Der Taoismus und seine Hauptzweige

Im Taoismus gibt es im Allgemeinen zwei Hauptzweige oder Strömungen: den philosophischen Taoismus und den religiösen Taoismus.

  1. Philosophischer Taoismus: Der philosophische Taoismus konzentriert sich auf die Lehren des Tao Te Ching, einem der zentralen Texte des Taoismus, der dem legendären Weisen Laozi zugeschrieben wird. Diese Strömung betont die Ideen des Wu Wei (Nicht-Handeln), der Harmonie mit der Natur, der Spontaneität und der Einfachheit. Der philosophische Taoismus zielt darauf ab, ein Leben in Einklang mit dem Dao (Tao) zu führen und die natürliche Ordnung des Universums zu respektieren.
  2. Religiöser Taoismus: Der religiöse Taoismus beinhaltet eine Vielzahl von Glaubenspraktiken, Riten und Ritualen, die darauf abzielen, spirituelle Kräfte zu kultivieren, Unsterblichkeit zu erlangen und Schutz vor negativen Einflüssen zu suchen. Diese Strömung umfasst die Verehrung von Gottheiten wie den Jadekaiser (Yuhuang Dadi), den Acht Unsterblichen und anderen himmlischen Wesen. Der religiöse Taoismus beinhaltet auch Praktiken wie Feng Shui, Qi Gong und Tai Chi.

Im religiösen Taoismus gibt es verschiedene Hauptgruppen oder Strömungen, die unterschiedliche Glaubenspraktiken, Riten und Überzeugungen haben. Hier sind einige der Hauptgruppen im religiösen Taoismus:

  1. Zhengyi Dao (Orthodoxes Dao): Diese Gruppe ist eine der ältesten und traditionellsten im religiösen Taoismus. Sie folgt den Lehren des Lingbao-Kanons und verehrt eine Vielzahl von Gottheiten, darunter den Jadekaiser (Yuhuang Dadi) und die Acht Unsterblichen. Zhengyi Dao betont Rituale, Opfergaben und spirituelle Praktiken zur Erreichung von Wohlstand, Gesundheit und Schutz. Die Zhengyi-Schule des Daoismus entstand während der Tang-Dynastie in China, die von 618 bis 907 n. Chr. dauerte. Die Gründung der Zhengyi-Schule wird dem daoistischen Meister Sima Chengzhen zugeschrieben, der im 8. Jahrhundert lebte. Die Himmelsmeister gehören zur Zhengyi Dao-Gruppe im religiösen Taoismus. Die Himmelsmeister sind taoistische Geistliche, die als Vermittler zwischen den himmlischen Wesen und den Gläubigen fungieren. Sie führen Rituale durch, um göttliche Gunst zu erbitten, Krankheiten zu heilen, böse Geister zu vertreiben und spirituelle Anleitung zu geben. Die Himmelsmeister spielen eine wichtige Rolle in der taoistischen Gemeinschaft und werden oft von Gläubigen konsultiert, um spirituelle Unterstützung und Rat zu erhalten.
  2. Quanzhen Dao (Vollständiges Wahres Dao): Diese Gruppe wurde im 12. Jahrhundert gegründet und betont die innere Alchemie (Neidan) als Mittel zur spirituellen Entwicklung. Quanzhen-Daoisten praktizieren innere Alchemie, um die Essenz des Lebens zu kultivieren und die Erleuchtung zu erreichen. Die Praxis der inneren Alchemie beinhaltet verschiedene Techniken wie Atemübungen (Qigong), Visualisierungen, Meditationen, Mantras und bestimmte Körperhaltungen. Diese Techniken dienen dazu, das Qi im Körper zu lenken, die Meridiane zu öffnen und den Fluss der Lebensenergie zu harmonisieren. Durch regelmäßige Übung und Hingabe kann man nach und nach tiefer in den Prozess der inneren Transformation eintauchen.
  3. Shangqing Dao (Höchstes Klarheits-Dao): Diese Gruppe entstand im 4. Jahrhundert und basiert auf den Offenbarungen des Geistesoffenbarers Yang Xi. Shangqing-Daoisten praktizieren komplexe Rituale, Visualisierungen und Meditationstechniken zur Kommunikation mit himmlischen Wesen und zur Erreichung spiritueller Einsicht.
  4. Longmen Pai (Drachentor-Schule): Diese Gruppe wurde im 11. Jahrhundert gegründet und kombiniert Elemente des philosophischen Taoismus mit esoterischen Praktiken wie Magie, Alchemie und Geisterbeschwörung. Longmen-Pai-Anhänger streben nach spiritueller Vollendung durch die Vereinigung von Yin und Yang sowie die Kontrolle über kosmische Energien. Die Longmen Pai ist bekannt für ihre Betonung der inneren Alchemie (Neidan) und der Praxis der Meditation zur Kultivierung des Qi und zur Erweiterung des Bewusstseins. Insgesamt verfolgt die Longmen Pai das Ziel der spirituellen Vollendung durch die Integration von philosophischem Taoismus, esoterischen Praktiken und mystischer Erfahrung.

