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Ich lese etwas aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda, aus dem Kapitel „Vedanta“.

Vedanta wörtlich, das Ende des Wissens, die Philosophie des Absoluten, die Philosophie, die beruht auf den Erfahrungen der Meister, logischer Schlussfolgerung, den großen Aussagen der Schriften und am wichtigsten, der eigenen Erfahrung, wenn wir in tiefere Meditation hineingehen. Aus dem Kapitel lese ich den zweiten Absatz, „Die Botschaft von Vedanta“.
Swami Sivananda schreibt:
„Vedanta ist die kühne Philosophie, die es wagt, den Menschen eins mit Gott zu nennen. Nicht nur, seinen Diener. Vedanta betont, dass du im Wesentlichen und in Wirklichkeit der unsterbliche, alldurchdringende Atman bist, die universelle Seele, das höchste Brahman. Kühnheit ist ein Schlüsselbegriff von Vedanta. Die Botschaft von Vedanta daraus ist Furchtlosigkeit, Seelenstärke und Einheit des Bewusstseins.“
Also, Vedanta ist nicht nur eine Philosophie, sie stammt letztlich aus einer Erfahrung und sie führt den Menschen dazu, sich dessen bewusst zu werden, was tiefer Sehnsucht in ihm ist und ein Ausdruck ist seiner wahren Natur. Gestern Abend habe ich ein paar Worte darüber gesprochen, dass letztlich jede Sehnsucht, die wir haben, ein Ausdruck ist, unsere wahre Natur wirklich zu erfahren. Aber nicht nur ist es eine Sehnsucht, sondern wenn wir davon nur ein bisschen überzeugt sind, wenn wir es etwas gespürt haben, dann gibt uns das - wie Swami Sivananda hier schreibt - großen Mut, große Seelenstärke. Wenn wir wissen, „ich bin nicht wirklich begrenzt auf den Körper, ich bin das unendliche Bewusstsein“, dann macht uns, was mit dem Körper geschieht, nicht mehr ganz so viel aus. Wir werden uns weiter um den Körper natürlich kümmern. Das ist so ähnlich, angenommen, ihr würdet denken, ihr seid das Fahrrad und dann habt ihr irgendwo Angst, das Fahrrad könnte geklaut werden. Ist schon schlimm genug, aber wenn ihr dann denkt, „ich selbst werde geklaut, nachher, wenn mein Fahrrad genommen ist, dann existiere ich nicht mehr richtig“, dann haben wir natürlich große Angst. Wenn wir aber wissen, „Fahrrad ist mein Fahrrad, ist das, womit ich durch die Gegend fahre“, dann werde ich mich natürlich darum kümmern und werde natürlich darauf achten, dass es verkehrssicher ist und dass es nicht geklaut wird usw., aber ich habe keine unglaubliche Angst darum. So ähnlich auch, wenn ich weiß, „ich bin nicht der Körper, ich bin nicht beschränkt auf diesen Körper“, dann werde ich mich natürlich um den Körper kümmern und dafür sorgen, dass er das hat, was er braucht. Aber ich weiß, der Körper ist endlich. Irgendwann wird der Körper auch sterben. Egal, was ich anstelle, egal, wie viel Yogatherapie ich ihm gebe, egal, wie sanft und bewusst ich Yoga übe, egal, was ich alles tue, damit die ganzen Selbststeuerungsmechanismen des Körpers funktionieren, irgendwann hat der Körper ein Ende. Wenn wir uns identifizieren mit dem Körper, dann ist immer eine Grundangst da, denn wir wissen, egal, was wir sonst bewusst denken, wir wissen tief im Hinterkopf, Körper stirbt. Ähnlich auch, unsere ganzen geistigen Fähigkeiten. Die sind heute auch nicht die gleichen, wie vor zwanzig Jahren. Eine ganze Menge neuer Fähigkeiten sind da und andere, wie vor zwanzig Jahren, sind heute nicht da. Und in zwanzig Jahren wird es noch mal anders sein. Und vielleicht manche sagen: „Ich bin noch so jung.“ In fünfzig Jahren wird es auch noch mal anders sein. Wenn wir aber wissen, „ich bin das unsterbliche Selbst, ich bin der ewige Atman“, dann brauchen wir vor nichts Angst zu haben. Dann können wir spielerisch damit umgehen. Da ist der Körper und mit dem Körper arbeiten wir auf verschiedenste Weise. Wir haben unsere Persönlichkeit, auch da können wir mit umgehen. Auch die Mitmenschen, mit denen wir zusammen sind, die sind auch in der Veränderung begriffen. Angenommen, wir identifizieren uns mit dem Körper. Z.B. angenommen, wir mögen unser Kind, ist jetzt gerade so acht Jahre alt, so süß und so schön, und dann, irgendwann wird das Kind achtzehn. Vorher wird es aber noch zwölf, dreizehn, vierzehn - plötzlich nicht mehr wieder zu erkennen und macht dann all das, was wir gehofft haben, was wir unserem Kind beibringen können, was es nicht macht. Es ist längst kein Kind mehr, es würde sich gegen den Ausdruck vehement zur Wehr setzen, aber für Eltern bleibt Kind immer Kind. Ich kannte mal eine siebzigjährige Frau, die hat ihrem älteren Sohn gesagt: „Kümmere dich bitte um meinen Kleinen.“ Der war inzwischen achtundvierzig. Also, wenn wir festhalten an etwas, kommen wir auf die Dauer in alle möglichen Probleme. Das gilt dann mit dem Partner, es gilt auch mit den Eltern, es gilt mit jedem, mit dem wir zu tun haben, es gilt sogar mit Kollegen, Nachbarn usw. Wenn wir aber erkennen, in Wahrheit sind alle Manifestationen des einen unendlichen Selbst und ansonsten, Körper, Psyche, Emotionen, Persönlichkeit, all das ist in einer gewissen Veränderung begriffen, und dann können wir all das annehmen. Wir brauchen uns nicht bedroht zu fühlen, nur weil ein Mensch ein bisschen anders ist, als wir gehofft haben, dass er sein würde, wenn ein Mensch sich anders entwickelt, als wir es denken, wenn unsere Beziehungen zu anderen Menschen unterschiedlich sind. Wir brauchen uns damit nicht zu identifizieren, wir können vielmehr voller Neugier schauen, was in dieser relativen Welt alles passiert. Denn wir wissen, in der tiefsten Welt oder in unserem wahren Bewusstsein bleiben wir stets verbunden, wir bleiben Satchidananda, Sein, Wissen und Glückseligkeit, was auch immer geschieht.

Hari Om Tat Sat


Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3

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Tags: Furchtlosigkeit, Philosophie, Vedanta

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