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Heute war der Himmel bewölkt, aber er klarte auf. Der Wetterbericht hatte schlechtes Wetter vorausgesagt. Aber auf eines kann man sich in Norddeutschland verlassen. Es kommt immer anders als es der Wetterbericht denkt. Ich radelte frohgemut zu meiner Mutter. Sie saß bereits angezogen in ihrem Zimmer im Altersheim. Allerdings konnte ich mich kaum mit ihr unterhalten, weil die Zimmernachbarin so laut telefonierte. Ich hätte nie gedacht, dass man ein Telefon so laut stellen kann. Es dröhnte durch das ganze Altersheim.

Also flüchtete ich mit meiner Mutter im Rollstuhl durch die kahlen Gänge bis ins Altersheim-Cafe. Dort aß ich erstmal auf den Schreck zwei große Stücken Torte. Danach ging es mir schon erheblich besser. Meiner Mutter hatte ich kleine Apfelstücke mitgebracht. Einer von uns beiden musste sich ja gesund ernähren. Danach schob ich meine Mutter in den Park. Zuerst war der Himmel noch stark bewölkt. Meiner Mutter und mir fröstelte. Ich zog meine Ukulele aus dem Rucksack und sang einige Lieder zum Aufwärmen.

Entweder war die Sonne erfreut oder sie wollte sehen, wer auf der Erde so schrecklich singt. Jedenfalls kam sie durch meinen Gesang hinter den Wolken hervor und strahlte uns an. Es wurde sogar noch besser. Mit meinem Gesang vertrieb ich alle Wolken. Wir saßen im grünen Park unter einem blauen Himmel, in dessen Mitte eine gelbe Sonne die ganze Welt um uns herum erleuchtete. Es gab auch noch einige andere Alte, die auf den Bänken im Park saßen. Nach einiger Zeit wurden es immer mehr. Alle wollten die Festivalatmosphäre genießen, die ich mit meinem Gesang im Park verbreitete.

Diesmal sang aber keiner mit. Meine alten Freunde waren heute beim Kegeln im Altersheimflur. Ich nutzte die Gelegenheit, um einmal meine Lieblingslieder zu singen. Ich begann mit indischen Mantren, durch die ich mich schnell mit spiritueller Energie auflud. Dann ging ich über zu christlichen Liedern, auf Deutsch und auf Englisch. Gottesliebe ist so wunderbar. We shall overcome. Give me oil in my lamp. Vater Abraham hat viele Kinder.

Um meine Mutter zu erfreuen, spielte ich danach deutsche Volks- und Wanderlieder. Und oh Freude, einige Lieder sang sie tatsächlich mit. Die Energie der Lieder hatte sie aufgeweckt und in eine positive Stimmung gebracht. Und als ich am Ende fragte, ob sie noch mehr Lieder hören wollte, bejahte sie freudig. Also gab es noch eine Zugabe. Bis ich nach zwei Stunden ausgepowert war und sie zurück in ihr Zimmer brachte. Und erstaunlicherweise zog sich der Himmel sofort wieder mit Wolken zu. Ein Wunder. Wahrscheinlich hat der Sonne doch mein Gesang gut gefallen. Im nächsten Leben werde ich ein Schamane, der Sonne und Regen nach Bedarf durch seinen Gesang herbeizaubern kann.

Trotz aller Wunder fuhr ich nachdenklich zurück nach Hause in den Yogiwald. Zwar kann ich meine Mutter mit meinem Gesang erfreuen und gute Energie erzeugen. Aber die meiste Zeit sitzt sie teilnamslos in ihrem Rollstuhl. Aus meiner Sicht ein schreckliches Leben. Einfach nur so vor sich hinvegetieren. Aber ich kann die Dinge nicht ändern. Sie ist schwer dement. Das ist ihr Schicksal. Das führte mich dazu über das Schicksal nachzudenken. Können wir unser Schicksal beeinflussen? Oder ist alles vorherbestimmt?

Wissenschaftlich gesehen ist das ganze Leben ein Ursache-Wirkungszusammenhang. Alles ist determiniert. Das Leben konstelliert bestimmte Umstände. Wir haben ein bestimmtes genetisches und entwicklungsbedingtes geistiges Programm. Dieses innere Programm bestimmt, wie wir auf die äußeren Lebensumstände reagieren. Letztlich versucht jeder Mensch sich optimal zu verhalten und geht dadurch entsprechend seinen äußeren Bedingungen einen bestimmten Lebensweg. Dieser Lebensweg ist für meine Mutter jetzt die Demenz. Und mein Weg ist es für sie zu sorgen, mich um sie zu kümmern und sie durch meine Lieder etwas zu erfreuen und energetisch anzuheben.

Im Yoga nennt man das den Dharma. Ich erfülle mein Dharma. Und das genügt. Buddhistisch gesehen übe ich mich in Mitgefühl und Mitfreude. Und im Gleichmut gegenüber allem gegebenen Leid. Ich bemühe mich immer wieder mich ins Licht zu bringen und meine Mitmenschen möglichst auch. Das ist mein spiritueller Weg.

Letztlich geht es mir und auch meiner Mutter relativ gut. Meine Mutter wird gut versorgt und von den Altenplegern liebevoll betreut. Und ich meditiere nach jedem Altersheimbesuch, gehe im Wald spazieren und lade mich so schnell wieder mit Glücksenergie auf. Und auch das Singen heute hat mich ins Glück gebracht. Es war gut zuerst indische Mantren zu singen, mich auf Gott (meine spirituellen Vorbilder, das Erleuchtungsbewusstsein) zu konzentrieren und danach in der Fröhlichkeit der deutschen Volkslieder zu verweilen. Und ansonsten gelassen mit dem Leben zu fließen, so wie es gerade kommt.

https://www.youtube.com/watch?v=SB9yMWu85g8

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Kommentar von D.Jahnke am 12. August 2017 um 4:48pm
Ge und lasse.
Kommentiert von Ursula am Mittwoch

"Ich sehne mich danach, eine große Aufgabe zu erfüllen, doch es ist meine größte Pflicht, kleine Aufgaben so zu erfüllen, als ob sie groß und nobel wären." .... von Helen Keller

Kommentar

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