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Wo ich stecke? In der Krise meines Lebens in Angst und Panik

Wo ich stecke? In der Krise meines Lebens in Angst und Panik
Meine Lieben,

lange habt Ihr nichts von mir gehört und lange war ich nicht in der Lage, etwas zu veröffentlichen.
Mindestens ebenso lange habe ich mich mit der Frage beschäftigt, ob ich diesen Post verfassen soll.
Viele Dinge haben mich zweifeln lassen.
Was würde wohl mein aktueller oder zukünftige Arbeitgeber von mir denken? Würden die paar Freunde, die geblieben sind, mir den Rücken zukehren?

Ich habe mich vor längerer Zeit dazu entschieden, mein Leben als Yogalehrerin ganzherzig und ehrlich mit Euch zu teilen. Mein Blog war immer ehrlich geschrieben. Dies soll auch so bleiben und ich bin bereit, die Konsequenzen dafür zu tragen.

Viele Jahre habe ich Yoga unterrichtet, um unter anderem Menschen vor dem zu bewahren, was ich nun erleben muss. Gerade in meiner Rolle als Yogalehrerin kostet es mich einiges an Überwindung, über meine Erkrankung zu schreiben, weil das Bild eines Yogalehrers in der Gesellschaft ja eher das eines vom Planeten Blume stammenden und in seiner eigenen Mitte schwebenden Hippies ist.

Was ist nun Passiert?
Zuerst einmal stamme ich nicht vom Planeten Blume und habe eine eher traumatische, als traumhafte Kindheit und Jugend hinter mir. Ich habe mir nicht umsonst den Job der Sozialarbeiterin ausgesucht und ebenso habe ich mir nicht umsonst die Spiritualität ausgesucht, um mir in den letzten Jahren ein so enges moralisches Korsett zu schnüren, dass es mich fast erstickt hat.
Im Yoga gibt es ahimsa, ein Gebot, welches besagt, dass man kein Lebewesen verletzen soll.
Ahimsa habe ich an jedem Lebewesen angewandt- außer an mir.

So bin ich in meinem Job als Sozialarbeiterin grenzenlos gewesen, habe über meiner Arbeitsstelle gewohnt, meine Stundenzahl erhöht, nebenbei Yoga unterrichtet, eine auszehrende Beziehung gehabt, asketisch gelebt, soziale Kontakte vernachlässigt und so etwas wie Leben und leben lassen komplett verlernt.

Auch mit Karmayoga, dem Yoga des selbstlosen Dienstes habe ich es zu doll getrieben. Bei einem Projekt, welches eine Bereicherung werden sollte, wurde ich zu etwas genötigt, das überhaupt nicht meinem Verständnis von Fairness entsprach.

Dieser Vorfall hat das Fass zum Überlaufen gebracht. In einem Urlaub, in dem ich eigentlich etwas entspannen wollte, fing die größte Krise meines Lebens und meine persönliche Hölle an.
Ich litt wegen des oben genannten Vorfalls unter furchtbaren Zwangsgedanken, die letztendlich in unfassbaren Angstzuständen endeten. In Angst und Panik und unter Tränen musste ich mir einen Flug zurück buchen.

Von dort aus brachte mich mein Freund direkt in die Psychiatrie. Ich kann bis heute nicht emotional verstehen, was dort mit mir passiert ist und frage mich täglich, warum. Warum muss ich das durchleben? Fast acht Wochen wollte sich mein Körper nicht beruhigen. Alles raste; mein Puls, mein Kopf, mein ganzer Körper. Ich litt unter Schweiß Attacken, Krämpfen in den Muskeln und nicht mal Psychopharmaka konnten mich beruhigen.
Erst, als ich alles gedanklich losließ, meinen Job, meine Wohnung, mein Leben und mich über eine Woche lang durchgängig mit einer Wärmflasche einer Mitpatientin ins Bett legte und mich der Wärme hingab, kam ich ein wenig zur Ruhe.

Nach fast zwei Jahren Pause nahm meine Familie wieder Kontakt zu mir auf. Diese Menschen haben mir wirklich das Leben gerettet, denn ich konnte weder in meine Wohnung, noch in meine Stadt zurück. Trotz mehrerer Konfrontationsversuche lösten diese Orte furchtbare Angstzustände bei mir aus.
Nun lebe ich mit fast 30 Jahren wieder bei meiner Mama zusammen mit einer Depression, Angstzuständen, Zwangsgedanken, Liebe, Glaube und Hoffnung.

