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Liebe Yoginis & Yogis,

Ich habe vor kurzem meine Yogalehrer*innen-Ausbildung bei Yoga Vidya abgeschlossen und werde ab April meinen ersten Kurs online unterrichten.

Ich habe eine Teilnehmerin mit Reflux-Problemen, die keine OP durchführen lassen möchte.

Ihre Mutter ist innerhalb von sieben Wochen an Speiseröhren-Krebs verstorben und sie ist daher sehr sensibel beim Thema Reflux.

Ich habe mich bereits im Forum etwas schlau gemacht und erfahren, dass bei Reflux-Problemen keine oder nur kurze Umkehrstellungen durchgeführt werden sollen.

Im Sonnengebet würde ich den herabschauenden Hund bei der Teilnehmerin durch Katze/Kuh ersetzen und anstatt der Vorwärtsbeuge nur die Hände auf die Knie aufstützen lassen.

Doch was könnte ich der Teilnehmerin als Alternativen empfehlen, solange die anderen Teilnehmer*innen beispielsweise den Kopfstand oder Schulterstand praktizieren?

Habt ihr sonst noch Empfehlungen, welche Übungen bei Reflux hilfreich sind bzw. vermieden werden sollten?

Im Voraus herzlichen Dank für eure Unterstützung!

Viele Grüße,

Heike

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Antworten auf diese Diskussion im Yoga Forum

Hallo Heike,

beim Lesen deiner Nachricht kam mir spontan der Gedanke, dass der Verzicht auf den herabschauenden Hund im Rahmen eines Sonnengrußes unnötig sei. Es sei denn, du baust lang andauernde Variationen ein. Sich für wenige Sekunden im herabschauenden Hund aufzuhalten ist nicht länger, als sie für Alltagstätigkeiten wie Bücken, etwas aufheben etc. braucht.

Den "normalen" Schulterstand kannst du durch den mit Kissen unterstützen ersetzen: da ist zwar immer noch eine "Schieflage" vorhanden, aber kein senkrechtes Gefälle.Die (ganze) stehende Vorwärtsbeude könntest du durch die halbe stegende VwB ersetzen, vor allem dann, wenn du die Schüler länger so stehen lässt.

Ich denke, das Wichtigste für deine Schülerin wird wohl sein, die URSACHE des Reflux anzugehen. Je nach Ursache kann ihr Yoga helfen um bspw. nervösen Stress abzubauen = weniger Magensäure zu produzieren. Beruhigende Pranayamas etc etc Hat sie eine Zwerchfellhernie?

Viele Grüße
Karfried

Hallo Karfried,

Vielen Dank für deine Antwort auf meine Frage!

Beruhigende Pranayama-Übungen werde ich in jedem Fall im Kurs machen - ich habe auch gelesen, dass insbesondere Agni Sara bei Reflux-Problemen empfohlen wird.

Ob sie Stress hat, weiß ich (noch) nicht - in jedem Fall hat sie Übergewicht.

Zu deiner Frage bezüglich der Zwerchfellhernie: sie hat mir bisher nur geschrieben, dass sie keinen Magenverschluss hat.

Ich bin kein medizinischer Experte und kann deshalb nicht beurteilen, ob "kein Magenverschluss" gleichbedeutend ist mit Zwerchfellhernie.

Das Reflux-Problem hat sie, seit sie denken kann - sie nimmt so gut wie täglich Pantoprazol und andere Säurehemmer ein.

Ich habe mich schon etwas über die Ursachen von Reflux-Problemen schlau gemacht - sie könnten auch in der Ernährung bedingt sein.

Ich werde meine Teilnehmerin noch etwas mehr dazu "ausfragen".

Nochmals vielen Dank für deine Antwort und viele (Sonnen-)Grüße!

Heike

Hallo Heike,

Übergewicht und Magensäure so lange sie denken kann - das hört sich nach einem chronischen Problem an. Ein "Magenverschluss" ist etwas ganz anderes als eine Hernie. Ihr wurde zu einer OP geraten - da wäre die Frage, welche OP, mit welchem Ziel? Daraus läss sich evtl. eine yogatherapeutische Vorgehensweise ableiten. Ursachen für Reflux gibts wirklich viele. Das gibt es keine pauschale Antwort, keinen "Königsweg", der immer hilft.

Agni Sara, Uddhijana-Bandha, Nauli, Kapalabhati - alles was den oberen Bauch in Bewegung bringt - können hilfreich sein, allerdings nicht immer in akuten Fällen. Das soll sie ruhig mal ausprobieren, kann aber auch nach hinten losgehen. Also sanft heranführen.

Was erhofft sie sich vom Yoga, welche Erwartungen hat sie?

Grüße
Karfried

Hallo Karfried,

Inzwischen habe ich noch ein paar mehr Informationen von meiner Yoga-Teilnehmerin mit Reflux-Problemen eingeholt.

Hier ihre Rückmeldung zu meinen Fragen bzgl. OP und Auftreten der Beschwerden bei der Yoga-Stunde:

"Mir wurde von meinem behandelnden Arzt gesagt, dass es eine OP gibt, die den “Magenverschluss repariert.
Es soll sich aber um eine große OP handeln und mir wurde abgeraten.
Das Ziel der OP wäre, dass die Magensäure nicht mehr in die Speiseröhre zurück laufen kann und die Speiseröhre sich nicht entzündet.
Die Probleme treten immer auf, wenn ich flach liege (was ich deshalb nicht mache) und es war die Yoga-Übung, als ich die Knie zur Brust gezogen habe.
Ich habe das Kopfteil meines Bettes höher gestellt; flach schlafen geht bei Reflux nicht."

