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Toxisches Schocksyndrom: Ein Model verklagt eine Tampon-Firma, nachdem sie ihr Bein verloren hat 

Mit 24 hatte Lauren Wasser alles: Als das 1,80 Meter große Kind zweier Models war die Blondine sowohl mit strahlend blauen Augen, als auch mit einem Knochenbau gesegnet, der gut und gerne die androgyne Antwort auf Lara Stone sein könnte. Sie lehnte ein Basketball-Stipendium ab, um als Model zu arbeiten—diese Karriere hatte für sie eigentlich schon im Alter von zwei Monaten ziemlich verheißungsvoll angefangen, als sie zusammen mit ihrer Mutter in der italienischen Vogue zu sehen war. Wenn sie nicht als Model unterwegs war, nahm sie an Improvisationskursen teil, spielte in ihrer Freizeit Basketball und fuhr täglich gut 60 Kilometer Fahrrad. Sie wohnte in Santa Monica und war ein fester Bestandteil der glitzernden Promi-Szene von Los Angeles.

„Dort kam es nur auf das Aussehen an", erzählt sie. „Ich war quasi das Mädchen, habe mir darüber aber keine Gedanken gemacht." Lauren hatte auch einen riesigen Freundeskreis: Als sie ein paar Wochen später ins Krankenhaus gebracht werden musste, wollten sich so viele Leute von ihr verabschieden, dass die Schlange um das ganze Gebäude reichte.

Alles begann am 3. Oktober 2012, als sich Lauren ein wenig unwohl fühlte—fast so, als würde sich eine Erkältung zusammenbrauen. Dazu hatte sie auch noch ihre Tage und ging deshalb in eine nahegelegen Drogerie, um sich eine neue Packung Kotex Natural Balance zu besorgen, ihre favorisierten Tampons. Zu diesem Zeitpunkt hatte dieser Einkauf für sie noch nichts mit dem sich aufbauenden Leiden zu tun, das ihren Körper überfiel. Damals hatte sich Lauren ja immerhin schon seit elf Jahren mit ihrer Periode auseinandersetzen müssen und Kotex war einfach ein fester Bestandteil der Routine. Wie den meisten anderen Mädchen wurde auch Lauren mit 13 Jahren die Benutzung eines Tampons von ihrer Mutter beigebracht. Sie zeigte ihr, wie man den Applikator einsetzt, und wies sie an, den Tampon alle drei bis vier Stunden zu wechseln. Lauren verinnerlichte diese Regel und auch an diesem Tag führte sie laut eigener Aussage morgens, nachmittags und abends einen neuen Tampon ein.

Schließlich entschied sie sich dazu, noch kurz bei der Geburtstagsparty einer Freundin in einem Club auf der Melrose Avenue vorbeizuschauen. „Ich versuchte, mich so normal wie möglich zu verhalten", meint sie, obwohl ihr es zu diesem Zeitpunkt schon schwerfiel, nur aufrecht zu stehen. „Jeder meinte zu mir: ‚Mann, du siehst echt nicht gut aus.'" Dann fuhr sie zurück nach Santa Monica, zog sich zu Hause aus und fiel ins Bett. Sie wollte einfach nur noch schlafen.

Die nächste Sache, an die sich Lauren erinnert, ist, dass sie aufwachte, weil sich ihr blinder Cocker Spaniel auf sie gesetzt hatte und laut bellte. Irgendjemand hämmerte gegen die Wohnungstür und rief: „Polizei, Polizei!" Die junge Frau schleppte sich zur Tür und ließ den Polizisten herein, der sich dann in ihrem Apartment umsah. Laurens Mutter, die gerade erst operiert worden war, hatte sich Sorgen gemacht, weil sich ihre Tochter nicht bei ihr meldete. Deshalb hatte sie auch die Polizei darum gebeten, bei ihr vorbeizuschauen.

„Die ganze Wohnung war voller Pisse und Scheiße—ich war ja nicht in der Lage gewesen, mit meinem Hund Gassi zu gehen", erzählt Lauren. Sie hat keine Ahnung, wie lange sie im Bett lag, und weiß auch nicht, ob es Tag oder Nacht war. Der Polizist sah sich alles an, meinte dann, dass sie ihre Mutter anrufen solle, und ging wieder.

