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An unserem Frühstückstisch in dem Restaurant thronte direkt hinter meinem Sitzplatz ein großer hölzerner Buddha. Welch ein Zufall! Ansonsten hatte unsere Pension eher wenig mit dem Buddhismus zu tun. Die Besitzerin war sehr redselig und erklärte mir, dass sie gerne verrückte Dinge sammelt. Sie sei schon weit in der Welt herum gekommen. Und irgendwo hatte sie den fast mannsgroßen Buddha aus einem edlen Tropenholz gefunden. Er hatte einen kleinen Riss im Holz. Deshalb hatte sie ihn günstig kaufen können.

Ich identifizierte mich spontan mit dem Buddha. Ich habe auch einige Macken. Ein etwas defekter Buddha passte gut zu mir. Ich erklärte der Besitzerin, dass ich ein Buddhist wäre, ein Buch über den Buddhismus geschrieben hätte und eine große buddhistische Gruppe im Internet leiten würde. Sie hätte mich also genau an den richtigen Platz gesetzt.

Das begeisterte sie und sie erzählte mir von ihrem wilden Leben. Sie war schon dreimal verheiratet. Die zweite Ehe hätte sie nach Südafrika geführt. Deshalb gab es auch einen großen Löwen auf dem Schild des Restaurants. Es war als eine Art Safari-Hotel gestaltet und hatte tatsächlich auch viele englisch sprechende Gäste aus aller Welt. Das Gästehaus lag etwas außerhalb von Marburg und war deshalb preisgünstig zu buchen. So war es gut besucht.

Die dritte Ehe hatte die Frau dann wieder nach Deutschland geführt. Sie liebte ihre Gäste, da sie sich gerne mit allen unterhielt. Sie war sehr vielseitig interessiert. Und sie war undogmatisch wie ich. Eigentlich war sie eher christlich geprägt und glaubte an Engel. Ich erklärte ihr, dass ich die Einheit aller Religionen vertrete. Aus meiner Sicht geht es bei allen Religionen um Liebe, Frieden, inneres Glück und Erleuchtung. Die Christen nennen das ein Leben in Gott (im Licht), die Buddhisten sprechen von Erleuchtung und Nirwana, und die Hindus haben viele Götter, die aber letztlich alle Verkörperungen des einen Gottes, des Brahman, des höchsten Bewusstseins sind.

Ich berichtete ihr, dass ich das erste Drittel meines Lebens auf der Suche nach dem Glück gewesen wäre. Dann hätte ich bei dem Philosophen Epikur die Lehre vom inneren Glück entdeckt. Ich hätte in allen Religionen nach guten Techniken für die Entwicklung des inneren Glücks gesucht. Und wäre so zum Buddhismus, zum Kundalini-Yoga und zum positiven Denken gekommen.

Ich hätte viele Erleuchtungserfahrungen gehabt. In einer tiefen Meditation sei meine Kundalini-Energie erwacht und hätte mich ins innere Glück gebracht. Ich hätte mich eines Abends vor dem Einschlafen als Buddha visualisiert und sei am nächsten Morgen als erleuchteter Buddha aufgewacht. Das nennt man Traum-Yoga. Es wird viel im tibetischen Buddhismus praktiziert. Ich hätte Gott als Licht in der Welt erfahren und im Zustand der Erleuchtung meine Welt als Paradies gesehen.

Deshalb würde ich auch den Paradies-Yoga als einen Weg zur Erweckung des inneren Glücks praktizieren. Insgesamt sei ich völlig undogmatisch. Jeder darf seinen spirituellen Weg gehen. Hauptsache die Menschen sind friedlich und bringen sich nicht gegenseitig um. Ich würde für eine Welt der Liebe, des Friedens und des Glücks arbeiten. Im Buddhismus würde man das den Bodhisattva-Weg nennen.

Das gefiel der Frau. Sie war auch gleich vom Buddhismus begeistert und wollte mein Buch lesen. Wir hätten uns stundenlang unterhalten können. Aber Barbara drängelte. Sie wollte abreisen und wieder nach Hause. Im tantrischen Buddhismus heißt es, dass man einer Frau alle Wünsche erfüllen soll. Daran halte ich mich und komme so gut mit Barbara klar. Sie hatte den Wagen schon gepackt und wir hatten eine schöne Rückfahrt.

Als wir in die Nähe von Hannover kamen, machten wir noch einen Abstecher zu meiner Stiefschwester Gesa. Ich habe eine Schwester (die Ziegenhirtin im Schwarzwald) und drei ältere Stiefschwestern aus der ersten Ehe meines Vaters. Früher hatte ich viel Kontakt zu ihnen, aber seit dem Tod meines Vaters ist der Kontakt weitgehend abgebrochen. Meine Schwester Gesa war früher Lehrerin und liebte es Volkslieder zu singen. Leider war sie gerade nicht da. Aber wir fanden ihr Haus und konnten ihren kleinen verhutzelten Garten besichtigen.

Am Ende der Reise war Barbara so in Reiselaune, dass sie immer weiter reisen wollte. Wir begannen unsere zukünftigen Reisen zu planen. Zur Auswahl stehen Griechenland, Irland und Dänemark. Und ein Besuch bei meiner Schwester Inge in Würzburg und bei meiner Schwester Sabine im Schwarzwald. Wir werden sehen, wohin uns der Wind des Lebens als nächstes weht.

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