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ich beschäftige mich seit langem mit dem Thema Antisemitismus in der Moderne. Die globale Entwicklung zeigt eine neue Erscheinungsform des Antisemitismus, die darauf hinweist. Mich schwächt diese Entwicklung komischerweise auch im persönlichen Kontext.

Mein längerfristiges Ziel ist, das Bedürfnis zu verfolgen, Yoga im modernen und alten Nahen Osten zu verbreiten. Denkst Du, dass ist machbar? Ich glaube an den Frieden durch das nach Innenkehren. Bist Du der Ansicht, das arabische Volk ist dem gegenüber bereit? Hattest Du schon Impulse Yoga in der arabischen Welt zu verbreiten?

Tags: Antisemitismus, Araber, Arabien, Islam, Israel, Muslime

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Ja, ich kann das sehr gut nachvollziehen, dass dich das Thema Antisemitismus in der Moderne sehr berührt. Mich berührt es auch immer wieder, das Thema Holocaust hat mich schon als Dreizehnjährigen intensiv beschäftigt und letztlich für spirituelle Fragen geöffnet.
Ich wäre momentan allerdings noch etwas vorsichtig mit Yoga in der arabischen Welt. Im Kleinen gibt es ja Yoga, auch im Iran, in Ägypten, in Tunesien, im Libanonen. Meistens allerdings eher als Hatha Yoga – und das aus gutem Grund. In manchen der arabischen Länder (z.B. Dubai, Ägypten/Sinai) gibt es auch Yoga Urlaub für westliche Touristen. Als ich vor 1 Jahr in Ägypten war, gab es in jedem größeren Ferienresort Yogakurse – allerdings für Europäer und Amerikaner.

Und in Israel gibt es ja zwei Sivananda Yoga Vedanta Zentren und jährlich eine Yogalehrer Ausbildung, bei der auch öfter in Israel lebende Araber teilnehmen – und danach Yoga unterrichten.

Für ganzheitlichen, auch spirituellen Yoga im arabischen Raum müssten sich die Rahmenbedingungen erst positiv weiter entwickeln. Es wäre sicherlich eine großartige Vision, in Ägypten, im Irak oder in Tunesien eine arabische Yogalehrer Ausbildung anbieten zu können. Vielleicht ist in ein paar Jahren die Zeit reif dafür… Bis dahin wird es besonders wichtig sein, jeden Tag Friedens-Mantras zu singen, die Kraft des Om Tryambakam und des Arati jeden Tag auch in die arabische Welt zu schicken. Friedensgedanken können so immer stärker werden – und dann auch eine friedlichere Welt schaffen.

