mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

Das Yoga Forum für Ayurveda, Yoga, Meditation und Spirituelles Leben

Der Begriff der Unendlichkeit spielt im Yoga eine wichtige Rolle. Ich würde diesen Begriff gern von verschiedenen Blickwinkeln aus beleuchten und eine kleine Sammlung hier anlegen.
Bitte füge weitere Beiträge oder Links zur Unendlichkeit hinzu, wenn Du welche kennst!
Den Anfang macht natürlich das uralte Friedensgebet aus den Veden, das auch bei Yoga Vidya rezitiert wird:

Om Purnamadah Purnamidam
Purnat Purnamudachyate
Purnasya Purnamadaya
Purnameva Vashishyate

Übersetzung aus dem Kirtanheft:

Om. Dieses ist unendlich. Jenes ist unendlich. Aus dem Unendlichen wird das Unendliche manifest. Wenn man das Unendliche vom Unendlichen wegnimmt, bleibt immer noch das Unendliche übrig.

Sukadevs Erläuterung zum Mantra

Deva Premal

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG: 614 X ANGESCHAUT

Hierauf antworten

Antworten auf diese Diskussion im Yoga Forum

„Unendlichkeit“ ist auch eine Frage der Wahrnehmung:

"Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, so erschiene dem Menschen alles, wie es ist: unendlich."
(William Blake)

Die Pforten der Wahrnehmung reinigen? Wie soll das gehen? Yoga erweist sich hier als praktische Wissenschaft und gibt konkrete Anweisungen für dieses Unterfangen:

Die 6 Reinigungsübungen im Yoga

Weitere Zitate zur Unendlichkeit

Unendlichkeit in der Physik:

„Das einzige, was wir wissen ist, dass Unendlichkeiten immer und immer wieder auftauchen, selbst in einer endlichen Welt“. (Zitat von Harald Lesch aus Alpha Centauri – Was ist Unendlichkeit?)
Harald Lesch: Was ist Unendlichkeit?

Unendlichkeit in der Mathematik:

Eine unterhaltsame und verständliche Vorlesung von Christian Spannagel:
„Eine Reise in die Unendlichkeit - mit Happy End!“

„Hilfe, ich kapiers nicht!“

Mittlerweile kann davon ausgegangen werden, dass fast jedes Thema hier im YV Forum schon mal angesprochen wurde! Nur Wo?

Auch das Purnamidah Purnamidam wurde schon mal diskutiert (in 2009/2010):

Hilfe, ich kapiers nicht!

Mir gefällt die Übersetzung mit „unendlich“ statt mit „dem Ganzen“ besser, weil es unlogisch ist, etwas aus dem Ganzen zu entfernen: Man kann von dem Ganzen nichts wegnehmen, denn wo sollte dieser weggenommene Teil hin? Im Ganzen bleibt definitionsgemäß immer alles drin! Aus dem Unendlichen dagegen kann man tatsächlich etwas Unendliches wegnehmen und die tiefe Einsicht der Rishis lautet: Trotz dieser Entnahme bleibt die Unendlichkeit erhalten!!!

siehe nächster Beitrag!

Waren die alten Rishis Mathematiker?

Purnasya Purnamadaya, Purnameva Vashishyate

Wenn man das Unendliche vom Unendlichen wegnimmt, bleibt immer noch das Unendliche übrig.

In der heutigen Mengenlehre wird dies voll und ganz bestätigt:

An folgendem Beispiel  lässt sich erkennen, dass man von einer Unendlichkeit sogar unendlich viele (!) Unendlichkeiten wegnehmen kann, und das Übrige bleibt  immer noch unendlich!

Wenn man aus der unendlichen Menge der natürlichen Zahlen

N :  1, 2, 3, 4, 5, 6, ….

zunächst die unendlich vielen Potenzen der Primzahl 2 entfernt

P2:  2, 4, 8, 16 , 32, ………

und dann die unendlich vielen Potenzen der Primzahl 3

P3:  3, 9, 27,81, ….

und dann weiter P5, P7 , P11, P13  …. alle entfernt (weil es unendlich viele Primzahlen gibt, gibt es auch unendlich viele von diesen Primzahlpotenz-Mengen), dann bleiben die 1 und die Menge der Zahlen übrig, deren Primfaktorzerlegung mindestens zwei verschiedene Primzahlen enthält:

R = N - P2 – P3 – P5 – P7 – P11 – P13 - …….

R : 1, 6 , 10, 12, 14, 15, 18, 20, 21, 22, 24, …..

Diese Restmenge R ist immer noch unendlich. Aus ihr könnte man wieder unendlich oft unendliche Mengen wegnehmen und der neue Rest bliebe wieder unendlich ….

 

Die „abzählbare“ Unendlichkeit der natürlichen Zahlen N hat also schon erstaunliche Eigenschaften,  ist aber in der Mathematik noch die „harmloseste“ Form der Unendlichkeit. Nach Georg Cantor gibt es unendlich viele weitere Arten von Unendlichkeiten „höherer Mächtigkeit“, deren Eigenschaften unserem Alltagsverstehen noch weniger zugänglich sind …

Link zu Georg Cantor, dem großen Mathematiker, der unsere Vorstellung vom Unendlichen revolutionierte, und der während des Ersten Weltkriegs an Armut und Mangelernährung litt, um dann 1918 in einem Sanatorium zu sterben:

Georg Cantor

Gedicht zur Unendlichkeit

Unendlich

Eine Null an sich ist nicht wichtig,                                            

sie ist nichts außer null und nichtig!

