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Die Metaperspektive März 2010
Kolumne von Dr. Christian Brehmer
www.bewusstseins-evolution.de

Die Mär vom Mehr

Die Mehr – heit der Bevölkerung ist nach wie vor konsumorientiert. Es ist die natürliche Seinsweise auf der gegenwärtigen Stufe der Evolution. Und dem entspricht unsere Ideologie vom Wirtschaftswachstum, die sogar im Grundgesetz verankert ist und kürzlich noch durch das „Wirtschaftswachstum-Beschleunigungsgesetz“ (!) ihren Zenit feierte. Man weiß längst, dass auf einem Planeten von begrenzter Größe und mit begrenzten Ressourcen kein unbegrenztes Wachstum möglich ist. Doch das beeindruckt wenig: „Wir werden weiter marschieren, bis alles in Stücke fällt…“ Schon 1972 verwies der „Club of Rome“ unwiderleglich auf die „Grenzen des Wachstums“. Aber in der Politik, unschuldiger Spiegel des Kollektivbewusstseins, konnte der Sachverhalt keinen Eingang finden. Damals war die Katastrophe ja nur eine Prognose.
Aber jetzt hat sie uns längst erreicht: Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Ressourcenverknappung, Klimawandel und, und, und. Man müsste meinen, dass eine Neuorientierung einsetzen würde. Dem ist aber nicht so. Angela Merkel verkündet, dass Deutschland mit Wachstum seine Schulden verringern müsse. Und Frank-Walter Steinmeier findet, die Bundesrepublik müsse „ein starkes Industrieland bleiben“, das mit Wachstum seinen Wohlstand sichert. Da war Altbundeskanzler Helmut Schmidt auf dem Kirchentag in Bremen 2009 schon etwas realistischer: Um sich vom selbstzerstörerischen Wachstum zu lösen, „müsste es echte Opfer geben. Die will aber keiner hier.“
Warum will sie keiner? Auf der gegenwärtigen Stufe der Evolution sind es vor allem der Wohlstand und der Sinnesgenuss, die den Menschen kurzfristig glücklich machen. Und das zählt mehr als die Vernunft. Keiner will von Verzicht hören. Also muss die Schmerzgrenze durch Klimakatastrophen, Umweltzerstörung und Immunkrankheiten noch weiter herabgesetzt werden? Wer nicht hören will muss fühlen! Denn dass z.B. im Pazifik, zwischen Kalifornien und Hawaii, ein Wohlstands-Müllteppich schwimmt von über 800000 Quadratkilometern Größe – also fast so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen (!) – das kratzt uns in Europa wenig. Wenn aber Bundespräsident Wolfgang Köhler durch Anhebung der Spritpreise den Umweltschutz fördern will, da gehen die meisten auf die Barrikaden.

Der Mitbegründer der Humanistischen Psychologie, Erich Fromm, unterscheidet zwischen der Haben- und der Sein- Orientierung des Menschen. Unser Konsumverhalten ist offensichtlich Haben-orientiert. Wir suchen nach Erfüllung im Wohlstand und im Sinnesgenuss und meinen immer mehr davon haben zu müssen, um endlich glücklich zu sein. Ein Fass ohne Boden.
Der Boden? Der Mensch findet ihn allein im Sein, das aus der Erfahrung des transzendentalen SEINs gespeist wird. Die Zugehörigkeit des Menschen zum LOGOS, zum SEIN, ist ein anthropologischer Sachverhalt. Und solange dieser Sachverhalt nicht meditativ verwirklicht wird und im Alltag zum Tragen kommt, wird der Mensch keine dauerhafte Erfüllung finden. Er wird er ein Ausbeuter bleiben. Die Mär vom Mehr. Und mit der SEINserfahrung erwächst die Sein-Orientierung im Leben.

Der Kolumnenverfasser und Sprücheklopfer weiß, dass Schreiben allein nicht viel bringt. Ist er doch selbst die Veränderung, die er sich erwünscht für diese Welt. Also setzt er sich jeden Tag geduldig auf die Matte, macht Yoga und geht dann in die STILLE… Und aus der SEINserfahrung erwächst die Sein-Orientierung im Alltag. Inneres Wachstum also. Sollte man nicht über eine über eine „Seinswachstum-Beschleunigungs-Empfehlung“ nachdenken? Ken Wilber, der „Einstein der Bewusstseinsforschung“, spricht in diesem Zusammenhang von einem neuen moralischen Imperativ.

Weiterleitung erwünscht!

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