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In Deutschland geht es den Menschen überwiegend materiell gesehen relativ gut. Aber auch hier gibt es materiellen Mangel. Es fehlen Wohnungen, die Grundsicherung reicht nicht aus und der Reichtum ist ungleich verteilt. Das Hauptproblem in Deutschland ist aber das mangelnde innere Glück der Menschen. Der äußere Reichtum hat sich in den letzten 50 Jahren verdoppelt und das innere Glück ist geschrumpft. Die Zahl der psychischen Erkrankungen hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Etwa ein Drittel der Menschen in Deutschland ist psychisch krank. Sie leiden unter Ängsten, Süchten und Depressionen.

Eine Ursache ist der wachsende Leistungsdruck in der Wirtschaft. Viele Menschen erleiden einen Burnout. Die Arbeitsbedingungen müssen so gestaltet werden, dass die Menschen gesund und glücklich bleiben. Hier kann die Politik viel tun. Sie hat das Problem derzeit aber noch nicht erkannt. Ich fordere eine Arbeitszeitverkürzung, weniger Stress und mehr Glück in der Arbeitswelt.

Die zweite große Ursache für das innere Unglück der Menschen in Deutschland ist das Privatfernsehen. Es orientiert die Menschen auf äußeren Konsum, stärkt die Aggression und verbreitet falsche Glückswerte. Die Glücksforschung berichtet von einem Indianerstamm in Alaska, der glücklich und zufrieden vor sich hin lebte. Durch die Einführung des Fernsehens wurden die traditionellen Werte zerstört und Aggressionen und Unzufriedenheit kehrten in dem Stamm ein.

Wir können das Privatfernsehen nicht mehr abschaffen. Aber wir können unsere Kinder in den Schulen befähigen positiv mit dem Fernseher umzugehen. Und wir können im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verstärkt über die Glücksforschung informieren und motivierende Filme zeigen.

Eine dritte große Ursache des wachsenden Unglücks in Deutschland ist der Verfall der positiven Werte und Strukturen. Früher lehrten die christlichen Kirchen Werte wie Liebe, Frieden und ein gutes soziales Miteinander. Heutzutage zerfallen die Kirchen und kaum noch ein Mensch orientiert sich am christlichen Glauben. Nur etwa 10 % der Menschen gehen regelmäßig in die Kirche. Wir brauchen eine neue positive Philosophie der Menschen. Diese Philosophie kann der Weg des Glücks auf der Grundlage der Glücksforschung sein.

Inneres Glück entsteht durch das Üben positiver Eigenschaften, durch die Arbeit an den Gedanken, durch Sport, Singen, Meditation und ein gutes soziales Miteinander. Hier kann jeder Einzelne viel für sein inneres Glück tun. Gesamtgesellschaftlich brauchen die Menschen aber Unterstützung durch die Politik. Es müssen Glücksstrukturen aufgebaut und gefördert werden. Das beginnt mit der allgemeinen Einführung des Schulfaches Glück. Des weiteren ist die Glücksforschung an den Universitäten zu fördern. Psychotherapeuten und Ärzte müssen ihren Patienten den Weg der Gesundheit und des Glücks zeigen. Glücksgruppen müssen aufgebaut werden. Eine Glückskultur muss in Deutschland entstehen. Wir brauchen kein Heimatministerium, sondern ein Glücksministerium.

Wir sollten nicht nur fragen, wie die alten Menschen, die Kinder, die Armen gut versorgt werden. Wir sollten uns überlegen, wie wir sie glücklich machen können. Ich habe einige Jahre in einem Altersheim mit den Alten gesungen. Das gelang aber nur gegen den Widerstand der Heimleitung und vieler Altenpfleger. Nicht gelungen ist es mir einen Besuch für eine arme, alte und einsame Frau zu organisieren. Das wurde von der Heimleitung boykottiert. Wir brauchen aber verstärkt derartige Hilfen. Wir müssen Vereine und Einzelpersonen fördern, die sich dafür engagieren.

Der wichtigste Punkt für das Glück der Menschen ist ein gutes soziales Miteinander. Und hier beobachten wir in Deutschland zunehmenden Hass, eine wachsende Vereinzelung, zerfallende Beziehungen, Stress in den Familien und ein Schrumpfen der Vereinsszene. Nur wenige Menschen engagieren sich politisch. Immer weniger Menschen machen Musik oder singen in einem Chor. Es gibt viele gute Freizeitangebote, aber zu wenige Menschen nutzen sie. Hier muss ein Umdenken in Deutschland stattfinden. Und teilweise gibt es das auch schon. Es gibt Nachbarschaftstreffen, Stadtteilfeste und die Volkhochschulen. Es gibt Stadtteilbeauftragte, die für ein gutes Miteinander der Menschen in ihrem Stadtteil oder in ihrer Wohnsiedlung sorgen. Es gibt viele gute Ansätze. Die Politik kann sie fördern und ausbauen.

Es gibt Länder wie Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und die Schweiz, die auf der Glücksrangliste der UNO weit vor Deutschland stehen (7,8 statt 6,7 Punkten auf der Zufriedenheitsskala). Es gelingt ihnen das allgemeine Glück besser zu organisieren, obwohl es auch dort ein kapitalistisches Wirtschaftssystem gibt. Auf Platz 1 des Happy Planet Index, bei dem neben der Lebenszufriedenheit auch der Umweltschutz berücksichtigt wird, steht Costa Rica. Deutschland liegt weit abgeschlagen auf Platz 49. Auch eine gesunde Umwelt ist wichtig für das Glück der Menschen und vor allem für ihre Gesundheit.