Gib Acht,

wenn sie sich über andere stellt,                       

weil sie sich für was Besseres hält!

Zu Füßen liegt ihr nur dann die Welt,

wenn sie sich andern zur Seite gesellt!

Vollbracht:

Die Null ist getrennt nicht mehr kenntlich.

Erst wollt sie nur groß sein – jetzt ist sie unendlich!                               

(Dhyata)

 

Numerologisch-Neo-Advaitische Interpretation:

Das Gedicht beginnt mit 1 (in der weiblichen Form „Eine“: Aus der Einen entwickelt sich alles Folgende…).

Die 0 steht für das Nicht-Existente, also das Ego.

Die 8 ist statusorientiert, suchend und materialistisch (Saturnprinzip).

Sie steht für den Kampf des Egos um Bedeutung, für die Trennung und für das Macht/Ohnmacht-Prinzip (sich über andere stellen…).

Das Unendliche (die liegende 8) bedeutet: Transzendierung des Egos, Aufhebung der Trennung, Befreiung.

:-)

 

Welcome back, LaoHu! Find ich total klasse, dass Du hier wieder "mitmischst"!

Lieber LaoHu
Mit erdgebundenen Teleskopen kann man ca. 75 Millionen Lichtjahre weit sehen (z.B. die „Antennen-Galaxien“, die Herschel schon 1785 entdeckte, liegen in diesem Größenbereich von uns entfernt, evtl. „nur“ 45 Millionen Lj). Mit Hubble kommt man dagegen 13 Milliarden Lichtjahre weit, also fast bis zum Urknall zurück. Immer noch unbedeutend im Vergleich zur Unendlichkeit und trotzdem schon all unsere Vorstellungskraft sprengend…
Shanti 2 u 2 !

Links zur Unendlichkeit … wohin geht's dann rechts? ;-) 

Hi Bhajan
Ich glaube, wenn man unendlich nach links fährt, dann kommt man rechts wieder raus. Keine schlechte Adresse, die Paradiesgasse ...
LaoHus Singularität scheint mir eher geradeaus zu liegen. Aber da wirds ungemütlich, da wollen wir nicht hin...

Giordano Bruno (1548-1600 n.Chr.) gilt als Pionier der Unendlichkeit.

Seine Ansichten klingen in meinen Ohren wie östliche Weisheit pur:

Er glaubt an ein unendliches Universum von ewiger Dauer

Er bekennt sich zum kopernikanischen Weltbild (die Erde sei nicht der Mittelpunkt der Welt!)

Der ganze Kosmos besitze geistige Eigenschaften

Der Erkennende „löse sich in seiner Individualität“ auf, wenn er die Erfahrung der Einheit macht

Es gebe unendlich viele Lebewesen auf anderen Planeten im Universum

Das ganze Weltall sei von einem „göttlichen Puls“ durchwirkt

„Erkenntnis, Weisheit, Wahrheit, Einheit, Liebe sind ein und dasselbe!“ (Zitat aus der Hörsendung)

„Da nun das Universum in allen Teilen das Eine in allem ist, so umfasst jedes Ding die Weltseele. Alles, was in Entstehen und Vergehen, in Veränderung und Wechsel existiert, ist ein einiges, unendliches, unbewegtes Substrat.“

„Gott ist in jedem Teil des Alls gegenwärtig“

„Die Seele wird weiter und weiter das Verhängnis der ewigen Veränderung durchlaufen, und je nachdem in andere, bessere oder schlechtere Lebensweisen und Schicksale eingehen.“

1600: nach 8-jähriger Kerkerhaft wird er auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Den Kirchenvätern entgegnet er auf sein Todesurteil:
„Mit größerer Furcht verkündet ihr vielleicht das Urteil gegen mich, als ich es entgegennehme“

2000: Als erster Papst erachtet Johannes Paul II die Hinrichtung Brunos „auch aus kirchlicher Sicht als Unrecht“, ohne ihn vollständig zu rehabilitieren: Brunos „Pantheismus“ sei nach wie vor mit dem katholischen Glauben unvereinbar!

https://de.wikipedia.org/wiki/Giordano_Bruno

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/gott-ist-alles-was...

(erschütternde halbstündige Hörsendung über Giordano!)

unendlich und ewig - sind diese Begriffe nicht unweigerlich gebunden an Raum und Zeit ?

Ich glaube, all unsere Begriffe und Vorstellungen bleiben immer an Raum und Zeit gebunden, selbst wenn wir versuchen, sie zu „überschreiten“.
Weil ein endlicher Raum und eine endliche Zeit aber ebenso wenig vorstellbar sind, wie Unendlichkeit und Ewigkeit, gerät unser Denken an dieser Stelle in eine Sackgasse. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Wahrheit jenseits unserer Begriffe und unseres Denkens liegen muss. Das wiederum macht alle Schlussfolgerungen verdächtig, so dass wir mit unserem Wissen, das Höchste betreffend, ganz schön im Dunkeln tappen.
Die einzige Alternative, die mir einfällt, wäre, zu schweigen. Aber das fällt uns auch nicht leicht. Und die, die es können, werden sich hier im Forum leider nicht melden …
Obwohl die Unendlichkeit auch nur ein Begriff von etwas ist, das sich nicht begreifen lässt, schwingt genau diese Tatsache in ihm mit.
„Unendlichkeit“ weist also über sich hinaus ….

Antworte auf diese Diskussion im Yoga Forum

RSS

Tägliche Inspirationen

Yoga Vidya Blog

© 2017   Impressum | Yoga Vidya   Powered by

Badges  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen