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Sakshi Bhava – die Einstellung eines Beobachters, Einstellung eines Zeugen

Sakshi ist der Beobachter. Akshi heißt Auge, Sakshi – mit Auge. Sakshi ist derjenige, der beobachtet. Bhava ist die Einstellung eines Beobachters. Sakshi Bhava, daraus hat sich die buddhistische Vipassana Meditation entwickelt und Sakshi Bhava ist auch die Grundlage der Achtsamkeit. Achtsamkeit, jetzt verstanden im Sinne von Sakshi Bhava. Bhava heißt sowohl Einstellung, als auch Gefühl, als auch innere Überzeugung, als auch Gemütszustand. In Bhava steckt also eine ganze Menge drin. Es ist etwas, was eine Grundüberzeugung, Grundgefühl des Menschen ist. Gut, Grundgefühle, Bhavas wechseln auch. Du kannst mal Liebe haben, du kannst mal beobachten, du kannst mal engagiert sein, du kannst dich mal aufregen usw. Der Mensch geht durch verschiedene Bhavas hindurch. Und Sakshi Bhava ist die Einstellung eines Beobachters, Einstellung eines Zeugen.

Gerade im Jnana Yoga und im Raja Yoga spielt Sakshi Bhava eine besondere Rolle, insbesondere im Sankhya-System. Das heißt, du beobachtest, anstatt dich zu identifizieren. Zunächst einmal die Außenwelt. Du kannst das Wetter anschauen und du kannst es beobachten. Du könntest dich auch darüber ärgern, weil es gerade regnet, weil es gerade schneit, weil gerade die Sonne scheint, oder du beobachtest es. Es gibt jetzt auch wieder, wenn du etwas beobachtest, verschiedene Möglichkeiten. Du kannst dich darauf richtig konzentrieren und kannst in allem Gott sehen. Das wäre im Bhakti Yoga Hingabe. Im Jnana Yoga willst du eher eine gewisse innere Distanz haben. Du beobachtest: „Da ist der Himmel, da ist die Sonne, da ist der Regen, da ist ein Baum usw.“ In Sakshi Bhava hast du eine gewisse innere Distanz. Es ist eine andere Einstellung als im Bhakti Yoga, wo du hinter allem Gott siehst. Sakshi Bhava, du sagst eher: „Neti, Neti, ich bin nicht beeinflusst vom Baum, ich bin nicht beeinflusst vom Regen, ich bin nicht dies, ich bin nicht das, ich bin der Beobachter.“

Wenn du einen Menschen siehst, im Bhakti Yoga würde man sagen, siehe Gott in dem Menschen und spüre Liebe. Auch in anderen Aspekten des Jnana Yoga kannst du dies tun. Wenn du die Sakshi Bhava Methode nimmst, dann sagst du: „Da ist ein Mensch. Ich sehe den Menschen. Hier ist der Mensch und so sind seine Lippen, so ist seine Nase, so sind seine Haare usw.“ Sakshi Bhava hilft dir, dich zu lösen, zu überlegen: „Was meint der damit? Was will er mir sagen? Warum schaut er mich nicht an? Warum schaut er mich an? Warum schaut er mich so an?“ Als Sakshi Bhava sagst du: „Da bin ich, da ist der Mensch, da ist die Wahrnehmung.“ Sakshi Bhava – Beobachter, Nicht-Identifikation.

Zu Sakshi Bhava gehören aber auch ein paar Prinzipien. Sakshi Bhava heißt nicht beurteilen, nicht analysieren, nicht reagieren, nicht identifizieren. All das gehört zu Sakshi Bhava. Also, zunächst einmal, nicht beurteilen, nicht sagen: „Ist der aber schlecht gelaunt. Wieso ist er wieder so?“ Sondern Sakshi Bhava heißt beobachten. Sakshi Bhava heißt, nicht analysieren, überlegen: „Warum ist er jetzt so? Wie könnte er sein? Usw.“ Sakshi Bhava heißt beobachten. Sakshi Bhava heißt, nicht identifizieren, also nicht überlegen: „Was habe ich falsch gemacht?“ Oder: „Was meint er mir gegenüber damit?“ Sakshi Bhava heißt beobachten. Sakshi Bhava heißt auch, nicht reagieren, also nicht gleich aufspringen oder nicht gleich irgendwas tun, sondern Sakshi Bhava heißt beobachten. Wie du daraus siehst, Sakshi Bhava ist natürlich nicht etwas, was du immer und den ganzen Tag machen kannst. Aber Sakshi Bhava hilft dir, aus zwanghaften Reiz-Reaktionsketten auszubrechen. Du beobachtest, du nimmst einfach zur Kenntnis. Das Beobachten und Zur-Kenntnis-Nehmen betrifft auch bestimmte außergewöhnliche und gewöhnliche Situationen. Irgendwas geht schief, z.B. du fährst mit dem Auto und ein Reifen platzt. Du machst das, was nötig ist, du rufst den ADAC an und wartest dann. Jetzt hast du mehrere Möglichkeiten. Du könntest dich darüber ärgern und du könntest sagen: „Warum passiert mir das? Und was passiert, wenn ich jetzt zu spät komme? Was sollen die Menschen von mir denken? Und werde ich jetzt meinen Job verlieren? Und werden meine Kinder denken, ich bin ein schlechter Vater oder Mutter? Usw.“ All diesen Wust kannst du haben. Oder du kannst einfach sitzen und sagen: „Aha, Reifen ist geplatzt. Aha, ich warte. Aha, da ist die Sonne. Aha, da ist der Atem etwas schneller geworden. Usw.“ Also, Sakshi Bhava, du beobachtest.

