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Barbara und ich wollten einen Vortrag über das Glück in Aufstehen-Gruppe Hamburg Nord halten. Es endete in einer Katastrophe. Die Idee an sich war gut. Politik hat die Aufgabe, die Menschen glücklich zu machen. Also wollten wir das Wissen vom Glück einigen politischen Akteuren vermitteln.

Die Glücksforschung hat wichtige Erkenntnisse herausgefunden, wie Menschen glücklich werden. Allerdings stehen diese Erkenntnisse dem Mainstream in der westlichen Gesellschaft entgegen. Der Mainstream wird durch das kapitalistische Konsumfernsehen verbreitet. Der Mainstream besteht darin, viel Geld zu verdienen, viel zu leisten, und dann viel zu konsumieren. Dem folgt die Politik. Der Kurs steht auf wirtschaftlichen Wachstum als Hauptweg zum Glück.

Tatsache ist jedoch, dass der Reichtum in Deutschland sich in den letzten fünfzig Jahren mehr als verdoppelt hat und das Glück der Menschen geschrumpft ist. Durch den Leistungsstress in der Arbeitswelt hat sich die Zahl der Krankheitstage wegen psychischer Erkrankung in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Ein Drittel der Menschen ist psychisch krank und leidet unter Ängsten, Süchten und Depressionen. Unsere Gesellschaft ist äußerlich reich und innerlich krank. Doch kaum jemand sieht genau hin, kaum jemand tut etwas dagegen und die meisten Menschen verdrängen die Tatsachen und leben lieber in ihrer Scheinwelt des Konsumglücks.

Barbara und ich freuten uns auf dem Abend. Wir bereiteten uns gründlich vor, lasen Bücher zur Glücksforschung, sahen Videos im Internet über das Glück und überlegten uns Übungen, durch die wir die Teilnehmer glücklich machen konnten. So hatten wir immerhin einige Wochen Spaß und wuchsen im Glück. Insbesondere liebte Barbara den Lachyoga sehr. Sie wollte einige Übungen anleiten. Mich brachte sie dadurch jedenfalls immer wieder zum Lachen. Sie war sehr überzeugend, wenn sie die Hände auf den Bauch legte und lauthals loslachte.

Wir setzten uns also erwartungsfroh in das Auto und fuhren zum Treffen im Bürgerhaus. Doch der Saal war leider nicht voll. Ein Mann saß in der ersten Reihe vor dem Rednertisch. Später kamen noch vier weitere Menschen dazu. Bei der Planung hatten sich noch viele Menschen begeistert gezeigt. Aber jetzt war ein kalter Januartag und die Aufstehbewegung durchlebte gerade eine große Krise. Viele Menschen hatten die Bewegung verlassen und das merkte man an der Besucherzahl.

Barbara begrüßte die Teilnehmer und wollte sie mit einer kleiner Meditation positiv einstimmen. Doch schon gab es die ersten Proteste. Einige Menschen wollten nicht meditieren. Sie seien doch keine Psychos.

Danach begann ich mit dem Vortrag über das Glück. Zuerst ging alles gut. Ich hatte seit über dreißig Jahren nicht mehr in der Öffenlichkeit politisch geredet. Trotzdem kamen meine Gedanken geheimnisvollerweise wieder in Schwung. Die Menschen hörten zu. Ich war begeistert von mir. Doch dann machte ich einen Fehler. Ich ließ Zwischenfragen zu. Und schon verstrickten die Teilnehmer uns in die vielen schwierigen Fragen, die es in der Glücksforschung gibt. Sie hatten ein großes Talent die Finger in alle offenen Wunden zu legen.

Was ist überhaupt Glück und wie misst man es? Sollte man nicht das Glück dem Einzelnen überlassen und sich in der Politik um die wirklich wichtigen Fragen kümmern? Und was ist positives Denken? Wenn ich etwas in der Gesellschaft kritisiere, ist das dann negatives Denken? Wenn ich über die herrschenden Politiker wütend bin, bin ich dann negativ? Ist Wut negativ oder positiv?

Wut gibt uns Kraft Dinge zu verändern. Viele politische Menschen lieben ihre Wut, gerade die Menschen im rechten und im linken Spektrum. Sie haben viel Frust in sich und können diesen Frust durch die Wut ausleben. Wut gibt ihnen das Gefühl von Kraft und Macht.

Wenn wir mit Weisheit hinsehen, dann kann Wut manchmal hilfreich und manchmal schädlich sein. Zu viel Wut führt zu ewigen Kriegen auf der Welt und zerstört die Menschen innerlich und in ihrem sozialen Miteinander. Zu viel Wut macht die Menschen und die Welt unglücklich. Das Problem der heutigen Zeit ist es, dass es zu viel Wut und zu wenig Liebe auf der Welt gibt.

Der Weise lebt vorwiegend in der Ruhe und der Liebe. Aus der Ruhe, der inneren Entspannung und dem anhaftungslosen Sein erwächst Heilung, Gesundheit, inneres Glück und die Erleuchtung. Wenn wir eine Welt des Friedens, der Liebe und des allgemeinen Glück erreichen wollen, dann müssen wir die Wut auf der Welt überwinden und die Liebe verstärken. Wenn wir persönlich auf einem hohen Glücksniveau leben wollen, dann müssen wir in uns Ruhe, Frieden und umfassende Liebe erzeugen.

Das ist der Weg, den uns Buddha, Jesus, die großen westlichen Philosophen und die Yoga-Heiligen gezeigt haben. Sie haben uns auch die Übungen gezeigt, mit denen wir unser Ziel erreichen können. Insbesondere müssen wir genau auf unsere Gedanken achten, weil die Gedanken bestimmte Gefühle verursachen, die uns nützen oder schaden können. Positive Gedanken sind nützliche Gedanken. Sie fördern die Gesundheit, den inneren Frieden, das Glück und die Liebe zwischen den Menschen.

Manchmal muss sich ein Mensch aber auch gegen Missstände wehren und Fehlentwicklungen bekämpfen. Er muss sich verteidigen, wenn er angegriffen wird. Er muss energisch für positive Ziele eintreten. Dazu braucht auch der Weise Emotionen. Er muss seine Ängste spüren, er muss Trauer empfinden und er darf auch wütend sein. Auch ein Weiser kann kämpfen, wenn es notwendig ist. Insbesondere kämpft er gegen seine eigenen negativen Tendenzen. Aber er kann auch mit Kraft in der Welt handeln. Wichtig ist es nur, dass er seine Wut genau dosiert. Etwas Wut kann manchmal hilfreich sein. Zu viel Wut ist meistens schädlich.

Diese Dinge waren den Teilnehmern schwer zu vermitteln. Und dann gab es noch einen Interessenkonflikt. Die einen wollten sich über Glück und Politik unterhalten und die anderen persönliche Hilfen bekommen. Die Diskussion artete in ein Chaos aus. Als Barbara ihren Teil des Referates hielt, waren die Emotionen kaum noch zu bremsen. Lachyoga musste leider ausfallen. Wut und Streit beherrschten das Geschehen.

Ich versuchte zu retten, was zu retten ist. Ich bemühte mich die Wogen zu glätten, vermittelnde Positionen zu vertreten und Frieden herzustellen. Zum Glück konnte ich die Leute zum Abschluss noch zu einer Dankbarkeitsmeditation bewegen. Wofür bist du heute dankbar? Dazu fiel den Menschen nichts ein. Hast du in den letzten Jahren etwas Positives erlebt? Auch da gab es kaum etwas. Gibt es in deinem Leben irgendetwas, wofür du dankbar bist? Und hier geschah der innere Umschwung. Ich fragte die Menschen dann noch nach einem zweiten schönen Erlebnis, ließ sie darin verweilen, darauf meditieren, darin schwelgen und es entstand Glück, Liebe und Frieden in den Herzen der meisten Teilnehmer.

So hatte eine chaotische Diskussion doch noch einen guten Abschluss. Barbara war aber so geschockt, dass sie nie wieder zu einem Gruppenabend gehen wollte. Politik ist ein schwieriges Geschäft. Häufig gibt es Streit und Machtkämpfe. Das schreckt viele Menschen ab. Andererseits bestimmt die Politik unsere Lebensverhältnisse. Wenn wir eine Welt der Liebe, des Friedens und des Glücks aufbauen wollen, müssen wir uns politisch einmischen. Das kann allerdings jeder auf seine Art tun und so wie es ihm Spaß bringt. Und der Weise erträgt dabei manchmal auch etwas Unbill. Und bringt sich danach durch viel Ruhe, Meditation und positive Gedanken wieder ins Glück.

https://www.youtube.com/watch?v=VDxEEhVzTo0

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Kommentar von Diamir am 22. Januar 2019 um 4:27pm

Danke lierber Yogi Nils.

Es gibt zum Thema Glück bestimmt viele Anekdoten.
Mir fällt folgende ein:
Der Sohn einen Juden eröffnet seinem Vater das er ein ein Fräulein Schmidt verliebt sei und sie demnächst heiratgen werde.
Der Vater regt sich auf: Nein, auf keinen Fall. Wir haben mit Fräulein Meyer eine Ehe für dich arrangiert. Sie passt zu dir. Und Herr Meyer ist mein Freund. Du kannst Fräulein Meyer nicht sitzen lassenn. Das kommt nicht in Frage.
Sagt der Sohn: Lieber Vater, ich werde Fräulein Meyer nicht heiraten. Mit ihr kann ich niemals glücklich werden.
Sagt der Vater: Nu, dann heiratest du eben diese Fräulein Schmidt. Dann bist du glücklich. Aber wast hast du schon davaon?

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