Schließlich schaffte es Lauren irgendwie, ihren Hund mit ein paar Karotten zu füttern und ihre Mutter zu kontaktieren, die ihre Tochter dann fragte, ob sie einen Krankenwagen rufen sollte. „Mir ging es aber so schlecht, dass ich diese Entscheidung einfach nicht fällen konnte", sagt Lauren. „Ich meinte zu ihr, dass ich einfach nur schlafen wolle und sie am nächsten Morgen anrufen würde. Das ist das Letzte, an das ich mich erinnern kann." Am darauffolgenden Tag schickte ihre Mutter erneut einen Freund und die Polizei zu Laurens Wohnung, die sie dort mit dem Gesicht nach unten liegend auf dem Schlafzimmerboden vorfanden.

Lauren hatte 41 Grad Fieber und wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Laut den Ärzten wäre zehn Minuten später jegliche Hilfe zu spät gekommen. Ihre inneren Organe waren kurz vorm Versagen und sie hatte einen schweren Herzinfarkt erlitten. Die Ärzte konnten sie nicht stabilisieren und niemand wusste, was genau mit ihr los war. Als schließlich ein Infektiologe hinzugezogen wurde, fragte der sofort: „Hat sie noch einen Tampon drin?" Dem war so und der Wattebausch wurde umgehend in

TSS wurde 1978 so getauft und ist im Grunde eine Verkettung von bakteriellen Infektionen—häufig unter Beteiligung von Staphylokokken (auch Staphylococcus aureus genannt). Zwar ist das Ganze nicht komplett auf Frauen beschränkt, aber es gibt schon seit mehreren Jahrzehnten einen Zusammenhang zwischen der Krankheit und der Benutzung von Tampons. Das liegt vor allem an einer Vielzahl von durch das toxische Schocksyndrom verursachten Todesfällen in den 80er Jahren. Ein Tampon alleine ist jedoch noch nicht ausreichend, um TSS zu verursachen—dazu muss die betroffene Person auch noch Staphylokokken im Körper tragen (und das machen zum Beispiel ungefähr 20 Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung).

Schon seit Jahrhunderten kommen Tampons oder tampon-ähnliche Objekte beim Menstruationszyklus zum Einsatz. Aber erst seit gut 50 Jahren setzen sich diese Hilfsmittel nicht mehr aus natürlichen Bestandteilen wie Baumwolle, sondern aus künstlich hergestellten Komponenten wie Kunstseide oder Kunststoff zusammen. Das ist inzwischen vor allem bei großen Tampon-Herstellern gang und gäbe. Diese synthetischen Fasern schaffen zusammen mit der Saugfähigkeit der Tampons den idealen Nährboden für die Bakterien, die TSS verursachen können. Als Proctor & Gamble in den 80er Jahren ein extra-saugfähiges Tampon namens Rely auf den Markt brachte, war die perfekte Grundlage für das toxische Schocksyndrom geschaffen. Laut einer vom Yale Journal of Biology and Medicine durchgeführten Studie, „verhielt sich die gelierte Carboxymethylcellulose der Rely-Tampons wie Agar in einer Petrischale und fungierte so als zähflüssiges Medium, auf dem sich die Bakterien vermehren konnten."

Im Krankenhaus rieten die Ärzte Laurens Mutter dazu, zu beten und die Beerdigung vorzubereiten, denn ihre Tochter musste in ein künstliches Koma versetzt werden. Derweilen verbreitete sich auf Facebook die Nachricht, wie es um Lauren stand, und ihre Freunde und Bekannten reihten sich vor dem Krankenhaus auf, um sich zu verabschieden.

Natürlich kann sich Lauren an nichts von alledem erinnern—weder an die „Pray for Lauren"-Facebook-Posts, noch an ihre Freunde, die nervös an ihr Krankenbett traten, und auch nicht an den Moment, als ihr langes, blondes Haar abrasiert werden musste. Sie weiß nur noch, wie sie orientierungslos aufwachte, während knapp 40 Liter Flüssigkeit durch ihren Körper gepumpt wurden. Am Anfang war sie noch davon überzeugt, sich in Texas zu befinden.