Sakshi Bhava geht aber noch weiter, Sakshi Bhava ist auch gegenüber dem eigenen Körper und Emotionen, Gefühlen, Prana, denn du bist auch nicht der Körper. Der Körper mag mal warm sein, er mag mal kalt sein, er mag mal frieren, er mag mal schwitzen. Der Körper mag mal schmerzen, er mag sich gut fühlen. Der Körper mag mal müde sein usw. Sakshi Bhava heißt, du beobachtest. Auch hier wieder, du bist dir bewusst, ohne zu analysieren: „Warum habe ich jetzt Schmerzen? Warum ist mir kalt?“ Ohne zu beurteilen: „Es ist schlimm, dass ich Schmerzen habe. Jetzt mache ich Yoga, warum habe ich trotzdem Schmerzen?“ Du beobachtest stattdessen. Du musst auch nicht gleich reagieren. Du musst auch nicht das auf dich selbst so beziehen: „Oh, ich armer Tropf, jetzt habe ich irgendwie Schmerzen im linken unteren Rücken. Warum ausgerechnet mir?“ Sakshi Bhav heißt beobachten, nicht identifizieren. Und es gibt einige empirische Studien, die zeigen, dass diese Art der Achtsamkeit – Sakshi Bhav ist ja diese Art von Achtsamkeit – sehr hilfreich ist im Umgang mit Schmerzen. Schmerzen werden weniger, wenn du sie nicht analysierst, nicht beurteilst, nicht verurteilst, nicht dich damit identifizierst und nicht denkst: „Ich muss sie sofort beseitigen.“ Sakshi Bhava, du löst dich davon, du beobachtest. Auch gegenüber deinen Emotionen kannst du Sakshi Bhava haben. Du magst dich auch sogar über etwas ärgern, du beobachtest den Ärger, du beobachtest: „Ah, da ist Ärger. Emotionssäule, beginnt zwei Zentimeter unterhalb des Nabels, geht bis zwei Zentimeter oberhalb des Brustbeins, ist zehn Zentimeter breit, leicht nach vorne gewölbt.“ Und dann beobachtest du das. Prompt weißt du: „Ich bin nicht der Ärger, sondern da ist Ärger, ich beobachte.“

Sakshi Bhava, du siehst also, eine sehr involvierte und sehr interessante Technik. Diese Technik wendest du im Jnana Yoga an und im Vedanta, du wendest sie auch im Sankhya an und in bestimmten Raja Yoga Techniken. Wenn du bei Yoga Vidya z.B. eine Meditationskursleiter-Ausbildung mitmachst, da gehört auch die Sakshi Bhava Technik zu den Techniken, die du lernst. Wir haben auch Meditation intensiv Schweigewochen, oder auch allgemein, wenn wir Achtsamkeits-Retreats haben oder Meditation intensiv, dort lernst du auch immer Sakshi Bhava als eine der vielen Meditationstechniken. Wie jetzt die Meditationstechnik „Sakshi Bhava“ geht, das ist ein Thema anderer Meditationsanleitungen. Hier also, Sakshi Bhava erklärt als Grundeinstellung. Sakshi Bhava als Meditationstechnik, gehe einfach auf unsere Internetseiten, www.yoga-vidya.de. Gib im Suchfeld entweder oben rechts oder oben ein, „Sakshi Bhava“ oder „Sakshi Bhav“ und dort findest du viele Anleitungen, auch die Sakshi Bhav Meditationsanleitung. Du könntest auch schauen unter „Achtsamkeit“ oder „Achtsamkeitsmeditation“, so bekommst du weitere Tipps, Internetartikel, wie auch Video- und Audio-Anleitungen. Nochmals, Sakshi Bhava – Einstellung eines Beobachters.

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Tags: Einstellung eines Beobachters, Einstellung eines Zeugen, Sakshi Bhava, Yoga Vidya Sanskrit-Lexikon, Yoga Vidya Sanskrit-Wörterbuch

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