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Ithihasa, wörtlich: so war es, so war es wirklich

Ithihasa ist eine Schriftgattung. Eine der vier klassischen Schriften, eine der vier orthodoxen Schriften sind die Ithihasas. Ithihasa besteht aus zwei Worten, nämlich Iti – so, und Hasa – war es, war es wirklich. Ithihasa sind also Schriften, die von sich behaupten, so war es wirklich. Ithihasas sind die so genannten Epen. Die zwei wichtigsten Epen sind die Ramayana und die Mahabharata. Im weiteren Sinne gehört auch die Yoga Vasistha zu den Ithihasas. Ithihasas gehören zu den vier Schriftgattungen, zu den vier klassischen Schriftgattungen oder auch orthodoxen Schriftgattungen, das heißt, die werden von allen Hindus als autoritativ angenommen. Da gibt es erstmal Veda, auch Shruti genannt. Das ist das Offenbarte, das sind die Vedas, die von den Rishis enthüllt wurden. Dann gibt es die Smritis, die Smritis sind die Überlieferungen bzw., wo auch die Regeln und die Gepflogenheiten drin stehen. Als drittes gibt es die Puranas. Purana heißt, das, was früher war. Puranas sind die Göttergeschichten, die Geschichten der Inkarnationen Gottes, der Avatare Gottes, der Manifestationen Gottes. Also, man könnte sagen, die Göttersagen, die sind in den Puranas.

Dann gibt es die Ithihasas und die Ithihasas sind die Epen, in denen Menschen eine besondere Rolle spielen. Zwar gibt es im Ramayana Ithihasa Rama und Sita, die als Avatare, als Inkarnationen von Lakshmi gelten, trotzdem, in dem ursprünglichen Ithihasa der Ramayana, also in der Valmiki Ramayana, dort wird Rama so dargestellt, als ob er gar nicht weiß, dass er Gott ist, Inkarnation Gottes. So kann man durchaus sagen, in der Ramayana wird Rama menschlich dargestellt. So spielen in den Ithihasas Menschen die Hauptrolle, während, in den Puranas spielen Götter die Hauptrolle. Wiederum gibt es Mahabharata. Mahabharata ist die Erzählung eines großen Herrschergeschlechtes, eben den Bharatias oder auch die Bharatas genannt, bezogen auf einen großen Herrscher namens Bharata. Und weil Bharata so großartig war, wurde dann sein Land auch als Bharata oder Bharata Varsha genannt, das war das Land des Bharata. Und Mahabharata ist so die Erzählung von Bharata und seinen Nachkommen, die Erzählung des Landes von Bharata. Und hier spielen wiederum Menschen eine besondere Rolle. Es gibt interessante Unterschiede zwischen der Bhagavatam und der Mahabharata, in beiden kommt Krishna vor. In der Bhagavatam ist klar, Krishna ist eine Inkarnation Gottes, Krishna bewirkt jede Menge Wunder, Krishna kann unendlich viel machen. In der Mahabharata merkt man, dass Krishna irgendwo auch Grenzen zu haben scheint, mindestens wird er so beschrieben. Und dort versucht Krishna sich als Vermittler, und letztlich, es gelingt ihm nicht. Krishna versucht, Frieden zu stiften, es gelingt ihm nicht. Krishna versucht den Kampf zwischen Kauravas und Pandavas positiv zu beeinflussen, er schafft es zwar, dass letztlich die Pandavas gewinnen, aber nicht durch Wunder, sondern letztlich durch Diplomatie, durch Instruktion und auch mal durch persönlichen Einsatz.

So sind Ithihasas Menschengeschichten. In den Ithihasas wird das Ringen des Menschen um Vollkommenheit beschrieben. In den Ithihasas gibt es jede Menge Dramas. Es gibt Dramas um Sex, um Liebe, um Macht, es gibt Krieg, es gibt Familiengeschichten, Familiendramen, es gibt Freundschaften, es gibt Liebesgeschichten, es gibt alle Emotionen, alles findet man in den Ithihasas. Die Ithihasas beschreiben die Vieldimensionalität des Menschseins. Die Ithihasas beschreiben auch, dass auch große Helden ihre Schwächen haben können, Ithihasas überzeichnen das auch. Manchmal, wenn man hört, wie die großen Helden sich verhalten haben, wird man sagen: „Held? Komisch. Eher Verbrecher.“ Aber andererseits, die scheinbaren Verbrecher, wo man sagen würde, „ja, das Böse“, stellt man fest, die sind zu unglaublicher Großzügigkeit und Uneigennützigkeit auch fähig.

In den Puranas findet man relativ häufig auch das Konzept des reinen Bösen, obgleich auch der reine Böse ursprünglich ein Deva war, ein Engelswesen, und der auch zum Schluss wieder zurückkommt. Aber in den Ithihasas, und das macht sie so faszinierend, dort sind die scheinbar Bösen auch die Guten. Z.B. gibt es in der Ramayana den Ravana, aber der Ravana war nicht nur ein Asura, also einer, der das Schlechte getan hat, er war auch ein Verehrer Shivas. Und bis heute werden einige Hymnen von Ravana an Shiva zur Verehrung von Shiva rezitiert, und nicht, weil man deshalb als Dämon enden will, sondern weil es eine Verehrung Shivas ist. Oder Duryodhana in der Mahabharata, auch dieser hat sehr gute Eigenschaften. Und die guten Pandavas verhalten sich manchmal auch nicht so gut.

So sind die Ithihasas faszinierende Darstellungen von menschlichem Handeln, menschlichem Tun. In den Ithihasas erfährst du die ganze menschliche Existenz in all seinem Spektrum. Ithihasas geben auch gute Handlungshinweise. Indem die Helden sich mal richtig, mal falsch verhalten, wirst du gelehrt und du weißt: „Möge ich gut mich verhalten.“ Und du bekommst auch Trost, auch den Helden im Ramayana und in der Mahabharata ist es nicht immer gelungen, sich gut zu verhalten. „Ich bemühe mich. Und so ähnlich, wie Arjuna nicht genau wusste, was er tun sollte, so mag ich das auch nicht wissen. Und so wie Arjuna wende ich mich an Gott, an Krishna oder Gott“ - oder die Göttin oder die göttliche Mutter, wie auch immer du es ausdrücken willst, und sagst, „Oh Gott, nicht mein Wille geschehe, dein Wille geschehe. Zeige mir dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten. Oh Gott, bitte, hilf mir.“ Ithihasa heißt zwar „so war es tatsächlich“, aber ob es wirklich so war, das wissen wir nicht. Es ist auch irrelevant, ob der Mahabharata-Kampf wirklich so stattgefunden hat und ob wirklich Rama eine Armee von Affen und Bären angeführt hat, um dort nach Sri Lanka über eine Brücke aus Bäumen zu kommen, um dort seine Sita zu befreien. Es ist eine Kraft darin, es ist eine spirituelle Kraft darin. Wenn du die Ramayana oder die Mahabharata studierst, fühlst du dich verbunden mit Rama, mit Krishna, du verstehst Menschsein in all seinem Drama und du lernst hoffentlich, ethisch dich zu verhalten, und du bekommst hoffentlich Inspiration für spirituelle Praxis. Ithihasa – die großen Sagen. Ithihasa – heilige Schriften, die zeigen, wie Menschsein ist. Ithihasa, wörtlich „so war es wirklich“.

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Tags: Ithihasa, Yoga Vidya Sanskrit-Lexikon, Yoga Vidya Sanskrit-Wörterbuch

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