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Om Yogis,

beim Luftanhalten während Kapalabhati gibt es folgende Möglichkeiten.

1. Anhalten des Atmes durch Schließen des Kehlkopfdeckels

2. Stoppen des Atems ohne Schließen des Kehlkopfdeckels, der Atem ist dann wie in der  

   Schwebe zwischen Ein-u. Ausatmen

 

Gibt es eine bevorzugte oder richtige Variante bei Kapalabhati?

Zumindest ist bei der 2. Variante + Mula Bandha die energetische Wirkung wesentlich stärker (zumindest bei mir). Der Kopf wird klar, verstopfte Nase wird frei und es ist viel Energie spürbar, so dass ich den Atmen nicht lange halten kann.

 

Om Shanti

Sven

 

 

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Hallo Ratna,

vielen Dank für den interessanten Hinweis! Ich dachte bislang, das Kinn zur Brust zu nehmen sei das wesentliche bei Jalandhara Bandha, denn dadurch würde ein Druck ausgeübt auf einen Nervenknoten im Halsbereich, der den Blutdruck schlagartig senken könnte. (Mr. Spock vermag schließlich seine Gegner auf sanfte Art aus zu schalten, indem er mit gezieltem Griff dort Druck ausübt ... ;-))

Meine persönliche Erfahrung ist folgende:

September 2009 habe ich das Video zu Kapalabhati und Wechselatmung von Sukadev auf YouTube entdeckt und seit dem täglich mehrmals praktiziert. Ich übe seit einigen Jahren tgl. Asanas, bin 52 und gehe etwa 2 x jhrl. zum Arzt zum Routine-Check. Im Februar wurde dabei hoher Blutdruck diagnostiziert obwohl ich nie im Leben Probleme damit hatte. Ich habe eine Verbindung zu meiner neuen Praxis vermutet und mir ein Blutdruckmessgerät gekauft um damit zu experimentieren.

Folgendes habe ich für mich herausgefunden: Mula Bandha, so wie es bei der Kapalabathi Instruktion ausgeführt wird, bringt meinen Blutdruck für längere Zeit um 10 - 20 Pkt. nach oben. Dabei wirkt die Kontraktion des Schließmuskels noch stärker als die des Perinäums. Jalandhara Bandha zusammen mit Ujjayi Atem senkt ihn aber.

Daher ergänze ich die Instruktion jetzt am Ende durch 4x Uddiyana Bandha mit Jalandhara Bandha und Ijjayi Atmung. Bin mir aber 1. nicht sicher ob das o.k. ist, das abzuwandeln und habe 2. auch leider noch keine normalen Werte nachhaltig erreicht, sondern muss noch Tabletten nehmen. Und das gefällt mir als Yoga-Übendem doch gar nicht ...

Hast Du vielleicht einen Rat für mich?

Liebe Grüße

Martin
Danke!
:-))) M.
In der Gherandasamhita steht:
Man zieht die Kehle ein und senkt das Kinn auf die Brust. Wird der Bandha Jalamdhara vollzogen, werden die sechszehn Ahhara gefesselt...
Hallo Ratna,

ich habe jetzt das Maha Bandha in der von Dir vorgeschlagenen Art mehrmals probiert und bin wirklich begeistert! Erste Messungen haben deutliche Anzeichen dafür ergeben, dass sich mein Blutdruck dadurch im Optimalbereich einpendelt. Natürlich steigt durch Kapalabhati der obere Wert und auch der Puls an. Der Effekt ist aber nur kurzfristig. Der durch Mula Bandha hervorgerufene nachhaltige Anstieg scheint kompensiert zu werden. Und das ist einfach großartig!

Folgende Fragen habe ich noch:

1) Wenn ich komplett ausatme, ist das dann schon Uddiyana Bandha oder muss ich noch den Kehldeckel schließen und den Bauch nach innen ziehen während sich der Brustkorb hebt?

2) Soll ich die Bandhas dann in der umgekehrten Reihenfolge wieder lösen (lassen) oder in der Reihenfolge JB - UB - MB? (Die umgekehrte Folge fühlt sich ganz natürlich an, während das Lösen von UB vor MB eher herausfordernd erscheint.)

