäre: Die ganze Welt ist Schöpfung Gottes, ich bin auch Schöpfung Gottes, und hinter allem ist die gleiche Schöpfungsenergie und so sind wir alle Kinder Gottes und zwischendurch gibt es Geschwisterzwist. Aber eigentlich können wir uns alle miteinander in Liebe verbunden fühlen. Oder man könnte, wenn man jetzt materialistisch ist, irgendwo sagen: Das ganze Universum ist irgendwo evolutionsbiologisch entstanden und alles, was Menschen irgendwo haben, war irgendwo evolutionsbiologisch sinnvoll. Auch damit fühlen wir uns alle verbunden, denn jeder Mensch hat – glaube ich – 99,99 Prozent der Gene gleich mit den anderen Menschen. Und so ist alles, was in jedem anderen drin ist, auch in mir drin, und so kann ich mich mit den anderen auch verbunden fühlen. Also, egal welche spirituelle Grundüberzeugung oder weltanschauliche Überzeugung wir haben, wir können aus dieser tiefen Grundlage heraus eine gewisse Kraft schöpfen. Wobei ich nicht verhehle, aus der ersten und zweiten ist vielleicht diese Erfahrung der Liebe vielleicht tiefer verankerbar, meine ich mindestens. Aber aus dieser Überzeugung heraus kann Liebe entstehen, Respekt entstehen, und dann ein Bemühen um den rechten Weg, den Ausgleich von Interessen und Leben.
Hari Om Tat Sat
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3

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Tags: frieden, shanti

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