„Mein Bauch war total aufgebläht. Überall waren Schläuche und ich war nicht in der Lage, auch nur ein Wort rauszubringen", erzählt sie. Neben ihrem Bett befand sich ein Behältnis, das mit den schwarzen Giftstoffen gefüllt war, die man aus ihrem Blutkreislauf gespült hatte. Lauren schaute aus dem Fenster und erblickte eine Reihe an kleinen Häusern, die ihr noch vernebeltes Gehirn mit dem Südwesten der USA assoziierte. Ihr Körper war aufgedunsen und fühlte sich total fremdartig an. „Ich dachte, dass ich vielleicht zu viel gegessen hatte", meint sie. „Ich wusste nicht, was eigentlich los war."

Noch viel schlimmer als die Orientierungslosigkeit war jedoch das brennende Gefühl in Laurens Händen und Füßen, das einfach nicht aufhören wollte. Die Infektion hatte sich in Gangrän verwandelt. Selbst drei Jahre später findet sie immer noch nicht die richtigen Worte, um mir deutlich zu machen, wie sich das Ganze angefühlt hat. „Das waren mit Abstand die schlimmsten Schmerzen, die ich ... Ich weiß nicht, wie ich es überhaupt beschreiben soll", meint sie. Man brachte sie daraufhin sofort in die Universitätsklinik, wo sie einer hyperbaren Sauerstofftherapie unterzogen wurde. Um den Blutfluss in ihren Beinen wieder anzuregen, musste sie sich in eine Überdruckkammer begeben.

Beim Warten auf die Behandlung war Lauren einen Moment lang alleine. Ihre Mutter und ihr Pate waren kurz nach draußen gegangen und sie saß einfach nur da. Hinter einem Vorhang konnte sie einer Frau beim Telefonieren zuhören. Diese Frau bestand darauf, dass etwas sehr dringend wäre und so schnell wie möglich geschehen müsse. Schließlich hörte Lauren folgende Worte: „Hier sitzt eine 24-jährige Frau, der das rechte Bein vom Knie abwärts amputiert werden muss."

„Ich dachte mir nur: ‚Oh mein Gott, sie redet von mir!'", sagt Lauren. „‚Ich werde mein Bein verlieren.'"

Noch während Lauren im Krankenhaus behandelt wurde, fing ihre Mutter einen groß angelegten Rechtsstreit, sowohl gegen die Kimberly-Clark Corporation (also die Hersteller- und Vertriebsfirma von „Kotex Natural Balance"-Tampons) als auch gegen die Drogerieketten Kroger und Ralph's (die beide „Kotex Natural Balance"-Tampons verkaufen) an. Zwar besteht bei diesen Tampons kein zwangsläufig höheres TSS-Risiko als bei anderen Herstellern, aber es sind nun mal die, die Lauren benutzt hat. Letztendlich hoffen die Anwälte der Wasser-Familie, auf die Verwendung und die Gefahren von synthetischen Materialien in der Tampon-Industrie aufmerksam zu machen. In der Klageschrift heißt es, dass alle Angeklagten „eine fahrlässige, mutwillige, verworrene und gesetzwidrige Mitschuld" an Laurens durch TSS verursachten Krankenhausaufenthalt haben. Eine Vertreterin von Kimberly-Clark wollte für diesen Artikel keine Stellungnahme abgeben, da das Unternehmen „zu laufenden Gerichtsverfahren keine Auskunft gibt."

Laurens Anwalt Hunter J. Shkolnik ist es bereits gewöhnt, sich mit den Schattenseiten von Produkten auseinanderzusetzen, die die meisten Leute als sicher ansehen. Er war zum Beispiel auch in den Prozess involviert, in dem es um eine Hustensaft-Zutat ging, die Schlaganfälle verursachte. „Ich wünschte, ich könnte behaupten, dass mich Laurens Fall schockiert hätte, aber das tat er nicht", meint er. „Der Tampon wurde nach der früheren TSS-Epidemie kein bisschen verändert. Es wurde halt einfach nur gesagt: ‚Ach übrigens, das hier kann das toxische Schocksyndrom verursachen.' Die Materialen sind seit Jahrzehnten gleich geblieben." Um nicht ins Fadenkreuz der amerikanischen Lebensmittel- und Medikamenten-Aufsichtsbehörde zu geraten, versehen die Unternehmen die Tampon-Verpackungen laut Shkolnik einfach nur mit einem Warnhinweis. Er nennt das Ganze die „So landet man nicht im Gefängnis"-Karte.

