mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

Das Yoga Forum für Ayurveda, Yoga, Meditation und Spirituelles Leben

Om Yogis,

über folgendes kann ich mir noch keine endgültige Meinung bilden.

Einerseits wird das Tier, der Mensch, jedes Lebewesen......geachtet und ihnen kein Schaden zugefügt, andererseits sind die Schriften voll vom Tod an Lebewesen.

In der Gita ist es Arjuna der töten soll und auch wenn man über Krishna liest so sind einige Köpfe gerollt. Nun frage ich mich wie man das verstehen könnte.

Einerseits ist der Körper nicht das Selbst, das Selbst ist unsterblich und deshalb gibt es keinen Tod - so erklärt es die Gita. Wenn ein Tier gegessen wird, so isst man nur die Hülle, es hat mit dem Selbst nichts zu tun, also eigentlich kein Problem?!

Das es in den Schriften im übertragenen Sinne gemeint ist glaube ich nicht, da ja auch Krishna in den vielen Geschichten seine Gegner "getötet" hat und nicht etwa lächelnd gleichmütig weitergegangen ist.

Die einzige Idee die mir kommt ist, das in der Zeit der Schriften tatsächlich mit dem Tod etwas "lascher" umgegangen wurde und wir heutzutage aufgrund unserer Bindungen "sensibler" sind ??

 

Ich erinnere mich das Swami Yogaswarupananda gesagt hat, das der Tod im Vergleich zu dem ständigen Kommen und Gehen im Universum eine winzige Stecknadel ist, unbedeutsam.....

Er hat auch gesagt, das der der das Selbst erkennt nicht tötet, da es nichts zu töten gibt.

Dann würde man das 2. Kapitel der Gita nur verstehen wenn man selbstverwirklicht ist.....

Diskussion ist somit eröffnet, für eure Ideen!

Om Shanti!

 

Sven

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG: 80 X ANGESCHAUT

Hierauf antworten

Antworten auf diese Diskussion im Yoga Forum

Wer sich eine entgültige Meinung gebildet hat kann sich nicht weiterentwickeln und ist dem Fundamentalismus oder einem Dogma verfallen. Dogmen können halt geben auf dem Weg aber irgendwann muss man sich davon befreien können, meine ich. Es kann auch eine Verfehlung sein, ein Tier nicht zu töten oder es leben zu lassen. Von Menschen Möchte ich aus moralischen Gründen nicht sprechen.
Bis dahin
Caspar
Om Caspar,
das ist schon klar, aber mir geht es darum was man aus den Schriften lernen kann. Das 2. Kapitel der Gita behandelt eines der Grundgedanken des Yoga, nämlich das Selbst. Und das sollte man schon verinnerlichen. Es ist in meinen Augen natürlich wichtig das Geschriebene nicht blindlings zu übernehmen, auch wenn das manchmal als Zweifel an den Schriften angeprangert wird. Es ist nun mal nicht so einfach zu verstehen und so ist man häufig auf Erklärungen angewiesen. So liest man bei Swami Prabhupada in der Version von 1974 Texte wie:......Brahmanen dürfen Tieropfer machen....Krieger müssen kämpfen.....Diplomatie ist der Weg der Politik...manchmal geht es nicht anderers außer Krieg...im Namen der Religion ist Arjunas töten OK (frei nacherzählt). In einer späteren Ausgabe gibt es dann Erklärungen die das Töten von Tieren verabscheuen und das Töten etwas milder erklären. Das sind alles Auslegungen die sich jeder mundgerecht zurechtlegen kann.
Sukadev schreibt zu Kap. 2 Vers 32:
***
„Glücklich sind die Kshatriyas, Oh Arjuna! Die aufgerufen sind, in einem solchen Kampf zu bestehen, der sich ohne ihr Zutun als offenes Tor zum Himmel anbietet.“
In diesem Vers sagt Krishna, dass wir über einen gerechten Krieg in den Himmel gelangen. Hoffentlich berührt uns alle das relativ peinlich, denn es gibt auch heute noch Leute, die meinen, dass sie über einen „Heiligen“ Krieg (z.B. Jihad) in den Himmel kommen..."
***
Das ist zwar eine sehr lobenswerte Auslegung von Sukadev aber keine Erklärung des Verses.
Interessant ist dann folgende Anmerkung von Sukadev:
"...Ähnlich verhält sich Krishna zu Arjuna. Auch er verwendet Beispiele aus der Purva Mimamsa Philosophie und sobald er Arjuna damit erreicht hat, verteufelt er die Purva Mimamsa Philosophie..."
D.h. andere Zeiten, andere Sitten. Nur bringt ein das beim Lesen der Schrift ziemlich durcheinander....
Om Shanti !
Sven

Caspar schrieb:
Wer sich eine entgültige Meinung gebildet hat kann sich nicht weiterentwickeln und ist dem Fundamentalismus oder einem Dogma verfallen. Dogmen können halt geben auf dem Weg aber irgendwann muss man sich davon befreien können, meine ich. Es kann auch eine Verfehlung sein, ein Tier nicht zu töten oder es leben zu lassen. Von Menschen Möchte ich aus moralischen Gründen nicht sprechen.
Bis dahin
Caspar

Hi Sven,
ja ich verstehe diese schwierigkeit die ja auch habe. Ich kann mir das nur so erklären, dass es eben immer Bezug nimmt auf den jeweiligen entwicklungsschritt den das Selbst bestehen muss um zunehmend Selbstverantwortlicher /verwirklichter zu werden. Die Frage ist ja auch : kenne ich das Ziel des Tötens, das letzlich auch Gottes Wille ist. Ich musste z.B. im Urlaub Zusehen wie zwei sehr niedliche Kätzchen allmählich zu grunde gingen , das ist nicht leicht . Öfters muss ich zu Hause schädliche oder auch stark lädierte Wirbeltiere töten. In der Natur oder wo anders habe ich glaube ich nicht das Recht Manipulativ einzugreifen. Ich kann aber dennoch Mitgefühl und Respekt allen Wesen entgegenbringen ohne mich Selbst zu vergessen. Als Schutzbefohlener Soldat bei einem Massaker zuzusehen ohne einzugreifen ist wohl eine Verfehlung. Usw.

An schwierigen Aufgaben und Entscheidungen wächst der Mensch, denke ich. Verallgemeinernde Urteile sind schädlich.
Was können wir lernen aus den Schriften : Ich werde vor die Wahl gestellt, entscheiden muss ich selbst und nach besten Gewissen Urteilen. Die Menschheit entwickelt sich weiter, Ich auch. Auf welcher Stufe stehe ich , wo will ich hin ? Was muss ich hinter mir lassen? Was muss ich noch bewältigen? Wozu wurde ich bevollmächtigt? Ich weiß nicht ob ich jemals eine Lizenz zum töten bekomme, aber wenn ich sie habe muss ich verantwortungsbewusst damit umgehen. Ein Viehwirt hat z.B. diese Ermächtigung einen Wolf zu töten da er Gefahr für das Vieh birgt für das er ja selbstgewählt verantwortlich ist. Gehe ich im Wald spazieren und sehe einen Wolf, so werde ich nicht schießen um irgenwelche Lebewesen zu schützen die der Wolf und seine Nachkommen töten wird. Ich kann aber dem Viehwirt sagen, dass ich einen gesehen habe und er Vorsichtiger sein muss oder je nach dem die Einstellung haben:" Es ist nicht mein Problem" und das ist ja auch Wahr und es kann für mich richtig sein. Im Moment tendiere ich zum Letzten. Wenn aber meine kleine Tochter duch diesen Wald muss, um meine kranke Mutter zu besuchen, habe ich ein Problem und ich MUSS mich entscheiden. Ich hätte da auch schon eine Idee ...

Caspar

Om Ratna,
was denkst du denn über das 2. Kapitel der Gita.
Darf ich mal provozierend fragen ob du Krishna als kriegerisch ansiehst. Man hört immer wieder das man die Gita so nehmen soll wie sie ist. Und rein vom Text her wird eben in diesem Kapitel ein Religionskrieg bejaht. Nun ist ebend die Frage wie verarbeitet man den Text heute, sieht man es als Lehre der damaligen Zeit an, dann bräuchte man immer eine zeitgemäße Übersetzung der Gita, müsste sie adaptieren an die Zeit, doch das gerade soll ja nicht der Fall sein.
Krishna war also kriegerisch weil die damalige Zeit so war?
Irgenwie sollte man sich schon Gedanken über das alles machen, den wir singen ja auch Kirtan über Krishna und das ganz mit Mitgefühl und Liebe.
Ich habe beim googlen folgende Website gefunden, von der ich mich aber inhaltlich distanziere, aber zum Nachdenken regt sie an:
http://www.gandhi-auftrag.de/Krishna.htm

Om Shanti!
Sven
guten abend,

es geht doch auch darum, daß gewaltlosigkeit eingehalten sein soll, jedoch z.b. nicht als selbstschadend.
mich bzw. mein dharma darf und soll ich verteidigen --> Krishna ist ein krieger, er verteidigt sein volk, er erfüllt seine aufgabe ... gita.

ein tier darf und soll ich töten, wenn ich dadurch überleben kann - da gibt es ein gleichnis von einem mönch, der am verhungern ist und unrecht tun würde, wenn er das dargebotene fleisch nicht ißt.


"what the mind images - that what the words will say - that what your body will get."

die unterteilungen von ahmisa ergeben wiederum das ganze:
kaya (körperliche gewalt)
vaca (gewalt durch worte)
manasa (gewalt in gedanken)

alles liebe,
marion
Hallo Sven,

zwar gebe ich offen zu, in den von Dir erwähnten Schriften nicht besonders bewandert zu sein, aber vielleicht kann ich mit einem kleinen Beispiel eine neue Perspektive in diese Frage einbringen.

Und zwar gibt es andere alte Texte, bei denen es auf den ersten Blick oftmals auch um Gewaltanwendung geht, obwohl die eigentlichen spirituellen Ideale, derjenigen, die diese Texte geschrieben, gesammelt und weitergetragen haben, sich damit im völligen Widerspruch befinden. Und zwar meine ich die Bibel.

Speziell im alten Testament scheint es nur um Mord und Totschlag zu gehen, wenn man diese Texte wortwörtlich interpretiert. Allerdings gibt es auch noch eine ganz andere Bedeutungsebene, mit der sich die Kabbalisten hauptsächlich beschäftigen. In der geht es (unter anderem) um bildhafte Symbole, die für etwas ganz anderes stehen. Im Kontext der damaligen Lebensverhältnisse wurden im übertragenen Sinne komplexe Zusammenhänge schriftlich festgehalten und so weitergegeben. Diese Texte hatten also auch die Aufgabe gewisse Bilder im Kopf zu erzeugen, mit denen die hintergründigen, abstrakten Lehren leichter verständlich werden.

Da unser heutiges Leben aber kaum noch etwas mit den damaligen Lebensverhältnissen zu tun haben, sind die so entstehenden Bilder im Kopf oftmals nicht besonders hilfreich ... ja, vielleicht sogar kontraproduktiv, wenn wir die Texte wortwörtlich interpretieren.

Ein paar kleine Beispiele: Wenn es heisst "oh Israel" war damit kein (damals nicht existierender) Staat gemeint, sondern der geistig strebende Mensch, dem es um Gotteserkenntnis ging. Es war also eine direkte Ansprache an den Lesenden. Auch das Bild eines "heiligen Kriegs" oder einen "Kampf im Himmel", ja sogar den "Kampf mit Gott" und das Töten im allgemeinen sind typische Bilder in diesen Schriften. Aber halt auch nicht wortwörtlich gemeint. Ganz oft beziehen sie sich auf die Prozesse im eigenen Innern ... um die vielschichtigen Zusammenhänge der eigenen Bewusstseinsebenen ... und dergleichen mehr. Gerade die Worte "heilig" und "Himmel" weisen deutlich in diese Bedeutungsrichtung.

Das Problem ist nur, dass wir dazu neigen, solche bildhaft-symbolischen Texte allzu wortwörtlich zu nehmen. Und wenn sie dann auch noch aus einer anderen Sprache in die unsere übersetzt werden, dann ist es natürlich besonders wichtig, dass der Übersetzende auch diese "verborgene" Bedeutungsebene beherrscht ... denn andernfalls kann sie leicht verlorengehen.

Herzliche Grüße
mic

Antworte auf diese Diskussion im Yoga Forum

RSS

© 2019   Impressum | Datenschutz | AGB's | Yoga Vidya |   Powered by

Badges  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen