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Indriya ist ein Sinnesorgan, Indriyas sind die Sinnesorgane. Es gibt in der indischen Philosophie zwei Arten von Sinnesorganen: Es gibt die Jnana Indriyas, auch Jnanendriyas genannt, das sind die Wahrnehmungsorgane, das, was man auch im Westen als Sinnesorgane versteht. Und es gibt die Karma Indriyas, Karmendriyas, die Handlungsorgane. Die fünf Jnana Indriyas oder auch die eigentlichen Indriyas oder Wahrnehmungsorgane sind: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen bzw. Tasten. Die fünf Handlungsorgane sind: Hände, damit verändert man etwas, sind Füße, stellvertretend dafür, dass man sich bewegt, dass man sich im Raum bewegt, dann Mund, zum Sprechen, Kommunizieren, wie auch zum Aufnehmen, dann Geschlechtsorgane, Fortpflanzung usw. und dann die Ausscheidungsorgane. Das sind die fünf Handlungsorgane. Das steht dafür, es gibt fünf Dinge, die wir in der Welt machen. Zum einen, wir verändern Dinge, dafür stehen die Hände. Zum zweiten, wir kommunizieren, dafür steht der Mund. Und in diesem Sinne, die Kommunikations-Indriyas, nicht nur Mund, sondern heutzutage sind es auch die Fingerspitzen zum Tippen und es gibt viele andere Weisen, wie man kommunizieren kann. Also, zunächst mal, etwas verändern, dafür stehen die Hände, kommunizieren, dafür steht der Mund. Schließlich können wir auch uns durch die Welt bewegen, dafür stehen die Füße, es geht aber auch mit Auto, es geht mit Bus, es geht mit Fahrrad, es geht mit Zug, es geht mit Rakete usw., so kann man also sich bewegen. Das ist also das dritte. Als viertes Fortpflanzung, das ist das nächste. Man könnte auch im weiteren Sinne sagen, da steht auch die Kreativität dafür. Und fünftens, Ausscheiden und letztlich Müll produzieren. Ursprünglich ist auch das, was man ausscheidet, ist durchaus etwas, was verwendbar ist. Was der Mensch heutzutage alles an Müll produziert, ist leider nicht für die Natur so sehr verwendbar.

Also, fünf Dinge, die man tut und dafür stehen die fünf Handlungsorgane. Und dann gibt es eben auch die fünf Wahrnehmungsorgane und im Grunde genommen, alles, was man wahrnimmt, nimmt man auf diese fünf Weisen wahr. Man sieht etwas, man hört etwas, man fühlt etwas, dann riecht man etwas und man schmeckt etwas. Und der ganze menschliche Geist, das ganze menschliche Denken, ist durch diese fünf Wahrnehmungsorgane geprägt. Wenn ich spreche z.B., spreche ich in Worten und damit etwas Hörbares. Auch wenn ich Selbstgespräche führe, auch das ist etwas Hörbares. Man kann aber auch in Bildern denken. Du kannst z.B. eine Pflanze sehen, das ist dann ein Bild dort. Oder ich kann dir sagen, stelle dir eine wunderschöne Rose vor. Oder ich kann dir sagen, der spirituelle Weg ist, wie auf einem Boot auf einem Fluss entlang zu schwimmen bis zum Ozean.

Jetzt hast du das gesehen. Also, du kannst es sehen. Man kann es aber auch spüren. Ich kann sagen, gehe tief in dein Herz hinein und spüre dort die Gegenwart Gottes. Fühle die göttliche Gegenwart im Herzen. Dann bist du im Spüren. Also, die fünf Sinne prägen unsere Art von Denken, und vermutlich unsere Art von Denken prägt wiederum die Sinne. Manche Tiere haben andere Sinne. Die Fische z.B. haben das Gleichgewichtsorgan, dann haben Pferde und Fledermäuse das so genannte Echolot und hören praktisch Distanzen und können die Entfernung über Distanzen wahrnehmen. Es ist nicht einfach nur ein Hören, es ist etwas anderes. Natürlich, für einen Hund ist alles Geruch, da ist der Geruchsinn besonders stark. Das ist auch hilfreich, das zu verstehen. So wie du die Welt wahrnimmst, so ist sie nicht wirklich. Die Wahrnehmung prägt dein Bild von der Welt.

Angenommen, du bist blind geboren, die Welterfahrung ist eine andere. Angenommen, du bist taubstumm und hast noch nie ein Wort gehört, die Welt ist eine andere. Und manche Menschen im Alter verlieren den Geruchsinn, das ist bei Männern mehr als bei Frauen, die Welt wird eine andere. Sicherlich, das Fühlen, das Hören und das Sehen sind am wichtigsten, aber auch Schmecken und Riechen sind wichtig und hängen ja auch miteinander zusammen. So spielen also die Indriyas eine wichtige Rolle und es hilft auch, wenn du erkennst, dass Indriyas eine Weise sind, Wahrnehmungen zu strukturieren. Die Welt ist nicht so, wie du sie wahrnimmst. Die Welt, wie du sie wahrnimmst, wird geprägt durch die Indriyas. Was du erfährst, ist ein Zusammenspiel aus Welt und Indriyas und zusätzlich aus deinen eigenen Vorstellungen, deiner eigenen Erfahrung. All das hilft, zu verstehen, dass die Welt, so wie du sie wahrnimmst, nicht wirklich ist. Es hilft dir auch, zu verstehen: „Ich bin nicht das Wahrgenommene.“ Es hilft dir hoffentlich, dich mehr in Gelassenheit und Gleichmut zu üben. Wenn du weißt: „Ich bin nicht beschränkt auf das sinnlich Wahrnehmbare. Ich bin nicht die Sinne.“ Dann erfährst du nämlich: „Aham Brahmasmi. Ich bin eins mit BrahmanSatchidananda Swarupoham. Meine wahre Natur ist SeinWissen und Glückseligkeit. Es ist großartig, dass ich Sinne habe, es ist großartig, dass ich Wahrnehmungsorgane habe, es ist großartig, dass ich Dinge tun kann, aber ich bin darauf nicht beschränkt. Es sind eben Organe, es sind Instrumente und ich will sie nutzen, ich bin dankbar dafür. Aber ich lasse mich nicht zum Sklaven machen.“

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Tags: Indriya, Sinnesorgan, Yoga Vidya Sanskrit-Lexikon, Yoga Vidya Sanskrit-Wörterbuch

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