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Ich wollte etwas lesen aus Swami Sivananda´s Buch „Göttliche Erkenntnis“, aus dem Kapitel Ahimsa. Ahimsa ist das erste der Kapitel aus diesem Buch, welches ja aus verschiedenen Aufsätzen oder Traktaten oder Ausschnitten oder Kapiteln von verschiedenen Büchern von Swami Sivananda und verschiedenen Beiträgen, die er geschrieben hat in verschiedenen Zeitschriften, besteht. Die wurden gesammelt und in diesem Buch alphabetisch wiedergegeben.
Ahimsa heißt: Nichtverletzen.
Swami Sivananda schreibt:
„Bei der geistigen Erneuerung des Menschen ist der erste Schritt das Überwinden der animalischen Natur.“
Die animalische Natur folgt den Instinkten, sie ist für die Evolution des Lebens wichtig,
die Instinkte haben ihre Berechtigung, und der Mensch hat natürlich auch diese Instinkte.
So, angenommen, man wird bedroht, dann kann man entweder fliehen und vorher Angst haben,
man kann kämpfen und vorher ärgerlich sein, gut, man könnte noch als drittes sich tot stellen,
und vielleicht irgendwann in Depression verfallen.
Und angenommen, jemand ist nett zu einem, dann entsteht so ein Gefühl der Verbundenheit,
angenommen, jemand ist nicht nett zu einem, dann entsteht ein anderes Gefühl.

Und dann irgendwo die Instinkte gehen noch weiter, nicht nur geht es auf Erfahrung,
sondern irgendwo hat man irgendwas abgespeichert von diesem Leben und früheren Leben,
ein bestimmtes Aussehen, eine bestimmte Miene, und ein bestimmter Geruch,
und ein bestimmtes Geräusch, das assoziiert man mit angenehm, unangenehm,
bedrohlich, unterstützend usw.

Also das sind alles sehr sinnvolle Mechanismen, die Menschen da sind, und die irgendwo die Jahrmilliarden-Evolution entwickelt hat aus sinnvollen Gründen. Wenn es nicht sinnvoll gewesen wäre, wäre der Mensch inzwischen - wären diese Teile im Menschen - nicht da.
Also wir können sagen, alle Instinkte, die wir in uns haben, sind irgendwo auch sinnvoll.
Und es ist auch irgendwo gut, das erst ´mal so zu würdigen.

Und irgendwann habe ich mal gelesen, es ist ja auch eine komische Sache, wenn es heißt, die Evolutionsbiologie hätte irgendeine Wahrheit.
Warum ist der Mensch dann so eigenartig?
Es wäre doch viel klüger, wenn der Mensch ohne größere Probleme entstehen würde.
Wenn man sich mit sich selbst beschäftigt, stellt man fest, man ist relativ kompliziert,
man macht sich oft das Leben schwieriger als eigentlich notwendig.
Ich weiß nicht, ob das auf jeden zutrifft, aber zumindest die Menschen, mit denen ich mich unterhalte, würden dem zustimmen.
Ich habe mindestens noch keinem gesagt, daß er einen sehr klaren, einfachen Charakter hat,
und das Gefühl hat, immer angemessen und gut zu reagieren.

Also, die Mehrheit der Menschen kennt Situationen, in denen er oder sie nicht immer gut auf Ereignisse reagiert hat. Das liegt daran, dass der Mensch in einer Vielzahl von Umgebungen sich befindet und eine Vielzahl von verschiedenen kreativen Eigenschaften notwendig und hilfreich ist, die Situation zu bewältigen. Nicht immer hat jeder Mensche diese notwendigen Fähigkeiten ausreichend entwickelt.
Und wenn das alles nur in eine bestimmte Richtung gewesen wäre, dann hätte es bei Veränderungen alle möglichen Probleme gegeben.
So kann man überlegen, jede Eigenschaft, die man in sich hat, war in irgendeinem Kontext sinnvoll
und ist auch in irgendeinem Kontext sinnvoll.
Manchmal manifestiert sie sich in Kontexten, wo sie nicht sinnvoll ist, und manchmal manifestieren sich zwei oder mehr Eigenschaften gleichzeitig, die sich zu widersprechen scheinen.
Gut, und was hat das jetzt alles mit Ahimsa zu tun ?
Zum einen: Ahimsa heißt, diese ganzen Sachen in sich selbst anzuerkennen,
so dass man sich selbst auch irgendwie annehmen kann.
Ahimsa schließt auch ein:
Nichtverletzen von sich selbst, sich selbst nicht niedermachen, sich selbst nicht übermäßig unter Stress zu setzen.
Ahimsa schließt aber dann auch ein, andere auch so zu erkennen, und letztlich auch lieben zu lernen, auch wenn Menschen scheinbar komische Sachen machen, zu erkennen, dass diese damit auch Gutes bezwecken.
Und in irgendeinem Kontext wäre es sicher sinnvoll, vielleicht ist es sogar auch in diesem Kontext sinnvoll, nur unser eigener Mechanismus denkt dort irgendetwas anderes.