Seit den 80er Jahren müssen die Tampon-Schachteln mit einem Warnhinweis versehen sein, aber Shkolnik ist der Ansicht, dass dieser Hinweis auf Laurens Verpackungen nicht deutlich genug war—vor allem im Bezug auf die Handhabung beim Schlafengehen. Folgendes ist zu lesen: „Wechseln Sie den Tampon alle vier bis acht Stunden, auch über Nacht." Die Familie ist der Meinung, dass diese Anweisung unklar sei. Sie wollen damit argumentieren, dass „über Nacht" auch mehr als acht Stunden bedeuten kann—vor allem wenn es um junge Mädchen geht, die am Wochenende auch schnell mal neun oder zehn Stunden schlafen. „Die Tampon-Unternehmen sollten explizit sagen, dass man den Tampon über Nacht nicht drin lassen darf und stattdessen lieber eine Binde benutzen sollte", meint Shkolnik.

Natürlich wissen die meisten Frauen, dass sich auf allen Tampon-Schachteln ein Warnhinweis bezüglich des toxischen Schocksyndroms befindet, auch wenn sie sich diesen Warnhinweis wohl nicht jedes Mal durchlesen:

Der Gebrauch von Tampons wird mit dem toxischen Schocksyndrom in Verbindung gebracht. TSS ist eine seltene, aber trotzdem ernstzunehmende Krankheit, die zum Tod führen kann. Bitte die Packungsbeilage genau durchlesen und aufbewahren. Ein Tampon maximal acht Stunden lang benutzen.
Shkolnik gibt zu, dass die Warnhinweise auf den Packungen eine große Hürde darstellen. „Zu unserer Aufgabe gehört es, den Geschworenen zu zeigen, dass es uns nicht um die Warnhinweise geht, sondern um die Tatsache, dass den Herstellern seit 20 Jahren Materialien zur Verfügung stehen, die Tampons sicherer machen würden. Sie werden eben bloß nicht verwendet. Man bezeichnet die Tampons als ‚natürlich', obwohl es die künstlich hergestellten Bestandteile sind, die sie so gefährlich machen. Dieses Marketing lässt junge Frauen glauben, dass Tampons aus natürlicher Baumwolle bestehen, aber sie sind weder natürlich noch aus Baumwolle. Wäre das der Fall, dann würde das Risiko eines toxischen Schocks gegen Null gehen."

Dr. Philip M. Tierno ist ein Mikrobiologie- und Pathologie-Professor an der NYU School of Medicine und hat schon eingehende unabhängige Forschung zum Zusammenhang zwischen Tampons und dem toxischen Schocksyndrom angestellt. Er ist ebenfalls der Meinung, dass Baumwolle ein sichereres Material wäre. „Die meisten großen Tampon-Unternehmen stellen ihre Produkte entweder aus einem Viskose-Baumwoll-Gemisch oder aus reiner Viskose her. So werden in jedem Fall die optimalen physikalischen und chemischen Voraussetzungen geschaffen, um die Produktion des TSST-1-Toxins anzuregen, wenn eine toxische Art von Staphylococcus aureus Teil der normalen Scheidenflora der Frau ist", erklärt er. „Es kann dann zum toxischen Schocksyndrom kommen, wenn die Frau keine oder nur wenige Antikörper gegen das Toxin bildet. Deshalb sind die synthetischen Bestandteile der Tampons ein Problem, wohingegen Tampons aus reiner Baumwolle nur ein kleines bis gar kein Risiko beinhalten."

Im Krankenhaus sah sich Lauren dann mit einem Horror-Szenario konfrontiert: Sie musste die nötigen Dokumente unterschreiben, um die Amputation ihres rechten Beins vom Knie abwärts zu autorisieren. „Meine beiden Beine fingen an, sich zu mumifizieren", erzählt sie. „Ich musste dringend eine Entscheidung fällen." Zwar waren auch ihre linke Ferse sowie ihre linken Zehen betroffen und die Ärzte überlegten, auch das linke Bein zu entfernen, aber dagegen wehrte sich Lauren vehement. „Ich sah meine Chancen bei 50/50. Mir wurden zwei Vorhäute von beschnittenen Babys transplantiert, was mir Gott sei Dank meinen Fuß gerettet hat. Leider habe ich trotzdem meine Zehen verloren. Meine Ferse ist zwar endlich wieder zusammengewachsen, aber immer noch total empfindlich. An dieser Stelle habe ich absolut kein Fettpolster."

Da Lauren immer noch jung ist, produziert ihr Körper Kalzium, um ihren kaputten Fuß zu reparieren. Ironischerweise verschlimmert das die ganze Sache nur. „Im Grunde laufe ich wie auf Steinen", erzählt sie. Sie muss sich in regelmäßigen Abständen immer noch Operationen unterziehen und hat selbst drei Jahre später noch Schmerzen. Die Ärzte meinten auch zu ihr, dass ihr das Bein im Alter von 50 Jahren vielleicht trotzdem noch amputiert werden müsste.

„Als ich wieder zu Hause war, wollte ich mich umbringen", erzählt Lauren. „Ich war das Mädchen—und plötzlich habe ich nur noch ein Bein, sitze im Rollstuhl, meine Zehen fehlen und ich kann nicht mal ins Badezimmer laufen. Ich bin ans Bett gefesselt, kann mich nicht bewegen und habe das Gefühl, in meinen eigenen vier Wänden eingesperrt zu sein." Anfangs sprang sie—getäuscht vom Phantomglied-Syndrom—noch manchmal einfach so aus dem Bett und stürzte dann sofort zu Boden. Das Einzige, was sie vor der Selbstmord bewahrte, war der Gedanke an ihren kleinen Bruder, der damals 14 Jahre alt war. „Ich wollte nicht, dass er nach Hause kommt und mich so vorfindet. Denn dann wüsste er, dass ich aufgegeben habe", sagt sie.

Lauren meint, dass es sehr lange gedauert hat, sich an die neue Identität zu gewöhnen. „In der Dusche saß ich auf einem kleinen Stuhl und habe einfach nur geheult. Draußen wartete dann wieder mein Rollstuhl auf mich", erinnert sie sich. „Das setzt einem total zu. Man denkt sein ganzes Leben lang, dass man eine Sportlerin oder ein hübsches Mädchen ist, und dann hatte ich plötzlich keine Kontrolle mehr darüber, was mit meinem Körper passiert. Es hat lange gedauert, bis mir klar wurde, dass ich immer noch schön und wertvoll bin."

Laurens Freundin, die Fotografin Jennifer Rovero, stand ihr dabei immer treu zur Seite und schoss während des Heilungsprozesses Hunderte Fotos. Sie sah das Ganze als eine Art Therapie an. Wenn die beiden in der Stadt unterwegs sind, dann fragen sie auch häufig junge Frauen, ob sie schon mal vom toxischen Schocksyndrom gehört haben oder die Krankheit als echte Gefahr ansehen. Meistens lautet die Antwort „Nein".

Lauren hofft, dass sie im Herbst zusammen mit der Abgeordneten Carolyn Maloney vor dem US-Kongress sprechen darf. Die Politikerin aus New York versucht, das Robin-Danielson-Gesetz durchzubringen, das nach einer Frau benannt wurde, die 1998 aufgrund von TSS starb. Damit würde „ein Forschungsprogramm bezüglich der Risiken von Dioxin, synthetischen Fasern, chemischen Düften und anderen Bestandteilen in weiblichen Hygiene-Produkten initiiert werden." Das Ganze wurde schon neunmal abgelehnt, bevor man überhaupt darüber abstimmen konnte.

Eine Sache muss jedoch klargestellt werden: Lauren, ihren Anwälten und Maloney geht es hier um Transparenz und nicht unbedingt darum, dass in Zukunft keine Tampons mehr benutzt werden. Tampons vereinfachen das Leben einer Frau nämlich erheblich und sie sind auch extrem sinnvoll, wenn es darum geht, den Fluss des Menstruationsbluts aufzuhalten.

Lauren fühlt sich auch heute noch total unwohl, wenn sie im Fernsehen eine Tampon-Werbung sieht, in der sich junge Frauen am Strand vergnügen oder in strahlend weißen Shorts eine Rutsche herunterrutschen—denn diese Werbungen enthalten normalerweise keine Warnhinweise zum toxischen Schocksyndrom. „Ich kann nirgendwo mehr herunterrutschen, fühle mich in Badeanzügen unwohl und einfach so im Meer baden ist auch nicht mehr drin", erklärt sie mir. „Diese Dinger haben mein Leben zerstört."

Lauren will, dass Tampons ähnlich wie Zigaretten mit größeren und eindeutigeren Warnhinweisen bezüglich der potentiellen Risiken ausgestattet werden. „Man weiß, dass Zigaretten tödlich sind, wenn man sie raucht", meint sie. „Hätte ich mich mit dem Thema TSS besser ausgekannt, dann hätte ich auch niemals Tampons benutzt." Zumindest wird sie jetzt in Zukunft so verfahren.

