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Der ganze Mensch Febr. 2011 Zur tragischen Verkürzung unseres Weltbildes (vgl. Blog Nov. 2010) kommt die tragische Verkürzung unseres Menschenbildes. Der Mensch ist eine Ganzheit: Er ist Körper, Gei…

Der ganze Mensch Febr. 2011

Zur tragischen Verkürzung unseres Weltbildes (vgl. Blog Nov. 2010) kommt die tragische Verkürzung unseres Menschenbildes. Der Mensch ist eine Ganzheit: Er ist Körper, Geist und Seele. Unser Erziehungs- und Bildungssystem kennt die Seele nicht und widmet sich schwerpunktmäßig dem Köper (Sport) und dem Geist (Verstand). Selbst die Kirchen kennen das Wesen der Seele nicht! Und für die Materiewissenschaften (die sog. „Naturwissenschaften“) ist alles Geistige lediglich eine Erscheinungsform der Materie. Offensichtlich ist da ein blinder Fleck; der Mensch kennt sich selbst nicht. Kein Wunder, dass es soviel Chaos an unseren Schulen gibt und soviel Desorientierung in unserer Gesellschaft!
Denn Orientierung kann es nur von innen geben. Unser Geist kann die Orientierung nicht in sich selbst finden. Unser Verstand operiert stets nach vorgegebenen Prinzipien. Das diskursive Denken dient der Lebensbewältigung. Orientierung aber kann man nur durch rekursives Denken finden, d.h. durch kurzfristige Loslösung vom rotierenden Verstand, durch einen reflexiven Rückstieg in das Bewusstsein. Oft kommt die Reflexion in der Entspannung. Jeder kennt das: Grübeln bringt es nicht. Besser kurz abschalten, etwas anderes tun, oder sich schlafen legen: Den Seinen gibt`s der Herr im Schlaf!
Mithin gibt es nicht nur Wissensgewinnung durch diskursives Denken, sondern auch durch rekursives Denken, durch Führung der Aufmerksamkeit nach innen. Die Reflexion aber, wird sie weitergeführt, kann in die Selbstreflexion einmünden, in das Hinterfragen des eigenen Verhaltens und der eigenen Gesinnung. Und in einem weiteren rekursiven Schritt der Loslösung können Reflexion und Selbstreflexion in die reine Reflexion, in das reine Bewusstsein einmünden. Diesen Vorgang bezeichnet man auch als übergegenständliche Meditation. Das reine Bewusstsein, insofern es von einem individuellen Nervensystem getragen wird, ist die Substanz der Persönlichkeit, die Seele. Sie ist schon immer da; in der schrittweisen Loslösung von Inhalten wird sie freigelegt und erfahren. Hier sind ethisches Verhalten und Mitgefühl, hier sind die menschlichen Werte angesiedelt.
„Die Seele ist eine wissende Substanz“, sagte der Sufi-Mystiker Hamid. Und jeder der mit der Transzendenzerfahrung vertraut ist, wird das bestätigen. Eine ganz natürliche Erfahrung. Die Leere an Gedanken ist zugleich die Fülle an intuitivem Wissen, sie ist die Quelle der Kreativität und der Motivation. Bedauerlich, dass unser Erziehungs- und Bildungssystem zu dieser komplementären Wissensgewinnung noch nicht vorgedrungen ist. Bedauerlich? Nein tragisch! Denn alles Leiden, alle Missstände in unserer Gesellschaft und auf unserem Planeten sind in der letzten Konsequenz auf diese Unkenntnis zurückzuführen.

Im vergangenen Monat hat der Verfasser der Kolumne eine (r)evolutionäre Entdeckung gemacht!! Das Modell einer Schule der Zukunft existiert bereits: das „Alice Project“. So wird die „Universal Education School“ in Sarnath bei Varanasi, Indien, genannt. Alice, die liebenswerte Figur aus dem Märchen von Lewis Carrol, „Alice im Wunderland“, steht für ein kleines Mädchen, das nach innen geht und mutig das Wunderland des Unterbewussten erkundet. Genau das ist es, neben den schulischen Fächern, was einen Schwerpunkt der „Universal Education School“ ausmacht: in die Tiefe gehen, die eigene Seele erkunden.
Wie sieht das praktisch in der Umsetzung aus? Zunächst wird vom Grundschulalter an die Erkenntnis gefördert, dass die Vorgänge in unserem Geist (engl. mind, also Wahrnehmungen, Denken, Emotionen etc.) nicht die Realität der Dinge abbildet. Jeder lebt in seinem kleinen subjektiven Universum und meint das wäre die Wirklichkeit. Es ist diese Verwechslung, dieser Passungsmangel, der alle sozialen Konflikte und alle Missverständnisse auslöst und der das Individuum oft so unglücklich macht. Und an diesem Passungsmangel wird gearbeitet. Der Gründer der Schule, der Italiener Valentino Giacomin, inspiriert von buddhistischer Psychologie, hat eine Fülle von didaktischem Material erarbeitet, um dem Geist auf die Schliche zu kommen.
Denn der Geist hat keinerlei Substanz. Seine Vorgänge sind wie Bilder auf einer Leinwand. Es gilt, ihn zu hinterfragen, ihn zu beruhigen, ihn stillzulegen, um letztlich die Leinwand dahinter zu entdecken. Es ist die Ent – deckung der Seele. Daher werden auf der Reise nach innen neben dem vom Staat vorgegebenen, regulären Curriculum, den Schüler/innen geführte Visualisierungen, Techniken der Selbsterforschung, werden Yoga und Meditation angeboten. Jede Unterrichtseinheit beginnt und endet – kann aber auch unterbrochen werden – mit einem kurzen Moment der Besinnung in Achtsamkeit. Jeder Unterrichtstag wird eingestimmt mit einer interreligiösen Andacht, an der sowohl alle 900 Schüler/innen, meist aus armen Bauernfamilien, als auch Lehrer/innen und Mitarbeiter/innen teilnehmen. So lernen die Kinder und Jugendlichen vom Grundschulalter bis zum Schulabschluss in sich selbst zu ruhen. „Grounding“ nennt man das in der Schule. Und dem Grund eines jeden Menschen, seiner Seele, sind die menschlichen Werte, sind spontan angemessenes Verhalten, sind Achtsamkeit und Mitgefühl eingeschrieben. Die Seele ist eine wissende Substanz.
Die Auswirkung der „Bewusstseins-basierten-Erziehung“ auf die jungen Menschen wurde mehrfach wissenschaftlich untersucht und dokumentiert. Dr. Sharma, Professor der Psychologie an der renommierten Benares Hindu University, führte z.B. vergleichende Intelligenz Tests durch. Es zeigte sich das 42 % der „Alice-Project“ Kinder sich intellektuell über dem Durchschnitt befanden im Vergleich zu 15 % der Kinder von vergleichbaren Schulen. Unterschiede im Kurz- und Langzeitgedächtnis, der Fähigkeit zu anhaltender Konzentration, emotionaler Kompetenz und moralischer Bewusstheit, lagen signifikant im positiven Bereich. Soweit die Tests. Was aber letztlich überzeugt, ist die Begegnung mit den Kindern selbst: das Leuchten der Augen, das natürliche Selbstwertgefühl, das achtsame Verhalten. „Wir versuchen sie nicht zu verändern, wir unterstützen sie darin zu sein, der sie sind.“ (V.Giacomin)

Inspirierend, dass es bereits solch ein Alice Project (www.aliceproject.org) und mehrere Ableger davon gibt. Erfreulich, dass sich jeder daran unmittelbar beteiligen kann. Zum Beispiel, in dem er täglich meditiert und jenes morphogenetische Feld stärkt, welches das Projekt und ähnliche ganzheitliche Ansätze unterstützt: mein Beitrag auf dem Wege in eine bessere Zukunft, auf dem Weg zum ganzen Menschen.
Weiterleitung erwünscht

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Tags: Bewusstseinsbasierte, Erziehung

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