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Text von Tom Freudenthal - "Der Erfolg eines Seminars hängt ab von einer Balance zwischen Struktur und Flow"

Anregung von Tom Freudenthal - Wovon hängt der Erfolg eines guten Seminars eigentlich ab?  

Davon ob der Teilnehmer das Gefühl hat, ich KANN mehr als vorher, ich habe mich wirklich verändert.

Das aber ist nicht so einfach zu erreichen – die meisten Seminare bestehen daraus, dass der Dozent vor den Teilnehmern steht und so viele Informationen vorträgt, wie nur irgendmöglich in die zur Verfügung stehende Zeit passen.

Wir nennen das Druckbetankung – im Grunde eine solide Zeitverschwendung, weil die Teilnehmer einen Informationsfluss auf nur einem Kanal und in diesem Tempo nicht verarbeiten können – und sich dadurch schon einen Tag später nur noch an einen Bruchteil der Inhalte oder Methoden erinnern können. Anders ausgedrückt – sie lernen – praktisch - nichts.

Diese Art Seminare verändert nichts in den Teilnehmern. Und ist das nicht die eigentliche Idee? Dass wir hinterher Dinge im Beruf oder im Leben anders machen, dass wir unser Praxis verändern?

Wirkliche Veränderung durch ein Seminar dagegen können Sie nur erreichen, wenn folgende zwei Faktoren gegeben sind:

  1. Vertrautheit und Routine mit den neuen ungewohnten Methoden
  2. Fühlbare Erfolge bei der Umsetzung direkt noch auf dem Workshop

Nur wenn der Teilnehmer seine Widerstände überwinden konnte, das Gefühl hat, die neuen Verhaltensweisen sind eigentlich ganz einfach und – Wow – sie funktionieren ja sogar! - nur dann besteht die Chance, dass er sie zuhause auch anwendet und sich in seinem Leben auch wirklich etwas zum Positiven verändern kann.

Die Quelle aus der praktisch das gesamte Centered Learning Trainersystem entstanden ist, hat mit einer enorm wichtigen Erkenntnis zu tun, die ich vor allem durch meine jahrelange Therapieausbildung gewonnen habe, (die aber auch durch die neuesten Erkenntnisse der Gehirnforschung bestätigt wird):

Wir Menschen werden in unseren Entscheidungen und Verhaltensweisen zu einem weit höheren Grad von unseren Emotionen gesteuert, als von unseren rationalen Entscheidungen.

Oder anders ausgedrückt: Die Rolle des bewussten, rationalen “Ichs” wird von den meisten Menschen stark überschätzt.

Wenn man das einmal verstanden hat, dann verändert sich die Arbeit als Seminarleiter plötzlich grundlegend.

Dann geht es nicht mehr darum, die Teilnehmer mit so vielen Informationen vollzustopfen, wie in der verfügbaren Zeit möglich, sondern erst mal um ganz andere Dinge – nämlich um ihre Emotionen und um Beziehung.

Dann geht es darum, Rahmenbedingungen herzustellen, in denen Teilnehmer Vertrauen in die Gruppe, mich als Trainer und die neuen Methoden fühlen kann, um diese dann auf dieser Grundlage zu üben und damit Erfolge zu spüren.

Denn nur die Sicherheit, die aus dem Vertrauen entsteht, führt zur Offenheit, Neues auszuprobieren. Vor allem wenn die neuen Methoden jahrzehntelange Gewohnheiten und Überzeugungen in Frage stellen – und das passiert in den meisten Seminaren, denn sonst wäre der Inhalt oder die vorgestellten Methoden ja nicht Neues.

Im Grunde müssen wir uns mit zwei Dingen beschäftigen, bevor wir uns an ein neues Konzept für Workshops oder Seminare machen:

  1. Unter welchen Voraussetzungen LERNT ein Teilnehmer eigentlich wirklich etwas Neues?
  2. Wo kommt die Art und Weise, wie wir unbewusst Lehren und Lernen historisch gesehen eigentlich her?

Wenn Sie also als

  • ​TrainerIn
  • DozentIn
  • LehrerIn
  • SeminarleiterIn,
  • CoachIn...

unterwegs sind, oder irgendetwas davon gerade vorbereiten, dann sind Sie hier genau an der richtigen Stelle.

Denn was ich Ihnen hier zeigen möchte, ist thematisch offen. Es spielt also keine Rolle, ob Sie Workshops zu Ernährungsberatung, Yoga, Excel Tabellen, Rhethorikseminare oder IHK Kurse übers Steuerrecht geben – die Grundprinzipien eines erfolgreichen Seminars gelten überall.

Und vielleicht haben Sie einige der folgenden Dinge in Ihrer eigenen Arbeit schon einmal beobachtet:
Sie haben Sorge, dass Ihr kommendes Seminar nicht gut wird oder Angst vor schlechten Bewertungen oder die TeilnehmerInnen glauben Ihnen nicht, stellen Sie in Frage, wollen nicht mitziehen, oder Sie in Machtkämpfe verwickeln und Ihre Autorität in Frage stellen.

Oder...

  • es bilden sich Subgruppen,
  • die Gesamtgruppe zerfällt oder
  • TeilehmerInnen checken ihre Emails während des Seminars ... oder sie...
  • führen Nebengespräche,
  • schauen aus dem Fenster,
  • machen Witze im Hintergrund und Sie wissen nicht worum es geht...
  • oder Sie selbst sind sich nicht ganz sicher, was Sie machen sollen, wenn Sie mit Ihrem Programm am Ende des Workshops durch sind, aber noch Zeit zu füllen ist...

Für alle diese Probleme gibt es einfache Lösungen, die alle auf ein gemeinsames Kernproblem zurückgehen.