Lauren und ihre Freundin machen normalerweise keine Fotos von ihrer Beinprothese und konzentrieren sich stattdessen eher auf ihr Gesicht. Heute haben sie mir jedoch die Bilder ihres letzten Foto-Shootings gezeigt. In den Porträts trägt Lauren auffälliges, schwarzes Augen-Make-up und steht ganz normal da. Dabei trägt sie auch an ihrer Prothese New-Balance-Schuhe und hat den aufmerksamen sowie objektiven Look eines Models perfekt drauf. Es sind jetzt drei Jahre vergangen, seitdem sich das schwarze Behältnis neben Laurens Krankenhausbett mit Toxinen gefüllt hat, seitdem sie in der Überdruckkammer liegen musste und seitdem der Prothesen-Verkäufer ihr verschiedene Modelle präsentierte, über die sie beim besten Willen nicht nachdenken konnte. Heute kann sie sogar schon über die ganze Situation lachen und Witze reißen: Sie nennt ihre Beine zum Beispiel „Little Leg" und „Little Foot".

Ich frage Lauren, ob sie immer noch Basketball spielt, und denke dabei an die Leben, die in ein „davor" und ein „danach" aufgeteilt wurden—und ob es dabei einen gewissen Spielraum oder eine Möglichkeit gibt, Teile von sich selbst auf die andere Seite mitzunehmen. „Wenn es dich einmal gepackt hat, dann lässt es dich nicht mehr los. Manchmal nie mehr", antwortet sie.

von Tori Telfer, 18. Juni 2015

ALTERNATIVEN:

Mein Körper? Kein Chemiebaukasten!

Tampons oder Binden kommen an den empfindlichsten Stellen unseres Körpers zum Einsatz, doch die wenigsten Frauen machen sich Gedanken über deren Inhaltsstoffe. Den meisten Binden sieht man ihr Plastik an; fast alle konventionellen Binden bestehen aus Kunststoffen im Obermaterial und einem saugfähigen Kern aus Kunststoffgranulat. Aber wusstest du, dass auch Tampons vor allem aus industriell hergestellter Viskosewatte (Rayon), einem natürlichen Kunststoff bestehen? Zudem werden viele herkömmliche Tampons und Binden aus genmanipulierter und mit Pestiziden versetzter Baumwolle hergestellt. Für strahlend weiße Produkte wird die Baumwolle extrem wasser- und energieaufwendig gebleicht. Und die zugefügten Bleichmittel und Weichmachern können ein gesundheitliches Risiko darstellen. Laut "Öko-Test" waren in verschiedenen Tamponmarken Chemikalien, wie z.B. das als krebserregend geltende Formaldehyd und andere halogenorganische Verbindungen, nachweisbar.

Vermeiden lassen sich diese Produkte leicht. Schon lange gibt es umweltfreundliche Alternativen wie Tampons und Binden aus zertifizierter Biobaumwolle oder die zu unrecht in Vergessenheit geratenen Menstruationskappen.

Binden und Tampons aus Biobaumwolle

Tampons und Binden aus 100 Prozent reiner Baumwolle werden nur von ökologisch orientierten Herstellern angeboten. Sie enthalten kein Plastik und sind deshalb hautfreundlich und atmungsaktiv, die verwendete Baumwolle stammt aus biologischem Anbau und wurde nur mit Sauerstoff gebleicht. Angeboten werden sie in Bioläden, einigen Drogerien und im Online-Versand. Was allerdings auch hier fehlt: der Aspekt der sozialen Gerechtigkeit, also fair gehandelte Baumwolle. Das Fair Trade Siegel für Textilien gibt es bereits, für Tampons und Binden jedoch nicht.

Stoffbinden und Co

Früher waren sie alternativlos, heute greifen nur noch Überzeugungstäterinnen dazu: austauschbare und wiederverwendbare Stoffbinden. Die meisten Modelle bestehen aus einer Hülle mit herausnehmbarer Einlage, damit nichts verrutscht gibt es Modelle mit Knöpfen. Erhältlich sind sie in manchen Bioläden und im Online-Versand. Im Netz findest du auch verschiedene Anleitungen zum Selbernähen. Die Vorteile liegen auf der Hand: sie sind luftdurchlässig, günstig, umweltfreundlich und gesundheitlich unbedenklich. 

