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Iccha ist Wunsch, ist Wille und Willenskraft. Iccha hat, je nachdem in welchem Kontext es genannt wird, unterschiedliche Bedeutung. Iccha, sogar das „a“ am Ende ist lang. Iccha ist also Willenskraft. Meistens verwenden wir es bei Yoga Vidya, wie in der Tradition von Swami Sivananda, als Willenskraft. Da gibt es den Wunsch, was Vasana ist, oder auch als Raga, als Mögen, und es gibt Iccha, als Wille. Iccha, in dem Sinne, ist die Kraft hinter Buddhi. Wenn man etwas eingesehen hat, was man umsetzen will, die Kraft, mit der man es einsetzt, ist Iccha oder Iccha-Shakti. Iccha wird aber auch verwendet im Kontext zu Jnana-Shakti, Iccha-Shakti und Kriya-Shakti, die drei Kräfte, die der Mensch hat, und die drei Manifestationen von der Kraft der göttlichen Mutter im Menschen.

Da gibt es zunächst mal Jnana-Shakti, die Kraft der Erkenntnis. Dann gibt es Iccha-Shakti, die Kraft des Wollens. Und dann gibt es Kriya-Shakti, die Kraft des Handelns. Man muss Kraft haben, zu handeln, man braucht die Kraft zum Wollen und man braucht die Kraft der Erkenntnis. Ist eines der drei gestört, dann funktioniert etwas nicht. Der Mensch hat die Fähigkeit, zu wollen, er hat die Fähigkeit, zu handeln, und die Fähigkeit zur Erkenntnis. So ist Iccha-Shakti die Kraft des Wollens. Des Weiteren, Iccha eben im Sinne von, du magst Wünsche haben, z.B. magst du den Wunsch haben auf Schokolade, du magst den Wunsch haben, deine Ernährung so wie bisher fortzusetzen. Du hast aber vielleicht erkannt, du willst dich gesund ernähren, du willst dich ernähren von Salaten, Gemüsen, von Hülsenfrüchten, Vollkorngetreiden, Obst. Und dann kommt der Wunsch, „ich will aber Schokolade“ oder „ich will aber….“. Und dann sagst du: „Nein, ich will es nicht.“ Iccha-Shakti, die Kraft des Willens. Manchmal reicht die Kraft des Willens nicht aus und dann musst du dich tricksen mit Affirmationen, mit Visualisierung, mit geschicktem Umgang, mit Sublimieren usw. Manchmal muss es vom Intellekt her kommen, Buddhi muss sagen: „Ja, ich kenne mich realistisch, ich muss es einfach so und so machen.“

Es gibt auch manchmal Menschen, die nehmen sich zu viel vor. Das gibt es oft, dass Menschen abnehmen wollen. Und dann wollen sie abnehmen und sagen: „Ich wiege jetzt 80, ich will 60 Kilo wiegen.“ Und sie sagen: „Das will ich in vier Wochen machen.“ Das ist absolut unrealistisch, das wird nicht funktionieren, sie könnten sich die Vorsätze gleich sparen. Da braucht man letztlich die Buddhi, die Vernunft, wo man sagt: „Ja, so und so ist es realistisch, so und so kann ich es machen.“ Und dann kann man Buddhi nehmen, um praktisch mit sich selbst geschickt umzugehen.

Es gibt aber auch Willensmenschen, wenn die sich etwas vornehmen, dann machen die es auch. Und sie wissen natürlich, wie viel sie sich vornehmen können, aber sie machen es auch, das ist mit starker Iccha-Shakti. Man kann die Iccha-Shakti vergrößern, die Kraft des Willens, indem man das tut, was man sich vorgenommen hat, einfach indem man sie öfters benutzt. Wenn du dir etwas vornimmst, setze es um. Wenn du etwas umsetzen willst, dann setze es auch um. Nimm dir nichts vor, was du nicht umsetzen kannst, oder was du nicht mindestens hauptsächlich umsetzen kannst. Wenn du ein Versprechen machst, dann halte es. Wenn du dich für etwas verpflichtet hast, dann setze es um. Wenn du eine Verantwortung hast, dann werde der Verantwortung gerecht. Wenn du dir mit deinen spirituellen Praktiken etwas vorgenommen hast, dann setze sie um. All das stärkt Iccha-Shakti, die Willenskraft. Fange mit Kleinem an und baue sie weiter aus. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, heißt es so schön. Daher gilt es, die Iccha-Shakti, die Willenskraft, zu entwickeln und zu entfalten. Gerade im Raja Yoga und auch im Jnana Yoga spielt Iccha eine Rolle. Zwar findet man im Yoga Sutra nicht den Ausdruck „Iccha“, aber die großen Yogameister sagen immer, im Raja Yoga braucht man die Willenskraft. Wenn du all das umsetzen willst, was im Yoga Sutra steht, dann brauchst du Willenskraft, das musst du tun.