Wenn man anfängt, hierfür eine Lösung zu entwickeln, dann entsteht dabei ein System, dass Ihre Autorität absichert, Ihre TeilnehmerInnen wach, motiviert und konzentriert hält, Ihnen als LeiterIn mindestens so viel Energie gibt, wie Sie reinstecken und sehr gute Ergebnisse für Ihre TeilnehmerInnen erzeugt.

Und zwar nicht als Zufallstreffer, sondern systematisch. Jedes Mal.

Dass das möglich ist, davon bin ich fest überzeugt, weil ich selbst genau solche Ergebnisse seit Jahren erlebe und zwar ohne Ausnahme.

Wie die “Magie” im Seminar entsteht...

Wir brauchen Flow​

Wie stelle ich während eines Seminars die Routine her, die dann zu der notwendigen Sicherheit mit den neuen Übungen bei den TeilnehmerInnen führt? Durch regelmäßiges Üben natürlich.

Das allerdings wirft einem den schönen Plan etwas durcheinander – denn wäre es nicht wunderbar, wenn man folgendes sagen könnte:

Wir haben, sagen wir, 6 Hauptthmen. Also behandeln wir jedes einzelne Thema in einer der Zeiteinheiten des Seminars – also eins am Vormittag, das nächste am Nachmittag des ersten Tages und so weiter – immer schön strukturiert der Reihe nach.

Sobald ich aber mehrere Male eine bestimmte Übung trainieren will, funktioniert das Prinzip schon nicht mehr und wenn man das Gleiche z.B. auch auf andere Methoden oder Themen anwendet, dann ist von diesem Plan nicht mehr viel übrig.

Dann brauche ich Progressionen im Aufbau der einzelnen Themen, aber keinen starren, sequenziellen Plan.

Wenn ich dann noch erreichen möchte, dass die Teilnehmer sich gehört und angenommen fühlen sollen (was zu Vertrauen führt, von da zur Sicherheit und dadurch zur Einheit), dann muss ich intensiv auf Fragen eingehen und die Teilnehmer sehr stark mitbestimmen lassen, was wann passiert im Workshop.

Auf der anderen Seite brauchen die Teilnehmer aber auch Erfolgserlebnisse noch während des Seminars. Am Ende muss die Erfahrung stehen, dass ich als Teilnehmer das Ziel des Workshops erreicht habe und eigentlich auch schon den Beweis erlebe, dass ich etwas Neues KANN.

Dafür sind bestimmte Lernschritte absolut notwendig, und die müssen in jedem Fall passieren.

Ich brauche also doch eine klare Struktur.

Jetzt haben wir aber drei Prioritäten, die sich eigentlich widersprechen:

  1. Einen klaren, in nachvollziebaren Schritten sich aufbauenden Plan
  2. Den notwendigen Einfluss der Teilnehmer auf den Ablauf des Seminars, den man natürlich nicht vorhersehen oder planen kann
  3. Und genug Wiederholungen der einzelnen Methoden, Themen oder Techniken

Die Lösung dieses gordischen Knotens heißt folgendermaßen:

„Balance zwischen Struktur und Flow“

und das ist die Grundlage der Magie unserer Seminare.

Wir haben also keinen festen Plan für unsere Workshops, sondern nur eine feste Grundstruktur, ein Skelett sozusagen, und der Rest entwickelt sich aus der Interaktion mit den Teilnehmern. Das kann einem als SemiarleiterIn am Anfang allerdings durchaus Angst machen und das richtig zu beherrschen, ist auch tatsächlich eine Kunst.

Denn wie entscheide ich, was ich als nächstes tue, wenn nur etwa ein Viertel meiner Zeit verplant ist?
Wie spüre ich, was die Gruppe als nächstes braucht?
Wie setze ich die Methodenprogressionen so um, dass eine gute Balance aus Neuem und Vertrautem für den Teilnehmer erhalten und das Ganze spannend bleibt?
Wie wähle ich meine Worte wenn Widerstand entsteht oder Einwände kommen?
Wie organisiere ich Methodenwechsel, die teilweise im 10 Minutentakt ablaufen müssen?
Wie erreiche ich, dass die Teilnehmer 24 Stunden lang genau das tun, was ich von Ihnen möchte?
Wie behalte ich bei dem Ganzen den Überblick?

Oder ganz praktisch – wie organisiere ich meine Marker beim MindMap-Schreiben am Flipchart oder richte mich so ein, dass ich die Lautstärke der Musik bei den Lernkonzerten so beeinflussen kann, dass sie nicht meinen Redefluss stört...

Aus all dem folgt, dass ich Ihnen vorschlage, ab heute folgendes auf keinen Fall mehr zu tun:

  • Alles bis auf die letzte Minute durchplanen
  • Die TeilnehmerInnen nicht ihr eigenes Material benutzen lassen
  • Den TeilnehmerInnen nicht das Gefühl geben, den Workshop mitzusteuern
  • Subgruppen zuzulassen
  • Nicht ganz klar die Chefrolle einzunehmen

All dies ist angstbasiert und bringt Ihnen nur scheinbare Sicherheit...

Vertrauen Sie dem Prozess und nicht einem starren Konzept!

100% Struktur zerstört Gruppendynamik und bringt Sie nur scheinbar ans Ziel.
100% Flow verhindert, dass man jemals ein Ziel erreicht... auch wenn es sich für alle super anfühlt...

Die Magie, die Kunst, das Geheimnis, ist die Balance aus Kontrolle und Loslassen.

Also – nicht alles planen, sondern nur ein Grundskelett entwickeln und die anderen 50% der Zeit der Interaktion mit und aus der Gruppe überlassen.

Text von Tom Freudenthal

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Tags: Bhajan_Noam, Erfolg, Flow, Leiter, Seminar, Struktur

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