Quelle: http://reset.org/act/nachhaltige-monatshygiene-kein-muell-der-regel

Toxisch für Körper und Umwelt:

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Tags: Bhajan_Noam, Tampon

Kommentar von Bhajan Noam am 13. Juli 2015 um 8:42pm

Tampons – was Frauen wissen sollten- Gifte in Tampons, Slipeinlagen und Windeln

Ein Tampon besteht hauptsächlich aus Kunstseide oder aus Baumwolle oder einer Mischung aus diesen Fasern. Zusätzlich wird es mit einer synthetischen Schicht umgeben, um das Ein- und Ausführen zu erleichtern. Das “Rückholbändchen” besteht aus Baumwolle, manchmal aus anderen Fasern und kann eingefärbt sein.

Die für Tampons verwendete Baumwolle ist überwiegend genmanipuliert. Außerdem werden 25 Prozent der weltweit verwendeten Pestizide und Insektizide bei der Baumwollproduktion eingesetzt. Darunter fünf der neun giftigsten (!) Pestizide. Häufig wird bei dieser genmanipulierten Baumwolle auch ein Insektengift nachgewiesen, welches aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis stammt.

In Tampons (und in Babywindeln) wurden auch das Biozid TBT (Tributylzinn) und andere zinnorganische Verbindungen gefunden.

Außerdem verwenden Hygieneartikelhersteller die Chemikalie Dioxin zur Bleichung – damit die Produkte schön weiß und somit sauber ausschauen. Dioxin ist schon in sehr geringen Mengen giftig. Die Tamponhersteller geben zwar an, kein dioxinhaltiges Bleichmittel zu verwenden, was bisher aber durch keine unabhängige Studie nachgewiesen werden konnte. Tamponhersteller, die auf eine natürlichere Herstellung setzen und ihre Rohstoffe aus rein biologischem Anbau beziehen, geben explizit an, KEIN Dioxin zu verwenden. Also warum ein Risiko eingehen?

Dioxine werden in Verbindung mit Regelschmerzen (Endometriose) gebracht. Frauen die an Endometriose, einer Erkrankung der Gebärmutter, leiden, weisen eine hohe Konzentration von Dioxinen im Körper auf. Außerdem sind Dioxine krebserregend, verwirren das Hormonsystem und können zu Unfruchtbarkeit, Geburtsfehlern und Missgeburten führen.

Binden und Tampons enthalten auch Rayon (Viskose), was mit seiner starken Saug- u. Bindewirkung einer besseren Absorption dienen soll. Damit unterstützt es gleichzeitig die schädliche Wirkung anderer Chemikalien. Bei der Benutzung von Tampons bleiben meist kleine Fasern in der Vagina zurück. Um diese Fasern entsteht ein entzündender Herd, der dem Dioxin einen guten Nährboden gewährleistet. Rayonfasern verursachen sogar kleine Schnitte in der Gebärmutterwand, wodurch auch Infektionen hervorgerufen werden können.

All diese giftigen Stoffe kommen in Berührung mit der empfindlichen Körperstelle und wandern in den Körper der Frau.

Alleine das TBT ist schon in aller-kleinsten Mengen, das heißt im milliardsten Gramm-Bereich schädigend für das Hormonsystem des Menschen.

Pestizide greifen die Organe und das Nervensystem an, schädigen das Immunsystem, verursachen Krebs, Allergien, Asthma und andere chronische Krankheiten, Depressionen, Hypersensitivität, stören den Hormonhaushalt, beeinträchtigen die Fruchtbarkeit, bzw. machen unfruchtbar, verändern den Menstruationszyklus, greifen in die vorgeburtliche Entwicklung ein und können so Missbildungen verursachen und Frühgeburten auslösen. Pestizide führen außerdem zu neurologischen Störungen und Verhaltensstörungen bei Kindern.

Durch all diese Stoffe wird nicht nur der Körper der Frau, sondern auch die Umwelt erheblich geschädigt. Wenn Sie also für Ihre Gesundheit und die unserer Umwelt handeln wollen, benutzen Sie Tampons, die natürlich und aus biologischem Anbau hergestellt werden, wie zum Beispiel die vom Hersteller Natracare.

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Kommentar

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