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Wir wollen heute Abend eine Maha Mrityunjaya Homa zelebrieren. „Maha“ heißt „großartig“, „Mrityunjaya“ heißt „lebensspendende“ und „Homa“ heißt „Feuerritual“. Also ein Ritual, welches eine besonders starke lebensspendende Kraft erzeugen will, eben wo wir mit dem Mantra, dem „Om Tryambakam“, viele Minuten lang in das Feuer opfern wollen. Das „Om Tryambakam“-Mantra ist ja ein ganz wunderschönes Mantra. Es richtet sich an Tryambaka. „Tryambaka“ heißt „der Dreiäugige“. Das ist ein Symbol letztlich für die göttliche Wirklichkeit. Auf der einen Ebene sind wir in der Dualität, das ist Zweiheit. Es gibt Gott und Mensch oder Schöpfung und Gott oder Körper und Bewusstsein oder Koshas und Atman. Also ein Gegenüber vom Höheren und dem Relativen. Das ist auf der einen Ebene. Oder auch, Hitze und Kälte, Tag und Nacht, Schnee und Regen und noch mehr Schnee und noch mehr Regen, gut, ab und zu mal auch Sonne und weniger Sonne. Also, wir leben auf dieser Ebene in einer Welt der Dualität. Und auch auf dieser Ebene bewirkt ja Yoga auch eine Menge. Dann gibt es aber auch diese dritte Ebene und diese dritte Ebene ist die Ebene der Einheit, wo alle Dualitäten letztlich zu einer Einheit kommen. Und wenn wir „dreiäugig“ sagen, dann gilt auch immer, wenn wir Yoga praktizieren, dann sind wir uns immer bewusst, jenseits dessen, was irgendwie fassbar ist mit Körper oder mit Intellekt, mit den Sinnen, gibt es noch eine tiefere Dimension. Das wird als drittes Auge, Auge der Intuition bezeichnet.
Yajamahe, der, der alle Wesen nährt. Das ist ja auch ein Mantra, das sich eben auch an das Göttliche richtet und das Göttliche nährt uns alle. Es gibt uns alles, was wir brauchen. Sugandhim. „Sugandhim“ heißt „wohlriechend“. Das klingt vielleicht etwas eigenartig, Gott als wohlriechend zu bezeichnen. Das ist nicht so ganz gewohnt, aber „riechend“ ist natürlich jetzt nicht gemeint, Riechen im engeren Sinne, sondern so gemeint ist irgendwo etwas, was uns anzieht. Es gibt nichts, was uns so emotional unbewusst beeinflusst wie Gerüche. Und so irgendwo auf einer unbewussten Ebene ist irgendwo Gott da, der uns emotional zu sich hin rufen will. An einer anderen Stelle ist „Urvarukamiva Bandhanan“. Das Mantra ist ja in vielerlei Hinsicht sehr bildlich gesprochen. „Bandhanan“, das heißt, „befreie uns von allen Verhaftungen“. So momentan verhaften sich mindestens manche von euch an ihren Körper und ihre Emotionen, an ihre Wünsche, an Identifikation. Wir wollen davon frei werden. Auf eine gewisse Weise, Entspannung ist auch eine Form des Freiwerdens von Bandhas. Bandha in diesem Sinne sind auch Verspannungen, diese werden auch als Bandhas bezeichnet. Wir wollen uns befreien lassen von allen Spannungen, aber auch von allen Bindungen, von allen Verhaftungen, so dass wir zu dem kommen, was wir wirklich sind. Aber wir wissen auch, es braucht dazu seine Zeit. Und deshalb heißt es auch „Urvar“. Urvar, was heißt Urvar? Urvar heißt Gurke. Salatgurke, wer es immer noch nicht verstanden hat. Dieses Mantra ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches Mantra. Mir ist jetzt kein anderes Mantra bekannt, wo eine Gurke enthalten ist. Mir ist auch kein Gebet bekannt, wo eine Gurke enthalten ist. Aber was das heißt: So wie eine Gurke, wenn sie reif ist, dann fällt sie von der Pflanze ab. Und so ähnlich bitten wir darum, dass wir reifen mögen und wenn wir reif sind, dann fallen wir von unseren Bindungen ab. Gut, heutzutage im Zeitalter der künstlichen Reifung und im Zeitalter, wo viele Pflanzen Wochen, bevor sie reif sind, geerntet werden und dann anschließend irgendwo reifen, ist das vielleicht nicht mehr ganz so angebracht. Aber in früheren Zeiten wusste