Aber Swami Sivananda geht ja hier noch weiter, sonst könnten wir uns ja darauf beschränken auf: „Ich bin okay, du bist okay“, - da gibt es ja so ein bekanntes Buch, was ja auch essentielle Wahrheiten ausdrückt -, es geht hier aber noch weiter, eben, er sagt:
Ahimsa hilft, über das rein Tierische hinauszuwachsen, bzw. über das Tierische hinauszuwachsen,
- was nichts Schlechtes ist, das Tierische, im Gegenteil, es ist etwas Gutes -
(um) darüber hinauszuwachsen hilft (es), Ahimsa zu praktizieren.

Schon allein, das so zu erkennen, wie ich das jetzt eben sage, und öfters ´mal darüber nachzudenken,
schon das führt zu Mitgefühl mit sich selbst und mit anderen,
und damit ist man auch schon einen anderen Schritt - also die Fähigkeit zu: Metaebene erreichen, also die Ebene darüber, und sich selbst zu analysieren, und freundlich zu betrachten ist eine gute Anwendung.

Natürlich, es gibt auch Menschen, die betrachten sich auch und analysieren und machen sich nieder. Und das ist auch eine Form der Metaanalyse, die nicht sehr hilfreich ist.
Menschen haben auch die Fähigkeit, noch in die Zukunft vorauszusehen,
und die für die Wahrheit zu halten, und sich dadurch zusätzliche Probleme zu machen.
Weshalb ja Jesus einmal gesagt hat: die heutige Sorge reicht aus.
Das ist ein banaler Ratschlag, den er seinen Jüngern gegeben hat, und wenn man darüber nachdenkt, ist es ein sehr kluger Ratschlag.
Gut, natürlich wir müssen auch mal die Zukunft planen, ohne Zweifel, es sei denn, man ist Bettler oder Bettelmönch, und selbst die müssen planen, wo sie als nächstes gut betteln.

Aber es geht noch weiter, als nur diese Sachen zu verstehen.
Es gilt auch, das Gefühl von Liebe und Verbundenheit zu kultivieren und tatsächlich auch zu spüren.
Wir können dies eben zum einen durch Verständnis, Mitgefühl.
Wir können dies tun, indem wir uns bewusst machen, jedes Wesen ist irgendwo ein Geschöpf Gottes.
Oder: jedes Wesen tief im Inneren will das Gute.
Jeder Mensch, und nicht nur jeder Mensch, hat irgendetwas auch Einzigartiges beizutragen.
Und jeder Mensch, mit dem wir zu tun haben, hilft uns zu wachsen.
Sei es, dass er uns gute Ratschläge gibt,
sei es, dass er uns die falschen Ratschläge gibt,
wo wir lernen, denen nicht zu folgen – muss man ja auch können.
Ab und zu mal geben Menschen einem Ratschläge, und manchmal ist es besonders schwierig bei Eltern, und die Kinder meinen dann immer, sie müssten dann sich gegenüber den Eltern rechtfertigen.

Die Eltern geben ihre Ratschläge, erwarten Dank von ihren Kindern dafür und dass, diese ihre Ratschläge auch umsetzen.

Weder müssen die Eltern es gutheißen, was man macht, noch müssen sie es verstehen,
noch müssen wir unsere Eltern davon überzeugen,
noch müssen wir machen, was die Eltern sagen, es sei denn, wir sind unter achtzehn.
Nicht daß ich hier missverstanden werde, und nachher: der Sukadev hat aber gesagt...

Gut, und so können wir das mit jedem Menschen machen, wir können ihm Liebe, Mitgefühl entgegenbringen – es gibt eben auch noch eine Kategorie, die hilft uns, stark zu werden, indem sie böse zu uns sind, und dann können wir entweder uns zur Wehr setzen,
oder wir können: „trage Schaden, trage Beleidigungen, trage Beschimpfungen“,
was Swami Sivananda als besonders hohen Yoga genannt hat, auch dadurch wachsen wir.

Manchmal sind Menschen dazu da, um uns unsere Fehler zu zeigen,
manchmal sind Menschen dazu da, uns zu zeigen, dass Menschen uns nicht richtig verstehen,
und manchmal sind Menschen einfach nur freundlich, dankbar und mitfühlend,
und auch das muß man lernen anzunehmen.
Das sind alles ein paar Aspekte von Ahimsa.
Hari OM Tat Sat.

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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