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Rabbi David Kraus spricht über Reinkarnation im Judentum

In Bezugnahme auf meinen letzten Blog-Beitrag über „Reinkarnation im Christentum“, der hier kontrovers diskutiert wurde, möchte ich, bevor ich Rabbi David Kraus zu Wort kommen lasse,  folgendes anmerken. Im orthodoxen Judentum, schon in der Antike, gilt Wiedergeburt als eine natürliche Gegebenheit. Weil das Judentum allgemein sehr diesseits orientiert ist, wird nur nicht so viel darüber gesprochen oder geschrieben. Die frühen „Christen“ waren noch keine Christen in unserem Sinn. Sie waren Juden, die einem Meister anhingen, der sich ebenfalls als Jude sah, sie redeten ihn schließlich als Rabbi an. Seine Lehre war ursprünglich, wie er mehrfach betonte, ausschließlich für Juden gedacht. Warum sollte er nun einen anderen Glauben als den allgemein verbreiteten von der Wiedergeburt haben. Im Neuen Testament sind mehrere Stellen erhalten geblieben, die dies belegen. Auf diese Quellen beruft sich auch mein Blog-Beitrag. Mein jüdischer Lehrer, ein israelischer Arzt, hat aus seiner langjährigen Praxis vielfältige Erfahrungen mit Wiedergeburtserlebnissen. Er schrieb ein Buch darüber, in dem belegbare Fälle vorkommen. Die teils auch in Israel lebende Glaubensgemeinschaft der Drusen wird hierbei besonders hervorgehoben. Die „Seelenwanderung“ ist auch bei ihnen ein wesentlicher Bestandteil ihres Glaubens. (Bhajan Noam)   

 

Rabbi David Kraus:

Reinkarnation gibt es im Judentum, so sagen die Weisen Israels: „Gott erzeugt Wesen, und sendet sie immer wieder zurück, bis sie zu ihm zurückkehren.“, um ihre Mission also zu erfüllen.

 

In der Kabbala wird zum Teil offen und klar über die Reinkarnation gesprochen. Wir lesen zum Beispiel im Zohar, dass alle Seelen durch die Prüfungen der Seelenwanderung gehen, was im Grundsatz bedeutet: Ein Geschlecht geht und ein Geschlecht kommt. Hier ein Gleichnis aus dem Buch Bahir, des Tannaiten Nechonja ben ha-Qana: „Ein König hatte Diener und kleidete sie ... Sie gerieten auf Abwege ... Da warf er sie hinaus und stieß sie weg von sich und zog ihnen seine Gewänder aus ... Er nahm die Gewänder, wusch sie gut ... und warb sich andere Diener und kleidete sie in jene Gewänder ... So hatten sie den Teil an Gewändern, die schon auf die Welt gekommen waren, und andere Leute trugen sie vor ihnen.“ Dieses Gleichnis ist auffällig und erklärt, mit „Gewand” sei hier die Seele gemeint, die von verschiedenen Körpern „getragen” würde.

 

Ein klassisches Werk der Kabbala ist Schaar ha-Gilgulim („Tor der Reinkarnationen”) von Rabbi Isaak Luria (1534-1572), das die komplexen Gesetzmäßigkeiten der Wiedergeburt beschreibt und außerdem die lebenslange Inkarnation (Gilgul) von der vorübergehenden Inkorporation einer fremden guten Seele (Ibbur) oder einer fremden bösen Seele (Dibbuk) abgrenzt. Luria bezieht sich dabei ausdrücklich auf bestimmte Textpassagen im Tanach, der jüdischen Bibel. Der Begründer der chassidischen Bewegung, Rabbi Israel ben Elieser (1698-1760), genannt Baal Schem Tow, hat die Reinkarnationslehre weitergegeben. Man findet einiges darüber in den Geschichten des Baal Schem Tow, in denen er ganz konkrete Fälle von Seelenwanderung darlegt und erläutert.

 

Die Vorstellung der Wiedergeburt ist auch heute bei orthodoxen Juden (besonders bei den Chassidim) weit verbreitet. In manchen chassidischen Gebetsbüchern (Siddur) findet man beispielsweise ein Gebet, das um Vergebung für Sünden in früheren Inkarnationen bittet.

 

Fazit: Der Reinkarnationsgedanke kommt in den 5 Büchern Moses und im klassischen orthodoxen Judentum nicht vor. Es findet sich weder Zustimmung noch Ablehnung. In der Kabbala der jüdischen Esoterik und Mystik ist die Wiederverkörperung eine göttliche Strafe und dazu bestimmt, die Seele durch Umkehr in einem neuen Körper der Vervollkommnung zuzuführen. In Teilen des Chassidismus und anderen Gruppen innerhalb des orthodoxen Judentums werden heute verschieden Varianten der Reinkarnation gelehrt, stehen aber nicht gerade im Mittelpunkt der Lehre. Wobei für Juden der Glaube an Reinkarnation ein zentrales Element ihres religiösen Selbstverständnisses ist.

Von: Rabbi David Kraus Publikation: 31.01.2016

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Tags: Bhajan_Noam, Christentum, Judentum, Reinkarnation

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