Die Übung, die meine Kursteilnehmerin meint, war eine der Krokodilsübungen, bei der die Teilnehmer*innen flach auf dem Rücken lagen und die Beine abwechselnd gebeugt zur Brust gezogen haben.

Vom Yoga-Kurs erwartet meine Kursteilnehmerin eine Verbesserung ihrer Flexibilität.

Viele Grüße!

Heike

Hallo Heike,
wenn sie flach nicht mehr schlafen kann, ohne dass sie Reflux hat, dann ist es ein eher ausgeprägter Fall. Dann ist auch der unterstützte Schuilterstand, den ich dir vorgeschlagen hatte, wohl nur kurz empfehlenswert. Sie sollte ihn trotzdem Mal probieren, aber sie wird kaum länger darin verweilen wollen / können. Leider.

Reflux hat sehr häufig mit Übergewicht zu tun (rund 70% aller Fälle) oder mit einer Zwerchfellhernie. Bei letzterer "rutscht" ein Tell des Magens vom Bauchraum in den Brustraum hinauf. Je nach Ausprägung ist es nur unangenehm, wenn der Bauch Druck erfährt (wie bei der von dir beschriebenen Krokodilsübung) oder bei schlimmeren Fällen ist eine OP ratsam. Aber die scheint bei ihr zwingend notwendig zu sein, sonst hätte der behandelnde Arzt nicht abgeraten, Wie kannst du sie nun mit Yoga unterstützen?

• Antara Kumbhaka könnte ihr gut tun (Magen wird nach unten bewegt)
• Generell die Atmung vertiefen
• Yoga drei Stunden oder später nach der letzten Mahlzeit praktizieren(!)
• herabschauender Hund im Sonnengruß ist wahrscheinlich möglich, weil nur kurz
• stehende Pranayamas (ein gutes Uddhijana Bandha, Agni Sara...), Verspannungen im Zwerchfell werden gelöst
• Aufrichten! In allen Asanas bei ihr besonders auf die aufgerichtete Wirbelsäule achten. Das dehnt die Körpervorderseite und unterstützt die richtige Lage des Magens. Wenn sie viel sitzt, sich nach vorne beugt, Schultern hängen lässt erzeugt das Druck auf den Bauch. Bei Übergewicht natürlich um so mehr.
• alles, was Stress reduziert, wird mit der Zeit der übermäßigen Magensäureproduktion entgegenwirken
• sie könnte sich eine 10minütige Morgenroutine mit Yoga im Stehen zulegen. Dann ist der Magen noch leer und Reflux geringer

Mit all diesen Dingen ist sie für die kommenden Monate gut versorgt.

Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Empfehlungen wie Ernährungsumstellung (eiweißreiche Kost unterstützt den Tonus der Speiseröhe), Gewichtsabnahme ist wichtig und vieles andere, was sie hoffentlich schon von ihrem Arzt gehört hat. Auch die Naturheilkunde hat einiges zu bieten, um die Lebensqualität zu verbessern. Aber das würde hier zu weit führen.

Ich würde sie mir Mal beiseite nehmen und diese Dinge unter vier Augen durchsprechen, um ihr die Bedeutung der genannten Aspekte der Übungen zu verdeutlichen. Dass sie durchaus eine Verbesserung erwarten kann, sie aber ihr Leben wohl etwas umstellen muss. Online würde ich das nur notgedrungen machen, aber vielleicht kann sie Mal zu einer Einzelstunde zu dir kommen? Da kannst du sie viel besser korrigieren als online, wo du in der Regel kaum siehst, was die Teilnehmer eigentlich (falsch) machen.

Ich hoffe, ich konnte dir einige Anregungen geben, die du auch umsetzen kannst.

Viele Grüße und viel Erfolg!

Karfried

Guten Morgen Karfried!

Ganz, ganz herzlichen Dank für deine Mühe!!!

Das persönliche Gespräch ist kein Problem - die Kursteilnehmerin ist meine Nachbarin und wir gehen sehr offen miteinander um. :-)

Ehrlich gesagt habe ich jedoch den Eindruck, als hätte sie sich ihrem Schicksal ergeben.
Vor ein paar Tagen meinte sie, ich solle mir nicht so viele Gedanken wegen ihres Reflux machen - sie lebe schon so lange damit.
Aber mein "sportlicher Ehrgeiz" bringt mich dazu, ihr helfen zu wollen - zumal ich selbst die positiven Wirkungen des Yoga schon mehrmals bei Problemen im/am eigenen Körper erfahren durfte.

Ich habe beschlossen, sie erstmal alleine zu unterrichten - so kann ich besser auf sie eingehen und die Übungen auf ihre Bedürfnisse abwandeln.

Nochmals ganz herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für mein Anliegen genommen und mir so wertvolle Tipps gegeben hast!

Viele Grüße und ein schönes Wochenende!

Heike.

Hallo Heike,
ja das kenn' ich mit dem sportlichen Ehrgeiz... find ich gar nicht so schlecht, denn so machst du dich mit Krankheiten und Beschwerden vertraut und kannst beim nächsten Mal darauf zurückgreifen.
Ich habe solche und andere Fälle oft in der Praxis (bin ja Heilpraktiker und kombiniere naturheilkundliche Behandlungen gerne mit Yoga) und von daher wars keine große Mühe, dir zu helfen.
Viele Grüße
Karfried

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