Geschichten des Meisters Zhuangzi

 
 Zhuangzi (auch bekannt als Chuang Tzu oder Dschuang Dsi) war ein chinesischer Philosoph und Schriftsteller, der im 4. Jahrhundert v. Chr. lebte. Er ist am besten für sein Werk „Zhuangzi“ bekannt, das eine Sammlung von philosophischen Texten und Geschichten enthält, die seine Gedanken und Ideen über den Daoismus, die Natur des Lebens und die menschliche Existenz reflektieren.

 

Zehn bekannte Geschichten von Zhuangzi

  1. Der Schmetterlingstraum: In dieser berühmten Geschichte reflektiert Zhuangzi über die Natur der Realität und Identität. Er träumt davon, ein Schmetterling zu sein, der glücklich und sorglos durch die Luft fliegt. Als er aufwacht, fragt er sich, ob er Zhuangzi ist, der von einem Schmetterling träumte, oder ob er tatsächlich ein Schmetterling ist, der von Zhuangzi träumt.
  2. Die Geschichte vom glücklichen Fisch: Zhuangzi erzählt die Geschichte eines alten Mannes, der einen glücklichen Fisch bewundert, der im Fluss schwimmt. Der Mann beschließt, den Fisch zu fangen und ihn in seinem Teich zu halten, damit er immer glücklich sein kann. Doch als der Fisch im Teich ist, verliert er seine Freiheit und sein Glück.
  3. Die Geschichte vom glücklichen Schwein: Ein Mann beobachtet ein Schwein beim Schlachten und bemerkt, wie ruhig und gelassen es ist. Er fragt den Metzger nach dem Geheimnis des glücklichen Schweins und erfährt, dass das Schwein nicht über Vergangenheit oder Zukunft nachdenkt und einfach im Moment lebt.
  4. Die Geschichte vom Turm des Vogels: Ein Vogel fliegt hoch in den Himmel und blickt von oben auf die Welt herab. Als er wieder auf die Erde zurückkehrt und seinen Artgenossen von seiner Erfahrung berichtet, lachen sie ihn aus und sagen ihm, dass sie lieber am Boden bleiben würden. Die Geschichte weist auf die Erfahrung der Erleuchtung hin.
  5. „Der alte Fischer“: In dieser Geschichte geht es um einen alten Fischer, der von einem jungen Mann gefragt wird, warum er nicht in ein größeres Boot investiert, um mehr Fische zu fangen und reicher zu werden. Der alte Fischer antwortet, dass er mit seinem kleinen Boot bereits genug Fische fängt, um sich und seine Familie zu ernähren, und dass er mit seinem einfachen Leben zufrieden ist. Die Geschichte betont die Idee der Zufriedenheit mit dem Wenigen und der Ablehnung des übermäßigen Verlangens nach Reichtum.
  6. „Ödnis von Weilei“: Diese Geschichte handelt von einem Mann namens Weilei, der sich über das langweilige Leben beschwert und nach Abenteuern sucht. Er begibt sich auf eine Reise in ferne Länder und erlebt viele aufregende Abenteuer, kehrt jedoch schließlich enttäuscht zurück und erkennt, dass wahres Glück im einfachen Leben liegt.
  7. „Kangsangzi“: In dieser Geschichte trifft Zhuang Zi auf einen Mann namens Kangsangzi, der behauptet, fliegen zu können. Kangsangzi baut Flügel aus Holzrahmen und Federn und springt von einem Turm – jedoch stürzt er ab und stirbt. Die Geschichte verdeutlicht die Gefahr des Übermutes und die Wichtigkeit des Realismus.
  8. Als König Wei von Chu von der Begabung Zhuangzis hörte, entsandte er einen Boten mit reichen Geschenken, um ihn als Minister an den Hof zu locken. Zhuangzi lächelte und sprach zu dem Boten von Chu: »Tausend Goldstücke, welch hohes Gehalt; ein Ministerposten, welch eine Ehre! Bist du der einzige, der noch kein Opferrind draußen vor der Stadt gesehen hat? Man mästet es erst einmal, dann werden ihm mit Ornamenten bestickte Decken übergeworfen, um es ins Innere des Tempels zu führen, da kann es sich noch sehr sehr wünschen, sich in ein einsames Ferkelchen zu verwandeln – wird man ihm dies gewähren? Der Zaunkönig baut sein Nest im tiefen Wald, und doch bedarf er eines Zweiges nur.«
  9. Der erleuchtete Meister: „Mein Lehrmeister! Genau beobachtet er die zahllosen Lebewesen, ohne zu beurteilen; er ist älter als das Altertum, doch hebt er sein Alter nicht hervor; er überspannt den Himmel, trägt die Erde, prägt die Leben zahlreicher Menschen, doch betrachtet er sich nicht als groß – das ist natürliches Glück…“
  10. Der unbrauchbare Mensch: Ein Mann namens Hui Zi besuchte Zhuang Zi und erklärte ihm, dass er sich für einen unbrauchbaren Menschen hielt. Er fühlte sich nutzlos und unfähig, etwas Bedeutendes im Leben zu erreichen. Zhuang Zi hörte geduldig zu und antwortete: „Ein unbrauchbarer Baum wird nicht gefällt, ein unbrauchbares Pferd wird nicht gezähmt – du, mein Freund, kannst genau dadurch gut den Weg der Erleuchtung gehen. Dafür brauchst du nichts als Ruhe und Abgeschiedenheit von den Menschen. Und die Demut, dich als bedeutungslos zu betrachten.“

