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Du fragst wie es mir geht? - Mir geht es nicht so gut!
ich habe Schuldgefühle meinem Vater gegenüber. ich habe ihm nicht geholfen, so sehe ich das wenigstens, als er meine Hilfe brauchte.

Was ist passiert?
Ich habe meine Eltern im Seniorenwohnheim besucht. Als ich in das Zimmer komme, weiß ich nicht, das mein Vater schon einige Zeit nichts mehr gegessen hat und sterben möchte.
Und ich weiß nicht, das er am nächsten Morgen nicht mehr leben wird!

Als ich also neben das Bett trete sagt er Piccolo, Piccolo. Ich sehe die kleine Sektflasche
auf dem Nachtisch und gebe sie ihm n i c h t, weil ich denke, Alkohol kann doch nicht gut sein, in seinem geschwächten Zustand...

Ich habe ihm seinen wohl letzten Wunsch nicht erfüllt und das macht mir noch heute zwei Jahre später zu schaffen!

Wie schön, wäre es doch gewesen, wenn wir beide an seinem Abschiedsabend einen Sekt getrunken hätten, auf sein verflossenes Leben, auf seine Höhepunkte und Lieblingsmomente...

Hast du schon ähnliches erlebt? hast du auch Schuldgefühle?

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Du hast es deinem Vater nicht aus Bosheit verwehrt sondern aus Fürsorge.

Du wusstest nicht das was du jetzt weißt.

Wir tun immer das was wir in dem Augenblick für das Beste halten.

Das hast auch du getan in dem Moment.

Es gibt keine Grund für dich, dich selber anzuklagen und zu verurteilen.

Mein großer geistiger Mentor sagte im übrigen das sich selber vergeben of schwerer sei als anderen.
Dass du das Wort "Niederlage" in deinen aktiven Wortschatz benutzt ist nicht unbeding nötig.

Streiche es aus deinem Wortschatz und das Problem ist gelöst.

"Things do not happen to us. They happen for us." Byron Katie

Eine meiner Niederlagen?

Deine Geschichte erinnert mich an die Geburt meiner Tochter.
Ich fuhr mit meiner Frau zum Klinikum um dort in der Geburtsabteilung unser Kind zur Welt zu bringen.
Neben dem Kreissaal war ein Umkleideraum mit Spinden und einer fahrbaren Liege.
Judith begann sich aus zu ziehen um die Krankenhauskleidung, den üblichen blauen Kittel an zu ziehen.
Plötzlich sagte sie: "Ich bringe jetzt in diesem Raum das Kind zur Welt."
Die beiden Krankenschwestern waren entsetzt, denn der eigentliche Kreissaal war nur drei meter über den Flur entfernt.
Dort gab es alle Gerätschaften zur eventuellen Notversorgung von Mutter und Kind.
Sie baten Judith doch eben rüber zu gehen die 5 Meter in den Kreissaal. Sie weigerte sich.
Und nun meine Rolle: Ich schlug mich auf die Seite der beiden Frauen und versuchte ebenfalls die Gebährende dazu zu bewegen den kurzen Weg zu gehen. Sie weigerte sich standhaft. Wir waren also zu dritt gegen sie. Mir tat es später leid das ich nicht zu Judith gehalten habe, sondern mich auf die Seite der beiden Krankenhaus Mitarbeiterinnen geschlagen habe.
Das Kind Charlotte kam dann tatsächlich im Umkleideraum gesund zur Welt.
Die Frauen sagten später: Wenn das der Dr. Soundso erfährt, das die Geburt hier war, dann kriegen wir Ärger.

Fazit: In einer Situation handelt man spontan und tut was man für das Beste hält. Bei späterer Betrachtung hat man andere Informationen und fängt überflüssigerweise an sich selber zu kritisieren. Das ist unproduktiv.
Merke: Niemand kann dich mehr lieben als du dich selber.

Hier noch ein schöner Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=s3kAtfbTU_k&t=59s
Titel: "Ihr könnt es nicht falsch machen mit dem Leben."

Wieso Niederlage? Du hast es doch gut gemeint, und so gut reagiert wie möglich. Auch du kannst halt nicht in die Zukunft sehen!

@Hans-Joachim
Sehr traurig, diese Geschichte. Deshalb auch verständlich, dass du Schuld empfindest (das entspricht meiner praktischen Erfahrung).
Obwohl es wahrscheinlich gar keine Schuld gibt: Es hätte nicht anders sein können, genauso wie das, was jetzt ist, auch nicht anders sein kann, als es jetzt ist (so lautet meine theoretische Einsicht).

Meine Nachfrage betrifft folgenden Punkt:
Wäre deine gedankliche Alternative, mit deinem Vater seinen Abschied bewusst mit einem Sekt zu begehen, tatsächlich schön gewesen? Oder wäre nicht auch das traurig gewesen, weil Abschiede notwendigerweise traurig sind?

Obwohl ich davon ausgehe, dass Schuld, Verantwortung, freier Wille etc. letztlich sinnlose Begriffe sind, empfinde ich trotzdem Schuld, auch wenn ich jetzt hier kein so prägnantes Beispiel nennen kann, wie du es tust.

Jedenfalls Dankeschön für diese nachfühlenswerte Schilderung!
LG von Dhyata

Du hast nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.
Ich glaube, da, wo dein Vater jetzt ist, geht es ihm gut und ihm fehlt nichts mehr.
Falls es aus seiner Sicht überhaupt etwas zu verzeihen gab, hat er dir sicher längst verziehen.

Er hätte dir sagen können, dass er sowieso nicht mehr wollte und mit dem Leben "fertig hatte".
Aber das sagt man seinen Kindern nicht.

So, wie du es beschreibst, hattet ihr kein ganz schlechtes Verhältnis.Würde er da wollen, dass dich diese Begebenheit heute noch traurig macht?

nun, ich weiß natürlich nicht, wie es gewesen wäre, wenn ich tatsächlich mit meinem vater den sekt getrunken hätte...
er war ein sehr verschlossener mann, der seine kinder nicht in planungen und entscheidungen einbezog (leider).
um so schöner die vorstellung mit ihm anzustoßen, denn er ist immerhin 90 jahre alt geworden.
dank eurer rückmeldung kann ich ihn nun besser sein lassen, vielen dank dafür!

Ich habe mal mit meinem Vater eine Flasch Cognac getrunken.

Ich hatte einen ziemlichen Brummschädel am nächsten Tag.

Fazit: Nicht alles was dein Vater mit dir macht ist auch gesund.

nun habe ich gemerkt, das unter meinem problem noch eine trauer liegt, die ich bisher nicht im blick hatte.

ich bin traurig darüber, das mein vater einfach so gegangen ist, ohne abschied ohne ein wort. ja, ich hätte mir sogar gewünscht, das er noch ein paar sätze sagt, wie er das leben empfunden hat und was er mir mit auf den weg geben möchte.
ja das fehlt mir! es fehlt mir manchmal noch heute orientierung im leben, doch ich bemühe mich meinen weg zu finden...

fühlt ihr euch im leben integriert und gefestigt? seid ihr auf eurem weg?

liebe grüße
hans-joachim

Ich habe etwas ähnliches erlebt. Mein Patenonkel hatte selbst keine Kinder und so war ich für ihn wie ein eigener Sohn. Er liebte mich innig und ehrlich. Nahm mich immer an wie ich war. Doch war er alkoholkrank und depressiv. Über die Jahre ist viel Leid in unserer Familie wegen seiner Krankheit entstanden. Am Ende seines Weges hatte er so viel getrunken, dass sein Körper dadurch gestorben ist. Er lebte bei seiner Mutter, meiner Großmutter, die mich schließlich auch hilfesuchend anrief und mich bat ihn ins Krankenhaus zu fahren, weil er Delirium-Tremens hatte und immer wieder bewusstlos war. Ich war so erzürnt darüber, dass er seiner Mutter solche Sorgen bereitete, dass ich Ihn ins Krankenhaus brachte und nie wieder von ihm hören wollte. Er hatte dann nur noch wenige Wochen zu leben und fragte bei jeder wachen Minute nach mir, ob ich ihn besuchen würde. Doch ich blieb stur. Ich wollte ihn nicht mehr sehen, ihn gar bestrafen. Ich glaube heute er wusste selbst, dass er sterben wird und viel Fehler gemacht hat. Ich bin traurig, dass ich ihm seine Fehler nicht verzeihen konnte und ihm seinen Wunsch sich von mir zu verabschieden verweigert habe. Er war ein guter Mensch mit viel Herzenswärme. Es macht mich immer noch sehr traurig, dass ich mich so entschieden habe. Ich werde heute meditieren und ihm Liebe senden.

om-shanti

Alkoholismus ist kein Fehler sondern eine schwere geistig/körperliche Erkrankung.

Der Alkoholiker trinkt nicht freiwillig.

Woher ich das weiß? Ich war 25 Jahre Alkoholkonsument, davon 10 Jahre schwerwiegend. Ich weiß wovon ich rede.

Alkohlismus ist eine von der Rentenkasse und von den Krankenkassen anerkannte Krankheit und keine Charakterschwäche.

Ich habe in diesem Jahr mein 25jähriges Jubiläum als zufriedener Abstinenzler. :-D

Eine Suchtkrankheit sucht sich niemand aus. Aber als Kind eines Alkoholikers weißt du das nicht.
Es versaut dir eine wichtige Lebensphase gründlich und nachhaltig.

Gott sei Dank ist das nicht irreparabel. Man kann den Mist, den ein Alkoholiker bei seinen Kindern anrichtet, nicht ungeschehen machen. Aber so wie eine Suchtkrankheit therapierbar ist, gibt es auch gute Hilfsangebote für Angehörige.

Woher ich das weiß? Aus eigener Erfahrung.
Aber ich habe meinen Frieden damit gemacht und schließlich verstanden, dass es da nichts zu verzeihen gab.

Glückwunsch zu deinem Abstinenzjubiläum. Bei meinem Vater waren es letztes Jahr 30 Jahre. Gebe Gott, dass noch viele weitere Jahre dazukommen.

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