Wenn ich die Bandhas nach dem vollständigen Ausatmen in der Reihenfolgen UB - MB - JB setze und dabei am Ende das Kinn auf die Brust nehme, spüre ich sehr deutlich, wie die aufsteigende Energie blockiert - oder soll man sagen reguliert(?) - wird. Auch scheint sie irgendwie in den Körper umgelenkt zu werden, statt vom Kopf aus in alle Richtungen aus zu strahlen. Und ich dachte eigentlich, genau das sei der Zweck von JB. Durch diese Blockade zusammen mit Ujjayi Atmung ist es mir schon oft gelungen, akut hohen Blutdruck (infolge von Streß, Lampenfieber etc.) unmittelbar zu senken. Die Blockade blockiert bei mir also durchaus erwünscht unbeliebte Energien sprich: Emotionen, vor allem Angst.

Liebe Grüße

Martin
Hi zusammen,

wahrscheinlich gibt es,auch wie bei so vielen Dingen im Leben, mehrere Sichtweisen, die nebeneinander ihre Berechtigung haben.

In vielen Dingen bin ich sehr kritisch, was ich in den Büchern lese. Die Gedanken von Geeta Iyengar hören sich für mich stimmig an:

...darf den Nackenmuskeln keine Gewalt angetan werden, um das Kinn zwischen die Schlüsselbein zu legen, sondern der Kopf sollte sich nur so tief neigen, wie es einem angenehm ist. (Anmerkung von mir: der Kopf wird NICHT gerade gehalten)

Sie schreibt, das Gehirn (das Ego) wird dazu veranlasst, sich in Demut vor der eigenen Seele zu verbeugen, die Teil der universellen Seele ist.

Aus physiologischer Sicht verhindert Jalandhara Bandha eine Überanstrengung des Herzens bei der Übung von Pranayama.

Aus Yoga für die Frau von Geeta Iyengar

In Der Weg des Yoga (Hrsg. BDY) beschreibt Anna Trökes genau, warum sich durch dieses Bandha der Herzschlag verlangsamt und erwähnt als wichtige Wirkung, die beruhigende Wirkung auf das vegetative Nervensystem. Hier wird auch das Senken des Kopfes als Bestandteil von Jalandhara Bandha erwähnt.

Hier noch ein Artikel zu dem Thema : Einführung in Pranayama von B.K.S. Iyengar

Liebe Grüße

Klaus
Hallo Ratna, hallo Klaus,

ganz lieben herzlichen Dank für Eure erhellenden Beiträge! Es ist wirklich erstaunlich, wie viel man aus der Diskussion lernen kann ...

Versuchen wir also den Aufstieg aus der Anfänger-Klasse: JB heißt ja "Verschluss". Ich krieg es einfach (noch?) nicht hin, die Zunge dick zu machen und nach hinten zu schieben, wie Du schreibst, Ratna. Durch Senken des Kopfes wird ja gerade der Druck am Hals aufgebaut, der für die (von mir gewünschte) Verlangsamung des Pulses und Verminderung des Blutdrucks sorgt. Wie soll ich mit der Zunge so viel Druck aufbauen? Ich habe heute morgen wieder experimentiert und gesehen, wie MB auch beim ausgeatmeten Anhalten des Atems den Blutdruck um 10 - 20 Pkt. nach oben bringt. Eine ideale Geschichte, wenn jmd. zu niedrigen Blutdruck hat. Durch MB auch zwischendruch im Alltag kann das immer wieder reguliert werden. Ich wünsche mir allerdings derzeit eine Regulation eher in die andere Richtung.

Zur Frage "ich" und "selbst" möchte ich die Diskussion gerne durch einen Hinweis auf Patanjalis Yogasutra bereichern:

Das "ich" oder "ego" entspricht m.E. dem "Citta", also der Instanz in uns, die Gedanken usw. erzeugt, der Stimme im Kopf, die vorgibt, ich zu sein, und die zum Schweigen gebracht werden soll.

Das "selbst" entspricht m.E. dem purusa oder drasta, also demjenigen, der diese innere Stimme des Ich wahrnimmt.

Die grundlegende Täuschung eines alltäglichen Bewusstseins liegt nun darin, dass wir uns mit dem Citta identifizieren. Wir glauben der oder die zu sein, die innerlich spricht anstatt zu erkennen, das wir der oder die sind, die diese innere Stimme hört. Das innere Selbst schweigt. Es ist leer, klar und erkennend und - wie uns die Mystiker berichten - eins mit Gott.

Descartes lag eben falsch mit seinem "Ich denke also bin ich." Er war kein Meditierender sonst hätte er gewusst, dass man sehr gut sein kann ohne zu denken. Ja mitunter sogar sehr viel besser. Aber das Ego ist nicht böse. Es ist auch von Gott. Nur dadurch kann das Selbst die Welt erkennen. Es ist ein Werkzeug des Selbst und nicht der Chef, als der es immer wieder wahrgenommen werden will.

Citta und Drasta (Patanjali), Kleiner Mind und Großer Mind (Zen), Sem und Rigpa (Tib.), Ego und Selbst (C.G. Jung), Autobiografisches Ich und Kernbewusstsein (A.Damasio) sind keine Polaritäten, sondern das Große übersteigt das Kleine und schließt es ein.

Liebe Grüße

Martin
Namaste !

Ich möchte hier nicht klein in klein schreiben, aber ... für mich ist das Schließen des Kehldeckels im Bereich der Luftröhre, das Zurückziehen bzw. Verdicken der Zunge im Halsbereich und das Absenken des Kopfes etwas eigenständiges das auch jeweils getrennt vollzogen werden kann !

Wenn ich den Atem nach Einatmung in der Fülle anhalten möchte, kann ich sowohl den Kehldeckel verschließen, als auch den Zugengrund durch Zurückziehen der Zunge gegen den Rachen drücken und so den Atem anhalten. Ich kann auch beides zusammen machen, was wohl i.d.R. auch automatisch geschieht. Physiologisch sind das aber unterschiedliche Bereiche.
Damit stoppe ich zwar dann den Atem, erreiche aber nicht den Effekt, den ich durch J.B. erreichen möchte, nämlich eine Absenkung der Herzschlagfrequenz.

Wird tief eingeatmet und der Atem im Anschluss angehalten steigt i.d.R. der Herzschlag, u.a. auch dadurch, dass durch die Vergrößerung der Lunge Druck auf das Herz ausgeübt wird. Diese natürliche Reaktion kann ich dadurch verhindern, indem ich den Sinus Carotis in der Halsaterie stimuliere, in dem ich J.B. setze, also den Kopf "leicht" nach vorne beuge (ohne an den Nackenmuskel zu zerren). Dies bewirkt eine Verdickung der Halsmuskulatur, die den Sinus Carotis drückt, stimuliert oder wie man das sonstwie ausdrücken möchte. Dies erreiche ich m. E. nicht, wenn der Hals gerade bleibt. Oft wird nur der Fehler gemacht, dass das Kinn zu fest in Richtung Brust gedrückt wird, was eine Überstreckung/Überdehnung der Hals bzw. Nackenmuskulatur zur Folge hat. Dies verursacht dann eher die beschriebenen negeativen Wirkungen.

Auch würde ich hier schon unterscheiden, ob ich diese Haltung des Kopfes aus Gründen der Demut ausübe oder weil dies für das Pranayama aus ganz bestimmten Aspekten geschieht. Man kann natürlich alles in alle möglichen Richtungen auslegen, aber hier geht es doch eher um eine beabsichtigte Wirkung bei Ausübung von Pranayama und nicht um die Einnahme einer Demutshaltung.

mit yogischen Grüßen und der Vorfreude auf weitere Antworten

Shivaram
Hallo Ratna !

Danke für die ausführliche Antwort - die aber irgendwie für mich in keiner Verbindung zum Thema der Diskussion steht - yogische Grüße


Shivaram
Hallo Shivaram,

du schreibst:
Auch würde ich hier schon unterscheiden, ob ich diese Haltung des Kopfes aus Gründen der Demut ausübe oder weil dies für das Pranayama aus ganz bestimmten Aspekten geschieht.


Da stimme ich Dir zu. Ich fand das Bild mit der Demut für mich ganz passend - Pranayama zu Üben ohne meinen Willen und meine Kraft einzusetzen, um Widerstände zu überwinden. Aber die Demut ist nicht der Grund, das ich den Kopf nach vorne beuge.

Du hast die "Anatomie" von J.B. sehr schön beschrieben.

Liebe Grüße Klaus
Namaste Klaus, Hallo Yogis !

Sollte auch keine Kritik sein, mit der "Demutshaltung" :-) , finde es nur sehr wichtig, dass, wenn eine genau formulierte Frage diskutiert wird, man sich bei der Antwort auch genau mit dem Thema befasst und nichts schwammig wird.
Ich praktiziere schon einige Zeit verschiedene Pranayamas und lese so viel darüber, wie ich bekommen kann, bin aber mit dem, was darüber geschrieben und gesprochen wird nicht immer einverstanden.Vieles ist nur oberflächig beschrieben, vieles wird nur einfach abgeschrieben, und wenn ans Detail geht, fehlen Infos, der "eine" beschreibts so, der nächste entgegengesetzt. Aber genau die Feinheiten sind es, die mich weiter bringen und das Reflektieren, warum ich etwas mache.

Auch gerade das Üben/Tun "ohne Willen und Kraft einzusetzen" - wie du so schön beschreibst, ist wichtig, und das geschieht m. E. dann, wenn ich anstrengungslos J.B. einsetze und den Atem mit dem "Zungenverschluss" halte und trotzdem oder gerade deswegen dabei den Körper entspannen kann. Auch wird das Herz nicht so belastet und es wird Ahimsa gegenüber sich selbst beachtet. Aber auch eine regelmässige Praxis über Jahre hin ist nicht immer nur Zuckerschlecken - aber das hat ja auch keiner behauptet :-)

Danke für die Beiträge

Shivaram
Hallo Shivaram,

vielen Dank für die Erläuterung der physiologischen Zusammenhänge! Bei dieser Diskussion finde ich es aus Yoga-Perspektive besonders wichtig, die materielle Grundlage der Körperfunktionen mit den feinstofflichen Aspekten der Praxis in Verbindung zu bringen.

Die Neigung des Kopfes führt durch Druck auf den Sinus Carotis zum Absinken von Puls und Blutdruck. Für mich ein Faktum insofern, als ich es mit Hilfe eines Blutdruck-Messgerätes getestet habe. (Momentan erforsche ich das Thema Nachhaltigkeit und Vorbeugung ...) Dazu gehört auch, dass sich die emotionale Lage verändert. Emotionen beruhen auf der Wahrnehmung der eigenen Körperfunktionen, wie eben Puls und Blutdruck. Das ist der materielle Aspekt.

Doch was bedeutet das aus feinstofflicher Perspektive? Wie verändert sich der Energiefluss in den Nadis? Gibt es Auswirkungen auf Ida, Pingala und Shushuma? Und wenn ja, wie äußern die sich?

Und bei all dem: Will ich das überhaupt? Was ist das Ziel all dessen? Möchte ich meine Energie hoch schießen lassen in den Kosmos oder möchte ich etwas anderes damit tun? Und "darf" ich überhaupt wählen? Gibt es eine "richtige" Art, mit der Energie um zu gehen? Wer also ist der höchste aller Meister?

Auch ich finde es wichtig, nicht zu viel Kraft einzusetzen, aber ein bißchen schon. Vielleicht liegt das in meiner Natur. Meistens fühle ich mich am besten, wenn ich etwas herausgefordert werde.

Ohne Ziel zu praktizieren finde ich eher schwierig. Der Weg ist der Weg und darf Spaß machen. Aber das Ziel ist das Ziel und will erreicht werden. Wenn ich eine Praxis übe, dann will ich sie meistern. Dazu will ich immer wissen, was "meistern" bedeutet. Darum - unter anderem - poste ich ja auch hier ... ;-))

Martin
Nachtrag:

Wenn eine neue Praxis durch Ausbildung neuer synaptischer Muster eine Gewohnheit geworden ist, brauche ich (fast) keinen Willen, kein "Ich" mehr: Es ist mir in "Fleisch und Blut" übergegangen. "Ich" muss nicht mehr schieben: "Es" zieht mich ...

Patanjali 1.21: "Durch intensive Tatkraft rückt das Ziel nahe." (Übers. R.Sriram, 2003, S.51)

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