man, Gemüse und Obst schmeckt am besten, wenn es reif geerntet wird. Und mindestens bei indischen Gurken war es so, am besten schmecken sie, wenn die Gurke von selbst heruntergefallen ist und nicht mehr verhaftet war. Wenn man dagegen zu früh erntet, dann schmeckt es nicht so gut. Und das heißt auch, wir wissen, es braucht seine Zeit. Wir müssen reifen, wir müssen uns entwickeln. Jetzt vorzeitig zu versuchen, jetzt gewaltsam die Befreiung zu erreichen, das funktioniert nicht, da sind wir nur unreif. Und dann haben wir auch bestimmte Missionen auf der Welt. Und manche Missionen brauchen auch, dass wir eben noch unwissend sind. Manches könnten wir gar nicht machen, wenn wir wissend sind. So ähnlich wie, viele von euch haben Kinder und ihr mögt eure Kinder. Angenommen, eure Kinder würden auf die Welt kommen und wären gleich zwanzig. Das würde viel der Schönheit des Elternseins irgendwo wegnehmen. Man freut sich, dass Kinder unfertig geboren sind und aufwachsen. Und so können die Kinder viel lernen, sie können wachsen dabei, sie können ihren Eltern viel beibringen, sie können den anderen im Satsang viel beibringen, sie können den Sukadev dazu veranlassen, neue Beispiele immer wieder zu gebrauchen. Also, ein kleines Baby hat in vielerlei Hinsicht viele Aufgaben und Funktionen, die es nicht haben könnte, wenn es gleich mit zwanzig geboren wäre. Und so haben wir noch eine Menge Aufgaben, die wir besser erledigen können, wenn wir eben nicht so perfekt sind. Dennoch, wir bitten darum, mögen wir reifen, so dass wir dann, wenn wir reif sind, diese Befreiung erreichen können. Und schließlich geht es dann um „Mrityor Maamritat“, „mögen wir von der Identifikation mit dem Sterblichen kommen zum Unsterblichen“. In dieser Homa werden wir diese Mantras relativ umfangreich rezitieren, also einige Minuten lang und werden das verbinden mit einem Feuerritual. Und wir rufen dabei Agni, die Wesenheit des Feuers an, wir entzünden ein heiliges Feuer und dabei wird die Kraft der Mantras nochmals besonders verstärkt. Das Feuer wird wie eine Verbindung zwischen der himmlischen und der physischen Welt oder der menschlichen und der göttlichen Welt und indem wir dabei das Mantra wiederholen, können wir uns so ganz verbinden mit dem Göttlichen und können dort unsere Anliegen an das Göttliche richten und wir können umgekehrt uns zum Instrument machen, dass diese Heilenergie in uns fließen kann. Man kann dieses Mantra als Heilkraft für sich selbst spüren, man kann dieses Mantra richten als Heilenergie für andere, man kann das Mantra auch sprechen für Verstorbene, man kann es auch sprechen für Schutz vor Unfällen und man kann es auch sprechen allgemein für den Frieden und die Verbesserung auch der geistigen und spirituellen Atmosphäre. Diese Homa ist auch Teil der vierwöchigen Yogalehrerausbildung, ihr bleibt also bis zum Ende dabei. Danach gibt es ja auch noch eine spirituelle Namensgebung für die, welche heute Abend einen spirituellen Namen wünschen. Teilnehmer von anderen Seminaren und Ausbildungen, je nachdem, was euer Seminarleiter gesagt hat, bleibt ihr entweder auch dabei oder ihr bleibt noch etwa zehn Minuten dabei. Ihr braucht nicht auf die Uhr zu gucken, wenn das Feuer entzündet ist und wir neunmal „Om Tryambakam“ gesagt haben, dann könntet ihr den Raum verlassen, dann seid ihr so ein bisschen mit eingeschwungen. Und neunmal das „Om Tryambakam“ mit diesem Feuer gibt euch schon eine besondere Kraft, natürlich, die anderen werden dann umso stärkere Kraft spüren.

Hari Om Tat Sat


Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3

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Tags: Mantra, Mrityunjaya, Om, Tryambakam, aha

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