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Mekhala war sehr boshaft. Sie liebte es andere Menschen zu ärgern und zu quälen. Wenn sie einen Menschen traf, fiel ihr immer ein boshafter Satz ein. Zu dicken Frauen sagte sie: "Du bist ja noch dicker geworden." Versagern erklärte sie: "Aus dir wird nie was." Und bei schönen Menschen behauptete sie: "Schöner Körper, kleiner Verstand."

Ihr Boshaftigkeit stammte aus ihrer Kindheit. Sie hatte keine glückliche Kindheit. Sie war von ihren Eltern oft gequält worden. Ihre Mutter hatte sie nicht geliebt und ihr Vater seinen Zorn an ihr ausgelassen. In der Schule setzten sich ihre Probleme fort. Ihre Mitschüler mobbten sie und ihre Lehrer mochten sie nicht, weil sie so viel Unruhe in die Klasse brachte. So war in ihr eine große Wut auf das ganze Leben gewachsen.

Sie hatte jedoch einen Großvater, der sie trotz aller ihrer Fehler liebte. Er hatte aber wenig Zeit für Mekhala, weil er ein bekannter Guru war. Eines Tages flüchtete sie zu ihrem Großvater und erklärte ihm, dass sie das Leben nicht mehr ertragen könnte. Alle ihre Mitmenschen hassten sie und nirgends würde sie Freunde finden. Das Leben sei für sie ein dunkles schwarzes Loch.

Ihr Großvater wusste den Ausweg aus ihrer traurigen Lage. Er erklärte ihr: "Du musst das Glück in dir entwickeln. Dann strahlst du Glück aus und wirst von deinen Mitmenschen geliebt. Du wirst die Menschen in dein Leben ziehen, mit denen du glücklich sein kannst. Du wirst Freunde finden und vielleicht sogar einen guten Ehemann."

Hoffnung keimte in Mekhala auf. Doch wie sollte sie das Glück in sich entwickeln, wo sich doch nur Boshaftigkeit in ihr befand. Der Großvater meinte, dass die Boshaftigkeit nur oberflächlich sei. In der Tiefe jedes Menschen ruhten Glück und Liebe. Sie müsse dieses Glück nur freilegen. Das Glück sei durch innere Frustrationen, Ängste und Verspannungen blockiert. Sie müsse sich nur innerlich durch spirituelle Übungen reinigen, dann würde eines Tages das Glück in ihr hervorbrechen.

Als spirituelle Übungen gab ihr Großvater ihr die tägliche Meditation und die Achtsamkeit auf ihre Gedanken. Sie sollte dreimal am Tag eine Stunde meditieren. Und sie sollte beständig negative Gedanken stoppen und positive Gedanken entwickeln. Sie sollte sich jeden Tag mit positiven Sätzen motivieren. Sie sollte sich auf ein spirituelles Vorbild wie Buddha oder die tibetische Vajrayogini konzentrieren und versuchen so zu werden wie sie.

Zwölf Jahre praktizierte Mekhala konsequent ihren spirituellen Weg. Sie war eine starke Frau. Sie hatte eine große Kraft in sich. Sie hatte diese Kraft nur bisher falsch genutzt. Im Laufe der Zeit wurde ihr Leben besser. Sie fand einige Freunde und kam mit dem Leben besser klar. Aber der große Durchbruch ließ auf sich warten. Mekhala wartete vergeblich auf das große innere Glück, das ihr Leben ein für alle Mal in ein besseres Fahrwasser bringen würde.

Sie ging zu ihrem Großvater und beklagte sich, dass sie keine spirituellen Fortschritte machen würde. Der Großvater meinte, dass sie dafür eine große Opfergabe bringen müsse. Sie müsse ihr Ego auf dem Altar des Lebens opfern. Er empfahl ihr ein Schwert zu visualisieren und sich damit geistig den Kopf abzuschneiden. Sie sollte damit einfach ihr Ich-Bewusstsein auslöschen, das Leben so annehmen wie es ist und konsequent positiv mit dem Leben fließen. Sie sollte nichts im Leben ablehnen und an nichts anhaften.

Diese Übung wird im tibetischen Buddhismus Chöd genannt. Chöd bedeutet Durchschneiden. Wir durchtrennen die Vorstellung des Dualismus. Wir zerschneiden alle Ängste, indem wir unser Ego abschlagen. Wir erklären alle äußeren Ereignisse für unwichtig und nur das Leben im Licht (im Nirwana) für wichtig. Im tibetischen Buddhismus gibt es dafür die Vajrayogini als Vorbild und im Hinduismus die Göttin Chinnamasta (eine Form von Kali). Chinnamasta schlägt sich mit einem Hackmesser den Kopf ab und tanzt umgeben von Totenköpfen in der Welt.

Mekhala war wild entschlossen ihr Ego zu vernichten. Durch ihre langjährigen Übungen und ihre große Kraft war sie zu einer starken Visualisierung fähig. Mit dem Abschneiden ihres Kopfes verschwanden alle Gedanken aus ihrem Kopf und sie trat in die große Leere (Egolosigkeit) ein. Sie war begeistert von ihrem Erfolg und berührte aus Dankbarkeit mit ihrem Kopf die Füße ihres Großvaters. Das nennt sich Padapuja und ist eine Form der Fußverehrung und letztlich der Verehrung der Erde und des Wurzelchakras. Spontan erwachte dadurch die Kundalini-Energie in Mekhala und sie war erfüllt von Leere und Glückseligkeit.

Mekhala sang folgendes Gedicht: "In höchster Meditation habe ich die non-duale reine Wonne gefunden und die vollkommene Buddhaschaft. Durch die Gnade des Gurus habe ich die Unterscheidung zwischen Samsara und Nirwana zerstört. Vernichtet sind Ablehnen und Anhaften. Im weiten Raum des reinen Gewahrseins gibt es keine Unterscheidung mehr zwischen mir und den anderen."

Der Großvater war erfreut. Er bat Mekhala den Rest ihres Lebens als Bodhisattva für das Wohl ihrer Mitmenschen zu wirken: "Du hast das Ziel erreicht. Vergiß jetzt deinen inneren Frieden und dein Glück und lebe um der anderen willen." Durch diesen Weg wurde Mekhala noch glücklicher, weil sie in die umfassende Liebe eintrat. Sie verband inneren Frieden und inneres Glück mit dem Weg der umfassenden Liebe. Sie öffnete ihr Herzchakra und lebte aus der Energie aller Chakren. Das nennt man vollendete Buddhaschaft. Mekhala war zu einer Verkörperung der Vajrayogini geworden, der Yogini der Kraft (Vajra, der göttliche Blitzstab).

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