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© 2017 Text: Bhajan Noam - Eine Gruppe von Bergsteigern wollte unbedingt den Gipfel eines sehr hohen Berges erreichen, der bis dahin als unbesteigbar galt. Sie bereiteten sich mehrere Jahre vor, trainierten in rauem Klima und bestiegen in dieser Zeit erst kleinere und dann immer höhere, gefährlichere Berge. Eines Tages glaubten sie, bereit zu sein. Mit der notwendigen Ausrüstung und voller Begeisterung brachen sie auf.

Nach vielen Tagen voller Anstrengungen und etlichen äußerst gefahrvollen Situationen erreichte die Gruppe endlich den Gipfel. Ihr Glück war vollkommen – sie hatten das Ziel erreicht und ihren größten Traum verwirklicht. Doch plötzlich sahen sie zu ihrem Schrecken einen kleinen Jungen, der hier oben bequem auf einem Felsen saß und seine Beine und nackten Füße über dem Abgrund baumeln ließ. Sie hatten jahrelang hart trainiert, um diese unwegsamen, schroffen Höhen zu erklimmen und sie besaßen sehr teure Ausrüstungen. Wie war dieser Junge ohne all das auf den Gipfel gelangt? Auf ihre Fragen antwortete der Kleine schlicht: „Ich wurde hier geboren."

Mein Kommentar:

Jeder von uns ist mit einer eigenen, seltenen Gabe geboren worden, die er anderen voraushat. Der eine ist vielleicht ein guter Geschichtenerzähler, der andere versteht sich besonders darauf, den Menschen seine Waren zu verkaufen, ein dritter weiß alles über die Heilkünste und ein vierter kennt sich mit Pferden sehr gut aus. Das sind die Gaben, die uns Gott mitgegeben hat, für die wir nichts Besonderes leisten mussten. Andere mögen uns dafür bewundern und wir wiederum bewundern die anderen für ihre Geschicktheit in bestimmten Gebieten.

Es ist gut, diese Gaben in sich zu erkennen und zu nutzen. Doch wir sollten nicht stolz darauf sein und auch nicht neidisch unserem Nächsten gegenüber. Stolz und Neid sind einfach dumm, wenn wir anerkennen, dass unsere Geschicklichkeit allein Gottes Geschenk ist. – Und was ist dann unser Unvermögen? Auch das ist ein besonderes Geschenk Gottes. Es erzieht uns zur Bescheidenheit. Moses war der weiseste aller Propheten, doch er hatte eine „schwere Zunge“, das Reden fiel ihm schwer und er brauchte zur Vermittlung von Gottes Wort seinen Bruder Aaron. Vielleicht wäre er ohne diese Schwäche ein Despot geworden.

Gott ist gnädig und sorgt dafür, dass wir auf dem Boden bleiben. Wer sich dennoch in falschem Stolz über seinen Bruder erhebt, dem führt er sehr schnell seine ganze Nichtigkeit vor Augen. Das Kind, „das hier geboren wurde", ist der überall anwesende Bote Gottes, der uns erinnert: Gott ist die Leichtigkeit in allem, Gott ist die anmutige Selbstverständlichkeit und natürliche Schönheit.

Was uns zufällt, sollen wir mit unseren Brüdern in Bescheidenheit, Dankbarkeit und Freude teilen. Darauf ruht Gottes Segen. An was es uns mangelt, dafür sollen wir uns bei Gott von ganzem Herzen bedanken. Gott verschont uns davor.

So mancher Mann beklagt sein Missgeschick, keine Frau zu finden. Gott verschont ihn, eine zu finden. Ein anderer klagt über seine Armut. Gott verschont ihn. Eine Frau klagt über ihre angebliche Hässlichkeit. Auch sie verschont Gott. Er verschont uns vor Streit, Überheblichkeit und falschem Stolz. Danke Gott für alles, was du nicht hast und entdecke, was er dir an Begabung anvertraute. Wende dich nicht nach außen, sondern immer tiefer nach innen. Du wirst Schönheit und Reichtümer finden in großer Fülle. Sammle deinen Geist im Gebet, du wirst ungeahnte Gipfel erstürmen. Suche das Alleinsein – und du wirst in Gott den treuesten Partner finden, dem du je begegnen kannst.

Diese Geschichte birgt, wie alle Weisheitsgeschichten, viele Räume, die es nach und nach zu erforschen gilt. Suche und geh' in die Stille, wo alles Verborgene offensichtlich wird.

© 2017 Text: Bhajan Noam

Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

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Tags: Bhajan_Noam, Geschichte, Kommentar, Nacherzählung

Kommentar von Lupine am 6. August 2017 um 9:54am

Schöne Geschichte und ein sehr wohltuender, erbaulicher Kommentar dazu. Danke hierfür.
Lieben Gruß
Lupine

Kommentar

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