Das sind interessante Fragen,die mich auch immer wieder beschäftigen, da ich durch meinen Beruf viele Kontakte zu Menschen aus arabischen Ländern habe. Ich frage mich immer wieder, ob da ein kollektives Karma am Werk ist, weil der Machtkampf dort so blutig und ohne Ansehen des Individuums geführt wird. Ich habe gerade das Buch "Die dunkle Seite der Liebe" von Rafik Schami gelesen und der beschreibt dort im Hintergrund die Genese des syrischen Staates und zeigt, wie sehr diese Gesellschaft von Männern geprägt ist, die schon in den Familien machtlos heranwachsen, der (Verfügungs-)Gewalt des Patriachen ausgeliefert sind und selber zu Tyrannen werden, sobald sie selbst an die Macht kommen, gleichgültig ob in der Familie oder im Gemeinwesen/Staat.
Das alles kann nicht nur mit den Spätfolgen des Kolonialismus erklärt werden, der kollektive Identitäten tiefgreifend gestört hat. Ich denke, dass patriarchale Gesellschaftstraditionen in der postkolonialen, globalisierten Welt einfach nicht mehr funktional sind. Vielleicht daher diese Agonie in den arabischen Ländern? Entwertete Männer, die einzig auf die Sippe/Familie hin orientiert sind, neigen dazu, Macht zu mißbrauchen, sobald sie Macht erhalten.Welche Rolle dort die Mütter spielen, die doch ebenfalls unterdrückt und entwertet sind, ist eine weitere traurige Frage.
Neben den arabischen Ländern denke ich immer wieder auch an Afrika und frage mich, ob Yoga in Afrika Interessenten und Praktizierende finden würde, weil ich durch Ausbildung und Beruf mit Menschen aus Afrika noch viel mehr als mit Araber/-innen zu tun habe. In Afrika machen sich seit zwei Jahrzehnten neben dem wahabitischen Islam christliche Sekten breit, die oft fundamentalistisch orientiert sind, incl. Hass auf Homosexuelle.
Ich diskutiere gelegentlich mit christlichen Freunden aus Nigeria und weil wir uns mögen sind wir tolerant miteinander. Aber ich verstehe ihre Wortgläubigkeit nicht, ihr Anhängen an das alte Testament und dessen patriachaler Streng, als hätte es die Liebesbotschaft Jesu nie gegeben. Wenn ich versuche, das bißchen Yoga(-Philosophie) zu vermitteln, was ich inzwischen verstanden und erfahren habe, dann schauen sie mich ein bissl wie eine arme Irre an, weil ich nun der Vielgötterei anhänge.
Es gelingt mir nicht zu vermitteln, dass ich Götter- und Göttinen(-figuren) als Kristalisationspunkte von Energien verstehe, auf die ich mich einschwingen kann, um diese Energien/Tugend in mir zu stärken. Diese Abstraktionsebene ist ihnen nicht zugänglich, habe ich gelegentlich den Eindruck; die Vorstellung des überindividuellen Brahman/Atman berührt sie nicht.
Daher kommt meine Überlegung, dass es evtl. kollektives Karma gibt, in Afrika etwa von der Naturspiritualität/Ahnenglaube/mystische Weltsicht zum Monotheismus (Islam/Christentum). Für einen "Fortschritt" halte ich das jedoch nicht. Jetzt laufen die Machtkämpfe verdeckt unter dem Mäntelchen der Religionskriege ab und sind daher viel schwerer zu beenden, weil so viel Identität daran geknüpft wird, die von keiner anderen Kraft (Familie, Psyche, nationale Identität, "Stamm"esidentität) mehr genährt werden. Armut, Macht(= Verteilungs)kämpfe und Religion gehen hier nicht zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte eine unheilige Allianz an.
Und so bleibt (für mich) das Beten und die Freundschaften zu pflegen. OM Shanti, Shanti, Shanti!

Sukadevs Antwort kann ich nur unterschreiben, da ich längere Zeit in Israel war. Ich möchte aber noch etwas weiter gehen. Wir haben diesen missionarischen Drang, Freiheit, Demokratie, früher das Christentum und jetzt vielleicht Yoga anderen Völkern als Erlösungsbotschaft zu bringen. Warum können wir die Menschen nicht ihren eigenen Weg gehen lassen? Ganz davon abgesehen gibt es in der mystischen Richtung des Islam, im Sufismus, Meditationen und viele Übungen, die man als yogaähnlich bezeichnen kann. Ich wollte vor einigen Monaten nach Isfahan fliegen, eine alte Hochburg des Sufismus. Leider musste ich dann im Internet sehen und lesen, dass gerade die Moscheen der Sufis plattgewalzt wurden. So war es mir zu riskant, ich habe keine Lust in innere Kämpfe anderer Völker und Kulturen zu geraten. Noch als Anmerkung: In den arabischen Ländern ist jetzt das Jahr 1435, da hatten wir hier noch über 80 Jahre bis zu Luthers Reformation, dann kam der dreißigjährige Krieg und die Inquisition wütete bis ins Jahr 1782. Lass den Arabern bitte Zeit. Man gibt keine Antwort vor einer Frage. OM Shanti *** 

 @ Cornelia: Es gibt ein Buch von Doris Lessing mit dem sehr seltsamen Titel "Die Ehen zwischen den Zonen Drei, Vier und Fünf". Doris Lessing wurde im Iran geboren und erlebte ihre Kindheit in Simbabwe. Sie hat anfangs viel über die Bevölkerung in den britischen Kolonien Afrikas geschrieben. Über das oben genannte Buch will ich hier nichts verraten, außer dass es sehr besonders und überaus lesenswert ist. ***

Namaskaram,

vielleicht könnten eventuelle Vorbehalte gegenüber Yoga auch damit zusammen hängen, dass man Yoga als hinduistische Praxis ansieht?! Interessant dazu finde ich folgenden Artikel der BBC: http://www.bbc.co.uk/news/magazine-25006926 "Does doing yoga make you a Hindu?".

Herzliche Grüße
Anjali

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