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Dhritarashtra, wörtlich, „derjenige, der das Königreich hält“

Dhritarashtra ist der Name eines der bekanntesten Könige der indischen Mythologie. Dhritarashtra war der Vater von Duryodhana. Dhritarashtra war der Erbe von Kuru und Kuru war ein großer König. Und Dhritarashtra war der Erstgeborene seines Vaters und deshalb sollte er das Königreich erhalten. Weil er der Thronfolger war, wurde er genannt Dhritarashtra. Jetzt gab es nur ein kleines Problem, Dhritarashtra war blind. Und so wurde gesagt, ein Blinder kann kein Königreich regieren. Und so wurde sein jüngerer Bruder, Pandu, später zum König gekrönt. Pandu ist aber relativ früh gestorben. Das ist eine lange Geschichte, vielleicht erzähle ich sie mal, wenn ich über Pandu spreche. Jedenfalls, nachdem Pandu gestorben war und seine Söhne noch nicht volljährig waren, wurde entschieden, dass Dhritarashtra trotz seiner Blindheit zum König gekrönt werden soll. Dhritarashtra wurde jetzt zum König. Und so machte er seinem Namen alle Ehre, er hielt nämlich das Königreich, er erhielt das Königreich und hielt auch das Königreich zusammen. Jetzt gab es ein kleines Problem, Dhritarashtra wurde älter und jetzt, die Söhne von Pandu, die fünf Pandavas, zu denen auch Arjuna und Yudhisthira gehört haben, wurden volljährig und die hunderteins Söhne von Dhritarashtra wurden auch volljährig. Hunderteins Söhne bzw. Kinder, das war eine ganze Menge. Übrigens, es heißt sogar, dass es Hunderteinlinge gewesen sein sollen. Seine Frau, die Gandhari, hat Hundertlinge gehabt. Jedenfalls war dann die Frage, wer würde jetzt nach Dhritarashtra das Königreich regieren, die Söhne von Pandu, denn Pandu war ja als erstes König gewesen, oder die Söhne von Dhritarashtra, und der älteste war Duryodhana. Und Dhritarashtra war erstens der ältere, also der Erstgeborene und er war jetzt der aktuelle König. An dieser Frage, wer die Thronfolge haben sollte, daran entspinnen sich die ganzen Streitigkeiten in der Mahabharata und schließlich der Mahabharata-Krieg. Erschwerend kam hinzu, dass die Pandavas sehr gerechte, sehr gute, sehr spirituelle Menschen waren, und dass der Sohn Dhritarashtras, der Duryodhana, kein sehr ethischer Mensch war. Er war zwar auch jemand, der sehr mutig war, er konnte auch edelmütig sein, aber er war machthungrig und er war gierig und er war auch ein Tyrann.

Dhritarashtra war ein blinder König in mehrfacher Hinsicht. Er war nicht nur physisch blind, er stellte sich auch blind gegenüber den Eskapaden seines Sohns. Er war blind und wollte nicht das sehen, was seine Berater ihm über seinen Sohn sagten. Und so unterstützte er immer wieder seinen Sohn, anstatt ihn vernünftig zu erziehen, anstatt ihn öfters mal in Schranken zu weisen. So war Dhritarashtra auch ein tragischer König. Er selbst war durchaus ein guter König. Er selbst meinte es durchaus gut. Er selbst wollte auch Dhritarashtra sein, derjenige, der das Königreich zusammenhält, derjenige, der dort eine Einheit hält. Aber weil er nicht in der Lage war, seinen Sohn richtig zu erziehen und in seine Schranken zu verweisen, gab es dann viele Probleme. Später kam es zum Krieg, in dem so viele Menschen starben und auch alle Söhne von Dhritarashtra starben und es war eine sehr tragische Geschichte. So steht Dhritarashtra für die Menschen, die es gut meinen, aber blind sind. Es mag zwar sein, manchmal ist es gut, die Welt durch eine rosarote Brille zu sehen, manchmal ist es auch gut, seine Augen zu verschließen vor Schwierigkeiten und Problemen, das hilft manchmal sich selbst und auch seinen Mitmenschen mehr, aber eben, manchmal ist das nicht gut. Auch ein Aspirant, der Liebe geben will, ein Aspirant, der Gutes bewirken will, ein Aspirant, der mit Maitri Bhavana, mit der Einstellung von Freundlichkeit, Liebe, Mitgefühl durch die Gegend gehen will, auch der muss manchmal sehen: „Ja, so geht es nicht.“

Und so ist Dhritarashtra die Aufforderung an jeden Aspiranten, lege nicht die Hände einfach in den Schoß, werde aktiv. Wenn du etwas tun kannst, um Gutes zu tun, dann tue es. Lasse nicht die Blindheit dazu führen, dass Tyrannen zu machtvoll werden. Manchmal muss man sich engagieren, manchmal muss man aus der Bequemlichkeitszone hinauskommen. Natürlich, Dhritarashtra, als Blindgeborener oder als blinder Herrscher, ist auch ein Symbol, dass Menschen auch blind sind, blind sind für Gott, blind sind für ihr eigenes Dharma, blind sind für ihre Aufgaben. Und so gilt es, diese Blindheit zu überwinden, es gilt, zu beten, es gilt, sich an Gott zu wenden. Dhritarashtra hatte gute Ratgeber, in diesem Sinne, man kann sich an Gott wenden. Nur Dhritarashtra hat deren Rat dann nicht angenommen. In diesem Sinne gilt es, wende dich an Ratgeber, bitte um Hilfe, bete zu Gott, richte dich an dein höheres Selbst, und dann tue das, was gut ist. Werde nicht zum Dhritarashtra, werde eher zum Arjuna und zum Yudhisthira, die sich eingesetzt haben für die gute Sache. Vielleicht würde man heute sagen, dabei waren sie vielleicht etwas zu gewaltsam. Nicht nur etwas, sondern extrem. Es gibt aber ein Mittelding, es gibt die Möglichkeit, sich für die gute Sache einzusetzen und dabei Ahimsa zu beachten. Daher, werde nicht blind, sondern öffne deine Augen und bete darum, dass du sehend wirst. Und dann tue mit Mitgefühl das, was zu tun ist. Tue es auch wieder so, dass du nicht die Augen verschließt vor den Anliegen der anderen, sondern öffne deine Augen für Dharma, deine Aufgaben, öffne aber auch deine Augen für die Anliegen der anderen und öffne deine Augen zu Gott. Dhritarashtra wörtlich „derjenige, der das Königreich zusammenhält, derjenige, der das Königreich regiert“. Dhritarashtra – mythischer König in der Mahabharata.

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Tags: Dhritarashtra, Königreich, Yoga Vidya Sanskrit-Lexikon, Yoga Vidya Sanskrit-Wörterbuch

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