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Auf seiner Wanderung zum goldenen Buddha begegnete der alte Yogi einer Frau mit einem Hund. Da sowohl die Frau als auch der alte Yogi sich einsam fühlten beschlossen sie gemeinsam den Weg zum goldenen Buddha zu gehen. Zuerst verstanden sie sich auch gut. Doch leider erwies sich die Frau nach einiger Zeit als ziemlich schwierig. Sie war sehr dominant und wollte immer bestimmen wo der Weg lang geht. Und sie war ziemlich emotional und konnte sich über die kleinsten Dinge aufregen.

Der alte Yogi und die Frau begannen sich immer öfter zu streiten. Dieses Streiten war nicht zu vermeiden, weil die Frau viele Verletzungen aus ihrem bisherigen Leben mit sich trug und der alte Yogi sich nicht alles von ihr bieten lassen wollte. Er musste auch ausreichend sich selbst leben, damit er sich in seinem Leben wohl fühlte. Er konnte ihr nicht in allem recht geben. Sie mussten Kompromisse finden. Und das war nicht immer einfach.

Nach einem langen Streit dachte der alte Yogi gründlich über die Situation nach. Aus buddhistischer Sicht war es falsch die Wut in der Beziehung zu pflegen. Besser war es im ruhigen Sein und in der Liebe zu leben. Wie konnte der Mann während der gemeinsamen Wanderung in der Ruhe und im Glück bleiben?

Der erste Schritt war es die Frau so anzunehmen wie sie war. Er erkannte ihr verletztes Herz und akzeptierte es, dass er mit einer ziemlich schwierigen Frau auf seinem Weg unterwegs war. Er übte Gleichmut und Gelassenheit. Er haftete weder an der Liebe noch an dem Streit an. Er floss positiv mit den Dingen und brachte sich durch seine spirituelllen Übungen immer wieder ins innere Gleichgewicht. Er besann sich darauf, dass alle äußeren Dinge letztlich vergänglich und leer sind. Wichtig ist nur die Erleuchtung und das innere Glück. Wichtig ist nur die spirituelle Selbstverwirklichung. Wichtig ist es egolos in der Einheit des Kosmos zu ruhen.

Der zweite Schritt war es trotz aller Streitigkeiten immer wieder in die Liebe zu kommen. Dazu praktizierte der Mönch die tibetische Übung Tonglen, was so viel wie Geben und Nehmen bedeutet. Der Mönch nahm das innere Leiden der Frau in sich auf. Er öffnete sich ihrem verletzten Herzen und lies ihre Energie in sein Herz hinein. Er visualisierte sie als schwarze Leidenergie, ließ diese Leidenergie durch sich hindurch fließen und durch die Füße und Hände wieder aus sich heraus fließen und von der Erde aufnehmen. So heilte er die Frau von ihren Verletzungen.

Dann schickte er der Frau geistig all sein Glück. Er ließ sein Ego los und wünschte der Frau und allen Wesen Glück. Dadurch kam er selbst wieder ins Glück. Das ist das verrückte Prinzip von Tonglen. Man gibt den anderen Wesen all sein Glück und nimmt all ihr Leid auf. Und wird dadurch in sich glücklich, weil alle Wesen energetisch verbunden sind. Wie Außen so Innen. Visualisiert man seine Mitmenschen und seine Umwelt als glücklich, wird man selbst innerlich glücklich.

Der dritte Schritt war es die äußeren Konflikte langsam immer wieder zu deeskalieren und sich auf das Positive zu besinnen. Das gemeinsame Positive war es zum goldenen Buddha zu pilgern und selbst ein Buddha zu werden.

Ein Buddha wird man nicht dadurch, dass man das Leid des Lebens verdrängt. Leid gehört zum Leben auf der Welt dazu. Buddha erklärte sogar, dass das Leben auf der Erde vorwiegend Leid ist. Man muss das Leid annehmen, integrieren und zum Übungsweg machen. Man kann nur dann ein Buddha des inneres Glücks werden, wenn man weder an dem äußeren Glück noch an dem äußeren Leid anhaftet. Man muss sich innerlich über die Welt erheben, sich davon frei machen, innerlich abgeschieden bleiben. Das gelingt, wenn man die Erleuchtung wichtiger nimmt als alles weltliche Geschehen. Man muss auch in einer äußeren Liebesbeziehung innerlich abgeschieden bleiben. Das ist die große Kunst auf dem spirituellen Weg.

Und die Kunst geht sogar noch weiter. Man muss nicht nur seinen Gleichmut bewahren, sondern gleichzeitig in der Liebe bleiben und aus der Liebe heraus handeln. Das ist die große unermessliche Lehre Buddhas, die aus den vier Grundsätzen Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut besteht. Diese Lehre ist zu verwirklichen, wenn man durch seine spirituellen Übungen und durch die Egolosigkeit im eigenen inneren Glück ruht. Wer Glück in sich hat, kann allen Wesen Liebe geben. Er kann sie so annehmen wie sie sind und so glücklich mit dem Leben fließen. Nachdem die Frau und der Yogi das begriffen hatten, wurde ihre Beziehung immer glücklicher.


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