Weltweit sehr bekannt geworden ist Bhutan. Bhutan ist ein kleines Land nördlich von Indien im Himalaya Gebirge. Dort wird regelmäßig das Glück der Einwohner durch Befragungen gemessen. Staatsziel ist nicht die maximale Anhäufung von Geld (Bruttosozialprodukt), sondern die Förderung des Glücks der Menschen (Bruttosozialglück). Staatsreligion ist der Buddhismus, dessen Ziel das Glück und die Erleuchtung aller Menschen ist. Das ist sicherlich sehr glücksfördernd. Aber leider wurde dort vor einigen Jahren das westliche Konsumfernsehen eingeführt. Es führte zu einem deutlichen Glücksverlust, zum Anwachsen der Kriminalität und der Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Wenn man in einem armen Entwicklungsland lebt und dann immer die reichen und glücklichen Menschen im Fernsehen sieht, dann möchte man auch in einem reichen westlichen Land leben und wird mit seiner Situation unzufrieden.

Ein ähnlicher Effekt tritt auch in Afrika auf. Die Menschen in den Slums orientieren sich an dem Leben der Superreichen im Fernsehen mit viel Geld, teuren Kleidern, großen Autos und schönen Villen. Sie wollen das auch haben. Sie durchschauen nicht, dass äußere Dinge nur begrenzt glücklich machen und man vor allem sein inneres Glück entwickeln muss. Sie erfahren nichts von der Glücksforschung, sondern lassen sich von der Konsumideologie manipulieren.

Wir aber wissen es besser. Laut Glücksforschung kommen 90 % des Glücks eines Menschen aus seinem Inneren, seiner eigenen Psyche. Nur 10 % werden durch äußere Dinge beeinflusst. Grundsätzlich lebt jeder Mensch auf einem bestimmten Glücksniveau. Zwar gibt es im Leben jedes Menschen Freude und Leid. Nach solchen Ereignissen kehrt die Psyche aber immer wieder zu dem persönlichen Glückslevel zurück.

Lottogewinne machen nicht dauerhaft glücklich. Äußerlich reich zu sein macht nicht dauerhaft glücklich. Die Reichen sind innerlich nicht wesentlich glücklicher als die Armen. Das bestätigt die Glücksforschung immer wieder durch Untersuchungen. Menschen, die nach äußerem Reichtum oder eine beruflichen Karriere streben, sind langfristig unglücklicher als Menschen, die ihr Glück in einer Familie, in guten Freunden oder einer guten Beziehung suchen.

Was folgt daraus? Wenn wir in unserem Leben glücklich werden wollen, dann müssen wir vorwiegend an uns selbst arbeiten. Wir sollten achtsam auf unsere Gedanken sein, negative Gedanken stoppen, positive Gedanken fördern, regelmäßig Yoga machen, meditieren und Stress soweit wie möglich vermeiden. Des weiteren sollten wir uns ein positives Umfeld aufbauen, positive Kontakte pflegen und glückliche Beziehungen haben. Und uns auch um das Glück unserer Mitwesen kümmern und ihnen helfen, soweit es uns möglich ist. Denn regelmäßig andere Menschen Gutes zu tun ist einer der stärksten Glücksbringer.

Wir sollten systematisch nach den Erkenntnissen der Glücksforschung leben. Dann erhalten wir ein glückliches Leben. Und wenn wir dann noch Zeit und Kraft haben, dann sollten wir nach Erleuchtung streben. Dann steigert sich unser inneres Glück noch um ein Vielfaches. Dann leben wir relativ dauerhaft in den Energien der Liebe, des Frieden und des Glücks. Insofern zeigt uns Bhutan den besten Weg auf.

Video Bhutan: https://www.youtube.com/watch?v=lQy_SESY2ls&t=143s

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Kommentar von kevier am 26. Dezember 2018 um 5:53pm

Sehr schöner Beitrag der zum Nachdenken anregt. Danke dafür

Kommentar von Rosenreslie am 26. Dezember 2018 um 7:05pm

Lieber Nils, das ist der beste und schönste Beitrag von Dir den ich je gelesen habe.
Ich stimme Dir in allem zu. Ganz liebe Grüße Rosenreslie

Kommentar von Maeggie am 27. Dezember 2018 um 2:57am

Ein paar Missstände, die unbedingt und zeitnah behoben werden müssen, hast du ja benannt: einem Obdachlosen nützt regelmäßiges Meditieren und Yoga üben nicht so wahnsinnig viel - zuerst und vor allem braucht er eine bezahlbare Wohnung.
Neben bezahlbarem Wohnraum halte ich faire Bildungschancen, funktionierende Infrastruktur und natürlich einen funktionierenden Sozialstaat für wichtig.
Ihre Religion suchen sich die Leute dann schon selbst aus, wenn sie denn eine wollen.
Und das Märchen, dass der Buddhismus die Leute so viel besser, friedlicher und glücklicher macht als beispielsweise das Christentum und der Islam hat sich ja nun gerade in Myanmar als solches erwiesen - wo die buddhiistische Mehrheit gegen die muslimische Minderheit der Rohingya mit einer unglaublichen Brutalität und Gnadenlosigkeit vorgegangen ist.

Was ich jedoch bestätigen möchte, ist, dass es glücklich macht, andere Menschen glücklich zu machen und nicht nur an den eigenen Vorteil zu denken - und so schöne Wörter wie "genug" und "zufrieden" wieder in sein aktives Vokabular aufzunehmen.

In diesem Sinne: eine frohe restliche Weihnachtszeit.

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