mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

Das Yoga Forum für Ayurveda, Yoga, Meditation und Spirituelles Leben

Yehudi Menuhin: "BKS Iyengar war mein größter Geigenlehrer"

Yehudi Menuhin schien in seiner Krise vor jenem Graben zu scheitern, der die Welt der Wunderkinder von bewußter Kunstausübung trennt. Musikalische Wunderkinder bewältigen unter den gerührten Blicken der Erwachsenen oft nahezu unglaubwürdige Virtuosenleistungen und wissen genausowenig wie ihre Zuhörer, wie diese Leistungen zustande kommen. Der Übergang aber von kindlich unbewußtem Spiel zu einem Virtuosentum, das sich jedes Griffes und jedes musikalischen Effekts bewußt sein muß, gelingt nur wenigen von denen, die - solange sie noch den Samtanzug trugen - von den Prominenten und den Unbekannten dieser Welt bewundert und verzogen wurden.

Von solcher Bewunderung hatte Yehudi Menuhin seit seinem fünften Lebensjahr mehr zu spüren bekommen als irgendein anderes Wunderkind seiner Generation. "Lieber Yehudi, heute hast Du wieder bewiesen, daß es einen Gott im Himmel gibt", sagte der Relativitäts-Theoretiker und Geigenspieler Albert Einstein, nachdem er den 13jährigen Yehudi im Konzertsaal gehört hatte. Ähnlich überschwenglich äußerte sich auch der gewiß nicht sentimentale irische Dramatiker George Bernard Shaw, der seine Schriftsteller -Karriere als Musikkritiker angefangen hatte: "Yehudi kann mit seinem Spiel einen Atheisten zum Glauben bekehren." Diese fast wörtliche Übereinstimmung im Urteil ist typisch für das Echo, das "charming young Yehudi" mit seinem Geigenspiel auch bei sonst zurückhaltenden Experten hervorrief. Der Dirigent Bruno Walter verglich Menuhins Kunstauffassung mit einem Gebirgsbach, den man nicht trüben könne.

Physischen Spannungen brachten ihn auf den Gedanken, an seinem Umgang mit der Geige müsse etwas falsch sein. Er diagnostizierte, daß sein Leistungsabfall und seine Schwierigkeiten nicht allein durch seine Erschöpfung zu erklären waren, sondern daß die Ursachen dafür, weit früher, in den unorthodoxen Methoden seines jugendlich-wilden Geigenspiels lagen: in seiner Unkenntnis der technischen Voraussetzungen des Geigenspiels und in Haltungsfehlern, die er einst instinktiv ausgeglichen hatte, nun aber durch Anstrengung und Verkrampfung vergebens zu überwinden suchte.

Menuhin, der als Weltstar nicht gut fremde Hilfe in Anspruch nehmen konnte, stellte damals - in strenger Isolation und systematischer Analyse - sein Verhältnis zur Geige auf neue, natürlichere Grundlagen, die er bewußt aufbaute und darum jederzeit kontrollieren konnte. Er hat außer technischen Grundlagen auch Elementargesetze des Violinunterrichts für sich entdeckt wie die Regeln, daß der Körper des Geigers völlig entspannt sein muß, daß die Geige nur vom Gewicht des Kopfes auf der Schulter gehalten werden soll und daß die Finger der linken Hand durch ihr Eigengewicht auf das Griffbrett fallen müssen.

Von Verkrampfungs-Erscheinungen geplagt, richtete Menuhin sein Augenmerk besonders auf Entspannungsübungen. Er arbeitete eine Zeitlang mit dem New-Yorker Violinisten-Ehepaar Pashkus zusammen, fand aber die wesentlichen Übungen der Körperentspannung und Muskelkontrolle allein.

Im Sommer 1951 entdeckte er beim Stöbern in einem Buchladen eine Yoga-Anleitung und entnahm diesem Buch, daß er bei seinem Entspannungstraining die Grundprinzipien der indischen Yogalehre befolgt hatte. Was bis dahin zufällig geschehen war, erhob der Geiger nun zum System: Nach den Abbildungen des Buches arbeitete er weiter mit wachsendem Erfolg.

Ein Konzert Menuhins Anfang 1953 in der New-Yorker Carnegie Hall begeisterte die Zuhörer wie in Wunderkindzeiten, und die amerikanische Wochenschrift "Newsweek" bestätigte: "Der hellhaarige Junge mit dem Gold in seiner Geige hat seine Wachstumsschwierigkeiten überwunden." Die "New York Times" fand damals sogar: "Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man feststellt, daß Yehudi Menuhin wie ein völlig neuer Violinist erschien... Er war einst der Goldjunge der Musik. In den letzten Jahren zeigten sich Anzeichen eines inneren Kampfes. Welche persönlichen Schwierigkeiten er auch immer mit seiner Kunst gehabt haben mag, es scheint, er hat sie überwunden"

Diesen Erfolg schreibt der Geiger seinen Yoga-Übungen zu. Während einer Indienreise auf Einladung Nehrus, die dem Konzert in New York vorangegangen war, hatte sich Menuhin einen Yoga-Lehrer namens Vithaldas engagiert. Seither arbeitet er täglich an Posen wie der "Löwen -Stellung", die "Simhasana" genannt wird (Zunge und Finger starr austrecken), an "Bhastrika" (möglichst lange den Atem anhalten), "Neti Kriya" (Reinigen der Nase durch eine vom Mund aus eingeführte Schnur) und "Sirhasana" (Kopfstand ohne Hilfe).

Das Kopfstehen praktizierte Menuhin beim ersten Dinner mit Nehru in einem improvisierten Wettbewerb mit dem indischen Ministerpräsidenten und anderen hohen Würdenträgern. Er wurde bei diesem Kopfstand der Prominenz Zweitbester. Der Geiger, dessen Vorliebe für Reformkost und Gesundheitslehren bei seinen Freunden bekannt ist, hält Yoga-Übungen für wichtiger als tägliches Üben auf dem Instrument. Den Kopfstand empfiehlt er im Scherz vor allem den Dirigenten. "Sie könnten dann mit den Füßen dirigieren und gleichzeitig ihr Publikum betrachten, das ihnen so sehr ans Herz gewachsen ist." (Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41758665.html)

Von 1951 an nahm Menuhin Einzelunterricht bei B.K.S. Iyengar, der zu einem engen Freund wurde. Sie lernten sich während jener Konzerttour durch Indien kennen. Iyengar brachte Menuhin in eine 50-minütige Entspannung und nach Jahren der Schlaflosigkeit fand Menuhin endlich wieder innere Ruhe. Die Yogapraxis linderte stressbedingte Beschwerden wie Schlafstörungen und Niedergeschlagenheit. Menuhin litt auch unter verschiedenen körperlichen Stresssymptomen wie Muskelschmerzen, die durch das Praktizieren von Asanas allmählich verschwanden.

Mehr Infos dazu auf wiki yoga: http://wiki.yoga-vidya.de/Yehudi_Menuhin

Fotos: Bhajan Noam - Konzertreihe zum 100. Geburtstag von Yehudi Menuhin in Berlin

****

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG: 305 X ANGESCHAUT

Tags: Bhajan_Noam, Geiger, Iyengar, Menuhin, Yoga

Kommentar

Sie müssen Mitglied von mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community sein, um Kommentare hinzuzufügen!

Mitglied werden mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

© 2019   Impressum | Datenschutz | AGB's | Yoga Vidya |   Powered by

Badges  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen