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© 2017 Text: Bhajan Noam - Ich kann separatistische Bewegungen gut verstehen, ich hege sogar eine tiefe Sympathie für sie, denn es geht dabei um etwas sehr Grundsätzliches. Der einfache, mit seinem Land verwurzelte Mensch – nicht der urbane, entwurzelte Einzelkämpfer –, liebt seine Familie, seinen Freundeskreis, sein Dorf, sein Städtchen oder sein Viertel und auch die Gegend, in der er aufwuchs, die Landschaft, die eigene Kultur, die bekannten Sitten und Bräuche. Er will nicht, dass ihm irgendetwas Fremdes, Undurchschaubares übergestülpt wird, ein Haufen Paragrafen statt eines Handschlags oder eines gegebenen Wortes. Er mag das nicht, und deshalb wehrt er sich dagegen. 

Ich kenne das alles sehr gut. Ich bin in einem kleinen Dorf im Saarland aufgewachsen, dem kleinsten Bundesland, das aber bis heute stolz darauf ist, auch einmal den Unabhängigkeitsstatus besessen zu haben und sogar eine eigene Fußballmannschaft für die Weltmeisterschaft hatte! Und etwas besonderes, was ich von keinem anderen Bundesland kenne: Wenn ein Saarländer irgendwoanders jemand mit einem saarländischen Nummernschild sieht, kommt er sofort mit ihm ins Gespräch. Und jeder kennt jemand, den der andere auch kennt. So ist man gleich vertraut mit einander, man traut dem anderen, denn er kann dir nichts vorspielen. Dann öffnet sich der Mensch und zwei Seelen begegnen sich. Diese Atmosphäre braucht die Mensch für ihre seelische und körperliche Gesundheit. 

Wir, die wir schon in der halben Welt rumgekommen sind und eine Menge Selbsterfahrungsseminare besucht haben, brauchen das vielleicht nicht mehr. Wir kommen schnell mit Menschen in Kontakt. Aber auch wir haben "unsere Familie", Menschen mit Ansichten, die unseren ähnlich sind. So ist der Mensch, und ich finde es normal. 

Beim weiteren Sinnieren über dieses Thema muss ich gerade sehr lachen. Ich bin noch in einem goldenen Zeitalter aufgewachsen, von dem heutige Kinder gar keine Vorstellung haben können. Wir waren Wilde, wirklich noch echte Wilde. Ich muss dabei an die Geschichten von Mark Twain denken. So war es auch bei uns. Wenn Kinder aus dem Nachbarort unserem Revier zu nahe kamen, bewarfen wir sie mit Steinen. Das war üblich und geschah häufiger. Natürlich auch umgekehrt. Und es gab keinen Erwachsenen, der sich in irgendeiner Weise eingemischt hätte. Kinder hatten noch ihre eigene Welt und kamen meist nur zum Essen ins Haus. Von drei bis dreizehn spielten alle zusammen, stritten mit einander und passten auf einander auf. Kindergarten war für mich ein Fremdwort. Ich kannte aus meiner Straße kein Kind, das dort hinmusste. Das war für mich etwas völlig exotisches im negativsten Sinn. Welch eine goldene Kindheit! 

Insofern, ja, ich habe große Sympathie für alle echten Separatisten.

© 2017 Text: Bhajan Noam

Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

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Tags: Bhajan_Noam, Kindheit, golden, wild

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