Die Geschichte vom Wandern in Muße

 

Einmal wanderte Zhuangzi mit einem Freund namens Huizi durch die Berge. Sie genossen die Schönheit der Natur und waren in tiefe Gespräche vertieft. Plötzlich sah Huizi, wie Zhuangzi scheinbar ziellos umherwanderte, ohne sich um den Weg zu kümmern. Verwundert fragte Huizi: „Meister, warum wanderst du so sorglos umher? Du könntest dich verirren und den Weg nicht mehr finden.“

Zhuangzi lächelte und antwortete gelassen: „Ich genieße es, ohne Ziel zu wandern und mich treiben zu lassen. Wenn ich mich verirre, werde ich neue Wege entdecken und unbekannte Schönheiten sehen. Manchmal ist es gut, einfach im Moment zu sein und dem Fluss des Lebens zu folgen, ohne sich Gedanken über das Ziel zu machen.“

Huizi war beeindruckt von Zhuangzis Gelassenheit und begann ebenfalls, die Freiheit des ziellosen Wanderns zu schätzen. Die beiden setzten ihre Wanderung fort, im Einklang mit der Natur und im Geist der Muße.

Die Geschichte von Zhuangzi vom „Wandern in Muße“ beschreibt die Vorstellung eines Lebens in erleuchteter Gelassenheit im Vergleich zum irdischen Leben voller Mühen und Sorgen. Zhuangzi verglich das irdische Leben mit einer kleinen Wachtel, die sich unermüdlich abmüht, aber dennoch nie wirklich glücklich ist. Die Wachtel kämpft gegen die Widrigkeiten des Lebens an und strebt nach Erfolg und Anerkennung, doch sie findet keine wahre Erfüllung im Leben.

Im Gegensatz dazu steht das Leben in erleuchteter Muße, das frei ist von allen Kleinlichkeiten und Sorgen. Der Erleuchtete lebt im Einklang mit dem Tao und akzeptiert das Werden und Vergehen als natürlichen Teil des Lebens. Er lässt sich nicht von äußeren Einflüssen beeinflussen und findet Frieden in der Gegenwart.

Der Erleuchtete wird mit dem unermesslichen Vogel P’ong verglichen, dessen Flügel wie Wolken durch den Himmel gleiten. Der Vogel symbolisiert die Freiheit und Weisheit des erleuchteten Geistes, der über den alltäglichen Sorgen und Nöten erhaben ist und in einem Zustand der reinen Gelassenheit schwebt.

Die Anekdote vom Ausgleich der Weltanschauungen

Eines Tages traf Zhuangzi einen Mann namens Hui Shi, der ein berühmter Philosoph und Anhänger einer anderen Schule des Denkens war. Hui Shi war stolz auf seine intellektuellen Fähigkeiten und argumentierte leidenschaftlich für seine Weltanschauung.

Zhuangzi hörte geduldig zu und respektierte die Ansichten von Hui Shi. Doch als Hui Shi fertig war, lächelte Zhuangzi und sagte: „Deine Argumente sind überzeugend, aber sie basieren auf deiner begrenzten Sichtweise. Lass mich dir eine Geschichte erzählen.“

Zhuangzi erzählte von einem riesigen Berg, der die Landschaft dominierte. Einige Menschen sahen den Berg von Norden, andere von Süden, manche von Westen und manche von Osten. Jeder behauptete, dass seine Perspektive die einzig wahre sei. Doch nur der Vogel, der frei über dem Berg flog, konnte das Ganze sehen und erkennen, dass alle Sichtweisen wertvoll waren.

Mit dieser Geschichte wollte Zhuangzi verdeutlichen, dass es wichtig ist, verschiedene Perspektiven zu respektieren und zu verstehen, dass die Wahrheit oft vielschichtig ist. Er betonte den Wert des Ausgleichs zwischen verschiedenen Weltanschauungen und die Notwendigkeit, offen für neue Ideen und Ansichten zu sein.

In einer Zeit, in der verschiedene Philosophen und Denker über die Natur des Universums und des Lebens stritten, erkannte Zhuangzi, dass die philosophischen Streitigkeiten oft aus dogmatischen Überzeugungen und festgefahrenen Ansichten resultierten. Er lehrte, dass man das Tao nicht durch intellektuelle Argumente oder dogmatische Systeme erkennen kann. Stattdessen liegt die Wahrheit in einer Ebene darüber, die nur durch Intuition und inneres Erleben erreicht werden kann.

Zhuangzi und seine Frau

 

Die Geschichte von Zhuangzi und seiner Frau ist eine bekannte Anekdote aus dem Werk des chinesischen Philosophen Zhuangzi. In dieser Geschichte wird die tiefe Liebe und gegenseitige Achtung zwischen Zhuangzi und seiner Frau dargestellt.

Zhuangzis Frau war eine kluge und verständnisvolle Frau, die ihren Mann sehr liebte und unterstützte. Sie teilte seine philosophischen Ansichten und respektierte seine Lebensweise. Obwohl sie nicht immer einer Meinung waren, schätzten sie einander und ergänzten sich in ihrer Beziehung.

Eines Tages starb Zhuangzis Frau plötzlich, was ihn zutiefst betrübte. Doch anstatt sich in Trauer zu verlieren, akzeptierte er den Lauf des Lebens und den Tod als Teil des natürlichen Zyklus. Er erkannte die Vergänglichkeit des Lebens und die Wichtigkeit, im Hier und Jetzt zu leben. Zhuangzi erinnerte sich an die kostbaren Momente, die er mit seiner Frau geteilt hatte, und fand Trost in ihren Erinnerungen. Er erkannte, dass ihre Liebe und Verbundenheit über den Tod hinaus bestanden und dass sie weiterhin in seinem Herzen lebte.

In der Geschichte von Zhuangzi und seiner Frau wird oft erklärt, dass Zhuangzi lachte anstatt zu trauern. Die große Frage ist, warum er lachte. Vielleicht lachte er, weil er sah, dass seine Frau jetzt im Paradies lebt und es ihr im Jenseits viel besser geht als im Diesseits. Vielleicht lachte er, weil er immer mit seiner Frau viel gelacht hatte und ihr durch sein Lachen den Übergang ins Jenseits leichter machen wollte. Vielleicht war sein Lachen auch nur seine Art seine Trauer auszudrücken. Oder er wollte durch die Konzentration auf das Heitere seine tiefe Trauer leben können. Die besten Witze machen kann ein trauriger Clown.

Durch sein Lachen zeigte Zhuangzi seine Fähigkeit, über die Oberfläche hinauszublicken und die Dinge aus einer höheren Perspektive zu betrachten. Er erkannte die Relativität von Freude und Trauer, Leben und Tod, und fand in dieser Erkenntnis seine heitere Gelassenheit wieder. Das Lachen von Zhuangzi wird oft als Symbol für seine spirituelle Weisheit und sein Verständnis für die Vergänglichkeit des Lebens interpretiert. Es zeigt seine Fähigkeit, mit den Höhen und Tiefen des Lebens umzugehen und in allem einen Sinn zu finden.

Die Geschichte vom wahren Menschen

»Der wahre Mensch fürchtet sich nicht, einsam zu sein. Er vollbringt keine Heldentaten, er schmiedet keine Pläne. … Er kennt nicht die Freude am Leben und nicht die Abneigung vor dem Tode….«

In einem abgelegenen Dorf lebte ein Mann namens Wu Wei, der als wahrer Mensch bekannt war. Er war in Einklang mit dem Tao, dem natürlichen Weg des Universums, und lebte in Harmonie mit allem um ihn herum. Wu Wei fürchtete sich nicht davor, einsam zu sein, denn er fand Frieden und Erfüllung in seiner eigenen Gesellschaft.

Wu Wei vollbrachte keine Heldentaten oder schmiedete keine Pläne, denn er vertraute darauf, dass das Leben seinen eigenen Lauf nehmen würde. Er pflegte weder die Freude am Leben noch die Abneigung vor dem Tod, denn er akzeptierte das Werden und Vergehen als Teil des ewigen Kreislaufs des Lebens.

 

Gelassen kam Wu Wei und gelassen ging er. Er lebte im Hier und Jetzt, ohne sich an Vergangenem festzuhalten oder sich über die Zukunft Sorgen zu machen. Er pflegte das Leben im erleuchteten Sein. Sein Geist war frei von Begierden und Ängsten, und sein Herz war offen für die Schönheit und Weisheit des Universums.

Zhuangzis Tod

Als Zhuangzi spürte, dass sein Ende nahte, versammelten sich seine Schüler um ihn und schlugen vor, ein großes und prächtiges Begräbnis für ihn zu organisieren, um ihm Respekt zu erweisen. Doch Zhuangzi lehnte ihr Angebot ab und bat sie stattdessen, ihn einfach in der Erde zu begraben und keine besonderen Zeremonien abzuhalten.

Seine Schüler waren überrascht von seiner Bescheidenheit und fragten ihn, warum er kein pompöses Begräbnis wünschte. Zhuang Zi antwortete ruhig: „Der Himmel und die Erde sind meine wahre Heimat. Warum also sollte ich ein aufwendiges Begräbnis benötigen? Lasst mich einfach in Frieden gehen.“

Seine Schüler akzeptierten seinen Wunsch und begruben ihn gemäß seinen bescheidenen Vorstellungen. Sie erkannten, dass Zhuangzi selbst im Tod weiterhin die Lehren der Einfachheit und Bescheidenheit verkörperte, die er sein ganzes Leben lang gelehrt hatte.

Die Anekdote vom verrückten Weisen

Eines Tages begegnete ein Mann einem erleuchteten Weisen, der scheinbar verrückte Dinge tat. Wo normale Menschen nach Besitz strebten, strebte er nach Besitzlosigkeit. Wo normale Menschen nach Geselligkeit strebten, strebte er nach Ruhe und Abgeschiedenheit. Wo normale Menschen aus dem Haben-Wollen lebten, lebte er aus dem Sein und dem Geben. Der Mann war verwirrt und fragte den Weisen: „Warum bist du so anders als alle anderen? Warum tust du solche seltsamen Dinge?“

Der Weise lächelte und antwortete: „Ich bin nicht verrückt, ich habe nur eine andere Sichtweise auf das Leben. Die Menschen halten mich für verrückt, weil sie meine Handlungen nicht verstehen. Doch in Wirklichkeit bin ich frei von den Zwängen der Konventionen und Normen. Ich lebe im inneren Glück, während die meisten Menschen das Glück im Außen suchen.“

Um das Glück im Inneren zu finden, muss man den Weg der Ruhe, der Liebe und beständigen Arbeit an sich selbst gehen. Der Weg des äußeren Glücks dagegen ist der Weg des Kampfes, der Unruhe und des Haben-Wollen. Man verbraucht seine Energie im Stress des Lebens, während der Weise seine Energie bewahrt. Wer in einer Welt des Strebens nach äußerem Glück nicht verrückt lebt, verliert auf die Dauer sein inneres Glück.

Zitate von Zhuangzi

  1. „Das Glück des Fisches liegt im Wasser, das des Menschen im Tao.“
  2. „Das Leben ist ein Traum – doch wer träumt?“
  3. „Nur wenn du loslässt, kannst du das Tao wirklich halten.“
  4. „Das wahre Glück liegt nicht im Besitz von Reichtümern oder äußerem Erfolg, sondern in der inneren Zufriedenheit und Gelassenheit des Geistes.“
  5. „Der schmale Pfad der Richtigkeit ist schwer zu finden, aber wenn man ihn einmal betreten hat, führt er zu innerer Harmonie und Ausgeglichenheit.“
  6. „Die Abgeschiedenheit ist der Ort, an dem der Weise lebt. Die Erleuchtung ist der Weg, den der Weise geht. Der große Sinn ist das Ziel, das der Weise erreicht.“
  7. „Die Erleuchtung ist wie das Erwachen aus einem langen Traum. Sie bringt Klarheit und Verständnis für die wahren Zusammenhänge des Lebens.“
  8. „Die wahre Weisheit besteht darin, das Unveränderliche im Wandel zu erkennen und im Einklang mit dem Dao zu leben.“
  9. Der erleuchtete Weise: Er strahlt eine Aura der Ruhe und Harmonie aus und inspiriert andere dazu, ebenfalls nach innerer Erkenntnis und spiritueller Entwicklung zu streben.
  10. Die Liebe: Zhuangzi betonte die Bedeutung von Mitgefühl und Liebe als grundlegende Prinzipien des Daoismus. Er lehrte, dass wahre Liebe darin besteht, anderen ohne Erwartungen zu dienen und sie so anzunehmen, wie sie sind.
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