Ich kann Euch eins sagen: es kann jeden treffen, der sich nicht schützt. Wenn man als erwachsene Akademikerin plötzlich Filme davon macht, wie man Türen schließt, denkt man wirklich, man ist im falschen Film.

Nun, was bleibt ist der Yoga in mir, diese tiefe Konstante, die mir nichts und niemand nehmen kann. Ich schaue mir so oft mein kleines OM Tattoo auf dem rechten Ringfinger an und denke mir, dass ich alles annehme, was kommt. Ich bin unendlich traurig darüber, dass sich meine Seele für dieses Leben den Weg des Leides ausgesucht hat. Trotzdem möchte ich auch hier die schönen Dinge sehen:

Ich kann mich nun das erste Mal in meinem Leben wirklich ausruhen und heilen. Ohne diesen kompletten Systemabsturz hätte ich mich niemals in die Hände anderer Menschen fallen lassen. Hilfe zulassen oder auf andere Menschen hören war ein Tabu.
Ich kann malen.
Ich kann bald in einer Tagesklinik Perspektiven für die Zukunft zu finden und bin durch das Krankengeld finanziell abgesichert.
Ich bin bei meiner Familie.
Ich bin wieder zusammen mit meinem über alles geliebten Zwergpudelchen.

Dies sind die Dinge, welche ich momentan mit viel Mühe als sinnvoll erachten kann.

Ich hoffe, dass sich einige von Euch angesprochen oder motiviert fühlen, offen im Umgang mit derartigen Problemen zu sein. Leicht ist es nicht- ich bin noch lange nicht soweit, dass ich mich nicht schäme.

In diesem Sinne: Shiva. Transformation.




Schaut gerne mal bei mir vorbei www.yogarette.blogspot.de

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Tags: Angst, Burnout, Depression, Glaube, Hoffnung, Liebe, Panik, Yoga

Kommentar von Hannelore/Wuschel am 18. August 2014 um 4:50pm

Dankeschön du guter Vater-- bist so oft mir ein Berater,
auch wenn ich oft nicht weiss wohin
weiss nicht, ob ich noch auf dem rechten Wege bin,
will so gerne vieles tun, lasse dafür andres ruhn,
weiss nicht, ob es Segen bringt, ob mir alles auch gelingt.
Will auch Segen weiter bringen, hilf mir bitte, zu erkennen, wo ich nur ins Leere renne, wo ich meine Kräfte gebe, ob ich trachte ,ringe, strebe,
bald bei dir da oben sein, niemals hier alleine sein.

Gib mir Weisheit und Gelingen;
dankeschön du guter Vater bitte bleib mir stets Berater!

In innniger Verbundenheit und Mitgefühl

Om Shanti Wuschel

Kommentar von Natascha Nazar am 18. August 2014 um 9:58pm
Dankeschön....
Kommentar von Cornelia am 18. August 2014 um 10:08pm

Om Trayambakam für Dich!
Mir fällt ein:
Stelle Dir Deine Angst als eine Person vor, die Du nicht besonders magst und nicht kennst. Lade sie ein, sich mit Dir an den Tisch oder auf die Couch zu setzen. Sprich mit ihr, lerne sie kennen, frag sie aus. Wenn das nicht geht, sitze schweigend mit ihr da. So siehst Du: Du bist nicht Deine Angst. Mach das gleiche mit dem rasenden Herzen; vielleicht kannst Du zu dem freundlich sein und Mitgefühl zeigen. Lerne so alle scheinbar dysfunktionalen Körperteile und Gefühle kennen. Den Körperteilen kannst Du Mitgefühl zeigen, den schlimmen Gefühlen zeige Achtung und bleib verschiedenen von ihnen. Ich weiß, das ist einfacher geschrieben als getan. Aber jede Sekunde, in der Du Dich und Deinen Schmerz/Angst voneinander unterscheiden kannst, ist eine gewonnen Sekunde für das Göttliche in Dir!

Kommentar von Hannelore/Wuschel am 18. August 2014 um 10:09pm

@ El Cim@rron,
"Guter Vater" ist für mich der liebe Gott.

Kommentar von Natascha Nazar am 21. August 2014 um 1:23pm
Vielen lieben Dank für die Kommentare... Das bewegt mich sehr. Sat nam

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