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Ich möchte keine Nazis hassen- Ahimsa in der Flüchtlingsfrage

In diesem deutschen Sommer erleben wir das Sommermärchen und die Sommer Horror Show.

Deutschland hat sich im Grunde genommen in zwei Lager geteilt. Auf der einen Seite stehen die pöbelnden und fremdenfeindlichen Menschen. (Der Ausdruck Nazis ist sehr plakativ und steht nur in der Überschrift, damit ich auch ein paar Leser der Marke Bild dir deine Dummheit bekomme) Diese fremdenfeindlichen Menschen reichen von denen, die einfach nur Angst davor haben, dass ihnen etwas weg genommen wird, bis hin zu den degenerierten Vollpfosten, die Flüchtlingsheime anzünden oder Kinder anpinkeln. Und obwohl ich sie nicht hassen, oder zu emotional werden möchte, kann ich mich nicht zurück halten, sie Vollpfosten zu nennen.
Auf der anderen Seite stehen die Menschen, die liebevoll, offen und hilfsbereit sind. Diese reichen von denen, die einfach offen für die neue Situation im Lande sind und ein paar Dinge spenden über die, die sich auf den Weg machen, um selber anzupacken bis hin zu denen, die nichts fast nichts anderes mehr tun, als Flüchtlingen zu helfen und sich in den Sozialen Netzwerken richtig hart über die ganzen Nazis aufzuregen. Die sollte man doch am liebsten umbringen.

Die Bildzeitung war tatsächlich schon in beiden Lagern. Je nach verkauften Ausgaben schwankt sie fröhlich von "Nein zu Griechenland" zur Kinder Flüchtlingshilfe der BILD. Peinlich.

Wie ist es mir nun aber möglich, Menschen mit fremdenfeindlichem Hintergrund nicht zu hassen?

Im Netz gibt es mittlerweile viele Prominente, wie j und Clars oder Kalkofens, die sich wirklich toll einsetzen und ihren Status in der Gesellschaft und ihre Reichweite nutzen, um deutlich zu machen, dass sie Flüchtlinge willkommen heißen und keine Toleranz für "Intelligenzflüchtlinge" ( kleine Anmerkung: ich liebe intelligente und treffende Wortkreationen. Applaus!) Ich nehme Ihnen das vollkommen ab und denke, dass sie sich das gut überlegt haben.

Trotzdem wird mir dabei etwas mulmig und unwohl. Ich weiß nicht, ob es die Sozialarbeiterin in mir oder die Spiritualität ist, die mich so denken lässt, aber ich finde, man muss immer die Hintergründe der Menschen kennen. Beim Häuser Anzünden und urinieren auf andere Menschen ist dort natürlich eine Grenze. Aber bevor es soweit ist, sollte man lieber mit Bildung, Verstehen und Aufklärung, statt mit verbaler Gegengewalt Vorgehen.

Der Mensch kommt unschuldig auf die Welt. Was ihn dann formt, sind Sozialisation, Erziehung und das Umfeld.

Wie schrecklich muss denn der bisherige Lebensweg eines Menschen gewesen sein, der sich vom fremden so bedroht fühlt und sich dem Hass anschließt? Wieviel Einsamkeit und Ausgrenzung aus der "Normgesellschaft" muss er erlebt haben, um sich einer Gruppierung anzuschließen, die Menschen verachtet, weil sie anders sind? Wie wenig Selbstwert und Horizont muss vorhanden sein? Solch ein nach außen ablehnendes Verhalten entsteht in der Regel nur, wenn man sich selber unbewusst extrem ablehnt. Und diese Haltung wiederum bekommt man oft als Kind durch seine Umwelt eingepflanzt.

Ein anderer, aber genau so trauriger Fall ist der Typ Mensch, der Angst hat, dass ihm etwas weggenommen wird, wenn Flüchtlinge hier sind. Etwas weggenommen? Auch da muss man sich einmal Gedanken darüber machen, wie klein der Horizont dieser Menschen ist, wie wenig der Gedanke des Teilens ein Teil ihrer Sozialisation war und welchem materiellen oder emotionalen Mangel sie ausgesetzt gewesen sein mussten, um jetzt so große Angst zu haben, dass es ihnen an etwas fehlt.

Dann gibt es da noch diejenigen, die verallgemeinern.

Man darf bei beiden Lagern nicht vergessen, dass es auch Menschen sind, die für oder gegen etwas sind. Menschen mit einer bestimmten Sozialisation und Herkunft. Natürlich sind mir diejenigen, die offen und liebevoll sind, um einiges lieber und ich zähle mich definitiv zu Ihnen.

Trotzdem möchte ich keine Menschen hassen, die fremdenfeindlich hassen

Denn Gewalt erzeugt Gegengewalt erzeugt Gegengewalt und so weiter. Wenn wir in dieser Spirale bleiben, dann giessen wir Öl ins Feuer. Einen Menschen, der eine fremdenfeindliche Haltung vertritt, überzeugt kein Argument und auch kein Verbot, den Gedankenmüll öffentlich zu äußern. Die einzige Waffe, die meiner Meinung nach hilft, und sei sie auch noch so schwer anzuwenden, ist zu versuchen, zu verstehen. Zu verstehen, wie diese traurige Haltung entstanden ist und den Menschen nicht zu verurteilen. Vor allem aber ist es wichtig, diejenigen, die unter den selben Umständen sozialisiert werden, aufzuklären und zu bilden. Ebenso ist es wichtig, dass ihnen, wenn ihnen seitens des eigenen Umfelds keine Wertschätzung und Liebe gegeben wird, dies bestmöglich durch die Gemeinschaft zu ersetzen. So wird verhindert, dass ein zu großes Mangelbewusstsein entsteht und ein Feindbild benötigt wird.

Möchtest Du den Flüchtlingen helfen oder einen Einblick in deren Lage bekommen, um Mitgefühl zu entwickeln?

Im Yoga heißt der selbstlose Dienst "Karmayoga". In Deutschland ist eine ganze Karmayoga Welle ausgebrochen. Alle wollen irgendwie helfen. Die Erstunterkünfte werden dermaßen von der deutschen Bevölkerung mit Spenden überflutet, dass Meldungen darüber rausgegeben werden müssen, dass keine Spenden mehr angenommen werden können. Die Lager sind voll.
Ganz anders läuft der Hase in den großen Städten.

In Berlin werden Hilfe und Sachspenden dringend benötigt. Als ich mit einer Freundin auf das Gelände der Erstaufnahmestelle kam, hat mich der Anblick der Menschen, die unfassbar dankbar für ein gebrauchtes Paar Schuhe und ihr Leben bzw. Überleben sind, überwältigt und traurig gemacht. Die Menschen liegen und sitzen auf dem Gelände und warten darauf, wie es weiter geht.

So kannst Du in Berlin helfen

1) gehe einfach direkt zu der Aufnahmestelle und suche den Helferparkplatz von Mobabit Hilft auf. Dort kannst Du Dich in die Liste der ehrenamtlichen Helfer eintragen lassen und mit anpacken.

 

2) Gehe in die Facebook Gruppe "Moabit hilft" . Dort findest Du direkt Bedarfslisten und kannst dementsprechend etwas Einkaufen.

3) Wenn Du möchtest, dass die oben genannten Dinge geschehen, aber nicht selber in Berlin lebst, kann ich für Dich den Kontakt zu meiner großartigen Freundin herstellen, die völlig selbstlos nach der Arbeit je nach Bedarfsliste von Moabit hilft einkaufen geht. Da kommt jeder Cent an. Sie ist großartig.

4) Bist Du Blogger? Dann verbreite die Nachricht #Bloggerfuerfluechtlinge ist ein gutes Mittel dafür. Nutze Deine Kanäle, um Menschlichkeit zu verbreiten.

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Danke. Natascha


Schaue doch gerne auch einmal bei mir vorbei auf www.yogascha.de

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Und wenn Du Lust auf deutschsprachige Vernetzung hast, dann tritt doch der Facebook Gruppe Yogalehrer Deutschland Österreich Schweiz bei.

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Tags: Ahimsa, Flüchtlinge, Hass, Mitgefühl, Nazis, Yoga

Kommentar von Paloma am 26. September 2015 um 12:10pm
Oh was ein schöner Artikel! Ich habe mir schon lange gewünscht, dass mal jemand hier aus yogischer Sicht darüber schreibt. Vielen Dank!!!

Kommentar

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