Diese Hauptgruppen im religiösen Taoismus repräsentieren verschiedene Strömungen innerhalb der taoistischen Tradition, die jeweils ihre eigenen Schwerpunkte, Praktiken und Überzeugungen haben. Trotz ihrer Unterschiede teilen sie jedoch das gemeinsame Ziel der spirituellen Entwicklung, der Harmonie mit dem Dao (Tao) und dem Streben nach Erleuchtung.

Die Anhänger des religiösen Taoismus glauben daran, dass durch die Einhaltung von moralischen Prinzipien, die Praxis von Meditation und spirituellen Übungen sowie die Verehrung von Gottheiten und himmlischen Wesen eine Verbindung zum Dao hergestellt werden kann. Das höchste Ziel ist es, Einsicht in die Natur des Universums zu gewinnen, das eigene Selbst zu transzendieren und in Harmonie mit dem Dao zu leben.

Darüber hinaus streben viele taoistische Gruppen auch nach Unsterblichkeit oder der Befreiung von der Wiedergeburt im Kreislauf des Lebens. Durch die Kultivierung von Qi (Lebensenergie), das Streben nach innerer Alchemie und die Praxis von spirituellen Techniken glauben sie, dass sie den Zustand der Unsterblichkeit oder der Erleuchtung erreichen können.

Zitate aus den Offenbarungen von Yang Xi

 

Yang Xi war ein daoistischer Mystiker und Gelehrter, der im 4. Jahrhundert in China lebte. Er ist der Vater des Shangqing-Daoismus, einer Strömung des daoistischen Glaubens, die sich auf spirituelle Offenbarungen und himmlische Visionen konzentriert. Hier sind Zitate aus den Offenbarungen von Yang Xi:

  1. „Die Reinheit des Geistes führt zur Erleuchtung des Selbst.“
  2. „Die Harmonie mit dem Universum bringt inneren Frieden und Glückseligkeit.“
  3. „Die Praxis der Meditation öffnet die Pforten zur spirituellen Welt.“
  4. „Die Liebe ist die Essenz des Dao und die Quelle aller Schöpfung.“
  5. „Die Stille des Geistes enthüllt die Wahrheit hinter den Illusionen des Lebens.“
  6. „Die Weisheit kommt aus der Erfahrung und dem Verständnis des Dao.“
  7. „Die Demut vor dem Dao führt zu innerer Stärke und Gelassenheit.“
  8. „Die Dankbarkeit für das Leben öffnet die Tore zu Fülle und Segen.“
  9. „Die Reinigung des Körpers reinigt auch den Geist und die Seele.“
  10. „Die Transformation des Selbst ist der Schlüssel zur spirituellen Vollendung.“
  11. „Die Verbindung mit der Natur bringt Heilung und Harmonie in unser Leben.“
  12. „Die Acht Schätze des daoistischen Lebens sind Einfachheit, Bescheidenheit, Geduld, Güte, Großzügigkeit, Mitgefühl, Dankbarkeit und Liebe.“
  13. „Der Weg zur Unsterblichkeit liegt in der Vereinigung von Körper, Geist und Seele mit dem Dao.“
  14. „Die Praxis der Alchemie transformiert das innere Qi und stärkt den Geist für die Reise zum Dao.“
  15. „Die Meditation über die Vergänglichkeit des Lebens führt zur Erkenntnis der ewigen Natur des Selbst.“

Zitate aus dem Lingbao-Kanon

Der Lingbao-Kanon ist eine Sammlung von daoistischen Texten, die im 8. Jahrhundert in China zusammengestellt wurden. Der Lingbao-Kanon wurde von verschiedenen Autoren und Kompilatoren über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten zusammengestellt. Einige der wichtigsten Texte im Lingbao-Kanon stammen Ge Hong. Ge Hong (283-343 n. Chr.) war ein daoistischer Alchemist und Gelehrter, der als einer der bedeutendsten Autoren des Lingbao-Kanons gilt. Er schrieb unter anderem den „Baopuzi“ (抱朴子), ein Werk über daoistische Alchemie, Magie und spirituelle Praktiken.

Hier sind zwanzig Zitate aus dem Lingbao-Kanon:

  1. „Die Praxis der Tugend führt zur Unsterblichkeit des Geistes.“
  2. „Die Verehrung der himmlischen Mächte bringt Segen und Glückseligkeit.“
  3. „Die Reinheit des Herzens ist der Schlüssel zur spirituellen Vollendung.“
  4. „Die Meditation führt zur Erweiterung des Bewusstseins und zur Erleuchtung.“
  5. „Die Liebe und Mitgefühl sind die Grundlagen des daoistischen Pfades.“
  6. „Die Natur folgt dem natürlichen Fluss des Dao ohne Widerstand.“
  7. „Die Weisheit kommt aus der Stille des Geistes und der Ruhe des Herzens.“
  8. „Die Verbindung mit der Natur bringt Heilung und Gleichgewicht.“
  9. „Die Praxis der Alchemie transformiert das innere Qi und stärkt den Geist.“
  10. „Die Verehrung der Ahnen ehrt die Vergangenheit und verbindet uns mit unseren Wurzeln.“
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