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Großes Märchenfest auf der Pferdewiese nebenan. Selbstverständlich wurde ich als Yogi eingeladen. Ich musste erstmal meine Rolle finden. Ich setzte mich auf einen Stuhl am Randes des Geschehens und beobachtete die Situation. Da gab es viele türkische Frauen, deutsche Frauen und einige schwarze Frauen. Sie saßen an großen Tischen und praktizierten ihre Lieblingsbeschäftigung: reden und essen. Dann waren da die kleinen wilden Jungs, die Fußball spielten. Es war schließlich gerade Fußball-Europa-Meisterschaft. Ein kleines Mädchen fragte mich, ob ich für Deutschland sei. Ich erwiderte, dass ich für alle sei.

Die kleinen Jungs entdeckten mich, kamen auf mich zugerannt und riefen: "Du bist doch der Zauberer. Kannst du Geld zaubern?" Natürlich konnte ich Geld zaubern. Das muss ein guter Zauberer können. Das ist das Wichtigste für kleine Jungs. Zum Glück hatte ich vorsorglich die Cent-Münzen aus meinem Portemonnaie geräumt und in meiner Hosentasche plazziert. Unauffällig klemmte ich sie mit drei Fingern in meiner rechten Hand fest. Dann streckte ich die Zeigefinger beider Hände zum Himmel, kreiste damit im Himmel und rief: "Abrakadabra, simsalabim, dreimal schwarzer Kater, möge es Geld vom Himmel regnen." Ich legte die Hände zusammen, in der Mitte mit Hohlraum, und schüttelte sie kräftig. Man hörte schon die Münzen klingeln. Alle Kinder machten mit und schüttelten auch ihre zusammengelegten Hände. Dann öffneten wir die Hände. Und oh Wunder. In meinen Händen lagen viele Geldmünzen. In den Händen der Kinder noch nicht. Sie müssen noch etwas üben. Aber zum Trost durfte jeder eine Münze aus meinen Händen nehmen. Da waren alle Kinder glücklich. Und der alte Zauberer auch.

Jetzt wurden die türkischen Frauen auf mich aufmerksam. "Du bist doch der Wahrsager?" Ich bekam zwei Stühle. Auf einen durfte sich der Chefwahrsager setzen und auf den anderen setzten sich nacheinander alle muslimischen Frauen. Warum muslimische Frauen meine Orakelkarten so lieben? Ist das nicht im Islam verboten? Wahrscheinlich ist das wie im Christentum. Die Dogmatiker verbieten das und das Volks erfreut sich daran. Ich verbinde mich bei jeder Orakelkarte immer mit Gott und lasse seine Energie durch mich durchfließen. Gott handelt und nicht ich. So ist es auch bei den Christen erlaubt. Bei den Christen gab es wie bei den Muslimen viele Propheten, die die Zukunft vorhergesagt haben.

Die muslimischen Frauen wollten nur wissen, ob ihre Töchter einen Mann kriegen und wenn ja, einen guten. Eigentlich ist mir diese Frage zu weltlich. Aber ehrlicherweise würde mich das auch bei mir interessieren. Wann endlich die Traumfrau in mein Leben tritt. Sie sollte sich beeilen, sonst bin ich irgendwann zu alt. Obwohl, für die Liebe ist man nie zu alt.

Bei einer muslimische Frau wollte es nicht mit dem Traummann klappen. Ich zog eine Karte nach der anderen und immer kamen düstere Vorboten. Aber beim fünften Versuch bekam sie die Glückskarte. Volltreffer. Ein jubelndes Paar mit zwei Kindern unter einem Regenbogen. Da freuten sich alle Frauen mit ihr. Manchmal muss man dem Glück etwas nachhelfen.

Ein kleines Mädchen von etwa zehn Jahren verliebte sich in mich. Sie flirtete mit mir und wollte alles von mir wissen. Ich erklärte ihr die Orakelkarten und bildete sie zur weisen Frau aus. Glücklich zog sie mit meinen Karten durch die Menge und sagte allen türkischen Frauen das Schicksal voraus. Schwerter bedeutet das Ego zu opfern und die Dinge anzunehmen. Münzen bedeuten Glück und Reichtum. Stäbe bedeuten mit Kraft voran. Und die Kelche verlangen Weisheit und inneres Gespür.

Etwas traurig machte mich eine junge schwarze Muslima von etwa 16 Jahren. Sie saß schüchtern mit ihrem Kind am Rande des Geschehens. Ich vermute, dass sie zwangsverheiratet worden war. Auch sie wollte ihre Zukunft wissen. Was sollte ich ihr raten? Ich war nicht in der Position ihre Lage zu verändern. Das Orakel sagte, dass sie ihre Situation annehmen und das Beste daraus machen sollte.

Bei den türkischen Frauen fiel mir auf, dass es zwei Gruppen gab. Es gab die rundlichen Powerfrauen, die überall das Sagen hatten. Und die Mehrzahl bildeten verschüchterte Frauen mit Kopftuch, die sich den islamischen Regeln und ihren Männern unterwarfen. Sie konnten kaum Deutsch. Ihre Kinder dagegen waren vermutlich durch Kindergarten und Schule völlig integriert und wirkten wie deutsche Kinder. Ein großer Kulturbruch. Er zeigt aber auch wie schnell die Ausländer in Deutschland intergriert werden.

Ich begann mit meinem Harmonium zu spielen. Das konnte ich nicht lange tun. Durch das fremdartige Instrument wurde die Neugier der Kinder geweckt und alle wollten es selbst ausprobieren. Die eine Gruppe betätigte den Blasebalg und die andere Gruppe drückte auf die Klaviertastatur. Die Jungs wollten hauptsächlich Krach machen und die Mädchen schöne Melodien hervorzaubern.

Natürlich gab es dabei Streit. Ich erklärte streng, dass bei mir nicht gestritten wird. Da waren sie alle wieder friedlich. Eine friedliche Welt braucht klare Regeln. Gut, dass ich in meiner Welt der Boss bin. In meiner Welt gibt es nur Liebe, Frieden und Glück. Und so wurde es ein glückliches Märchenfest. Noch lange danach spürte ich die Liebe und das Glück der Menschen in meinem Herzen.

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