Auch für Hatha Yoga, um da regelmäßig zu sein, brauchst du eine gewisse Willenskraft. Im Bhakti Yoga brauchst du sie nicht so sehr, du sagst: „Oh Gott, ich kann nicht, es geht nicht, ich habe nicht die Kraft. Bitte, hilf du mir. Oh Gott, ich kriege es nicht umgesetzt, bitte, hilf du mir. Dein Wille geschehe.“ Im Christentum würde man: „Oh Gott, du hast diese Gebote gegeben, die zehn Gebote, und außerdem hast du gesagt, ich soll Nächstenliebe üben und Feindesliebe und uneigennützige Nächstenliebe. Ich kriege das nicht hin. Du bist für mich gestorben, bitte, hilf du mir.“ Oder im Bhakti Yoga sagt man: „Oh Krishna, du hast in der Bhagavad Gita gesagt, wenn man es nicht selbst hinkriegt, dann machst du alles für mich. Bitte, hilf mir.“ In diesem Sinne, gibt es auch die Möglichkeit, zur Verwirklichung zu kommen, ohne Iccha. Und manche modernen Jnana Yogis sagen auch, man braucht gar nicht die Willenskraft so sehr anstrengen. Frage, wer bin ich, erkenne dein Selbst und sei frei.

Dennoch, gerade im Raja Yoga, Kundalini Yoga, Hatha Yoga, da ist Iccha wichtig. Und wenn du diese Yoga Wege gehen willst bis zur Verwirklichung, dann kultiviere deine Willenskraft. Kultiviere deine Willenskraft, indem du das tust, was du dir vornimmst. Kultiviere deine Willenskraft, indem du deiner Verantwortung, deiner Pflicht bewusst wirst. Kultiviere deine Willenskraft, indem du sie schrittweise entwickelst. Kultiviere deine Willenskraft, indem du weißt, was du willst. Kultiviere deine Willenskraft, indem du ethisch klar handelst. Kultiviere Iccha, deine Willenskraft, indem du auch dich Gott hingibst. Kultiviere Iccha auch, indem du öfters das nicht tust, was du willst, und das tust, was du nicht willst.

Tapas, in diesem Sinne als Askese, hilft auch, Iccha-Shakti zu entwickeln. Einen starken Willen zu haben, macht vieles leichter. Es gibt auch Yogawege, die ohne Kultivierung von Iccha funktionieren, aber die meisten Yogawege brauchen Iccha, und gerade wenn du auch im Alltag erfolgreich sein willst, gerade wenn du viel bewirken willst, brauchst du auch Iccha. Ein Mensch mit viel Iccha-Shakti kann auch andere mitreißen und kann Dinge zum Erfolg führen. Swami Sivananda schreibt deshalb auch in seinem Buch „Erfolg im Leben und Selbstverwirklichung“ sehr viel über Iccha, über die Entwicklung von Willenskraft. Und auch auf den Yoga Vidya Seiten, wenn du eingibst, „Wille“ oder „Willen“ oder „Iccha“, findest du einige Tipps, was du noch machen kannst, um deine Willenskraft zu entwickeln. Willenskraft aber im Dienste von der guten Sache. Willenskraft im Sinne von Maitri, Freundlichkeit, im Sinne von Prema, Liebe, als Instrument und als Hingabe an Gott. Iccha – Wille, Willenskraft, Wunsch.

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Tags: Iccha, Wille, Willenskraft, Wunsch, Yoga Vidya Sanskrit-Lexikon, Yoga Vidya Sanskrit-Wörterbuch

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