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Die fünf Silas sind die fünf grundlegenden Regeln im Buddhismus. Sie ähneln den Geboten im Yoga (Patanjali) und im Christentum (Moses).

Der erste Gebot ist es nicht zu töten. Wir können es so verstehen, dass wir andere Wesen nicht verletzen sollen. Wir gehen gewaltlos durch unser Leben. Wer andere Wesen verletzt, erntet ein schlechtes Karma. Wer allen Wesen Gutes tut, auf den kommt Gutes zu.

Das zweite Gebot ist es nicht zu stehlen, sich nicht ungerechtfertigt zu bereichern. Ein Buddhist verhält sich im Geschäftsleben stets fair. Ebenso in seinen mitmenschlichen Beziehungen. Man kann ihm vertrauen.

Das dritte Gebot ist es nicht zu lügen. Ein Buddhist lebt in der Wahrheit, spricht die Wahrheit und strahlt Wahrheit aus. Dadurch glauben die Mitmenschen seinen Worten. Er kann viele Menschen mit seiner Weisheit erreichen.

Die vierte Regel besteht darin, kein sexuelles Fehlverhalten zu praktizieren. Sex wird in der heutigen Zeit leider viel missbraucht. Christliche Priester missbrauchen die ihnen anvertrauten Kinder. Spirituelle Meister missbrauchen ihre Anhängerinnen. Sie nutzen ihr Vertrauen und ihre Machtstellung um Sex mit ihnen zu haben. Es gibt auch im Buddhismus leider viele Fälle von sexuellem Missbrauch.

Die große Frage ist, was sexueller Missbrauch genau ist. Im Buddhismus kommt es entscheidend auf die innere Motivation eines Menschen an. Will er sein Ego stärken und seinen Mitmenschen schaden? Oder will ihnen Gutes tun und sie spirituell voran bringen? Das ist beim Sex oft nicht einfach zu erkennen. Die Grundregel ist es deshalb sich an die gesellschaftlichen Normen zu halten. Ein Lehrer sollte nicht mit seinen Schülerinnen Sex haben. Ein Beziehung sollte auf der Basis Liebe, Wahrheit und Treue beruhen. Freie Liebe ohne Treue ist abzulehnen, weil sie meistens einem Beteiligten schaden und ihn psychisch verletzt.

Das fünfte Gebot ist das Verbot von berauschenden Mitteln. Ein Buddhist sollte immer einen klaren Geist haben. Drogen, Alkohol und Zigaretten sollten vermieden werden. Leider sind Rauschmittel in der heutigen Zeit weit verbreitet. Der erste Schritt für einen Buddhisten ist es deshalb seinen Konsum in einem verträglichen Rahmen zu halten. Der zweite Schritt ist es alle Süchte zu überwinden und sein Glück aus seinem Inneren zu beziehen.

Warum ist es so wichtig, dass sich spirituelle Menschen an die moralischen Gebote halten? Auf dem spirituellen Weg entwickeln wir unsere innere Energie. Wer große Energie hat, besitzt eine große Macht über seine Mitmenschen. Er kann diese Macht für das Gute oder das Böse benutzen. Er kann mit seiner Macht die Welt zerstören oder sie retten. Er kann seine Mitmenschen ins Licht oder in die Dunkelheit führen. Er kann letztlich sogar mit seiner starken Energie sich selbst retten oder sich selbst zerstören.

Wir müssen mit der spirituellen Energie sensibel und positiv umgehen. Deshalb legt der Buddhismus großen Wert auf die Geistesschulung. Meditation und Geistesschulung müssen verbunden werden, weil sich die inneren Kräfte sonst leicht in eine falsche Richtung entwickeln können.

Es war einmal ein Mönch, der meditierte viel und erlangte durch seine Meditation eine große innere Kraft. Seine Mitmenschen spürten seine innere Kraft und bewunderten ihn. Er beschloss deshalb als buddhistischer Lehrer um die Welt zu reisen. Er war sehr erfolgreich und hatte viele Schüler. Doch leider fand er Gefallen an den weltlichen Genüssen. Er hatte Sex mit seinen Schülerinnen. Er verwendete das Geld seiner Anhänger für einen extremen weltlichen Konsum. Er tat letztlich alles das, was ein buddhistischer Lehrer nicht tun sollte.

Er rechtfertigte sein Verhalten damit, dass er ein tantrischer Meister sei, der gegen alle gesellschaftlichen Regeln verstoßen dürfe. Er würde letztlich zum Wohle seiner Mitmenschen handeln. Da aber viele Schülerinnen sich sexuell missbraucht fühlten und unter psychischen Probleme zu leiden begannen, bekamen immer mehr Menschen Zweifel an seinem Weg.

In der westlichen Presse wurde sein Verhalten breit diskutiert. Es schadete offensichtlich dem guten Ruf des Buddhismus. Es hielt die Menschen davon ab, sich dem buddhistischen Weg zuzuwenden. Immer mehr Anhänger distanzierten sich von dem Meister. Ein gut begonnener Weg hatte ein schlechtes Ende.

Es geht in dieser Geschichte nicht um einen speziellen Meister. Es gibt ebenso wie im Christentum und im Hinduismus auch im Buddhismus viele spirituelle Lehrer, die gegen die grundlegenden Regeln ihrer Religion verstoßen. Und es wird sie immer geben. Wir können uns nur persönlich dadurch schützen, dass wir jeden spirituellen Lehrer genau prüfen, bevor wir uns auf ihn oder sie einlassen. Und wir sollten Fehlverhalten öffentlich benennen und öffentlich darüber diskutieren, um unsere Mitmenschen zu schützen.

Erleuchtung ist über der Ebene der Dualität, über der Einteilung in Gut und Böse. Aber als Buddhisten wünschen wir eine Welt der Liebe, des Friedens und des Glück. Dafür ist es erforderlich, dass es bestimmte Regeln auf der Welt gibt. Es gibt auch Regeln im Umgang der Religionen miteinander und der Menschen in einer Religion untereinander. Wir sollten uns immer an die Grundsätze Wahrheit, Liebe und Freundlichkeit halten. Wir sollten uns um Harmonie in der Welt, in uns und in unserer Gruppe bemühen. Wir sollten Mitgefühl auch mit Menschen haben, die sich falsch verhalten haben. Aber gleichzeitig sollten wir verhindern, dass sich falsches Verhalten auf der Welt ausbreitet.

In dem Buch der Meister der Mahamudra gibt es viele Geschichten von Meistern, die sich über die Regeln von Gut und Böse hinweggesetzt haben um zu demonstrieren, dass die Erleuchtung über der Ebene der Dualität liegt. Manchmal kommt man gerade dadurch zur Erleuchtung, dass man etwas tut, was ein spiritueller Mensch eigentlich nicht tun sollte. Aber das sollte die Ausnahme bleiben und muss sehr gut begründet sein. Grundsätzlich sollte man sich an die allgemein geltenden Regeln halten.

Es ist manchmal nicht einfach zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Letztlich muss jeder seine eigene Wahrheit finden. Jeder ist für sich und seinen Weg verantwortlich. Jeder wird die Ergebnisse seines eigenen Verhaltens ernten. Ich persönlich lehre die Grundsätze Liebe, Frieden, Weisheit, Glück und Selbstdisziplin. Ich versuche mich daran zu halten, auch wenn es mir nicht immer gelingt. Auch ich bin nicht perfekt, aber ich arbeite daran.

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